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Lot 601 – 650 | Hesse-Auktionen
Lot 601 – 650

601  Georg Trakl. Die Dichtungen.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausruflimit/Reserve price: € 200

Erste Gesamtausgabe. Leipzig, Kurt Wolff [1917]. Blauer Originalpappband mit Schwarzdruck.

Erste Ausgabe. – Druck in Blau und Schwarz. – Die Titelvignette, eine Leier mit zerrissenen Saiten und einem Palmzweig, entwarf Walter Tiemann. – Karl Röck, der Brenner-Mitarbeiter und enge Freund von Georg Trakl, war nach dem Tod des Dichters für Auswahl und Anordnung dieser ersten Gesamtausgabe verantwortlich (siehe KatNr. 607). – Dazu: Heinz Woester liest Georg Trakl Gedichte. LP. 1959. Amadeo, AVRS 2027. Allerdings mit Stempel auf Cover: »Unverkäufliches Messestück. Zum Abspielen nicht geeignet«.

23 : 16 cm. 201, [7] Seiten. – Rücken stark, Ränder leicht verblasst, innen sehr schönes Exemplar.

Ritzer 1983 2.3/A. – Raabe/Hannich-Bode 304.8. – Göbel 448

602  Georg Trakl. Der Herbst des Einsamen.

Schätzpreis/Estimate: € 800

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

München, Kurt Wolff 1920. Blaugrüner Originalmaroquinband mit Marmorpapiervorsätzen, reicher Deckelvergoldung, goldgeprägtem Rückentitel und Goldschnitt.

Stundenbücher des Kurt Wolff Verlages, Band 1. – Eins von 350 Exemplaren. – Gesetzt aus der Petit Kleukens-Antiqua, Handpressendruck auf Bütten von C. H. Kleukens. – Einbandentwurf von Emil Preetorius. – 1919 gründete Christian Heinrich Kleukens zusammen mit Rudolf G. Binding die »Kleukens-Presse« in Nieder-Ramstadt bei Darmstadt und übernahm bald darauf auch wieder die Leitung der Ernst Ludwig Presse, die der Verleger Kurt Wolff vorübergehend gepachtet hatte. Für ihn wurden innerhalb von drei Jahren die zehn »Stundenbücher« gedruckt. Es finden sich Gedichtbände eigener Autoren (Trakl, Tagore,Jammes, Werfel) neben Texten von Goethe, Eichendorff, Mörike, Hölderlin u. a.

18 :12 cm. [2], 43, [7] Seiten. – Ecken minimal berieben, winzige Schabstelle unten am Vordergelenk.

Ritzer 1983 2.4. – Raabe/Hannich-Bode 304.5. – Göbel 506. – Stürz 27

603  Georg Trakl. Aus goldenem Kelch.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Ausruflimit/Reserve price: € 100

Die Jugenddichtungen. Salzburg/Leipzig, Otto Müller 1939. Blauer Originalleinenband mit Goldprägung und illustriertem Originalschutzumschlag.

Erste Ausgabe bisher unveröffentlichter Texte, darunter vier Prosastücke, das Drama »Blaubart« und viele Gedichten aus den Jahren 1908–1912. – Mit einem Vorwort des Herausgebers Erhard Buschbeck, der die Manuskripte größtenteils von Trakl selbst erhalten hatte. – Dazu: Georg Trakl. Gesang der Abgeschiedenen. Gedichte. Leipzig, Insel [1932]. Originalpappband. Inselbücherei 436. Erste Ausgabe dieser Sammlung. – Georg Trakl. Dichtungen und Briefe. Historisch-kritische Ausgabe. Herausgegeben von Walther Killy und Hans Szklenar. Zwei Bände. Salzburg, Otto Müller 1969. Originalleinenbände mit -schutzumschlag. Erste Werkausgabe.

19 : 12 cm. 157, [3] Seiten.

Ritzer 1983 2.8/A, dazu 2.7/A und 2.23/A. – Raabe/Hannich-Bode 304.9, 6 und 12

604  Georg Trakl. Drei Gedichte.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausruflimit/Reserve price: € 200

In ein altes Stammbuch. De profundis. Nachtlied [I]. Basel, Gryff-Presse 1945. Zwei gefalzte Doppelblätter.

Erste Einzelausgabe dieser Sammlung. – Eins von 110 Exemplaren. – Erster Papillons-Handdruck der Gryff-Presse. – Auf Biberister Papier, gedruckt in Schwarz und Olivgrün. – Die drei Gedichte waren zuerst in »Der Brenner« und 1913 in »Gedichte« abgedruckt worden. – Dazu: Erich Fitzbauer. Im Joch der Leier. Gedichte zu Georg Trakl. Zeichnungen Hans Fronius. Wien, Edition Graphischer Zirkel 1989. Mit fünf ganzseitigen Illustrationen nach Kreidezeichungen. Originalbroschur. Eins von 200 Exemplaren. 34. Publikation der Edition. Vom Verfasser signiert.

30 : 20 cm. [8] Seiten. – Ränder leicht stockfleckig. – Exlibris »Sammlung Schweizer Pressedrucke G. Lott«.

Ritzer 1983 2.10

605  Georg Trakl – Erhard Buschbeck. Georg Trakl.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

Ein Requiem. München, Roland Verlag Dr. Albert Mundt 1921. Originalhalbleinenband.

Erste Ausgabe. – Eins von 450 Exemplaren (Gesamtauflage 500). – Auf Bütten. – Erhard Buschbeck (1889–1960) war ein enger Freund Trakls und publizierte mehrere Bücher über ihn sowie Kritiken seiner Dichtungen. Mit Trakls Schwester Grete hatte er während ihres Salzburg-Aufenthaltes im Sommer 1913 eine kurze und leidenschaftliche Affaire.

23 : 16 cm. 32 Seiten.

Ritzer 1983 4.304 (irrtümlich Verlag Die Schmiede)

606  Georg Trakl – Vier Erinnerungsbücher.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 170

1926–1964.

I. Erinnerung an Georg Trakl. Innsbruck, Brenner 1926. Mit Tafeln und Faksimiles. Originalleinenband. Mit dem Erstdruck des Gedichtes »Melancholie II« und Texten von Karl Kraus, Rilke, Däubler, Karl Röck, Ludwig Ficker u. a. Zwölf Jahre nach dem Tod des Dichters sollte ein Teil des Erlöses der Errichtung eines Grabsteines dienen. – II. Emil Barth. Georg Trakl zum Gedächtnis seines fünfzigsten Geburtstages am 3. Februar 1937. Mainz 1937. Originalpappband mit Pergamentkapitalen und vergoldetem Rückentitel. Eins von 1000 Exemplaren. Druck der Eggebrecht-Presse. Auf Bütten. – III. Martin Heidegger. Georg Trakl. Eine Erörterung seines Gedichtes. [1953]. Privatdruck eines Vortrags, den Heidegger im Oktober 1952 im Kurhaus Bühlerhöhe bei Baden-Baden gehalten hatte. Der Text erschien auch in »Merkur« (Band VII, Heft 3, dort Paginierung 226–258, hier 1–34). – IV. Ludwig von Ficker. Erinnerung an Georg Trakl zum 50. Todestag des Dichters am 4. November 1914/64. Bad Goisern, Neugebauer Press 1964. Originalbroschur mit Seidenleinenumschlag. Handpressendruck, eins von 150 Exemplaren der Vorzugsausgabe. Auszug aus dem Buch von 1926 (hier I.). – Beigaben: Porträtfotografie Georg Trakl (Postkarte, um 1960), Ausstellungsflyer zur Gedächtnisausstellung 1964, drei Originalfotografien (Porträts von Fritz Trakl, dem Bruder des Dichters, sowie dessen Todesanzeige). – Zwei Publikationen über Trakl in japanischer Sprache. 1989.

Ritzer 1983 2.5/A, 4.777 und 4.1161

607  Georg Trakl – Karl Röck. Tagebuch 1891–1946.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausruflimit/Reserve price: € 200

Herausgegeben und erläutert von Christine Kofler. Innsbruck 1975. Drei blaue Leinenbände.

Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades an der Philosophischen Fakultät der Leopold Franzens Universität Innsbruck. Eingereicht bei Eugen Thurnher. – Die Bände 1 und 2 mit Abschrift der in 20 Mappen vorliegenden Tagebücher, Band 3 mit dem Kommentar, u. a. zur Tätigkeit Karl Röcks als Herausgeber der ersten Gesamtausgabe der Dichtungen Georg Trakls. – Der österreichische Schriftsteller Karl Röck (1883–1954) war Mitarbeiter des »Brenner« und gehörte zum engsten Freundeskreis des Dichters. Nach dessen Freitod im Jahr 1914 wurde er mit der Gesamtausgabe von Trakls Dichtungen beauftragt, die 1917 bei Kurt Wolff erschien (siehe KatNr. 601). Die Dissertation liefert aufschlussreiche Informationen zu gescheiterten Editionsplänen Trakls und seines Freundes Buschbeck und zur Konzeption der Werkausgabe.

30 : 22 cm. [3], 683 Blätter (Tagebücher) und XI, [3], 374, [1] Blätter (Kommentar), alles xerokopierte Typoskriptblätter. – Einbände minimal fleckig.

Ritzer 1983 4.1685

609  1914 – 1916. Eine Anthologie.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

Berlin, Die Aktion (Franz Pfemfert) 1916. Weiß-roter Originalpappband mit Vorderdeckelillustration von M. Ales.

Erste Ausgabe der Sammlung. – Die Aktions-Lyrik, Band 1. – Mit Gedichten von Oskar Kanehl, Wilhelm Klemm, Alfred Lichtenstein, Erwin Piscator, Franz Werfel u. a. Von den 21 Aktions-Dichtern waren einige vor und während der Drucklegung im Ersten Weltkrieg gefallen. Nicht nur dies veranlasste den Herausgeber Franz Pfemfert zu seiner »Bemerkung für fremde Leser: Dieses Buch (Verse vom Schlachtfeld), Asyl einer heute obdachlosen Idee, stelle ich wider diese Zeit …«. – Tadellos erhalten.

21 : 14 cm. 121, [7] Seiten.

Raabe 118 (irrtümlich Halbpergament)

610  Maria Benemann. Eigenhändige Manuskripte »Gedichte«.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 330

Ohne Ort und Jahr [Falkensee 1914/15?]. 24 Seiten.

Auf drei einfachen Blättern und 20 gefalzten Doppelblättern, jeweils mit drei bis vier Strophen. Die letzten vier Doppelblätter auf der Außenseite betitelt (Ich hab die Sonne dann hinein gelassen; Und manchmal werd ich leicht in Deinem Lächeln; Dann kam es plötzlich, so, als riefst Du mich; Doch nur ein Kleines wehrte sich mein Herz). – Maria Benemann (1887–1980) hatte 1906 Gerhard Benemann, den Gründer des Horen Verlags geheiratet, der aber bereits 1914 an einer Kriegsverletzung verstarb. In dieser kurzen Phase, bis zur Aufgabe ihres gemeinsamen Hauses in Falkensee bei Berlin, entstanden erste Gedichte. Drei davon erschienen in der expressionistischen Zeitschrift »Die weißen Blätter« (Jahrgang I, Heft 7, März 1914, S. 681–683), weitere 1915 in einem eigenen Gedichtband (Wandlungen, Verlag der weißen Bücher). – In diesen, ihren »glücklichsten Jahren« (Erinnerungen, Hamburg 1978) war sie mit Heinrich Vogeler, den Dichtern Dehmel, Rilke und Werfel sowie dem Architekten Walter Gropius eng befreundet. Nach einem Märchenbuch und einer Novellensammlung (1915 und 1916) erschienen bis zu ihren Lebenserinnerungen keine weiteren Bücher von ihr. Zu ermitteln, ob die Gedichte aus der frühen Schaffensphase stammen oder spätere lyrische Versuche sind, müssen wir der germanistischen Forschung überlassen. – Aus dem Nachlass von Hans Mardersteig (1892–1977). Er war 1919–1921 Mitarbeiter des Kurt Wolff Verlages, dem der Verlag der weißen Bücher organisatorisch angeschlossen war. Dieser Umstand lässt eine frühe Entstehungszeit vermuten.

Lose Blätter in Halbledermappe mit Rückenschild. – Sehr gut erhalten.

Vgl. Göbel Sp. 651 und Bibliographie Nr. 850

611  Carl Ehrenstein. Klagen eines Knaben.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 220

Leipzig, Kurt Wolff 1913. Originalbroschur.

Der Jüngste Tag, Band 6. – Erste Ausgabe. – »Meinem Bruder Albert.« – Unbeschnittenes Archivexemplar des Kurt Wolff Verlags, mit entsprechendem Klebeschild auf dem Innendeckel. – Nicht bei Smolen/Stammerjohann verzeichnete Variante des Erstdruckes ohne die Anzeigenseiten, deren Existenz nur vermutet wird. – Diese seltene Variante dürfte wohl in den meisten Sammlungen fehlen.

22 : 13 cm. 48 Seiten. – Deckel leicht lichtrandig. Rücken und Ränder mit wenigen winzigen Einrissen.

Vgl. Smolen/Stammerjohann 6.1.A. – Raabe/Hannich-Bode 63, 1

612  Franz Kafka. Das Urteil.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 650

Eine Geschichte für Fräulein Felice B. – In: Arkadia. Ein Jahrbuch für Dichtkunst. Herausgegeben von Max Brod. Leipzig, Kurt Wolff 1913. Illustrierter Originalpappband.

Erstdruck der Erzählung. – Abgedruckt auf den Seiten 53–65 des Almanachs. – Franz Kafka schrieb die Geschichte im September 1912 in nur einer Nacht. »Mehrmals in dieser Nacht trug ich mein Gewicht auf dem Rücken. […] Nur so kann geschrieben werden, nur in einem solchen Zusammenhang, mit solcher vollständigen Öffnung des Leibes und der Seele […] Schon während des Entstehens ist die als Durchbruch zum eigentlichen Schreiben erlebte Geschichte […] für Brods Jahrbuch ›Arkadia‹ bestimmt« (zitiert nach Dietz).

25 : 16 cm. – Einband etwas berieben und mit kleinen Stockflecken. – Exlibris vorn und hinten.

Dietz 20. – Raabe, Zeitschriften 102

613  Franz Kafka. Betrachtung.

Schätzpreis/Estimate: € 6000 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 7000

Leipzig, Ernst Rowohlt [1913]. Halblederband mit vergoldetem Rückentitel.

Erste Ausgabe von Kafkas erster Erzählungssammlung. – Gedruckt in einer Auflage von 800 nummerierten Exemplaren, von denen allerdings 1915 noch mehr als die Hälfte unverkauft war. Diese Restauflage erhielt eine neues Titelblatt mit dem Verlagsnamen Kurt Wolff. – Die auf Kafkas Wunsch hin verwendete ungewöhnlich große Schrift bezeichnet der Dichter selbst in einem Brief an seinen Verleger als »wunderschön«. – Gewidmet »Für M[ax] B[rod]«, der bereits an diesem Frühwerk großen Anteil hatte. »Die Kafka wesentliche Reihenfolge der Stücke wird mit Hilfe Brods am Abend des 13. August 1912, der ersten Begegnung mit Felice Bauer, festgelegt und am 14. August das Manuskript durch Brod abgeschickt« (Dietz). – Innen sehr schön.

24 : 16 cm. [8], 99, [1] Seiten. – Deckelränder etwas berieben.

Dietz 27. – Raabe/Hannich-Bode 146.1. – Göbel 91

614  Franz Kafka. Der Heizer.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

Ein Fragment. Zweite Auflage. Leipzig, Kurt Wolff 1916. Originalpappband.

Der jüngste Tag, Band 3. – In der seltenen halbpergamentähnlichen Einbandvariante. – Gegenüber der 1913 erschienenen Fassung leicht verändert. – Der Text bildet das erste Kapitel des später fortgesetzten und erst posthum erschienenen Romans »Amerika«. – Diese zweite Ausgabe ist sicher auf Kafkas Popularität nach Verleihung des Fontane-Preises 1915 zurückzuführen. Sie unterscheidet sich nicht nur durch die Textveränderungen sondern auch typographisch: Entgegen der Erstausgabe nicht in Fraktur sondern einer Antiqua gedruckt, das Titelbild entfiel aus Kostengründen oder aufgrund des Einspruchs Kafkas.

21 : 13 cm. 47, [1] Seiten. – Kapitale leicht angeplatzt. Deckel mit Lichtrand, am Unterrand und hinten kleiner Feuchtigkeitsfleck.

Göbel 133. – Smolen 3.2.B

615  Franz Kafka. Ein Hungerkünstler.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 700

Vier Geschichten. Berlin, Die Schmiede 1924. Originalpappband mit grauem Kleisterpapierbezug und montiertem Deckel- und Rückenschild (Entwurf Georg Salter).

Erste Ausgabe. – Erschienen innerhalb der Reihe »Die Romane des XX. Jahrhunderts«. – Enthält die vier Erzählungen: Erstes Leid; Eine kleine Frau; Ein Hungerkünstler; Josefine, die Sängerin. – Das einzige Buch, das Kafka selbst einem anderen Verleger als Kurt Wolff gab. Nach seinem Weggang aus Prag kam er Ende 1923 durch Ernst Weiß und weitere ihm bekannte Autoren des jüdischen Schmiede-Verlegers Rudolf Leonhard mit diesem in Kontakt. – Der »Hungerkünstler« erschien erst nach Kafkas Tod, man darf aber annehmen, dass er noch alle vier Geschichten selbst korrigiert hat. Die Ausgabe ist deshalb »nur im äußerlichsten Sinne des Wortes als postume Publikation zu bezeichnen« (Ludwig Dietz). – Sehr schönes Exemplar der selteneren Einbandvariante, hier mit faksimiliertem Schutzumschlag.

20 : 14 cm. 85, [3] Seiten.

Dietz 66. – Raabe/Hannich-Bode 146.7. – Holstein, Salter 68 (kennt nur die Leinenausgabe)

616  Franz Kafka. Der Prozess.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 850

Roman. Berlin, Die Schmiede 1925. Originalpappband mit grauem Kleisterpapierbezug und montiertem Deckel- und Rückenschild (Entwurf Georg Salter).

Erste Ausgabe. – Erschienen innerhalb der Reihe »Die Romane des XX. Jahrhunderts«. – Max Brod gab den Text aus dem Nachlass des Dichters und gegen dessen Willen heraus. In dem Nachwort zu »Der Prozess« rechtfertigt der Freund des Dichters sein editorisches Vorgehen. – »Der Prozess« bildet den ersten Teil der sogenannten »Trilogie der Einsamkeit«, die Folgeteile »Das Schloss« und »Amerika« erschienen im Kurt Wolff Verlag in identischer Ausstattung. – Schönes Exemplar der selteneren Einbandvariante, hier mit faksimiliertem Schutzumschlag.

20 : 14 cm. [8], 411, [1] Seiten.

Raabe/Hannich-Bode 146.8

617  Else Lasker-Schüler. Styx.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 450

Gedichte. Berlin, Axel Juncker 1902. Mit einer Titelvignette von Fidus. Originalhalblederband mit rot-goldenem Rückenschild und Marmorpapierdeckelbezügen.

Erste Ausgabe des Erstlings der Dichterin. – »Meinen teuren Eltern zur Weihe«. – 1899 hatte Else Lasker-Schüler Georg Lewin kennengelernt. Nach der Trennung von ihrem erstem Mann, Jonathan Lasker, heiratete sie Lewin und schuf für ihn das Pseudonym »Herwarth Walden«. Walden trug sicher nicht unwesentlich zum Erscheinen dieser Gedichtsammlung bei, war er doch einer der ersten, der neben Karl Kraus die große dichterische Begabung von Else Lasker-Schüler erkannte. – Jedes Gedicht mit einer Zierleiste und einem Zierstück. – Auf fein geripptem Büttenpapier, unbeschnitten. – Sehr schönes Exemplar.

20 : 13 cm. 77, [3] Seiten. – Vorsatzblatt mit Schabstelle.

Raabe/Hannich-Bode 182.1

618  Else Lasker-Schüler. Mein blaues Klavier.

Schätzpreis/Estimate: € 1200 ( R7 )

Ausruflimit/Reserve price: € 1000 ( R7 )

Neue Gedichte. Jerusalem, [Tarsis] 1943. Blauer Originalpappband mit Deckelillustration nach einer Zeichnung der Dichterin.

Erste Ausgabe des letzten zu Lebzeiten der Dichterin erschienenen Werkes. – Eins von 305 Exemplaren (Gesamtauflage 330). – Else Lasker-Schüler hatte sich 1939 endgültig in Jerusalem niedergelassen, dort starb sie Anfang 1945. Ihr Buch widmete sie »Meinen unvergesslichen Freunden und Freundinnen in den Städten Deutschlands – und denen, die wie ich vertrieben und nun zerstreut in der Welt, In Treue!«. Die Einbandillustration betitelte die Dichterin »Prinz Jussuf (E. L. Sch.) – Abschied von den Freunden«.

22,0 : 14,0 cm. 45, [3] Seiten. – Deckel an den Rändern schwach gebräunt. Rücken überklebt. – Gelenke angeplatzt. 1 Seite lose, Bindung etwas gelockert.

Raabe/Hannich-Bode 182.21. – Sternfeld/Tiedemann 196

619  Alfred Wolfenstein. Werke.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 170

Herausgegeben von Hermann Haarmann und Günther Holtz. Erster [bis] Vierter Band. Mainz, Hase & Koehler 1982–1987. Originalleinenbände mit -schutzumschlag.

Die selten angebotene erste Werkausgabe enthält Gedichte, erzählende Dichtungen, Dramen und den Roman »Frank«. – Alfred Wolfensteins (1888–1945) erstes Gedicht erschien 1912 in Pfemferts Zeitschrift »Die Aktion«, deren Mitarbeiter er bis 1917 war. Bekannt geworden ist er als expressionistischer Lyriker, Dramatiker und Übersetzer von Paul Verlaine, Victor Hugo und Emily Brontë. Für die Übersetzungen von Rimbaud erhielt er den ersten deutschen Übersetzerpreis. 1933 musste er Deutschland verlassen, flüchtete über Prag nach Paris. Nach dreimonatiger Haft lebte Wolfenstein im Untergrund und nahm sich 1945 das Leben.

21 : 13 cm. – Rücken schwach gebräunt.

620  Carl Sternheim. Gaugin und Van Gogh.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Berlin, Die Schmiede 1924. Blaugrüner Originalmaroquinband. Titel, Innenkantenfileten, Deckelvignette und Kopfschnitt vergoldet (signiert: Hübel & Denck, Leipzig).

Zweiter Druck der Officina Fabri. – Eins von 10 Exemplaren der Vorzugsausgabe A in Ganzleder (Gesamtauflage 150). – Im Druckvermerk vom Autor signiert. – Gedruckt auf Japan. – Mit dem von Georg Salter gestalteten Verlagssignet. – Selten.

35 : 25 cm. 72, [4] Seiten. – Einband fleckig.

Raabe/Hannich-Bode 291, 42

621  Albert C. Barnes und Violette de Mazia. The Art of Renoir.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausruflimit/Reserve price: € 260

With a foreword by John Dewey. New York, Balch 1935. Mit 158 ganzseitigen Abbildungen. Originalleinenband. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Mit eigenhändiger Widmung »To Hanns Swarzenski from his friend Albert Barnes | Merion 11 Oct 1936« auf dem Vorsatzblatt und einem eigenhändigen Brief von Barnes an Swarzenski vom 8. Oktober 1936. Barnes schreibt in deutscher Sprache »Warum Hotel Rittenhouse? Es wäre viel besser bei uns. Kommen Sie Samstag gegen 5 Uhr nachmittags, schlafen ruhig in unserer Wohnung, stehen bald auf Sonntag und die Bilder den Ganzen Tag ansehen. Keine Nachricht nöthig – kommen! Ihre Barnes«. – Albert C. Barnes (1872–1951) war ein erfolgreicher Mediziner und Pharmazeut. Mit seinem so erwirtschafteten Vermögen begann Barnes bereits 1912 in Europa Meisterwerke der modernen Kunst zu kaufen. 1923 stellte er 75 Gemälde seiner Sammlung in der Pennsylvania Academy of Fine Arts aus. Diese Präsentation wurde von Kritikern verrissen und vom Publikum nicht ernst genommen. Barnes gründete daraufhin die Barnes Foundation und wachte nun persönlich darüber, wer Zutritt zu seiner Kunstsammlung erhielt. In den 1930er Jahren publizierte er mehrere Monographien zu französischen Malern. – Hanns Swarzenski wurde als Sohn des damaligen Städel-Direktors in Frankfurt geboren. Er studierte in Freiburg, Berlin, Harvard und Florenz und emigrierte 1938 in die USA. Swarzenski zählte zu den wichtigsten Museumsdirektoren der Nachkriegszeit.

24 : 16 cm. 515, [1] Seiten, 1 Porträt.

622  NG.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 1000

Heft 1. Veröffentlichung der Novembergruppe. Herausgegeben von H[ans] S[iebert] von Heister & R[aoul] Hausmann. Hannover, Paul Steegemann 1921. Mit einem Holzschnitt von Otto Möller, vier Linolschnittvignetten von K. H. Rosenberg sowie 17 blattgroßen Abbildungen. Originalbroschur mit Holzschnitt von Hannah Höch.

Erste und einzige Ausgabe, mehr nicht erschienen. – Abgebildet sind Kunstwerke von Georg Tappert, Oswald Herzog, Arthur Segall u. a. Mit programmatischen Texten der Herausgeber sowie von Samuel Friedländer, Hannah Höch u. a. – Die Novembergruppe wurde im Dezember 1918 in Berlin gegründet. Den Gründungsaufruf unterzeichneten Otto Dix, George Grosz, Raoul Hausmann, John Heartfield, Hannah Höch, Rudolf Schlichter und Georg Scholz. Der Künstlervereinigung gehörten mehr als 100 Maler, Bildhauer, Architekten, Regisseure, Musiker und Dichter an. 1933 wurde sie von den Nationalsozialisten verboten. – Das Projekt einer eigenen Zeitschrift und ein geplantes Mappenwerk scheiterten bereits in den frühen Jahren. – Sehr selten.

28 : 22 cm. 48 Seiten. – Umschlagecken minimal geknickt.

Meyer 57. – Nicht bei Raabe, Zeitschriften und nicht bei Söhn HDOG

623  Ganymed.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausruflimit/Reserve price: € 200

Jahrbuch für die Kunst. Herausgegeben von Julius Meyer-Graefe und Wilhelm Hausenstein. Dritter Band. München, R. Piper, Verlag der Marées-Gesellschaft 1921. Mit drei Radierungen und drei Lithographien sowie 60 Lichtdrucktafeln. Originalhalbleinenband.

Eins von 750 unnummerierten Exemplaren (Gesamtauflage 1150). – Mit den Radierungen von Max Beckmann (Bildnis Dostojewskis; Hofmaier 187 Bb), Rudolf Großmann (Der alte Gärtner) und Adolf Schinnerer (Der Kinderhirte) und den Lithographien von René Beeh (Der Bettler), Karl Hofer (Tänzerin, Rathenau 169) und Alfred Kubin (Jeremias, Raabe 142) sowie Lichtdrucktafeln nach Werken von Max Beckmann (zu Benno Reifenbergs Beckmann-Artikel), Botticelli, Paul Klee, Rembrandt und anderen. – Texte von Alfred Döblin, Heinrich Mann, Alfred Einstein und anderen.

28 : 21 cm. VII, [1], 208, [8] Seiten, 6 Graphiken. – Deckelränder gebräunt, Rücken verblasst.

Söhn HDOG 113. – Jentsch, Expressionismus 74. – Rodenberg 318

624  Rudolf von Laban. Teufelswalzer.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 2800

Bühnenbild mit Figurinen. Collage. 30 : 43 cm. Signiert.

Aus verschiedenfarbigen, teils aquarellierten Papieren sowie Goldpapier. – Auf Pappe montiert, rückseitig mit altem Aufkleber mit Künstlernamen, Titel und »Dürerbund. Nürnberg. Preis 1600 Mark«. – Geschenk des Künstlers, seitdem in rheinländischem Familienbesitz.

Rudolf von Laban (1879–1958) arbeitete in Wien und später in München als Tanzlehrer und zunächst zusätzlich auch als Karikaturist und Graphiker, zum Beispiel für »Jugend« und »Simplicissimus«. In der Nähe von Ascona gründete er 1913 eine Sommerfiliale seiner Münchner Tanzschule, im Frühjahr 1916 eröffnete er in Zürich eine »Schule des freien Tanzes«. Bereits im April suchten die Zürcher Dadaisten Kontakt zu Laban, der auf der Hauptprobe der 1. Dada-Soirée anwesend war und im Frühjahr und Sommer 1916 erste Tanz- und Maskenspiele veranstaltete. »Im ›Cabaret Voltaire‹ und vor allem in der ›Galerie Dada‹ kam es durch das Zusammentreffen von Dada- und Laban-Kreis […] zur Inszenierung des Kubismus. […] ›Dada Zürich‹ wurde jetzt zum Sammelpunkt der Avantgarde. Die Aktivitäten der Laban-Schule im Dada-Kreis, das Interesse der Dadaisten an der Laban-Schule sind mithin ein Beispiel für diese Konzentrierung der avantgardistischen Strömungen in Dada. […] In diesem Sinne blieb die Laban-Schule mit Dada in einem produktiven Dialog.« (Raimund Mayer in: Dada in Zürich, 1985/94, S. 42f.) Katja Wulff erinnerte sich in dem Gespräch mit Raimund Meyer an die gemeinsamen Feste mit Arp, dessen Ehefrau Sophie Taeuber-Arp, Mary Wigman und Rudolf von Laban. Anlässlich eines Kostümfests bei Mary Wigman sollen erstmals Dichtungen von Arp rezitiert worden sein. Bis 1919 unterrichtete Laban in Zürich, noch im Mai äußert er sich auf einem Plakat zu einer Mary Wigman-Aufführung und verlässt danach die Stadt etwa zur gleichen Zeit wie die Tänzerin. 1920 veröffentlichte er im Stuttgarter Seifert Verlag »Die Welt des Tänzers« (mit farbiger Abbildung der Collage »Teufelswalzer«, vgl. Dada global 278). Auch in Hamburg gründete Laban 1923 eine Tanz-Schule bevor er sich für die Folgejahre in Berlin niederließ. Dort erschienen 1927 einige seiner Texte zum Tanztheater in Waldens »Sturm«. Von 1930 bis 1934 leitete Laban das Ballett der Deutschen Staatsoper in Berlin, 1937 floh er vor den Nationalsozialisten nach Manchester und gründete in der Nähe von London nochmals ein Bewegungsstudio. – Laban hatte schon frühzeitig begonnen, sich wissenschaftlich mit Bewegung in all ihren Facetten zu befassen. Die von ihm entwickelte »Laban-Notation«, die es ermöglicht, Bewegung in Struktur und Ausdruck detailliert zu analysieren, wurde ein einmaliges Handwerkszeug für Lehrer, Therapeuten und Tanzwissenschaftler sowie für Tänzer, Choreographen, Schauspieler und Musiker.

Minimale Alterungsspuren, unten links kleine Verfärbung.

625  Rudolf von Laban. Tanzdichtung: »Die Schwalben«.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 2200

Bühnenbild mit Figurinen. Collage. 30 : 43 cm. Signiert.

Aus verschiedenfarbigen, teils aquarellierten Papieren sowie Goldpapier. – Auf Pappe montiert, rückseitig mit altem Aufkleber mit Künstlernamen und Titel, Rest unleserlich. – Geschenk des Künstlers, seitdem in rheinländischem Familienbesitz.

Etwas verblasst, leichte Leimschatten, linker Rand mit Feuchtigkeitsspuren.

626  Rudolf von Laban. Aus der Pantomime »Spielmann«.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 3000

Bühnenbild mit Figurine. Collage. 30 : 43 cm. Signiert.

Aus verschiedenfarbigen, teils aquarellierten Papieren sowie Goldpapier. – Auf Pappe montiert, rückseitig mit altem Aufkleber mit Künstlernamen, Titel und »Dürerbund. Nürnberg. Preis 1500 Mark«. – Geschenk des Künstlers, seitdem in rheinländischem Familienbesitz.

Minimale Bereibungen, Oberrand minimal stockfleckig.

627  Rudolf von Laban. Figurinen.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Zuschlag/Hammerprice: € 4800

Zwei Collagen. Wohl um 1917. 33 : 30 cm bzw. 36 : 28 cm. Beide signiert.

Aus verschiedenfarbigen und teils aquarellierten Papieren, teils auch dünnem Japan. – Beide auf Pappe montiert. – II: Rückseitig mit altem handschriftlichem Aufkleber »VIII Kostümentwurf | Rudolf v. Laban | Dürerbund. Nbg. | Preis 800 Mark«. – Geschenk des Künstlers, seitdem in rheinländischem Familienbesitz.

I mit leichten Feuchtigkeitsspuren an den Seitenrändern. – II minimal lichtrandig.

628  A. A. Ianov. Teatralnaja dekoracia.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Prakticeskoe rukovodstvo (russisch: Theaterdekoration. Eine praktische Einführung). Leningrad, Blago 1926. Mit zwei Farbtafeln und zahlreichen Abbildungen. Originalhalbleinenband mit farbig lithographierter Vorderdeckelillustration.

Seltene Originalausgabe mit Bildbeispielen aus dem traditionellen wie avantgardistischen Theater, darunter auch Bühnenbilder von Eduard Sturm, Düsseldorf, Ernst Stern, München, Eduard Johns, New York, u. a.

28 : 20 cm. 60 Seiten, 2 Tafeln. – Kanten bestoßen, untere Ecke des Hinterdeckels abgebrochen. – Besitzvermerke, leicht fleckig.

629  Jean Hugo – Jean Cocteau. Roméo et Juliette.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Ausruflimit/Reserve price: € 400

Prétexte a mise en scène, d’après le drame de William Shakespeare. Décors et costumes de Jean Hugo. Paris, Au sans pareil 1926. Mit 20 kolorierten Holzschnitten nach Jean Hugo, davon zwölf auf Tafeln und acht im Text, sowie einem weiteren als Titelvignette und auf der Chemise. Originalumschlag in Chemise.

Erste Ausgabe. – Eins von 350 Exemplaren auf Velin Montgolfier d’Annonay (Gesamtauflage 432). – Schönes Art-Déco-Buch mit zwölf großen Figurinen und acht Bühnenbildern in Holzschnitt und zartem Kolorit. Die prachtvollen Illustrationen schnitt Valentine Hugo in Weißlinienmanier in Holz. Die Kolorierung erfolgte unter Aufsicht des Künstlers. – Nachdem Valentine Hugo 1909 Aufführungen der Ballets Russes gesehen hatte, entwarf sie Ballettskizzen. Kurz nach einer Ausstellung dieser Zeichnungen anlässlich der Uraufführung von Strawinskys »Le Sacre du Printemps« lernte sie Cocteau, Satie und de Fresnaye kennen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann entwarf sie bereits 1921 die Kostüme zu Cocteaus »Mariés de la Tour Eiffel«. 1924 folgten die Entwürfe für Cocteaus Shakespeare-Adaption, die in der Vertonung von Roger Desormière im »Cigale« uraufgeführt wurde. – Beilage: Ein Holzschnitt aus dem Buch, bezeichnet (signiert?) »Jean et Valentine HUGO | épreuve d’état«.

33 : 25 cm. [10], 100, [8] Seiten, 12 Holzschnitte. – Ränder teils leicht gebräunt und minimal stockfleckig.

Monod 2932

630  Art Déco – Mannequins Siégel, Paris.

Schätzpreis/Estimate: € 450 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 750

Édité sous la direction de Cosette-Lucien Vogel, avec la collaboration d’ André Vigneau. Photographies sont du Baron Hoyningen-Huené. Paris, Condé Nast Publications 1928. Mit 19 ganzseitigen Heliogravüren nach Fotografien. Silberdeckel mit Goldprägung, Spiralbindung.

Originalausgabe, entstanden in Zusammenarbeit mit den Modedesignern der Zeitschrift »Vogue«. – Die reizende Art déco-Publikation präsentiert Modellpuppen der Firma Siégel, ausstaffiert mit Kleidern, Hüten und Schmuck von Boucheron, Lucien Lelong, Van Cleef et Arpels u. v. a. Die Modelle wurden von George Hoyningen-Huené (1900–1968) fotografiert, der zu den bedeutendsten Modefotografen der 1920er Jahre zählte. Die Siegél-»Mannequins« waren damals in den führenden »haute couture«-Salons zu bewundern.

32 : 25 cm. [28] Seiten. – Die Silberdeckel etwas fleckig, Vergoldung verblasst.

631  Hans Arp. 1924 · 1925 · 1926 · 1943.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausruflimit/Reserve price: € 300

Bern, Benteli 1944. Mit einer ganzseitigen Illustration nach einer Zeichnung von Sophie Taeuber-Arp. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Eins von 250 Exemplaren. – Nach der Typographie von Jan Tschichold gedruckt. – Tadellos schönes Exemplar. – Selten.

24 : 16 cm. [32] Seiten.

Hagenbach A 14

632  Hans Arp. Elemente.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 1000

Holzschnitte. Entwürfe aus dem Jahre 1920. Zürich 1950. Mit zehn Holzschnitten, davon vier farbig, einer signiert. Lose Doppelblätterin Originalhalbpergamentchemise und Schuber.

2. Stubendruck. – Eins von 200 signierten Exemplaren, weitere 30 römisch nummerierte waren nicht für den Handel bestimmt. – Die Entwürfe der Holzschnitte entstanden 1920, geschnitten und handgedruckt wurden sie aber erst 1949. – Auf Bütten.

30 : 21 cm. [40] Seiten.

Hagenbach A 21

633  Ernst Barlach – [Johann Wolfgang von] Goethe. Walpurgisnacht

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 350

mit 20 Holzschnitten von Ernst Barlach. Berlin, Paul Cassirer 1923. Mit 20 Holzschnitten im Text, sieben davon blattgroß. Originalschweinslederband (Aber, Berlin).

Eins von 120 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Zandersbütten, jedoch ohne die Extrasuite der Holzschnitte auf Japan. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Die Holzschnitte wurden auf der Pan-Presse gedruckt. – Der ehemals schöne Einband inzwischen leider »kaputt gepflegt«. – »Der Walpurgisnacht, für die ich Materiel gesammelt, bin ich gram geworden, da ist zu viel Romantik, als daß ich einer Arbeit, die so viel Umstand und Zeit kostet, über viele Monate gewogen bleiben könnte. Sollte doch noch etwas daraus werden, so müßte es in Folge eindringlichen und zwingenden Zuspruchs sein« (Brief an Reinhard Piper 1920, zitiert nach Feichenfeldt/Brandis, S. 176).

33 : 25 cm. 49, [3] Seiten. – Einband fleckig, Gelenke oben und unten eingerissen. Ränder berieben, hinterer Deckel mit Schabstelle. – Innengelenke gebrochen. Vorsatzblatt mit Besitzvermerk.

Schult II, 203–206 und 208–223. – Schauer II, 116. – Feilchenfeldt/Brandis 70.0.A2.1

634  Max Beckmann – Stadtnacht.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Zuschlag/Hammerprice: € 1400

Sieben Lithographien von Max Beckmann zu Gedichten von Lili von Braunbehrens. München, Piper 1921. Mit sieben Lithographien, einschließlich der Titellithographie. Originalhalbleinenband mit Buntpapierdeckelbezügen.

Eins von 100 römisch nummerierten Vorzugsexemplaren (Gesamtauflage 600), leider aber ohne die im Druckvermerk angekündigte Extrasuite auf Japan. – Im Druckvermerk von Beckmann signiert. – Lili, die damals zwanzigjährige Tochter des Major von Braunbehrens, hatte Beckmann 1915 bei dessen Frankfurter Freunden, dem Ehepaar Battenberg kennen gelernt. Nach seinem Nervenzusammenbruch, in dessen Folge Braunbehrens die Entlassung Beckmanns aus dem Militärdienst erwirkt hatte, lebte dieser vier Jahre bei der Künstlerfamilie in Frankfurt. – »Die meisten dieser Stadtnacht-Lithografien haben etwas von der gefährlichen Lemurenatmosphäre der damaligen Großstadtunterwelt. Beckmann ist mit solchen Blättern in der Nachbarschaft von Grosz und Dix, obgleich ihm deren distanzierende Kälte fremd war […] Der gemäßigte Expressionismus der Dichterin wird vom Illustrator in einen Verismus übertragen, dem starke sozialkritische Impulse innewohnen.« (Lang, Expressionistische Buchillustration, S. 53/54).

28 : 23 cm. 47, [5] Seiten.

Hofmaier 164–170. – Jentsch 108. – Garvey 21

635  Josef Eberz – [Charles] Baudelaire. Poèmes choisis.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausruflimit/Reserve price: € 260

Avec eaux-fortes de J. Eberz. München, O. C. Recht [1922]. Mit sechs Radierungen, davon eine signiert, sowie 15 radierten Vignetten in dem gestochenen Text. Originalpappband mit fünf Aquarellen auf Vorderdeckel und Vorsätzen.

Eins der 100 Exemplare auf Bütten mit der signierten ersten Radierung (Gesamtauflage 200). – Druck aller Radierungen von insgesamt 34 nur leicht verstählten Platten. – Einband und Vorsatzpapiere mit farbig und in Goldbronze aquarellierten Vignetten des Künstlers.

25 : 20 cm. 28, [4] Seiten. 6 Radierungen. – Deckelbezug wie meist etwas gebräunt. Kapitale leicht bestoßen.

Sennewald 22,1

636  George Grosz – Richard Huelsenbeck. Doctor Billig am Ende.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausruflimit/Reserve price: € 170

Ein Roman. Mit acht Zeichnungen von George Grosz. München, Kurt Wolff 1921. Mit acht ganzseitigen Illustrationen. Blauer Originalhalbleinenband mit roten Deckeln, blau-goldener Vignette und vergoldetem Rückentitel.

Erste Ausgabe. – Richard Huelsenbeck (1892–1974) gehörte mit Tristan Tzara, Hugo Ball und Hans Arp zur Gruppe der Zürcher Dadaisten. 1917 schuf er mit Raoul Hausmann eine Berliner Dada-Gruppe. – Sein Roman von Doctor Billig spielt im Berlin der Nachkriegszeit. Neben Kriegsgewinnlern und Schiebern bewegt Billig sich zunehmend selbstbefreit als »wildgewordener Spießer«. – So gut erhaltene Exemplare sind sehr selten geworden.

25 : 19 cm. 128, [4] Seiten. – Deckel mit kleinen (Wasser?)-Flecken.

Lang, Grosz 17. – Raabe/Hannich-Bode 132.10. – Göbel 532

637  George Grosz. Ecce homo.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 1500

Berlin, Malik 1923. Mit 100 Tafeln, davon 16 farbig. Illustrierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Exemplar der Ausgabe C mit allen 100 Tafeln, auf Bütten und in Büttenkartonbroschur. – »Ecce Homo« ist das erste große Sammelwerk des Künstlers, fertiggestellt wohl Ende 1922 und um den Jahreswechsel ausgeliefert. 1923 wurden Grosz und die Verleger Gumpert und Herzfelde vom Generalstaatsanwalt beim Berliner Landgericht angeklagt, »unzüchtige Abbildungen und Darstellungen feilgehalten […] zu haben«, 23 Blätter wurden konfisziert.

36 : 26 cm. [3] Blätter, 84 Tafeln. – Der Büttenkartonumschlag wie meist leicht stockfleckig. – Vorsatzblätter und einige Seiten leicht stockfleckig.

Dückers S I C. – Lang, Grosz 38. – Hermann 155. – Lang, Expressionismus 38

638  George Grosz. Prostitutionens Profeter.

Schätzpreis/Estimate: € 3000

Zuschlag/Hammerprice: € 4200

[Kopenhagen], Det Ny Studentersamfunds Forlag [1924]. Mit 24 ganzseitigen Illustrationen nach Zeichnungen von George Grosz. Illustrierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe dieser Auswahl. – Copyright Malik Verlag 1924. – Sehr selten, da wohl nur in kleiner Auflage gedruckt und dann zum Großteil vernichtet. – Der Umschlag mit dem Untertitel »Moralsatiriske G-G-ÆTS-Tegninger«. Als Vorwort diente die dänische Übersetzung von George Grosz’ »Der Mensch ist nicht gut – sondern ein Vieh«. – Die Ausgabe für die Leser in Dänemark entstand in dem für Grosz und den Malik-Verleger Wieland Herzfelde brisanten Jahr 1924. Nachdem »Ecce Homo« 1923 beschlagnahmt worden war und die vorliegende Sammlung auch Zeichnungen aus dieser Folge enthielt, wollte man versuchen, damit zumindest im Ausland einige Verkaufserfolge zu erzielen. Jedoch waren auch die dänischen Behörden wachsam: Durch die dortige Post wurde die Sendung zum größten Teil abgefangen und vernichtet. Nach einem Hinweis von Kjeld Bülow, dem dänischen Grosz-Bibliographen, wurde zudem bei den meisten der wenigen geretteten Exemplare der als »pornographisch« beanstandete Umschlag und das Titelblatt entfernt, so dass kein Hinweis mehr auf den Verlag des Studentenbundes zu finden war. – Die in diesem Band enthaltenen Zeichnungen sind laut Frank Hermanns Untersuchung in dieser Zusammenstellung nie wieder erschienen.

25 : 19 cm. 30, [2] Seiten. – Umschlagränder leicht gebräunt, Rückenfalz unten etwa 3 cm eingerissen. – Vereinzelte Blätter leicht gebräunt, ein Doppelblatt gelockert.

Hermann 171. – Bülow 64. – Nicht bei Dückers, Lang und in der Malik-Bibliographie

639  George Grosz – Georg Grosz und Wieland Herzfelde. Die Kunst ist in Gefahr.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

Drei Aufsätze. Berlin, Malik 1925. Mit zwei Illustrationen von George Grosz. Originalpappband mit Titelzeichnung in Schwarz und Gelb von George Grosz.

Malik-Bücherei, Band 3. – Erste Ausgabe. – Eins der Exemplare mit den beiden Grosz-Zeichnungen auf den Seiten 38 und 45; bei einem Großteil der Auflage blieb der dritte Bogen rückseitig unbedruckt. – Der Hintergrund des titelgebenden Aufsatzes war die sogenannte »Kunstlumpen-Debatte«, eine theoretische Auseinandersetzung zwischen Künstlern und Intellektuellen nach der Novemberrevolution. – Dazu: George Grosz. Über alles die Liebe. 60 neue Zeichnungen. Berlin, Bruno Cassirer 1930. Originalleinenband. Rücken leicht verblasst.

18 : 12 cm. 45, [3] Seiten. – Rücken gebräunt, Deckelränder etwas stockfleckig.

Lang 43 und 56. – Hermann 167. – Gittig 128

640  George Grosz. Der Spiesser-Spiegel.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 150

60 Berliner Bilder nach Zeichnungen mit einer Selbstdarstellung des Künstlers. Dresden, Carl Reissner 1926. Mit 60 Tafeln. Originalleinenband mit vergoldeten Titeln.

Erste Ausgabe. – Neben der Selbstauskunft Grosz’ mit einem Vorwort »Der Spiesserbiologe« von Walter Mehring. – »Es ist wahr, das Leben wäre sinnlos und zwecklos, wenn es nicht den einen Sinn hätte, den Kampf gegen die Dummheit und willkürliche Brutalität der heutigen Machthaber.« (Georg Grosz in seinem Vorwort). – Dazu: George Grosz. Über alles die Liebe. 60 neue Zeichnungen. Berlin, Bruno Cassirer 1930. Mit 60 Tafeln. Originalbroschur.

26 : 19 cm. 14, [2] Seiten, 60 Tafeln. – Rücken verfärbt.

Lang, Grosz 44 und 39

641  George Grosz. Interregnum.

Schätzpreis/Estimate: € 3000

Zuschlag/Hammerprice: € 6000

Introductory comment by John Dos Passos. New York, Black Sun Press 1936. Mit einer signierten Farblithographie und 64 Photolithographien nach Zeichnungen. In roter Originalhalbleinenkassette mit Holzfurnierdeckelbezug, Vorderdeckel mit farbiger Illustration.

Originalausgabe. – Auf Velin »BFK Rives«. – Exemplar »J«, eines der im Druckvermerk genannten 20 Exemplare »hors commerce«, mit eingedrucktem Namen des Empfängers Archibald MacLeish. Alexander Dückers nennt nach Grosz’ Unterlagen und den finanziellen Problemen beim Druck eine Auflage von etwas mehr als 40 Exemplaren, entgegen dem Druckvermerk, der 280 nummerierte und 20 mit Buchstaben bezeichnete Exemplare zählt. – Herausgegeben von Caresse Crosby. – Die Farblithographie »The Muckraker«, der Gestalt des »Entlarvers« mit stark selbstporträthaften Zügen, wurde von Grosz gedruckt und die Steine danach zerstört. Die 64 Zeichnungen photolithographisch reproduziert, laut Druckvermerk »hand-printed from the originals by George C. Miller«. Hier ohne die typographische Nummerierung am Unterrand, rückseitig typographisch betitelt. – Für das Vorwort war zunächst Ernest Hemingway vorgesehen, den Grosz aber nicht erreichte. Im Januar 1936 fiel die Entscheidung dann auf Dos Passos, der »zusammen mit dem Künstler auch die Titel der Einzelblätter auswählte« (Dückers). – Nach »Ecce homo« waren etwa zwölf Jahre vergangen. Diese frühere Folge galt der Aufarbeitung der Kriegszeiten von 1914–1918 und den Zuständen in der Weimarer Republik. »Mit dem ›Interregnum‹, der Zwischenherrschaft der Gesetzlosigkeit, ist das III. Reich gemeint. Der Titel des Sammelwerks, der eines versöhnlichen, immerhin auch ein Ende des Schrecken verheißenden Aspekts nicht entbehrt, ist verglichen mit Groszens Zeichnungen nahezu euphemistisch zu nennen. Grosz setzt dagegen seine apokalyptische Sicht der Zeitläufte mit den beiden Schlußblättern ›Kein Ende in Sicht‹ [No Let-up] – ›Finis‹.« (Alexander Dückers). – Als Titelillustration der Mappe dient ein Brustbild Hitlers mit erhobener Hand. – Der Empfänger dieses Künstlerexemplars, Archibald MacLeish (1892–1982), war Rechtsanwalt, Schriftsteller und zeitweise für das US-Verteidigungsministerium tätig. In den 1930er Jahren engagierte er sich u. a. als Herausgeber der Zeitschrift »Fortune«, gegen faschistische Tendenzen in den USA.

42 : 30 cm. [2], 19, [1] Seiten, 1 Textblatt, 65 Lithographien. – Leinenrücken mit leichten Wasserflecken, Deckelecken leicht bestoßen. – Innen makellos.

Dückers S II, 1–64 (bezeichnet die Exemplare »hors commerce« als »Vorzugsausgabe« und verzeichnet ein Exemplar »J« in der Bernard Reis Collection, New York). – Lang, Grosz 70

642  George Grosz. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift, an Bernard J. Reis und dessen Ehefrau Becky.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 850

New York, Douglaston Manor, September 1938. Eine Seite.

Schöner inhaltsreicher Brief an das befreundete Ehepaar. – »Dear Bernard & Beckie, it was so nice yesterday to have you out here – and how we ventilated the european situation – now it seems as I saw today in the papers that Engl. & France gave Hitlerman a free hand – too sad! – Here a little ›broschüre‹ You can see, even if I ›quit‹ – there are some little Grozzes around anyhow ›to carry on the tradition‹. As ever love to you both yours George Grosz«. – Welches Buch Grosz mit dem Brief übersandte, bleibt unklar. Dahingegen fällt auf, dass wir aus gleichem Vorbesitz wie diesen Brief ein Exemplar von Grosz’ »Interregnum« anbieten, bei dem es sich mit Sicherheit um das aus der Sammlung Bernard und Becky Reis handelt (Exemplar »J«, siehe Dückers). – Der New Yorker Steuerberater und seine Frau hatten »sich 1925 mit dem Bildhauer Jacques Lipschitz angefreundet, und seither waren Bernard J. Reis’ Klienten fast ausschließlich Künstler. […] Bernard und Becky Reis waren für die Partys bekannt, die sie in ihrem Stadthaus in der East 68th Street gaben und bei denen sich so etwas wie ein repräsentativer Querschnitt der New-Yorker Kunstszene traf« (Mary V. Dearborn, in: Ich bereue nichts! Biographie Peggy Guggenheim. 2005). – Mit Eingangsdatum »Sept 27 / 38«, also noch kurz vor Unterzeichnung des Münchner Abkommens, auf das Grosz anspielt.

643  George Grosz. Maschinengeschriebener Brief mit Unterschrift und eigenhändiger Nachbemerkung.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 330

Ohne Ort, wohl New York, 19. Oktober 1938. Eine Seite.

An den Freund, Kunstsammler und Mäzen Bernard Reis. – »… this letter is in behalf of a very old friend of mine: John Heartfield (Hellmuth Herzfelde) he was quite known in Europa in left circles … he is the inventor of that field of propaganda-art ›the political photomontage‹. Just now he has an exhibition at the R.C.A. gallery in New York … maybe you cvan manage to go there and have a look […] Now coming to my story, his case is this: he is and always has been an ardent opponent against Hitler … he escaped under very difficult circumstances from Berlin-Germany after Hitlerman came into power … ever since he lived in Prague Czech.« – Grosz schildert die Gefahren, in denen Heartfield nun, nach dem de-facto-Anschluss der Tschechoslowakei lebte. Er bittet Reis um Ratschläge, Empfehlungen und mögliche Aufträge für seinen Freund, der dann das amerikanische Konsulat aufsuchen könnte. »I know it is very hard nowadays to find an opportunity […] But such an document mayx give him a little protection in case they are going to send back the political opponents of Hitler.« – In der Nachbemerkung fragt Grosz, ob eventuell Arthur Garfield Hayer etwas tun könne, und schließt mit der – die McCarthy-Ära vorausahnenden – Bemerkung: »The difficulty is, H. is known overthere as an communist – thats makes things more difficult today«. – John Heartfield gelang 1938 in letzter Minute die Flucht aus Prag, allerdings lebte er bis zu seiner Rückkehr nach Ost-Berlin in London.

Papierbedingt gebräunt, mit Faltspuren und einigen Randausrissen (ohne Textverlust).

644  George Grosz. Drawings. – 30 Drawings & Watercolors.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

New York, H. Bittner bzw. Erich S. Herrmann 1944. Mit 52 bzw. 33 Tafeln, davon einige farbig. Originalleinenband mit -schutzumschlag und illustrierte Originalringbuchbroschur.

I. Mit Einleitung von Georg Grosz, Abbildungen von 49 Zeichnungen und drei Aquarellen, überwiegend in den USA entstandene Arbeiten. – II. Mit einem Vorwort von Walter Mehring. Abbildungen von 29 Zeichnungen und vier Aquarellen, teils frühere Arbeiten, teils in den USA entstandene. – Beide bezeichnet Lothar Lang als »Grosz-Bilderbücher«. – Dazu: A piece of my world in a world without peace. George Grosz 1914–1946. Ausstellungskatalog der New York Galleries of Associated American Artists. Mit Beiträgen von George Grosz, Wieland Herzfelde, Pegeen Sullivan und Ben Hecht sowie der Liste der Exponate und einer Bibliographie. Sehr selten.

32 : 24 cm. – Umschlagränder leicht gebräunt, Rücken des Schutzumschlages von I mit Einrissen.

Lang, Grosz 76 und 77

645  George Grosz – Drei Werke.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausruflimit/Reserve price: € 170

1921–1944.

I. Das Gesicht der herrschenden Klasse. 57 politische Zeichnungen von George Grosz. 3., erweiterte Auflage. Berlin, Malik 1921. Illustrierte Originalbroschur. Kleine revolutionäre Bibliothek, Band IV. Um zwei Zeichnungen erweitert und mit neuer Umschlagzeichnung. – II: Mynona. George Grosz. Mit siebenunddreißig Netzätzungen. Dresden, Kaemmerer 1922. Illustrierter Originalhalbleinenband. Künstler der Gegenwart, Dritter Band. – III: 30 Drawings & Watercolors. New York, Herrmann 1944. Illustrierte Originalbroschur mit Spiralbindung.

I. 25 : 17 cm. 63, [1] Seiten. – II. 25 : 19 cm. 96, [4] Seiten. – III. 32 : 25 cm. 33 Blätter. – Deckel von III mit Gebrauchsspuren.

Lang, Grosz 25 Anmerkung und 77 (II nicht verzeichnet)

646  Erich Heckel.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausruflimit/Reserve price: € 170

Graphik der Gegenwart Band 1. Berlin, Euphorion Verlag 1931. Mit Holzschnitt-Frontispiz und -Vignette, zwei farbigen Holzschnitt-Vorsätzen und farbigem Einbandholzschnitt sowie 48 Abbildungen. Originalpappband.

Erste Ausgabe der ersten Monographie. – Es wurden, unter Beteiligung des Künstlers, Arbeiten aus den Jahren 1907 bis 1928 ausgewählt, mit denen »eine kontinuierliche Entwicklung seiner Graphik vom Anbeginn seines Schaffens« gezeigt werden konnte (Jentsch). – Die beiden bekannten Farbholzschnitte »Zirkus« und »Tanzende Matrosen« wurden für die Vorsätze verwendet, die Werkstattszene und das Künstlerporträt mit dem Holzschneidemesser für den Einband, die Schwimmbadszene »Stadion« als Frontispiz. Zudem eine Vignette mit dem Monogramm »EH«. – Mit Kurzbiographie und Literaturverzeichnis.

24 : 15 cm. [60] Seiten. – Deckelränder etwas gebräunt, innen sehr schön.

Jentsch 166. – Dube 348–352

647  Hermann-Paul. La danse macabre.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausruflimit/Reserve price: € 200

Vingt gravures sur bois. Paris, Léon Pichon 1919. Mit 20 blattgroße Holzschnitten. Originalbroschur mit Deckelvignette.

Erste und einzige Ausgabe des expressionistischen Totentanzes. – Eins von 420 Exemplaren auf Bütten »Ingres-Guarro« (Gesamtauflage 490). – Innerhalb des graphischen Œuvres von René Georges Hermann-Paul (1864–1940) entstanden expressionistische Holzschnitte in einer zeitlich eng begrenzten Schaffensphase während er Kriegsjahre. Zuvor war er ein begnadeter Lithograph im Stil Toulouse-Lautrecs, in den 1920er Jahren wandte er sich eher dem Art Deco zu. In seinen Holzschnitten spiegelt sich ein starker Einfluss Frans Masereels.

16 : 16 cm. [24] Blätter.

Thieme/Becker XXVI, 308

648  Richard Janthur – Daniel Defoe. Das Leben und die ganz ungemeinen Begebenheiten des weltberühmten Engelländers Robinson Crusoe.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

Mit 31 Steinzeichnungen von Richard Janthur. Leipzig, Insel 1922. Mit 31 Farblithographien. Originalhalbpergamentband mit Kopfgoldschnitt, Rückentitel und Deckelvignette schwarz gedruckt.

Eins von 800 Exemplaren. – Auf Japanbütten. – Richard Janthur, Mitglied der Berliner Sezession, begründete 1912 zusammen mit Ludwig Meidner und Jakob Steinhardt die Künstlergruppe »Die Pathetiker« (Ausstellung in Waldens Galerie »Der Sturm«). 1918 war er Mitglied der »Novembergruppe« und trat 1919 dem »Arbeitsrat für Kunst« bei. In den 1920er Jahren widmete sich Janthur verstärkt der Buchillustration und erst zwanzig Jahre später wieder der Malerei.

32 : 24 cm. 104, [2] Seiten, 31 Lithographien. – Deckelränder gebräunt, kleine Stockflecken. Bezugspapier des Hinterdeckels mit zwei größeren Schabstellen.

Sarkowski 363 A. – Jentsch 122. – Lang, Expressionismus 154. – Sennewald 22,1

649  Willy Jaeckel – Dante Alighieri. Die Hölle.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 650

Mit Radierungen von Willy Jaeckel. Berlin, Hans Heinrich Tillgner 1923. Mit 35 Radierungen, davon zehn blattgroß. Schwarzer Originalhalblederband mit vergoldetem Rückentitel.

Eins von 100 Exemplaren der Ausgabe C auf Drysted-Bütten und in Halbleder gebunden (Gesamtauflage 200). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Nach der Übersetzung von Karl Streckfuß neu bearbeitet von Richard Hirsch. Den Text druckte Jakob Hegner, Dresden-Hellerau. – Die Radierungen wurden auf der Ensrud-Presse, Berlin, gedruckt. – »Jaeckels Expressionismus ist ein sehr persönlicher. Sein ›Hang zum Metaphysischen, zum visionär Versponnenen und zugleich Ekstatischen […]‹ ist besonders in seinen großen graphischen Zyklen zu erkennen.« (Adolf Sennewald). – Die Radierungen Jaeckels zu Dantes Göttlicher Komödie – es waren zunächst Illustrationen zu allen drei Teilen geplant, die aber nicht realisiert wurden – gelten als »seine bedeutendsten Buchillustrationen. […] Während vielfach die Schilderungen der jeweiligen Höllenorte die Künstlerphantasien mindestens ebenso anregten wie die des Geschehens – man denke an Gustav Doré – reduziert Jaeckel diese auf das Wesentliche, woraus um so klarer die jeweilige Situation um Dante und Vergil hervortritt. […] Unter den großartigen Bilderfindungen Jaeckels begeistert diejenige des Drachens Geryon besonders« (Stilijanov-Nedo, Regensburg 1987, mit Abbildung der Geryon-Graphik auf dem Umschlag). Ludwig Volkmann stellte Jaeckels graphische Ausdruckskraft im Dante ebenbürtig neben die Schöpfungen William Blakes.

43 : 30 cm. 96, [4] Seiten. – Kanten etwas berieben. – Innendeckel mit Einklebung, Ränder leicht finger- und unbedeutend stockfleckig, eine Seite mit Anstreichung. Einige Blätter mit leichten Quetschfalten.

Stilijanov-Nedo 95, Seite 29f. – Lang, Expressionismus 138. – Sennewald 23, 2

650  Oskar Kokoschka – Albert Ehrenstein. Tubutsch.

Schätzpreis/Estimate: € 400 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Mit 12 Zeichnungen von O. Kokoschka. Wien und Leipzig, Jahoda & Siegel [1911]. Mit zwölf blattgroßen Illustrationen. Rotbrauner Velourlederband mit Vergoldung. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe des literarischen Erstlings von Albert Ehrenstein (1886–1950), der in Wien mit Oskar Kokoschka Freundschaft schloss. – Auf dem ersten Zwischentitel (»Ritter Johann des Todes«) mit eigenhändiger Widmung Kokoschkas »Für den lieben Herrn Dr. Borkmann zur Erinnerung an 22. Sept. 56, Berlin | O Kokoschka«. – Die Vorsatzpapiere in Blau mit goldenem Kammstrichmuster.

21 : 15 cm. 64, [4] Seiten.

Raabe/Hannich-Bode 62.2. – Lang, Expressionismus 188