ChristianHesse

Lot 651 – 700 | Hesse-Auktionen
Lot 651 – 700

651  Paul Valéry. Études pour »Mon Faust«.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Ausrufpreis/Starting bid: € 400

Illustrations de l’Auteur. Interprétées en gravure sur bois par Pierre Bouchet. Paris, Société de Femmes Bibliophiles Les Cent Une 1941. Mit Holzstichen nach Paul Valery. Lose Doppelbogen in Originalhalbleinenchemise, zusammen im Schuber.

Jahresgabe der Bilbiophilen Frauengesellschaft »Les Cent Une«, Paris. – Eins von 101 Exemplaren. – Pierre Bouchet übertrug Valérys Zeichnungen auf Holzstöcke, den Text druckte er in Rot und Schwarz auf seiner Handpresse. – »Derselbe Valery, der einmal gemeint hatte, es fehle ihm nur ›ein Deutscher, der meine Gedanken zu Ende denken würde‹, dachte nun als Greis ein berühmtes deutsches Werk weiter und kam in seinem ›Faust‹, den er auch verwegen ›Mon Faust‹ nannte, zu dem Schluß, daß in unserer modernen Welt nicht nur der Teufel völlig harmlos und also überflüssig geworden sei, sondern auch der Geist gründlich ausgespielt habe – jener Geist, dem Valery ein Leben lang bedingungslos gedient hatte, ja, der sein einziger Gott gewesen war, dem er früh sogar die Gabe seiner Dichtung zum Opfer gebracht hatte« (Der Spiegel, 2/1991).

30,5 : 24,5 cm. 122, [6] Seiten.

Monod 10858

652  Maurice de Vlaminck – Marcel Aymé. La table-aux-crevés.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Ausrufpreis/Starting bid: € 750

Trente originaux de Vlaminck. Paris, Flammarion 1960. Mit 30 Farbholzstichen nach Vlaminck im Text und einem auf dem Umschlag. Lose Doppelblätter in Originalumschlag, blauer Originalmaroquinchemise mit vergoldetem Rückentitel und Originalschuber mit Lederkanten und Moiréeseidenbezug.

Unnummeriertes Exemplar »imprimé spécialement pour Claude Gallimard« (also für den Verleger der 1929 erschienenen Erstausgabe des Romans). Neben der Auflage von 250 für den Handel und 38 für Mitarbeiter. – Auf Vélin d’Arches mit dem Wasserzeichen Vlamincks. – Die Vorlagen von Vlaminck, die dieser auf Wunsch des Verlegers schuf, wurden von Pierre Bouchet in Holzstich umgesetzt. Mit vier Brieffaksimiles (Vlaminck an Flammarion). Die Ausgabe erschien erst nach Vlamincks Tod. – In Blau und Schwarz gedruckt.

34,5 : 27,0 cm. [16], 247, [5] Seiten. Rücken der Chemise etwas berieben, Schuber lichtrandig.

Monod 692. – Nicht bei Walterskirchen

653  Wols – Jean-Paul Sartre. Visages,

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Ausrufpreis/Starting bid: € 900

précédé de portraits officiels […] avec 4 pointes-sèches de Wols. Paris, Pierre Seghers 1948. Mit vier blattgroßen Radierungen. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Eins von angeblich 900 Exemplaren auf Papier »Crèvecoeur du Marais«, weitere 15 auf China. Ob Kaltnadelradierungen in einer Auflage von fast 1000 Exemplaren druckbar wären, kann bezweifelt werden. – Druck in Schwarz und Bister. – Druck der Radierungen bei R. Haazen, Paris. – Schönes Exemplar.

19,4 : 12,7 cm. 41, [7] Seiten. – Oberränder, besonders außen am Umschlag etwas angestaubt.

Grohmann 46-49. – Monod 10172

654  Vuillard. – Bonnard. – Braque – Drei Werkverzeichnisse.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 220

Monte Carlo, Sauret 1948–1963. Mit einigen Farblithographien und zahlreichen, meist farbigen Abbildungen. Farbig illustrierte Originalbroschuren im Schuber.

I. Claude Roger-Marx. L’œuvre gravé de Vuillard. 1948. – II. Claude Roger-Marx. Bonnard Lithographe. 1952. – III. Fernand Mourlot. Braque Lithographe. Préface de Francis Ponge. 1963. Mit drei Farblithographien. – Druck der Lithographien und lithographischen Abbildungen bei Mourlot. – Tadellos.

655  Hommage à Alexander Calder. – Fernand Léger. – Georges Rouault.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 140

Paris 1971–1972. Mit je einer Farblithographie und zahlreichen, teils farbigen Abbildungen. Originalleinenbände mit -schutzumschlägen.

Sondernummern der von G. di San Lazzaro herausgegebenen bekannten Kunstzeitschrift »XXe siècle«. – Die Léger-Litho entstand bereits 1952, hier im zweiten Abdruck, die Lithographie in der Rouault-Hommage entstand nach einem Gemälde des Künstlers.

31,8 : 24,7 cm. Je etwa 120 Seiten, je 1 Lithographie.

656  [Josef] Albers.

Schätzpreis/Estimate: € 450 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 550

Einführung von Jürgen Wißmann. Recklinghausen, Aurel Bongers 1977. Mit neun blattgroßen Farbserigraphien und einigen Abbildungen. Originalpappband.

Erste Ausgabe. – Albers bestimmt für seine Kunst, sie sei »ihrem Wesen nach neu in der Formulierung und Artikulation, obwohl sie hinsichtlich ihrer Aufgabe, Gefühl zu entdecken und hervorzurufen, beständig bleibt«. Die farbintensiven auf Velin gedruckten Serigraphien schuf der Künstler nach Ölgemälden aus den Jahren 1951–1969. – Sehr gut erhalten.

23,0 : 25,0 cm. 53, [1] Seiten.

657  Horst Antes.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 450

Geh durch den Spiegel, Folge 23. Köln 1960. Mit elf Offsetlithographien von Horst Antes, sechs davon mehrfarbig, vier doppelblattgroß, eine auf dem Umschlag. Illustrierte Originalbroschur.

Eins von 200 Exemplaren. – Die erste eigenständige Buchveröffentlichung Antes’, erschienen anlässlich seiner ersten Einzelausstellung. Ein Jahr zuvor hatte der Grieshaber-Schüler Antes sein Studium in Karlsruhe beendet. – Mit Texten von Horst Antes, William Blake, Jean Genet und Jörg Stöhrer. – Klaus Gallwitz erläutert (sehr lesenwert!) in der Einleitung zu Bernd Lutzes Werkverzeichnis die Bedeutung der Offsetlithographie im Œuvre von Horst Antes und deren künstlerische Gleichstellung mit dem klassischen Druck vom Stein. – Dazu vier Werke der Galerie Der Spiegel: I. Wolfgang Hollegha.. Mit zwei blattgroßen Radierungen. 1964. Geh durch den Spiegel 38. – II. Hann Trier. Mit einer doppelblattgroßen Radierung. 1964. Geh durch den Spiegel 40. – III. Henri Focillon. Lob der Hand. 1962. Mit Illustrationen von Hann Trier. – IV. Josef Mikl. Einige Untaten der Journalistenfresserin Hawranek. Mit Illustrationen von Josef Mikl. 1964. – Beigabe: Ernst Wilhelm Nay. 1959. Geh durch den Spiegel 19. Ohne die Originalgraphik.

38 : 26 cm. [28] Seiten.

Lutze 28–38. – Spindler 153.67 und 82, 84, 63, 21, 31

658  Horst Antes. Offsets

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 100

mit einem Text aus dem Allgemeinen Deutschen Reimlexikon von Peregrinus Syntax – Leipzig 1826 – und einem Nachwort von Kurt Martin. Karlsruhe/Nürnberg 1966. Mit sechs fünffarbigen Offsetlithographien. Originalbroschur. – Widmungsexemplar.

Eins von 450 Exemplaren (Gesamtauflage 600). – Vorsatzblatt mit eigenhändiger Widmung des Künstlers datiert 19.1.67. – Das Buch erschien anlässlich der Ausstellung in der Galerie Defet, Nürnberg (1966/67). – Dazu: Günther Gercken. Werkverzeichnis der Radierungen Horst Antes 1962–1966. München, Stangl 1968. Mit 162 ganzseitigen Abbildungen. Originalbroschur mit radierter Deckelvignette. Eins von 1000 Exemplaren. Tadellos.

20,0 : 20,0 cm. [20] Seiten, 6 Lithographien. – Einige Blätter lose.

Lutze 480–483, 485

659  Horst Antes – Günther Gercken. Werkverzeichnis der Radierungen Horst Antes 1962 – 1966.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 360

München, Galerie Stangl 1968. Mit vier signierten Radierungen und 162 ganzseitigen Abbildungen. Originalbroschur mit radierter Umschlagvignette.

Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit den signierten Radierungen.

23,0 : 15,0 cm. [176] Seiten.

660  H. C. Artmann. Grammatik der Rosen.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 220

Gesammelte Prosa Band 1 [bis] 3. Salzburg und Wien, Residenz 1979. Schwarze Originallederbände mit goldgeprägten Initialen, zusammen in Originalkassette.

Erste Ausgabe. – Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe in Leder gebunden und im Druckvermerk vom Autor signiert.

21 : 13 cm. – Rücken mit kleinen Kratz-, bei Band 1 Schabspur.

661  Mark Beard. Utah Reader.

Schätzpreis/Estimate: € 2000

Ausrufpreis/Starting bid: € 1300

New York, Vincent Fitz Gerald 1986. Mit 17 Farblinolschnitten und Assemblagen, meist zusätzlich koloriert, teils aufklappbar, zwei doppelblattgroß. Grüner Originalseidenband mit farbig geprägtem Deckeltitel. In grüner Originalseidenbox.

Eins von 40 Exemplaren. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Auf getöntem Velin von »Arches«. – Beard gestaltete diese Erinnerungen an seine Jugend in Utah mit Porträts seiner Eltern und Lehrer, Darstellungen verschiedener Landschaften, Szenerien aus seiner Heimatstadt Salt Lake City u. a. m. Für die Bilder verwendete er verschiedene Papiere, die lithographisch bedruckt bzw. handkoloriert, ausgeschnitten und zu Collagen und ausfaltbaren Assemblagen montiert wurden. – Der Text wurde nach seiner Handschrift in roter Tinte, der Titel nach seiner Kalligraphie und Zeichnung mit farbigen Fettkreiden faksimiliert. – Perfekt erhalten. – Der 1956 geborene US-amerikanische Künstler Mark Beard, verbarg sich im Laufe seines Lebens hinter verschiedenen fiktiven Künstlerpersönlichkeiten, denen er teils sehr genaue biographische Information zuschrieb. Kunstwerke Beards entstanden unter den Pseudonymen Hippolyte-Alexandre Michallon (angeblich 1849–1930, französischer Maler und Ausbilder von Bruce Sargeant), Edith Thayer Cromwell (angeblich 1893–1962), Brechtholdt Streeruwitz, Peter Coulter und Bruce Sargeant (siehe die folgende KatNr.).

29,0 : 38,5 cm. [72] Seiten.

662  Mark Beard – Bruce Sargeant. Fifteen Corporeal Poems.

Schätzpreis/Estimate: € 1600

Ausrufpreis/Starting bid: € 1100

Sheffield, England, Feard Press 1938. [New York 1998?]. Mit zwölf teils kolorierten Radierungen. Grauer Originalleinenband.

Eins von 25 Exemplaren. – Im Druckvermerk vom Verfasser signiert und nummeriert. – Auf Velin »BFK Rives«. – Gesetzt aus einer fetten Groteskschrift, gedruckt auf festes, unbeschnittenes Bütten, gewinnt das Buch seine besondere Ausstrahlung durch die Radierungen, die auf unterschiedlich farbigen, hauchdünnen Chinapapieren gedruckt und dann aufgewalzt wurden. Einige Partien wurden von Beard nachträglich koloriert. – Tadellos und sehr selten. – Bruce Sargeant, dem Beard Texte und Bilder zuschreibt, ist ebenso eine Fiktion wie die Verlagsangabe. Mark Beard schuf den englischen Künstler als sein »alter ego«, als ironische Kunstfigur. 2010 erschien seine ausführlich bebilderte Sargeant-Biographie. Dort wurden Sargeant die Lebensdaten 1898–1938 zugeschrieben und sein tragischer Wrestling-Unfalltod erwähnt. – Die Gedichte (»privatly for his friends«) und die Radierungen Beards thematisieren eine heroisierende Darstellung von Athleten, Soldaten und anderen männlichen Figuren. – 2005 waren Sargeant-Bildwerke und -Skulpturen Teil einer Kampagne des Modeunternehmens Abercrombie & Fitch.

28,5 : 20,0 cm. [52] Seiten.

663  Samuel Beckett. Sieben Erstausgaben.

Schätzpreis/Estimate: € 350

Zuschlag/Hammerprice: € 230

Éditions de Minuit 1951–1983. Originalbroschuren, teils mit Pergaminumschlag.

I. Molloy. 1951. – II. Assez. 1966. – III. Bing. 1966. – IV. Le Dépeupleur. 1970. – V. Mercier et Camier. 1970. – VI. Solo suivi de Catastrophe. 1982. – VII. Quoi où. 1983. – Teils in kleinen, nummerierten Auflagen erschienen. – Meist unaufgeschnitten. – Der Kosmopolit Samuel Beckett (1906–1989) floh aus der beengenden Atmosphäre Irlands, lebte in London und ab 1937 in Paris, wo er schon Ende der 1920er Jahre als Lektor gearbeitet hatte. Hier hatte er Kontakt zu anderen Literaten wie Jules Romains, Philippe Soupault, Paul Valéry und seinem Landsmann James Joyce. – »Was hat man dem Dichter des ›Godot‹ bei uns nicht alles an Etiketten aufgeklebt! Vom christlichen Allegoriker bis zum Nihilisten, vom Kafka-Nachfolger bis zum Existentialisten – viele Mützen wurden ihm anprobiert.« (Christian E. Lewalter in »Die Zeit«, Nr. 31/1954). – Dazu: Ludovic Janvier. Pour Samuel Beckett. Paris, Éditions de Minuit 1966. Originalbroschur. Eins von 112 Exemplaren.

664  Samuel Beckett. The North.

Schätzpreis/Estimate: € 800

Zuschlag/Hammerprice: € 600

With three Original Etchings by Avigdor Arikha. London, Enitharmon Press 1972. Mit drei signierten Radierungen. Lose Doppelbogen in Originalumschlag, zusammen in -leinenchemise und -schuber.

Eins von 137 Exemplaren. – Das Impressum vom Dichter signiert. – Auf Bütten von J. Barcham Green. – Avigdor Arikha (eigentlich Victor Długacz, 1929–2010) verdankte sein Überleben in einem rumänischen Konzentrationslager seinem frühen künstlerischen Talent. Er zeichnete auf Papierfetzen dokumentarisch die Zustände im Lager. Diese Zeichnungen gelangten in die Hände von Mitarbeitern des Internationalen Roten Kreuzes und erregten deren Aufmerksamkeit – man ermöglichte ihm die Flucht nach Palästina. Nach langen Jahren abstrakter Malerei beschränkte sich Arikha ab etwa 1970 wieder ganz auf Zeichnung und Druckgraphik.

39,8 : 31,7 cm. [8], 6, [4] Seiten, 3 Radierungen.

665  Thomas Bernhard. Vier eigenhändige und ein maschinengeschriebener Brief sowie vier eigenhändige Postkarten, alle mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 18000

Ausrufpreis/Starting bid: € 15000

Salzburg u. a. 1955 – 1968. Zusammen 13 Seiten. Mit drei eigenhändig adressierten Umschlägen.

Alle an den österreichischen Schauspieler und Regisseur Ludwig Skumautz (1929–1987). Dieser lebte in St. Veit/Glan in Kärnten und erhielt zunächst eine pädagogische Ausbildung. Schon damals verfasste er erste literarische Werke und kam mit dem in Salzburg als Journalist und Schriftsteller tätigen Thomas Bernhard in Kontakt. Bereits vor dem gemeinsamen Studium am Salzburger Mozarteum (1955–1957) verband die beiden offenbar eine sehr innige Freundschaft. Die Briefe aus dem Teilnachlass Skumautz sind bisher unveröffentlicht.

25. V. 1955, mit Umschlag
Über eine geplante Lesung: »Es ist alles in Ordnung, Du liest (falls Du willst) mit Christine Busta zusammen am 5. September. Ich glaube da sind bestimmt noch Ferien. […] Ich möchte soviel sagen u. fragen, aber die letzten Tage waren für mich wie eine Vorhölle. Ich stehe allem kopfschüttelnd gegenüber – und in ein paar Tage tauche ich wieder in einer größeren Arbeit unter.

12. VI. 1955
Ich habe eine unglaubliche Achtung vor dem Leben und ich liebe es – also? Wenn ich von der »Vorhölle« gesprochen habe, dann von dem scheusslichen Gesicht, das einem von Zeit zu Zeit anstarrt wohin man geht. … Meine Tage enden abends immer tröstlichm denn vor dem bloßen Dasein gibt es nur Nichtigkeiten. Vor einem Jahr noch habe ich dauernd an Selbstmord gedacht, aber dieser Unsinn ist vorbei. Klagen muß der Mensch, auch aufbegehren, vor allem leiden – was ich jetzt brauche, ist Ruhe und eine abgesonderte Stellung, aus der ich einen guten Überblick habe über die Umwelt. Ich bin in seiner sehr anstrengenden Arbeit, u. ich bitte darum, daß sie mir halbwegs gelingen wird. Ich bin noch voll Begeisterung, sie wird nachlassen, wie bei allem, das ich anpacke, nur bin ich diesmal schon übern Berg. […] Im Herbst erscheint (Gottlob statt der miserablen Gedichte) eine Erzählung in d. Stifterbibliothek […] Von Dombrowski illustriert. – Schluß! – Ich habe Deine Lesung umstellen lassen auf den 22. August. Da sind noch Festspiele […] Da haben wir ein paar Tage für uns in Salzburg […] Es ist ein herrliches Gefühl, wenn etwas vorwärts geht. Mir vergeht nur immer die Zeit zu schnell – das Altwerden betrübt mich.«

11. VII. 1955, mit Umschlag
»Ich war jetzt 2 Wochen kränklich u. es sind dadurch eine Reihe Pläne ins Wasser gefallen. […] Ich schlage zu unserer Sache mit der Lesung vor, daß Du schon am 18. od. 19. nach Salzbg. kommst. Ich stelle mir vor, daß Du zusammen mit einer jungen Schauspielerin liest, denn ich finde es immer störend, dramatische Szenen vom Autor vorgelesen zu bekommen. […] Warst Du schon in Italien, wie vorgesehen? Hier ist sehr viel Unruhe, der man kaum entkommen kann. Die Stadt ist ein Museum, durch das die italienhungrigen Leute durchgeschleußt werden. […] Seit Tagen versuche ich etwas zu schreiben, aber es ist nur Unsinn. Und erzwingen kann ich es wirklich nicht. Das mit der ›Mathematik in der Literatur‹ will uns nicht gelingen – Gott sei Dank! Dazu kommt, daß ich zu meiner Arbeit die täglichen u. stündlichen Sorgen brauche, sie aber zeitweilig unerträglich werden. In der letzten Zeit habe ich immer öfter gewisse Vorstellungen von der Sinnlosigkeit meiner ganzen Person. Und es ist eine wahre Kunst, dem Ganzen einen Sinn zu geben. Wenn ich denke, wielange das Leben trotz seiner verfliegenden Kürze dauert! […] Wäre ich doch nur eine andre Natur, oder Maus oder Wurm. Das sind alles Wünsche, die einem völlig durcheinander geratenen Hirn entspringen.«

11. VII. [eigentlich aber August] 1955, mit Umschlag
»ich danke für Deinen Brief, kann aber augenblicklich nicht antworten.« Bernhard bittet um Zusendung der Texte für die Lesung und stellt »Eine Frage: soll ein guter Schauspieler von Dir lesen? Wenn ja, mir das mitzuteilen wäre. Du selbst kommst auf keinen Fall ganz davon.«

31. VIII. 1955 (Briefkarte, 2 Seiten)
»Mein lieber Ludwig, ich bin traurig, weil Du fort bist. Das ist nun die Wahrheit – die Du nicht ändern kannst. Ich war in keiner guten Stimmung als Du da warst – das hat viele tiefliegende Gründe. Aber, Du gehörtest in meine Nähe! […] Ich habe Dich gern u. verehre Dich, was bleibt zu sagen! Man sagt nur Unsinn, die Feder vergewaltigt den lebendigen Gedanken. Und doch: Worte bewirken oft ein Wunder. Mit Berlin ist noch nichts fest. Ich will nur hoffen – das darf ich. Die Hoffnung ist meine Nahrung, sicher bis ans Ende der Reise. Ich lebe! Wie oft war ich verzweifelt, dann kam eine Botschaft – aus mir selber, die Stimme Gottes. Sicher.« Bernhard kündigt einen Besuch in Klagenfurt an »Wenn Du willst, darf ich mit Dir beisammen sein. […] Du mußt bald wieder ein paar Tage hier in Salzbg. verbringen. Das muß sich machen lassen, Der Mensch muß leben. Die Zeit ist allzu kurz. Bitte schreib ein paar Zeilen. Thomas«

22. IX. 1955 (Ansichtskarte aus Lovran, Kroatien)
»Lieber Ludwig, es ist alles herrlich!! Sonne, blaue Adria, Delphine, ich liege unter den Palmen und schreibe. […] Ich denke, wie es Dir nächste Woche in Wien gehen wird. Ich halte Dir beide Daumen. Sobald ich was tun kann für Dich, werd ichs.«

30. III. 1956 (Ansichtskarte aus Lovran, Kroatien)
»Im Telegrammst: ich gehe etwa 30 km am Tag über den Karst u. esse Ziegenkäs. Ich liege auf dem Berg u. schau‘ ins blauer Meer. Den halben Tag bin ich unter den Netz-Flickern. De Leute sind alle noch ganz natürlich, nicht verblödet vom Bildschirm. Kannst Du Dir vorstellen, daß ich nichts möchte, als hier leben? […] Es wird eine sehr schöne Zeit für Dich kommen, sicher, verlaß‘ Dich ganz auf die Führung Deiner Himmelsgeister. Die sind alle gut!! «

20. III. 1963 (Ansichtskarte aus Zakopane, Polen)
»von meiner Polenreise die herzlichen Grüße. Was treibst Du? Ich hoffe, du bist gesund u. wir sehen uns bald einmal – vielleicht in Salzburg? Thomas«

19. IV. 1968 (Maschinengeschriebener Brief)
Reisepläne, »komme dann Ende Mai nach Nathal und vielleicht sehn wir uns dann bald einmal, was mich natürlich, wie auch anders, sehr freuen würde.«

Dabei: Porträtfotografie Ludwig Skumautz. Rückseitig von Thomas Bernhard datiert »Dez. 1961«und bezeichnet »Ludwig«.

666  Thomas Bernhard – Elisabeth Effenberger (1921–2008, österreichische Kulturjournalistin und Autorin). Zwei eigenhändige Briefe und ein maschinengeschriebener Brief, alle mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Ausrufpreis/Starting bid: € 600

Salzburg, 7. und 11. IX. 1955 und 18. XII. 1957. Zusammen zehn Seiten.

Alle an den österreichischen Schauspieler und Regisseur Ludwig Skumautz (1929–1987). – Kurze, dringliche Ermahnung am 7.9.: »Sie sollten Thomas [Bernhard] eiligst schreiben; er ist ziemlich gekränkt ob Ihres Schweigens und will Sie doch besuchen auf seiner Fahrt nach Dalmatien. Er tut es aber sicher nicht, wenn […] keine Nachricht von Ihnen kommt, nicht zuletzt auf seine Frage wegen eines Quartiers«. – Vier Tage später ausführlicher Brief zu den Reiseplänen Bernhards, ein Eisenbahnunglück in Kärnten (»Hoffentlich waren Sie und Thomas nicht unterwegs in diesem Unglückszug!«) und verschiedene Veranstaltungen in Salzburg »Wie schön der Tag mit Heiseler war, wird Ihnen Thomas wohl schon erzählt haben. Nun ist ja nur mehr der letzte am 19.9., Wieland Schmied und Amanshausen, ausständig; davon erwarte ich mir menschlich nicht allzuviel. Schmied kenne ich nicht, Thomas als Vermittler fehlt […]. Thomas lege ich ein Zettelchen bei, das Sie ihm, bitte, geben, gelt? Und stupsen Sie ihn, daß er mir zeitgerecht Bescheid gibt!« Mit adressiertem Umschlag. – 1957: Berichtet ausführlich über verschiedene Treffen mit Thomas Bernhard, die im Zusammenhang mit seiner ersten Publikation standen (Korrekturbögen, Lesereise). Bernhard habe »ein fixes Stipendium von Kiepenheuer & Witsch bekommen, ca. 2000 S[chilling], ohne eigentliche Verpflichtung«. Desweiteren werden viele gemeinsame Freunde und Bekannte und deren berufliche Situation am Theater erwähnt. – Dazu: Eigenhändige Postkarte und drei Briefe des Verlegers bzw. Verlages Hans Weigel. Wien 1953–1954. Alle an Ludwig Skumautz. Über ein Theaterstück von Skumautz und Urheberfragen, ein Treffen in St. Veit sowie über einen Beitrag in Weigels Zeitschrift »Stimmen der Gegenwart«.

667  Thomas Bernhards Kommilitonen am Salzburger »Mozarteum« – Zwei amtliche Schriftstücke, zwei Briefe.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Ausrufpreis/Starting bid: € 1000

Salzburg und Linz 1956–1957.

Alle an den österreichischen Schauspieler und Regisseur Ludwig Skumautz (1929–1987). – Ablehnungsbescheid der Kärntner Landesregierung vom 17.2.1956. Hektographiertes Typoskript, maschinenschriftlich adressiert: »Ludwig Skumautz in Salzburg / bei Bernhard Radetzkystraße Nr. 10«. Um den Jahreswechsel 1955/56 hatte sich Skumautz offenbar erfolglos um ein Stipendium beworben. Thomas Bernhard, der nun offenbar im Vorderhaus der großelterlichen Wohnung residierte, studierte 1956–57 gemeinsam mit Skumautz, Sybille Schneider (später Dahms), Klaus Gmeiner u. a. am Salzburger Mozarteum Schauspiel und Regie. – Maschinengeschriebenes Zulassungsschreiben zur Prüfung des Mozarteums, datiert Mai 1957 mit Namen der neun Studenten und Unterschrift des Akademie-Präsidenten Bernhard Paumgartner. Neben Bernhard, Skumautz, Gmeiner und Schneider wurden auch Astrid Koller, Karin Schroeder, Lotte Dobler, Charlotte Kolb und Hanno Ribitsch zugelassen. – Eigenhändiger Brief mit Unterschrift »Franzl«. Linz, 8. 10. 1956. Sieben Seiten. Sehr persönlicher Brief an Ludwig Skumautz (»Es tut mir auch so leid, daß ich nicht mehr in der Schule bei Euch bin. Es zieht mich schon oft nach Salzburg und bald werde ich bei Euch aufkreuzen«). Sehr eindrücklich schildert er seine innige Verbundenheit mit Skumautz, drückt seine Bewunderung aus und erwähnt die gemeinsame Theater-Begeisterung. Er solle in Linz unter Walleck die Hauptrolle in Schnitzlers »Liebelei« spielen, in Innsbruck habe er »mit großem Erfolg die ›Verkündigung‹ aufgeführt … Schmidtchen und meine Frau waren einfach großartig«. Fragt nach Skumautz‘ Plänen und bittet zum Schluss »Grüß mir alle die ich mag und niemand mehr. Du weißt ja wen ich mögen hab und noch mag? Den Bernhard zum Beispiel.« – Klaus W. Gmeiner. Brief mit Unterschrift. Salzburg, 26. Dez. 1957. Zwei Seiten. Ausführlicher Bericht über die berufliche Entwicklung und verschiedene Theaterprojekte.

668  Thomas Bernhard. Auf der Erde und in der Hölle.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Ausrufpreis/Starting bid: € 500

Gedichte. Salzburg, Otto Müller 1957. Schwarzer Originalkunststoffumschlag mit Titeln in Gelb und Rot.

Erste Ausgabe der ersten Buchveröffentlichung. – Auf Vélin. – 1957 hatte Bernhard sein Studium am Salzburger Mozarteum abgeschlosen. Bereits seit 1954 hatte er einige Gedichte in Zeitschriften und Almanachen veröffentlicht. – Selten.

19,2 : 11,0 cm. 125, [2] Seiten. – Innendeckel mit kleiner Nummerierung, erste Textseite mit Bleistiftnotiz (Salzburger Telefonnummer).

Dittmar 8

669  Thomas Bernhard. Frost.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Frankfurt am Main, Insel 1963. Originalbroschur mit Schutzumschlag.

Erste Ausgabe, in der seltenen Broschurvariante, die möglicherweise vorab für Leseexemplare hergestellt worden war. – Die Veröffentlichung seines ersten Romans »Frost« im Jahr 1963 bedeutete für Bernhard den literarischen Durchbruch, 1965 erhielt er dafür den Bremer Literaturpreis. – »Ich halte das Buch für eine der stärksten Talentproben, für eines der aufwühlendsten und eindringlichsten Prosawerke, die seit Peter Weiss von einem Autor der jüngeren Generation vorgelegt worden sind« (Carl Zuckmayer, Die Zeit, 1963, zitiert nach Dittmar).

19,5 : 12,5 cm. 357, [3] Seiten. – Ränder etwas berieben. Rücken leicht verblasst. – Vortitelblatt mit Stempel.

Sarkowski 139. – Dittmar 21. – KNLL II, 591

670  Johannes Bobrowski. Mäusefest

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

und andere Erzählungen. Berlin, Klaus Wagenbach 1965. Originalbroschur. – Widmungsexemplar..

Quarthefte 3. – Erste Ausgabe. – Mit eigenhändiger Widmung für Horst Hussel auf dem Vortitelblatt: »Ewig Kummer auf der Zunge und wie eine Wagenrunge voll Geduld und fauler Ruh sozusagen immerzu –: So der Mensch, der dies hier schreibt und DIR eben ewig bleibt; nimm ihm dieses und darum auch das Obige nicht krumm. Für Hussel vom Johannes.« – Johannes Bobrowskis (1917–1965) erste Gedichte nach dem Krieg wurden in der Zeitschrift »Sinn und Form« veröffentlicht, nach langem Bemühen erschien 1961 sein erster Gedichtband »Sarmatische Zeit« in Stuttgart und wenig später im Ostberliner Union Verlag; auch die folgenden Bücher wurden parallel in West und Ost verlegt. Bobrowski verkehrte in der Literaturszene Westberlins, »Besucher machen sich auf den Weg … nach Friedrichshagen am Müggelsee: Ingeborg Bachmann zum Streuselkuchenessen, Hubert Fichte zum Musizieren. Nicolas Born sucht bei dem älteren Aufklärung über den Holocaust. Mit Grass stößt Bobrowski 1965 auf die Gründung des Wagenbach-Verlages an, mit Enzensberger schwitzt er in einer finnischen Sauna. Uwe Johnson schickt Bücher. … Für die jüngeren Autoren in der DDR wird er bald zu einer Offenbarung. … Fünf Jahre öffentlicher Autorschaft haben genügt, um Literaturgeschichte zu schreiben« (Johannes-Bobrowski-Gesellschaft.de).

20,5 : 12,5 cm. 78, [6] Seiten. – Rücken, erste und letzte Seite gebräunt.

671  Wolfgang Borchert. Die Hundeblume.

Schätzpreis/Estimate: € 100

Ausrufpreis/Starting bid: € 66

Erzählungen aus unseren Tagen. Hamburg, Hamburgische Bücherei 1947. Farbig illustrierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Die letzte Veröffentlichung zu Lebzeiten Wolfgang Borcherts (1921–1947).

17,9 : 11,3 cm. 132 Seiten. – Papier etwas gebräunt.

Burgess 4

672  Renaat Bosschaert – Uilenspiegel.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

Brugge 1984. Mit sechs signierten Graphiken von Renaat Bosschaert. Lose Doppelbogen.

Eins von 150 Exemplaren (Gesamtauflage 175). – Handpressendruck im Eigenverlag, mit Texten von Paul Vanderschaeghe, Lambert Jageneau und Gery Florizoone. – Mit einer Einleitung von Lori Van Biervliet. – Im Druckvermek vom Künstler signiert. – Renaat Bosschaert (1938–2006), belgischer Maler, Graphiker und Bildhauer, veröffentlichte limitierte illustrierte Ausgaben von Werken der belgischen Autoren Guido Gezelle und Felix Timmermans und schuf Arbeiten mit lokalen und zeitgenössischen Autoren wie Anton van Wilderode.

38,2 : 28,4 cm. [32] Seiten.

673  Louise Bourgeois. Ode à la bièvre.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

New York, Zucker Art Books 2007. 24 Farbtafeln. Originalleinenband mit blau geprägtem Titel. Im Originalschuber mit Blindprägung.

Eins von 1800 Exemplaren der »Limited Edition«. – Nach dem Unikatbuch der amerikanischen Künstlerin (1911–2010) von 2002. Ein Exemplar der »Special Edition« von Zucker Art Books befindet sich im MoMa New York. »Here she pays homage to the [river] Bièvre, which was important for her family’s tapestry restoration workshop since it was rich in tannin, an ingredient that enhances the dyeing of fabric.« (MoMa). – Hervorragend gedruckt bei Julio Soto, Madrid.

29,8 : 41,0 cm. [26] Blätter.

Vgl. MoMa Object Number 337.2009.1

674  Rolf Dieter Brinkmann. Le chant du monde.

Schätzpreis/Estimate: € 2000

Zuschlag/Hammerprice: € 3200

Gedichte mit Radierungen von Emil Schumacher. Olef, Hagarpresse 1964/65. Mit vier signierten Radierungen. Ziegelroter Originalleinenband mit Rücken- und Deckelschild, in Originalleinenschuber.

Erste Ausgabe. – Exemplar »h.c.«, wie die 60 Exemplare der Vorzugsausgabe mit den Radierungen von Schumacher, weitere 100 Exemplare erschienen ohne Radierungen und entsprechend leicht abgewandeltem Titelblatt. – Gesetzt aus der Garamond und als Blockbuch gedruckt auf der Olefer Hagarpresse. Die Radierungen wurden in der Werkstatt Henner Kätelhön in Wamel auf Velin gedruckt. – »In der Gegenüberstellung von Gedicht und Grafik gehört dieser Lyrikband zu den schönsten Produktionen der sechziger Jahre.« (Udo Seinsoth). – Sehr selten und fast tadellos erhalten.

25 : 17 cm. [62] Seiten, 4 Radierungen. – Rücken minimal verblasst. – Schnitt mit wenigen winzigen Stockfleckchen.

Seinsoth 3. – Geduldig/Wehebrink 12. – Katalog Beck & Eggeling S. 20

675  Marcel Broodthaers. Un Voyage en Mer du Nord.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 260

Brüssel und London, Hossmann und Petersburg Press 1973. Mit zahlreichen, teils farbigen und blattgroßen Abbildungen. Illustrierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Zeitgleich erschienen Ausgaben in Deutsch und Englisch, alle jeweils in kleinen Auflagen. – Als Blockbuch gebunden.

15,0 : 17,5 cm. [38] Seiten.

Broodthaers, Katalog der Editionen (Sprengel-Museum) B 15

676  Stanley Brown. A chronology by Harry Ruhé.

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 240

Sammlung von Druckvorlagen, Zeitungsausschnitten und Originalfotografien. Amsterdam 2005.

Etwa 100 Blätter in Archivhüllen und Sammelordner, etwa zehn Fotografien und Originaldokumente. – 2005 erschien in einer Auflage von 100 Exemplaren die Chronologie zu Leben und Werk des niederländischen Konzeptkünstlers Stanley Brouwn (1935–2017), herausgegeben vom Amsterdamer Galeristen Harry Ruhé. – Der Sammelordner enthält Textvorlagen, teils eingeklebte Abbildungen und eine Reihe von originalen Dokumenten und Fotografien. Nicht alles wurde schlussendlich für die Publikation verwendet. – Tadellos.

677  Paul Celan. Mohn und Gedächtnis.

Schätzpreis/Estimate: € 2500 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 2800

Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt 1952. Schwarzer Originalleinenband mit goldgeprägtem Rücken- und Deckeltitel und dem Folienumschlag. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe der zweiten Gedichtsammlung Celans, nachdem er den Großteil der 500er Auflage seines Erstlings »Sand aus den Urnen« vernichtet hatte. – Mit eigenhändiger Widmung des Verfassers »Für Heinz Schöffler, auf der Suche nach Worten / Paul Celan / Paris, im April 1953«. – Heinz Schöffler (1921–1973) war von 1956–1960 Cheflektor des Luchterhand-Verlags.

19,1 : 11,8 cm. 75, [5] Seiten. – Folienumschlag leicht beschädigt, sonst tadellos.

Glenn B 02

678  Paul Celan. Von Schwelle zu Schwelle.

Schätzpreis/Estimate: € 1500 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1300

Gedichte. Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt 1955. Schwarzer Originalleinenband mit vergoldeten Titeln und bedrucktem Originalfolienumschlag. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe des dritten Gedichtbandes. – Mit eigenhändiger Widmung »Micheline und Heinz Schöffler in Herzlichkeit / Paul Celan / Paris Oktober 1956« auf dem Vortitelblatt.

19,2 : 11,7 cm. 65, [3] Seiten. – Folienumschlag beschädigt, ansonsten tadellos.

Glenn B 03

679  Paul Celan – Paul Valéry. Die junge Parze.

Schätzpreis/Estimate: € 1500 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1600

Ins Deutsche übertragen von Paul Celan. Wiesbaden, Insel 1960. Illustrierte Originalbroschur mit -schutzumschlag und -schuber. – Widmungsexemplar des Übersetzers.

Erste Ausgabe dieser Neuübertragung. – Vortitelblatt mit eigenhändiger Widmung von Paul Celan »ich funkle, bin gebunden an fremdes Firmament … Für Joseph Breitbach, am 20. Jänner 1961 / Il tradittore«. – Während die Übertragung von Rimbauds »Trunkenem Schiff« aus eigenem Antrieb erfolgte, regte der damalige Lektor des Insel-Verlages die Neuübertragung von Valerys Text an. – Gedruckt von Johannes Weisbecker, Frankfurt, auf Kupferdruckkarton. Die Umschlagvignette zeichnete Felix Hoffmann nach einem Entwurf von Paul Valéry. – Tadelloses Exemplar.

33,0 : 21,0 cm. 34, [2] Seiten.

Glenn C 13. – Sarkowski 1801

680  Paul Celan. Gedichte 1938–1944.

Schätzpreis/Estimate: € 120

Zuschlag/Hammerprice: € 80

Faksimile und Transkription der Handschrift. Frankfurt am Main, Suhrkamp 1985. Schwarzer Originallederband und -pappband im -schuber.

Eins von 1000 Exemplaren. – Transkription mit einem Vorwort von Ruth Kraft, in der sie die frühe Begegnung mit dem Dichter und das Originalgedichtbändchen beschreibt. Das kleine Lederbändchen mit den frühesten Dichtungen legte sie 1945 Alfred Margul-Sperber vor, der sofort die Meisterschaft des jungen Dichters erkannte. Sperbers Ehefrau suggerierte damals das Anagramm des rumänischen Familiennamens »Ancel«.

11,5 : 8,5 cm. Faksimile. 20,5 : 16,0 cm. Transkription. [2], 147, [4] Seiten.

Glenn B 29

681  Eduardo Chillida – Aischylos. Die Perser.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Zuschlag/Hammerprice: € 1700

Die früheste vollständig überlieferte Tragödie der Weltliteratur. Übertragen von Emil Staiger. Mit vier Holzschnitten von Eduardo Chillida. Neu-Isenburg, Edition Tiessen 1978. Mit vier ganzseitigen Holzschnitten, davon einer signiert und einer auf dem Umschlag. Lose Doppelblätter in Originalumschlag, schwarzer -chemise und schwarz-weißem -schuber.

Sechster Druck der Edition Tiessen. – Eins von 100 Exemplaren (Gesamtauflage 170). – Auf Velin d’Arches, gesetzt aus der Original-Janson-Antiqua, gedruckt in den Werkstätten der Trajanus-Presse. – »Zu den Glücksfällen der Edition zählt auch die Einvernahme solcher Künstler wie Eduardo Chillida […] Die Holzschnitte Chillidas für Aischylos bilden harte rhythmische Formstöße, die an die monumentalen Eisenskulpturen des Bildhauers erinnern […]« (Lothar Lang).

31,5 : 21,5 cm. 52, [4] Seiten.

van der Koelen 78003–78006. – Spindler 41.6. – Tiessen V, 7. – Lang, Tiessen S. A 15 und ET 6

682  Cobra – Artistes Libres.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 700

Première serie du bibliotheque de Cobra. Quinze Monographies. Kopenhagen, Ejnar Munksgaard 1950. Mit Abbildungen. 15 Originalbroschuren, davon 13 mit Farblithographie auf dem Umschlag, und ein Textblatt. Zusammen in farbig illustrierter Kartonmappe.

Erste Ausgabe. – Exemplar mit französischem Text, parallel erschien auch eine Ausgabe in Dänisch. – Mit Farblithographien von P. Alechinsky, K. Appel, Atlan, E. Bille, Constant, Corneille, J. Doucet, S. Gilbert, S. Gudnason, H. Heerup, E. Jacobsen, Asger Jorn (2) und C.-H. Pedersen. – Redaktion Asger Jorn, die Texte stammen von M. Ragon, C. Dotremont, E. Jaguer, L. Zangrie und J. Laude. – Einleitung und Kartonumschlag von Asger Jorn. – Die Künstlergruppe CoBrA wurde 1948 in Paris gegründet. Der Name bildete sich aus den Anfangsbuchstaben der Städte Copenhagen, Brüssel und Amsterdam, aus denen die Gründungsmitglieder stammten. Darüber hinaus sollte die lautmalerische Ähnlichkeit zur Giftschlange Kobra die künstlerische Progressivität verdeutlichen, mit der die Gruppe gegen akademische und gesellschaftliche Normen arbeitete. Künstlerisch strebte CoBrA eine Wiederbelebung des Expressionismus mit den Stilmitteln des Informel an. Das Ziel der Künstler war eine aus freier malerischer Gestaltung entwickelte, übernationale Bildsprache und die Verbindung von Theorie und Kunst, gesellschaftlicher Utopie und explosiver Malerei. – So vollständige und gute erhaltene Folgen sind selten geworden.

17,0 : 13,5 cm (Mappe). – Mappe etwas gebräunt, eine Lasche mit Tesafilm hinterlegt.

683  Salamander.

Schätzpreis/Estimate: € 450 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 300 ( R7 )

[Hefte] 1, 2 [und] 3 [alles Erschienene]. Malmö 1955–1956. Mit sieben Farblithographien und zahlreichen Abbildungen. Originalbroschuren.

Vollständiges Exemplar der seltenen schwedischen Kunstzeitschrift, die das erste Forum für den Modernismus in Schweden war. Die Redaktion lag bei I. Gustafson, C. O. Hultén, I. Laaban und G. Printz-Påhlson, zu den internationalen Vertretern zählte u. a. Karl Otto Götz. – Mit Lithographien u. a. von Corneille, Wifredo Lam, Stanley W. Hayter, Fahlström, Roberto Matta.

23,5 : 16,0 cm. Je ca. 40–48 Seiten. – Leicht angestaubt.

684  Hans Erni – C. F. Ramuz. Histoire du Soldat

Schätzpreis/Estimate: € 6000 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 5000 ( R7 )

illustrée de lithographies originales par Hans Erni. Lausanne, André et Pierre Gonin 1960. Mit 75 teils blattgroßen Lithographien, davon zwei auf den grünen Kartonvorblättern. Ganzfranz-Maroquinband, beide Deckel und Rückentitel mit mehrfarbigen Velourlederauflagen und weißen Lederlinien (signiert: R. Meuter, Ascona).

Eins von 50 Exemplaren der absoluten Vorzugsausgabe (Gesamtauflage 371) auf »Japon nacré blanc« und mit einer Suite der Lithographien, gedruckt in Grün auf »Japon nacré blanc«. – Im Druckvermerk von Künstler und Verleger signiert. – Zusätzlich enthält dieses Exemplar drei signierte Zeichnungen von Hans Erni (eine in roter Tusche auf dem Vorsatzblatt, zwei in Bleistift auf gefalzten Velinblättern lose bei der Suite, jeweils 28 : 19 cm). – Die Suite auf gefalzten Bögen im Auflagenformat, gedruckt im Zustand vor der Schrift. – Das prächtige Künstlerbuch wurde bei André Kundig in Genf gedruckt, die Lithographien, die Hans Erni direkt auf die Steine gezeichnet hatte, druckte Emile Mathieu auf der Handpresse. – Spiegel und Vorsätze in hellgrünem Velourleder, die Kapitalien mehrfarbig handumstochen. – Der unikate Einband entstand in Zusammenarbeit mit dem Künstler: Beide Deckelillustrationen, die Roland Meuter durch schmale weiße Lederstreifen »zeichnete« und mit farbigem Velourleder »kolorierte«, entwarf der Künstler.

29,3 : 19,5 cm. 97, [7] Seiten. – Das Velourleder an den Gelenken leicht aufgehellt. – Buch in Acrylglasschuber, die Suite in Umschlag und Seidenleinenmappe.

Monod 9470. – Tiessen II, 47

685  Hans Erni – Werner Heisenberg. Das Naturgesetz und die Struktur der Materie.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 400

Natural law and the structure of matter. Mit vier Radierungen von Hans Erni. Stuttgart 1967. Mit vier signierten Radierungen. Originalhalbpergamentband mit vergoldeten Titeln.

Erste deutsche Ausgabe. – Zweiter Druck der Belser-Presse. – Eins von 150 Vorzugsexemplaren auf Japan (Gesamtauflage 1.000). – Die Radierungen auf Japanbütten. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Gesetzt aus der Gill Monotype. – Die Belser-Presse wurde von Hans Weitpert gegründet. – Der Text von Heisenberg erschien 1966 in der ursprünglichen englischen Fassung.

28,8 : 19,8 cm. 89, [3] Seiten. 4 Radierungen.

Spindler 64.2. – Tiessen III, 67

686  Hans Erni – Marianne Calderara. Reise durch die zwölf Tierkreiszeichen.

Schätzpreis/Estimate: € 6000 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 4000 ( R7 )

Der Kosmos in uns. Mit 17 Originalradierungen von Hans Erni. Zürich, Ernst Scheidegger 1991. Mit 17 blattgroßen Radierungen, davon eine koloriert. Leuchtend blauer Ganzfranz-Maroquinband, beide Deckel und Rücken mit mehrfarbigen Velourlederauflagen und weißen Lederlinien (signiert: R. Meuter, Ascona). Im Acrylglasschuber.

Erste Ausgabe. – Eins von 98 Exemplaren (Gesamtauflage 118). – Auf Velin »BFK Rives«. – Im Druckvermerk von der Autorin, dem Künstler sowie Setzer, Drucker und Verleger signiert. – Mit einer blattfüllenden signierten Bleistiftzeichnung Ernis mit Widmung von 1994 für den Vorbesitzer auf einem Vorblatt. – Die Radierungen Hans Ernis illustrieren die vier Elemente Feuer, Erde, Luft und Wasser, die zwölf Tierkreiszeichen und sein eigenes Horoskop – alle siebzehn mit Erläuterungen der Autorin. – Der geprägte Originalumschlag wurde eingebunden. – Auch diesen Einband fertigte Roland Meuter nach einer Zeichnung Hans Ernis, die über beide Deckel reicht und wiederum aus weißen Lederstreifen und verschiedenen farbigen Velourlederauflagen gebildet wird. Spiegel und Vorsätze aus blauem Velourleder, Kapitalien zweifarbig handumstochen.

34,0 : 25,5 cm. [4[, 139, [1] Seiten. – Rücken etwas aufgehellt.

687  Erich Fried. Deutschland.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Zuschlag/Hammerprice: € 180

Gedichte. London, Austrian P.E.N. 1944. Originalbroschur.

Erste Ausgabe von Frieds Erstlingswerk. – Die Gedichte entstanden in den Jahren 1943–1944 im Londoner Exil. – »Nur noch dies: Ich bin Oesterreicher. Deutschland habe ich nur auf der Durchreise nach England gesehen. Deutsche habe ich bei der Besetzung meiner Heimat als Feinde, in der Emigration als Freunde kennengelernt.«.

18,3 : 12,0 cm. 29, [3] Seiten. – Umschlagränder minimal gebräunt.

Wilpert/Gühring 1

688  Hans Fronius – Ernst Jünger. Auf den Marmorklippen.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Mit zehn Radierungen von Hans Fronius. Stuttgart, Ernst Klett 1968. Mit zehn signierten, blattgroßen Radierungen. Originalhalbpergamentband mit vergoldetem Rückentitel (C. H. Schwabe, Stuttgart). Im Schuber.

Eins von 250 Exemplaren. – Mit eigenhändiger Widmung des Verlegers auf dem Titelblatt. – Im Druckvermerk vom Autor signiert. – Jüngers Roman einer fiktiven Gesellschaft, erstmals 1939 erschienen, fand nach Kriegsende eine »Fortsetzung« in »Heliopolis«. – Satz aus der Dante-Antiqua. – Buchgestaltung von Carl Kreidel. – Tadellos schönes Exemplar.

27,0 : 19,0 cm. 117, [3] Seiten.

Rethi R 9–18. – Des Coudres/Mühleisen B 12 h. – Tiessen III, 59

689  Felix Martin Furtwängler – Gottfried Benn. Der Stadtarzt

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 550

mit Holzschnitten von Felix Martin Furtwängler. Schriesheim, Frank Albrecht 1996. Mit 16 Farbholzschnitten, davon zehn blattgroß. Schwarzer Originalleinenband mit Holzschnittdeckelvignette.

Dritter Druck der Edition Frank Albrecht. – Eins von 50 Exemplaren (Gesamtauflage 70). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Auf Hahnemühle-Bütten. – Druck bei Offizin Haag-Drugulin, Leipzig. – Die Holzschnitte sind Handdrucke des Künstlers. – Das schöne Malerbuch vereint erstmals alle Gedichte des Arztes und Dichters, in denen er sich mit medizinischen Themen auseinandersetzt. – Tadellos erhalten.

33.0 : 25,0 cm. [56] Seiten.

Isphording II, 168

690  Felix Martin Furtwängler – Lothar Klünner. Besuch bei Marc Chagall.

Schätzpreis/Estimate: € 800

Zuschlag/Hammerprice: € 750

Felix M Furtwängler. Zehn Holzschnitte und Vignetten. Herausgegeben von O. W. Solman. Berlin, Libros d’Alcanar und Sub Rosa 2012. Mit zehn Farbholzschnitten, farbigen Holzschnittvignetten im Text und Farbholzschnitten als Vorsatzpapiere. Originalhalblederband in -chemise und -schuber, alle mit Farbholzschnitten als Bezugspapier (Christian Klünder, Berlin).

Siebter Kleiner Tiergartendruck. – Eins von 15 Exemplaren »h.c.« (»Geburtstagsexemplare für meine Freunde«) mit einer signierten Extrasuite der zehn Farbholzschnitte in separater Chemise (Gesamtauflage 33). – Von Autor und Künstler im Druckvermerk signiert. – Das farbenprächtige Künstlerbuch erschien anlässlich des 90. Geburtstages von Lother Klünner. Der Dichter und Übersetzer verstarb wenige Monate später. Der Text geht auf eine Beitrag Klünners im RIAS aus dem Jahr 1988 zurück, der sich mit Chagalls Autobiographie beschäftigte.

35,9 : 25,8 cm. 39, [5] Seiten.

691  Klaus G. Gaida. Simplicitates

Schätzpreis/Estimate: € 600 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 400 ( R7 )

Die Neugestaltung der historischen Kirche im Augustinum Graz. Köln, Salon 2012. Mit einer beigelegten signierten Serigraphie mit Goldauflage und zahlreichen farbigen Abbildungen. Originalbroschur und Graphik in Originalleinenholzkassette.

Exemplar 1/12 der bibliophilen Sonderausgabe. – Die Graphik und der Innendeckel der Kassette signiert, datiert und nummeriert. – Nach einem Künstlerwettbewerb wurde Klaus G. Gaida (geboren 1950) mit der Neugestaltung der Grazer Kirche beauftragt. – Tadellos erhalten und erwartungsgemäß sehr selten.

37,5 : 30,0 cm (Kassette).

692  Moritz Götze – Matthias Holst Bader [sic!]. Zwischen bunt und bestialisch:

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 280

all die toten albanier meines surfbretts. Bilder von Moritz Götze. [Halle], Hasen 1990. Mit 25 ganzseitigen Siebdrucken, davon drei doppelblattgroß und einer auf dem Umschlag. Farbig serigraphierte Originalbroschur. Mit Schuber.

Eins von 200 Exemplaren. – Im Druckvermerk von Künstler und Autor signiert und nummeriert. – Gedichte von Matthias Baader Holst. – Matthias »Baader« Holst (1962–1990) war einer der interessantesten Untergrundpoeten und Punk-Dadaisten der DDR, mit nur 28 Jahren starb er bei einem Verkehrsunfall. Er arbeitete als Lyriker, Zeichner, Filmemacher, Herausgeber und Performer, seinen Künstlernamen wählte er in Verehrung des Oberdada Johannes Baader und des RAF-Terroristen Andreas Baader. – Tadellos erhalten.

38,2 : 29,7 cm. [62] Seiten.

693  Moritz Götze – Bulat Okudschawa. Und Vogel Schmerz aus der Schläfe ist leis verflogen, verflogen.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 270

Lieder. Übersetzungen von Ekkehard Maaß, Wolf Biermann und Sarah Kirsch. Halle, Hasen 1991. 32 Farbserigraphien. Farbig serigraphierte Originalbroschur. Mit Schuber.

Eins von 100 Exemplaren. – Durchgehend farbig serigraphiertes Künstlerbuch, als Blockbuch gedruckt und gebunden. – Im Druckvermerk von Künstler und dem Übersetzer Ekkerhard Maaß signiert. – Die Dichtungen entstanden in den 1950er-1970er Jahren. – Moritz Götze (geboren 1964), seit 1986 freischaffender Maler und Graphiker, lebt und arbeitet in Halle/Saale. Nach einem dreijährigen Lehrauftrag für Serigraphie 1991 an der renommierten Burg Giebichenstein in Halle/Saale führte ihn 1994 eine Gastprofessur für Serigraphie an die Pariser »Ecole Nationale Supérieure des Beaux-Arts«. Götze gründete mit Peter Gerlach 2006 den Hasenverlag. – Der russische Dichter Okudschawa (1924–1997), Sohn von Verfolgten des Stalin-Regimes, wurde mit seinen pazifistischen Dichtungen und Liedern, die er nur in privaten Kreisen vortragen durfte, zum Sprachrohr der sowjetischen Nachkriegsgeneration. Die Nachdichtung »Die Erste Liebe« nahm Wolf Biermann in sein eigenes Repertoire auf. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gehörte Okudschawa der »Begnadigungskommission des russischen Präsidenten« an, die stalinistische Fehlurteile aufarbeitete.

36,8 : 25,5 cm. [32] Seiten. – Deckelkanten minimal berieben.

694  Moritz Götze – Manfred Krug. 66 Gedichte, was soll das?

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 180

Bilder von Moritz Götze. München, Econ 1999. Mit zwei signierten Farbserigraphien und zahlreichen ganzseitigen Farbillustrationen. Originalpappband mit Schutzumschlag und Schmuckschuber.

Exemplar der absoluten Vorzugsausgabe, von Verfasser und Künstler auf dem Titelblatt signiert und mit einer signierten Farbserigraphie (nummeriert 49/300) als Beilage. – Innendeckel mit einer zweiten signierten Farbserigraphie (nummeriert 13/50). – Beigelegt zudem die CD mit einer Dichterlesung. – Das Schauspielidol Manfred Krug (1937–2016) gehörte zu den Mitunterzeichnern des Protests gegen die Biermann-Ausbürgerung 1976. Nach darauf folgendem Berufsverbot reiste er 1977 in die BRD aus. – Verlagsfrisches Exemplar.

26,0 : 19,0 cm. 150, [2] Seiten.

695  Alexander Xaver Gwerder. Blauer Eisenhut.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 270

Gedichte. Zürich, Manus 1951. Originalbroschur mit Pergaminumschlag. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe, wohl des Erstlingswerkes. – Aus dem Besitz von Ernst Jünger mit eigenhändiger Widmung Gwerders: »Dem grossen Menschen Ernst Jünger in Verehrung die ersten Versuche vorgelegt zu Ende 1951«. – Das Dichterschicksal des Alexander Xaver Gwerder (1923–1952) steht unter dem Zeichen deprimierender Ausweglosigkeit. Im Juli 1949 veröffentlichte der damals 26jährige erstmals vier Gedichte in der einflussreichen Zürcher Tageszeitung »Die Tat«. Die exklusiven literarischen Zirkel der Schweiz blieben dem Autodidakten jedoch verschlossen. Da der literarische Erfolg ausblieb und Gwerder zudem in politischen Auseinandersetzungen angegriffen wurde, verstärkte sich seine Melancholie zu einem immer heftiger werdenden Todeswunsch. Die Frustration an Zeit und Gesellschaft, die Erfolglosigkeit als Autor und nicht zuletzt die unmögliche Liebe zu seiner »Traumgefährtin« Salomé, der Tochter der befreundeten Dichterin E. M. Dürrenberger, führten zu einem Doppelselbstmordversuch, dem aber nur Gwerder erlag.

18,8 : 11,9 cm. 45, [1] Seiten.

696  Wolfgang Hildesheimer. Gesammelte Werke

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 420

in sieben Bänden. Herausgegeben von Christian Lucas, Hart Nibbrig und Volker Jehle. Frankfurt am Main, Suhrkamp 1991. Mit sieben Porträts. Dunkelblaue Originalkalblederbände mit schwarz-goldenem Rückenschild. In der Originalkassette.

Erste Werkausgabe, die zugleich als Ausgabe letzter Hand gelten kann; Hildesheimer verstarb im August 1991. – Vorsatzblatt von Band I mit der Signatur des Verfassers. – Inhalt: I. Erzählende Prosa. – II. Monologische Prosa. – III. Essayistische Prosa. – IV. Hörspiele. – V. Biographische Prosa. – VI. Theaterstücke. – VII. Vermischte Schriften. – Sehr schönes Exemplar der nicht näher bezeichneten Vorzugsausgabe in Leder.

20,4 : 12,8 cm. – Kapitale an den Kanten minimal berieben.

697  Karl-Georg Hirsch – Matthias Biskupek. Schwarz angesagt

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

und andere bestechende Gefühle. Monströse Märchen. Holzstiche Karl-Georg Hirsch. Gera, Pirckheimer-Gesellschaft 1989. Mit 14 Holzstichen im Text. Originalbroschur mit -umschlag, dieser mit Holzstich. – Widmungsexemplar..

Erste Ausgabe. – Eins von 40 römisch nummerierten Künstlerexemplaren (Gesamtauflage 290). – Mit einer eigenhändigen Zeichnung von Karl-Georg Hirsch auf der letzten und eigenhändigen Widmungen von Autor und Buchgestalter auf der ersten Seite. Im Druckvermerk ebenfalls von den drei Beteiligten signiert. – In bemerkenswert vielgestaltiger Typographie gedruckt in den Werkstätten der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Im Auftrag der Pirckheimer-Gesellschaft, Bezirksgruppe Gera, herausgegeben von Jens Henkel in Zusammenarbeit mit der Leipziger Hochschule. – Ausgezeichnet mit einer Goldmedaille der IBA Leipzig 1989 als eins der »Schönsten Bücher 1989«. – Als Blockbuch gedruckt und gebunden.

29,5 : 17,0 cm. 32 Seiten, 17 schwarze Zwischenblätter. – Ränder schwach berieben.

Kästner/Lübbert A 67.1. – Seyfert/Weise S. 203

698  Karl-Georg Hirsch – Matthias Biskupek. Rot angeschwärzt

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

und andere verklärende Botschaften aus dem Reich des Bösen. Holzstiche von Karl-Georg Hirsch. Rudolstadt, Burgart-Presse 1996. Mit 14 Holzstichen im Text. Originalbroschur mit -umschlag, dieser mit Holzstich. – Widmungsexemplar..

15. Druck der Burgart-Presse Jens Henkel. – Eins von 100 Exemplaren (Gesamtauflage 190, davon 40 Verlegerexemplare). – Mit einer eigenhändigen Zeichnung von Karl-Georg Hirsch auf der letzten und je einer eigenhändigen Widmung von Autor und Buchgestalter auf der ersten und zweiten Seite. Im Druckvermerk ebenfalls von den drei Beteiligten signiert. – Druck des Textes in Rot und Schwarz und der Holzstiche von den Originalstöcken in den Werkstätten der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig. – Die Edition entstand in Zusammenarbeit mit dem Institut für Buchkunst, Leipzig. – Tadellos erhalten.

29,9 : 17,5 cm. [52] Seiten.

Kästner/Lübbert A 109

699  Karl-Georg Hirsch. … eigentlich müßte man sich erschießen.

Schätzpreis/Estimate: € 100

Zuschlag/Hammerprice: € 100

Künstlerbriefe aus vier Jahrzehnten. Leipzig, Faber & Faber 2001. Mit einem lose beigelegten signierten Holzstich und zahlreichen Abbildungen und Faksimiles. Gelber, illustrierter Originalpappband im Schuber.

Dritter Leipziger Liebhaber-Druck. – Eins von 300 Exemplaren, weitere 25 als Belegexemplare. – Schöne, bibliophile Ausgabe, die 86 Briefe des Leipziger Graphikers an Schriftsteller, Verleger, Künstler und Sammler faksimiliert. – Tadellos.

26,5 : 23,5 cm. 103, [1] Seiten.

Kästner/Lübbert C 71

700  Felix Hoffmann – Das Hohe Lied.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Das schönste der Lieder Salomos. Zürich und Stuttgart, Flamberg 1964. Mit 22 Farbholzschnitten von Felix Hoffmann, davon neun ganzseitig. Originalhalbpergamentband mit vergoldetem Rückentitel, Buntpapierdeckelbezügen und Kopfgoldschnitt (Buchbinderei Baumann, Erlenbach).

Unnummeriertes Exemplar, außerhalb der Auflage von 400. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Die Typographie gestaltete Max Caflisch. Handsatz und Druck auf Zerkall-Kupferdruck-Bütten in der Buchdruckerei Aargauer Tagblatt, Aarau. Der Text folgt der Übersetzung der Zürcher Bibel. – Tadellos.

33,8 : 22,4 cm. [48] Seiten.

Tiessen II, 50