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Lot 801 – 850 | Hesse-Auktionen
Lot 801 – 850

801  Christoph Meyer – Hermann Melville. Bartleby.

Schätzpreis/Estimate: € 1500

Ausrufpreis/Starting bid: € 1100

Berlin, CHM 2009. Mit einer farbigen Zeichnung und fünf in Orange gedruckten Radierungen. Originalhalblederband mit orangefarbenem Deckeltitel.

Frühes Unikatbuch des Berliner Künstlers. – Neben der Zeichnung signiert, datiert und als »Unikat« bezeichnet. – Christoph Meyer zitiert in dem Künstlerbuch den berühmten Satz »I would prefer not to« (Ich möchte lieber nicht), den der Kanzleischreiber Bartleby in Hermann Melvilles Erzählung »Bartleby, the Scrivener« immer und immer wieder von sich gibt und damit bald jegliche Bürotätigkeit einstellt. – Die Radierungen jeweils signiert, datiert und mit enigmatischer Betitelung. – Die letzte Seite mit einer großen mehrschichtigen Zeichnung mit farbigen Faserstiften. – Diese Zeichnung setzt einen Kontrapunkt zur sonst dominierenden Farbe Orange, in der die Radierungen und der Text gedruckt wurden. Auch für Vorsatzpapiere, Lederrücken, Deckeltitel und das Acrylglas des Schubers wählte Christoph Meyer diese Farbe.

29 : 37,7 cm. [13] Blätter.

802  Christoph Meyer – Toyotama Tsuno. Flaumfeder.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Ausrufpreis/Starting bid: € 500

Berlin, CHM und Schwarzdruck 2018. Mit drei farbigen Zeichnungen, eine doppelblattgroß. Silberfarbener Originalbroschurumschlag.

Edition mote 14. – Unnummeriertes Künstlerexemplar, neben der Auflage von nur 15 Exemplaren. – Auf Bütten, als Blockbuch gedruckt und gebunden. – Die Nachdichtung aus dem Japanischen stammt von Manfred Hausmann.

23,7 : 19 cm. [8] Seiten.

803  Christoph Meyer – Louis Begley. Maciek.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Ausrufpreis/Starting bid: € 850

Berlin, CHM und Edition Schwarzdruck 2018. Mit vier blattgroßen farbigen Zeichnungen von Christoph Meyer. Schwarzer Lederband mit goldgeprägtem Titel.

Edition mote 15. – Auf Bütten. – Unikates Exemplar, im Lederhandeinband, eine Zeichnung mit Tuschfeder doppelblattgroß erweitert. – Der Druckvermerk wurde vom Buchkünstler korrigiert und ergänzt. – Der Text stammt aus Louis Begleys Roman »Lügen in Zeiten des Krieges«. Der Berliner Buchkünstler verwendete den letzten Absatz, der über das Schicksal des Roman-Protagonisten Auskunft gibt. – Als Blockbuch gedruckt.

23,8 : 20 cm. [14] Seiten.

804  Officina Ludi – Die 100 Wörter des Jahrhunderts.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Großhansdorf 1999. 99 Blätter mit farbigem Buch- und Typendruck. Lose in der Originalkassette.

Unnummeriertes Verlegerexemplar neben der Auflage von 120. – »Wort/Unwort des Jahres« – mit solch temporären Bewertungen hielt sich Claus Lorenzen, der Pressendrucker in Großhansdorf, nicht auf: »Eine prominent besetzte Jury wählte die hundert Wörter aus, die das 20. Jahrhundert prägten, von Atombombe und Bikini bis zu Weltkrieg und Wolkenkratzer. Die Officina Ludi gestaltete (in Gemeinschaftsarbeit mit [sechs] anderen namhaften Handpressen und dem Hamburger Museum der Arbeit) jedes einzelne dieser Wörter unter bewußtem Verzicht auf graphische Mittel ausschließlich mit den Mitteln des Buchdrucks und der Typographie.« (Webseite der Presse). – Die Folge ist vollständig mit 96 »Wort«-Blättern (teils mehrere Worte auf einem Blatt) sowie Titel, Impressum und Gästeliste. – Hier das Ausstellungsstück des Verlegers, welches in der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst gezeigt wurde. Mit sechs zusätzlichen Blättern (Dubletten bzw. Varianten) in einer offenen Holzkassette.

28,0 : 32,0 cm (Blätter)

805  Rixdorfer – Kerstin Hensel. Sachsen Spiegelungen.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Ausrufpreis/Starting bid: € 100

Leipzig 2006. Fünf Leporellos mit Holzschnitten von Uwe Bremer, Albert Schindehütte, Johannes Vennekamp und Arno Waldschmidt. Zusammen in Originalkarton mit Deckelschild.

Rixdorfer Leipziger Bilderbogen Nr. 19. – Eins von 20 Künstlerexemplaren »e. a.« (Gesamtauflage 120). – Erschienen aus Anlass der Ausstellung der Werkstatt Rixdorfer Drucke im November 2006 im Leipziger »Haus des Buches«. – Vier Gedichte von Kerstin Hensel auf vier gefalteten Kartonblättern (Größe entfaltet: 34,5 : 98,0 cm) mit Holzschnitten von je einem der vier Künstler, davon drei signiert, ein rein typographisch gestaltetes fünftes wurde von der Dichterin signiert.

35 : 25 cm (Karton).

806  Otto Rohse Presse – Johann Wolfgang von Goethe. Briefe aus Venedig.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Ausrufpreis/Starting bid: € 330

Kupferstiche von Otto Rohse. Hamburg 1963–1964. Mit 28 blattgroßen Kupferstichen. Flexibler Originalpergamentband mit Rückenvergoldung (Christian Zwang, Hamburg). Im Originalschuber mit gestochenem Signet der Presse (Entwurf: Hermann Bunz).

Erster Druck der Otto Rohse Presse. – Exemplar 140 von 300, von denen wohl nur die ersten 200 nummeriert und gebunden wurden. Daneben erschienen 50 Mappenausgaben. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Handsatz aus der Garamond der Stempel AG. – Auf Hahnemühle-Bütten. – Als Blockbuch gedruckt und gebunden. – Der 1925 in Insterburg geborene Künstler studierte an der Landeskunstschule Hamburg bei Richard von Sichowsky und übernahm 1961 ein Lehramt an der Werkkunstschule Offenbach. 1962 gründete er seine eigene Presse in Hamburg.

27,3 : 23,4 cm. [56] Seiten.

Spindler 44.6. – Hack/Schwarz 1.01. – Tiessen II, 14

807  Sisyphos-Presse – Wolfgang Kohlhaase. Erfindung einer Sprache.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Mit fünf Originallithographien und vier Federzeichnungen von Bernhard Heisig. Leipzig, Faber & Faber 2005. Mit fünf signierten Lithographien und vier Illustrationen auf den Textblättern. Lose in Originalleinenkassette.

15. Druck der Sisyphos-Presse. – Eins von 100 Exemplaren (Gesamtauflage 112). – Herausgegeben von Elmar Faber. – Die Lithographien wurden auf der Taborpresse, Berlin, gedruckt. – In der Kassette liegt eine zweite Suite der signierten Lithographien.

49,0 : 37,5 cm. 7, [1] Seiten, 10 Lithographien. Textblätter im Unterrand leicht geknickt.

808  Svato Zapletal – Klabund. Der Seiltänzer.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 400

Herausgegeben von Jürgen Köchel und Svato Zapletal. Hamburg, Svato 1989. Mit neun signierten blattgroßen und teils farbigen Radierungen von Svato Zapletal. Dunkelroter Originalmaroquinband mit Silber- und Schwarzprägung (Kurt Willscher, Hamburg).

Eins von zehn Exemplaren der Vorzugsausgabe mit einer weiteren, lose beigelegten und signierten Radierung (Gesamtauflage 80). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Nachwort von Jürgen Köchel.

26,5 : 19,0 cm. 53, [7] Seiten. – Rücken etwas verblasst.

809  Svato Verlag – Wie das Hippo ins Wasser kam.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 130

Eine botswanische Erzählung. Aufgeschrieben und aus dem Englischen übersetzt von Susanne Wogart. Hamburg 2005. Mit 16 Farblinolschnitten von Svato Zapletal, davon 13 blatt- und doppelblattgroß und zwei gefaltet. Illustrierter Originalleinenband.

42. Buch des Svato Verlages. – Eins von 70 Exemplaren der Ausgabe C auf Execuditkarton (Gesamtauflage 90). – Im Impressum vom Künstler signiert. – Der handgesetzte Text und die Linolschnitte wurden auf einer Andruckpresse gedruckt. – Anmerkung des Verlegers: »Da der Autor nicht mehr zu ermitteln ist, werden 10% des Reinerlöses an die botswanische Feuerwehr in Maun überwiesen«.

26 : 24 cm. [44] Seiten.

810  Ottfried Zielke. K. Malewitsch. 150 Lubok.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Ausrufpreis/Starting bid: € 800

145 Originalgouachen und fünf weitere auf der bemalten Originalbox. 2005. Ca. 11 : 16 cm, alle rückseitig monogrammiert.

Unikates Objekt, eine Hommage des Künstlers an die russischen »Lubki«, die in Russland vom 17. bis ins frühe 20. Jahrhundert populären sozialkritischen und satirischen Bilderbogen. Die russischen Futuristen wie Gontscharowa, Larionow und Malewitsch ließen sich von den einfachen Darstellungen inspirieren. – Ottfried Zielke (1936–2016) bemalte 145 postkartengroße Blätter und Pappen in leuchtenden Farben und betitelt fast jede Darstellung mehr oder weniger ausführlich: Ich fahre einen T34 von Maybach. – Kohlenklau. – Blut + Ehre, Kampf dem Vergessen. – Gestern war’s da aß ich Ente. – Mücke fliegt Hund in den Mund und sticht ins Dada-Herz. – Manifest: Sei Lokomotive unter Volldampf. – Streichholz + 2 Nasenhaare. – Die BRD hat es NIE gegeben. – Skandal Faules Ei. Deutschland führte 1930 639 Millionen Eier ein. – Dr. J. G. Seine Kinder nannte er Helga Hilde Helmut Hedda Holde Heide. – Rückseitig durchgehend nummeriert 1–145, die übrigen fünf Gouachen zieren die Seiten und den Deckel der leinenkaschierten Holzbox (20 : 15 : 13 cm).

811  100 x Buchdruckkunst.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 270

Eine Kassette mit achtundzwanzig originalen Glückwünschen zur hundertsten Präsentation von Bartkowiaks ›forum book art‹ anno 2000.

Exemplar 9/42. – Mit 28 signierten Originalarbeiten in unterschiedlichsten graphischen Techniken (Radierung, Lithographie, Serigraphie, Buch- und Prägedruck) von Wilfried Bohne, J. M. Jurkowski, Christian Thanhäuser, Axel Hertenstein, Caroline Saltzwedel, Nora Brenneke, Claus Lorenzen, Reinhard Scheuble & Gisela Mott-Dreizler, Emilio und Doris Sdun, Peter Zitzmann, Svato Zapletal u. a. – Mit einem Textdoppelblatt lose in der Originalleinenkassette (Buchmacherey Helserdeich), deren Einklappdeckel mit Büttenpapier von Gangolf Ulbrich bezogen und mit einem Nagelobjekt fixiert wurde. – Die Mappe erschien als Hommage an Heinz Bartkowiak (1939–2015) und seine Familie: »Diese Mappe ist ein Geschenk der beteiligten Künstler an die Familie Bartkowiak aus Anlaß der einhundertsten Präsentation von Pressendrucken, Künstlerbüchern, Malerbüchern und Buchobjekten. ›forum-book-art‹ Präsentationen fanden in den Jahren 1989 bis 2000 in vielen Städten Deutschlands und in anderen Ländern Europas statt. […] Viele Buchkünstler aus aller Welt beteiligten sich […] an diesen Ausstellungen, bei denen die Werke den Besuchern offen präsentiert wurden, […] in die Hand genommen und in Muße betrachtet werden [… sowie ] direkt bei den Händlern bestellt werden können.« (forum book art 19, S. 253). – Sehr selten, da nur zehn Exemplare für den Verkauf bestimmt waren. Wir konnten kein Exemplar im Handel nachweisen.

52,5 : 43,5 cm (Kassette). – Vorderdeckel der Mappe mit leichter Kratzspur und kaum sichtbaren Flecken, innen makellos.

forum book art 19, 2001/2002, S. 250ff

812  Max Klinger. Intermezzi. Opus IV.

Schätzpreis/Estimate: € 1000 ( R19 )

Zuschlag/Hammerprice: € 750

Zwölf Radierungen. 1879/1881. 62,5 : 54,0 cm. In der Platte nummeriert.

Die vollständige, 1881 bei Stroefer in Nürnberg erschienene, Folge enthält fünf Radierungen und sieben Aquatintablätter: Bär und Elfe. – Am Meer. – Verfolgter Centaur. – Mondnacht. – Kämpfende Centauren. – Bergsturz. – Simplici Schreibstunde. – Simplicius am Grabe des Einsiedlers. – Simplicius unter den Soldaten. – Simplicius in der Wald-Einöde. – Gefallene Reiter. – Amor, Tod und Jenseits. – Die Radierungen wurden auf französisches Chinapapier abgezogen und dann auf Velinblätter aufgewalzt. – Jede Radierung im Unterrand der Platte mit dem Namen des Künstlers und der Blattnummer. – »Die Blätter entwickeln keinen Gedankengang. Der Titel deutet an, daß es Arbeiten sind, die von Klinger zwischen und neben der Beschäftigung mit seinen geschlossenen Folgen, gefertigt wurden« (Hans Singer). – Lose in der Originalhalbleinenmappe mit Titelaufdruck: »Componirt, radirt und Herrn Kupferstecher und Kunsthändler Hermann Sagert dankbarst zugeeignet«.

Mappenränder gebräunt. – Ränder vereinzelt mit kleinen Knicken, Einrissen und schwachen Stockflecken, bei Blatt 1 etwas stärker.

Singer 52–63 III

813  Max Klinger – Amor und Psyche.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 800

Ein Märchen des Apulejus. Aus dem Lateinischen von Reinhold Jachmann. Illustriert in 46 Original-Radirungen und ornamentiert von Max Klinger. (E.-F. Opus 5). München, Theo. Stroefer 1881. Mit 15 Radierungen auf Tafeln und 31 im Text sowie Holzschnitt-Zierleisten. Roter Originalkalikoband mit großer Vorderdeckelillustration in Gold-, Silber- und Schwarzprägung sowie Rücken- und Schnittvergoldung.

Erste Ausgabe des großartigen Illustrationswerkes, Johannes Brahms gewidmet. – »Die entzückenden Illustrationen zu Amor und Psyche sind das einzige radierte Werk Klingers, das die Schrift eines Dichters recht eigentlich illustriert« (Hans Wolfgang Singer). – Die 15 großen Radierungen wurden von R. Felsing, München, auf getöntes, festes Japan gedruckt und auf Leinenfälzen eingebunden, die 31 großen Textvignetten auf China gedruckt und auf die Textseiten aus weißem Japan aufgewalzt. – Jede Seite mit Holzschnitt-Bordüren umrahmt. – Singer nennt als Erscheinungsjahr der einzigen Ausgabe 1880, »bei Bedarf wurden neue Exemplare gedruckt.«. – Einer der Höhepunkte in Klingers Schaffen, im frühen Jugendstil und in der deutschen Buchillustration. – Seltene Variante im roten Einband.

36,0 : 26,5 cm. [8], LXVIII Seiten, 15 Radierungen. – Vorderes Gelenk in der Mitte angeplatzt. Hinterer Deckel am Unterrand mit kleiner Feuchtigkeits-Spur. – Es fehlen die Seiden-Zwischenblätter. Vereinzelt einige wenige Stockflecke.

Singer 64–109. – Langer, Jugendstil, Seite 65. – Schauer II, 3 (mit Abbildung)

814  Richard Strauss in einem »bunten« Fächer – 14 Künstlersignaturen auf einem Holzfächer.

Schätzpreis/Estimate: € 700

Zuschlag/Hammerprice: € 600

1893–1931.

Innerhalb von etwa zwei Jahrzehnten trug die damalige Besitzerin Autogramme bekannter österreichischer und bayerischer Dichter und Musiker zusammen, darunter: Charlotte Wolter (Mezzosopranistin, 1834–1897, datiert Meisenburg 1893), Rudolf Fitzner (Geiger, 1868–1934, Gmunden 1911), Ferdinand Löwe (Dirigent, 1865–1925, München 1911), Alfred Grünfeld (Komponist, 1852–1924, Marburg 1911), Ludwig Albert Ganghofer (Schriftsteller, 1855–1920, Marburg 1912), Pablo Casals (spanischer Cellist, 1876–1973, 1913), Richard Strauss (Komponist, 1864–1949, Graz 1916) sowie 1931 als »Nachzügler« Wilhelm Kienzl (Komponist, 1857–1941 in Wien).

815  Gästebuch des Schwenninger Hotel »Rössle«.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Ausrufpreis/Starting bid: € 350

1953–1956.

In dem nur zu etwa einem Viertel genutzten Gästebuch finden sich etwa 30 Eintragungen, Fotos, Autogrammkarten und Zeichnungen folgender Schauspieler*innen und Schlagersänger*innen: Cornelia Froboess und deren Vater (mit eingeklebter Porträtfotografie der damals Neunjährigen), Dorothea Wieck, Bruce Low, Renée Franke, Günter Schnittjer, Theo Lingen, Grock (mit großer Porträtzeichnung), Marianne Hoppe, Werner Krauß, Leopoldine Konstantin, Claus Biederstaedt, Franz Schafheitlin, Harald Juhnke, Eva Crüwell, Charles Regnier, O. E. Hasse, Hilde Krahl, Maria Andergast und Hans Lang, Peter Frankenfeldt und Lonny Kellner u. a. sowie einiger Sportler*innen, darunter Maxi Herber (verheiratete Baier, mit kleiner Zeichnung des Eislaufpaars) und Fritz Walter (»Zur frdl. Erinnerung an die unvergeßlichen Tage der ›Fußball-Weltmneisterschaft 1954‹« mit eingeklebtem Mannschaftsfoto). – Roter Leinenband mit Strukturprägung. – Beilage: Vier lose Autogrammkarten.

23,5 : 19,0 cm. – Am Rücken etwas berieben. Innen sehr gut erhalten.

816  E[milie] Dobbert. Der Kinder Zaubergarten.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Ausrufpreis/Starting bid: € 600

Verse. Nürnberg, Theo. Stroefer [1895]. Mit acht chromolithographierten Ziehbildern und zahlreichen Illustrationen im Text. Originalhalbleinenband mit chromolithographierter Deckelillustration.

Erste Ausgabe. – Stroefer Verlag Nr. 752. – Sehr seltenes Kinderbuch im Stil der damals sehr erfolgreichen beweglichen Bilderbücher von Lothar Meggendorfer. – Die meist unsignierten Illustrationen stammen nach Ries und Wegehaupt von William Foster, einem englischen Illustrator, der vor allem für seine Tier- und speziell Vogeldarstellungen bekannt wurde und dessen Bilder für mehrere Kinderbücher des Nürnberger Verlegers Stroefer verwendet wurden. – Emilie Dobbert (1861–1925) ließ sich zur Lehrerin ausbilden. Patakys »Lexikon deutscher Frauen der Feder« verzeichnet 13 Kinderbücher und bescheinigt ihr: »Ein Hang zum Träumen und Dichten, der durch ihre ganze Familie geht, gab ihr Veranlassung, sich hin und wieder mit poetischen Arbeiten an verschiedenen Blättern zu beteiligen, doch wandte sie sich vom Jahre 1890 ab ganz der Jugendschriftstellerei zu, für die sie die meiste Begabung empfand.«.

32,5 : 25,3 cm. [20] Seiten. – Einband etwas berieben. – Innen mit Gebrauchsspuren: Einige Randeinrisse überklebt, im Falz neu gefasst. Leicht fleckig.

Patacke I, 159f. – Ries 527, Foster 1. – Wegehaupt IV, 462. – Hauswedell 357

817  Die Nibelungen.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 700

Dem deutschen Volke wiedererzählt von Franz Keim. Bilder und Ausstattung von C. O. Czeschka. Wien und Leipzig, Gerlach u. Wiedling [1908/09]. Mit 16 farbigen und teils mit Goldbronze gedruckten blattgroßen Illustrationen. Grauer Originalleinenband mit Vignette und Rückentitel in Schwarzdruck.

Gerlachs Jugendbücherei, Band 22. – Erste Ausgabe dieser Nacherzählung. – Einer der schönsten Bände der Reihe. – Besonders die in Schwarz, Blau und Gold gedruckten Doppeltafeln zählen zu den Höhepunkten der Kinder- und Jugendbuch-Illustration und gelten als »Glanzstück der Buchillustration aus dem Jahrhundertbeginn« (Ulrich von Kritter). – Carl Otto Czeschka (1878–1960) gehörte zu den wichtigsten Künstlern der Wiener Werkstätte. 1907 kam er nach Hamburg und lehrte an der dortigen Staatlichen Kunstgewerbeschule Lerchenfeld. – Gedruckt auf leicht chamoisfarbenem samtigen Papier. »Die Leuchtkraft des Goldes kam durch Bronzieren zustande: Nach dem Vordruck einer gelben oder roten Farbe wurde Bronzepulver aufgestäubt« (Friedrich C. Heller).

15,0 : 14,0 cm. 67, [1] Seiten. – Rücken und Deckelkanten minimal gebräunt, innen tadellos.

Heller 158, 22 (in Schiefertafel IV/3). – Seebaß I, 726 und II, 621. – Stuck-Villa 356. – Hofstätter S. 244f. – Kritter 60

818a  Konrad Ferdinand von Freyhold. Bilderbücher. Band Sport und Spiel.

Schätzpreis/Estimate: € 800

Zuschlag/Hammerprice: € 530

3. bis 4. Tausend. Köln, H. & F. Schaffstein [1929]. Mit zwölf kolorierten Bildtafeln. Farbig illustrierter Originalhalbleinenband.

Das zweite »Bilderbuch« in reizendem Schablonenkolorit. – Abgebildet sind Kinder beim Reiten, Schwimmen, Segeln, Rad- und Schlittenfahren, Stelzenlauf und Schaukeln.

25,5 : 30,4 cm. [28] Seiten. – Deckel minimal fleckig, Ränder leicht gebräunt. – Klammerheftung gelockert.

Stark, Schaffstein 187. – Kat. Köln 516 (mit weiteren Angaben)

818  Kinderbücher – Konrad Ferdinand von Freyhold. Bilderbücher. Band Tiere.

Schätzpreis/Estimate: € 800

Zuschlag/Hammerprice: € 600

3. bis 5. Tausend. Köln, H. & F. Schaffstein [1929]. Mit zwölf schablonenkolorierten Bildtafeln. Farbig illustrierter Originalhalbleinenband mit Originalschutzumschlag.

1905 hatte der Verlag die Reihe mit diesem Titel eröffnet, die großen Erwartungen blieben aber unerfüllt: »Die Bücher waren trotz ihrer außergewöhnlichen künstlerischen Gestaltung überhaupt kein Erfolg« (Roland Stark, Schaffstein Verlag, Seite 66). So erschienen nur kleinste Auflagen und erst nach 25 Jahren ein Nachdruck in lediglich 500 Exemplaren. – Freyholds Bilder, »in ihrer unsäglich rührenden Unberührtheit und Kindlichkeit« (E. R. Weiß 1902 an Richard Dehmel) führen uns Tiere der ländlichen Umgebung (Kühe, Schafe, Schweine, Tauben) vor, die letzte Tafel mit Papageien versetzt den Betrachter in exotische Fernen. – »Freyholds Bilderbücher sind Marksteine in der frühen Entwicklung des Bilderbuches des 20. Jhdts.« (Klaus Doderer).

25,5 : 30,5 cm. [28] Seiten. – Schutzumschlag an den Rändern etwas eingerissen. Deckelränder schwach gebräunt.

Stark, Schaffstein 186. – Vgl. Kat. Köln 516 Anmerkung

819  Tom Seidmann-Freud. Das Zauberboot.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 700

Ein Bilderbuch zum Drehen, Bewegen und Verwandeln. (Das neue Wunderhaus). Berlin, Herbert Stuffer 1930. Mit zahlreichen farbigen Illustrationen, zwei Tafeln mit Zieh-, eine mit Drehmechanismus, und einer Schablone. Farbig Illustrierter Originalhalbleinenband.

Erste Ausgabe. – Originelles Spiel- und Experimentierbuch. – Tom (eigentlich Martha-Gertrud) Seidmann-Freud (1892–1930), eine Nichte von Sigmund Freud, war eine der innovativsten Bilderbuch-Künstlerinnen der 20er Jahre in Deutschland. Mit »Fischreise«, »Wunderhaus« und »Zauberboot« hat Seidmann-Freud traditionelle Stoffe in Büchern zum Drehen, Bewegen und Verwandeln experimentell aufgearbeitet. Mit ihrem »Buch der erfüllten Wünsche« hatte 1929 erstmals psychoanalytisches Gedankengut Eingang in die Kinderliteratur gefunden. Die Künstlerin beging 1930 Selbstmord. – Innen sehr gut erhalten, alle Dreh- und Ziehmechanismen intakt. – Selten.

24,1 : 20,7 cm. [10] Seiten. – Deckel minimal fleckig, einer mit kleinem Kratzer. Kanten schwach berieben.

Murken 9. – Vgl. Bilderwelt 660 und Lex. KJL III, 373

820  Sigmund Freud. Die Traumdeutung.

Schätzpreis/Estimate: € 7500

Zuschlag/Hammerprice: € 12000

Leipzig und Wien, Franz Deuticke 1900. Halbleinenband der Zeit, Rückentitel und zwei ornamentale Bordüren an den Kapitalen vergoldet, Deckel mit Marmorpapierbezug.

Erste Ausgabe des Jahrhundertwerks. – Der Verleger ließ 600 Exemplare drucken und datierte das Titelblatt selbstbewusst und geschäftstüchtig ins 20. Jahrhundert, obwohl das Buch bereits im November 1899 erschien. Nicht minder kategorisch stellt Freud sein Werk unter Vergils Motto: »Flectere si nequeo, acheronta movebo« (Wenn mich der Himmel nicht erhört, dann ruf’ ich die Hölle zur Hilfe). – Die »Traumdeutung« steht am Beginn der Psychoanalyse, die Freud berühmt und Berühmtheiten zu seinen Patienten werden lies. Freud sammelte eigene und fremde Träume und begann diese zu analysieren. Seiner Annahme nach äußern sich in unseren Träumen geheime, im Bewussten tabuisierte Wünsche. Seine Lehre gewann einen ungeheuren Einfluss auf Philosophie, Kunst und Literatur. – Diese Erstausgabe gilt vielfach als die letzte zuerst in Buchform publizierte wissenschaftliche Revolution, alle späteren Entdeckungen vergleichbarer Qualität erschienen zuerst in Zeitschriften oder anderen Medien. – Hervorragend gut erhaltenes Exemplar.

22,5 : 15,5 cm. [4], 371, [5] Seiten. – Rücken leicht aufgehellt. – Die letzten beiden Blätter mit kleinem Einriss im Unterrand. – Ganz vereinzelte leichte Bleistiftanstreichungen und knappe Stenographieanmerkungen.

Garrison/Morton 4980. – Printing and the Mind of Man 389. – Grolier/Medicine 87

821  Wiener Buchkunst – Kabarett Fledermaus.

Schätzpreis/Estimate: € 7500

Zuschlag/Hammerprice: € 7500

[Erstes und] 2. Heft. Wien 1907. Mit vier Farblithographien, je eine von Oskar Kokoschka und Bernhard Löffler, zwei von Fritz Zeymer (in Heft 1), neun Lithographien von Maria Jung (in Heft 2) und Buchschmuck von Carl O. Czeschka. Illustrierte Originalbroschuren.

Die beiden ersten, ungemein seltenen Programmhefte des 1907 von der Wiener Werkstätte gegründeten und ausgestatteten Theaters »Cabaret Fledermaus«. – »Im Cabaret Fledermaus wurde das Streben nach dem Gesamtkunstwerk am frühesten und auch am reinsten verwirklicht; von keinen Beschränkungen gehindert […] konnte Hoffmann das ihm vorschwebende Ideal verwirklichen.« (Schweiger, S. 140). – Beide Programmhefte dokumentieren die direkte Beteiligung der namhaftesten Künstler der Wiener Werkstätte: Kostüme und Ausstattungen sowie die Inszenierungen stammen von Fritz Zeymer, Josef Hoffmann, Carl Hollitzer, Bernhard Löffler, Carl Otto Czeschka u. a. – Als Dichter werden u. a. Peter Altenberg, Richard Dehmel und Hans Heinz Evers genannt. – Die breiten ornamentalen Bordüren auf allen Textseiten beider Hefte und den farbigen Umschlag von Heft 1 entwarf C. O. Czeschka. – Kokoschkas Farblithographie »Hirsch, Fuchs und Zauberer« (Wingler/Welz 20: »eine der frühesten genau datierbaren Arbeiten«) illustriert sein mechanisches Märchenspiel »Das getupfte Ei«, welches er zum Eröffnungsprogramm beitrug. Die Aufführung war Kokoschkas erster öffentlicher Auftritt. Wenige Wochen später las er im »Cabaret Fledermaus« »Die träumenden Knaben«.

24,2 : 23,0 cm. [22] Seiten bzw 24,7 : 23,5 cm. [20] Seiten. – Heft 1: Umschlag minimal stockfleckig, das Heft mit geglätteter senkrechter Mittelfalte. – Heft 2: Hinterumschlag etwas fleckig, Umschlag und ein Doppelblatt unten im Falz mit winziger restaurierter Fehlstelle. Heftklammern entfernt, Fadenheftung. Einige Anstreichungen mit Rotstift.

822  Minka Podhajská – Quido M. Vyskocil. Rytířové, panoši a krásné pastýřky.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Kniha pohádek. Illustrovala Minka Podhajská. Olmütz, R. Prombergra 1908. Mit farbig illustriertem Titelblatt, elf farbigen ganzseitigen Illustrationen und einigen Vignetten. Illustrierte Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Die Designerin und Illustratorin Minka Podhajská (1881–1963) studierte an der Kunstgewerbeschule Wien. Frühe Arbeiten wurden in den Jahren 1902 bis 1904 in Zeitschriften wie »Ver Sacrum«, »Hohe Warte« und »Die Fläche« veröffentlicht. Sie entwarf Spielzeuge für die Wiener Werkstätte und schuf zahlreiche graphische Arbeiten. Minka Podhajska wurde die am meisten gefeierte Schülerin von Adolf Böhm, einem Gründungsmitglied der Wiener Secession, und später der Wiener Frauenakademie. Sie gehörte der »Klimt-Gruppe« an, die 1905 aus der Secession ausgetretene Kunstgewerbler verband. 1919 ging sie nach Prag und war Gründungsmitglied des tschechischen Künstlerkonsortiums. Die tschechische Künstlerin lehnte das Übersättigte des Fin de Siècle ab und nutzte zwei Hauptquellen als Inspiration: Kinderzeichnungen und traditionelles Bauernspielzeug aus Holz (insbesondere das im Grödnertal, in Südtirol und im Erzgebirge hergestellte). – Das vorliegende kleine Märchenbuch »Ritter, Knappen und schöne Hirten« ist das extrem seltene Zeugnis einer vergessenen Künstlerin einer ungemein schöpferischen Zeit.

15,1 : 14,5 cm. 78,[2] Seiten. – Rücken etwas gebräunt.

Fanelli/Godoni II, S. 119

823  Alastair – Frank Wedekind. Erdgeist.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Zuschlag/Hammerprice: € 750

Tragödie in vier Aufzügen. – Die Büchse der Pandora. Tragödie in drei Aufzügen. München, Georg Müller 1920. Mit jeweils zwölf zweifarbigen Tafeln und ebensolchen Vorsatzpapieren von Alastair. Originalpappbände mit Buntpapierdeckelbezügen und vergoldetem Rückentitel. Zusammen in Originalkassette mit Deckelschild.

Eins von 500 Exemplaren (Gesamtauflage 550). – Beide Bände in den Orignal-Interims-Umschlägen und zusammen in der sehr seltenen Originalkassette. – Bei Erscheinen von »Erdgeist« 1895 wurde das Buch beschlagnahmt, 1896 erschien eine zweite Ausgabe. Beide Stücke blieben skandalträchtig und verfolgt. – Alastair »teilte mit Beardsley die Neigung zum Ornamentalen und Japonismus, mit Bakst die Vorliebe für das Kostüm. […] Seine minutiös ausgeführten Blätter entsprechen mit artistischem Raffinement den Formauffassungen und intellektuellen Besonderheiten des Jugendstil. A. bevorzugte die Rot-Schwarze Graphik dieser Epoche (am vollkommensten in seinen Ill. zu Wedekinds Büchse der Pandora und Erdgeist)« (AKL II, 7). – Beilage: Gefaltetes Doppelblatt, Verlagsankündigung »Carmen. Mit zwölf farbigen Illustrationen von Alastair«.

29,3 : 22,4 cm. 152, [4] und 108, [4] Seiten. Mit zusammen 24 Tafeln. – Ecken minimal berieben. Gelenke der Kassette geplatzt.

824  Hans Arp. Mondsand.

Schätzpreis/Estimate: € 1200 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

Gedichte Pfullingen, Günther Neske 1959. Mit sieben Radierungen. Originalleinenband mit Vorderdeckelillustration. Im Schuber.

Erste Ausgabe. – Eins von 300 im Druckvermerk signierten Exemplaren (Gesamtauflage 333). – Die Radierungen wurden bei Fequet & Baudier, Paris, von den unverstählten Platten auf Bütten gedruckt, der Text einseitig auf weißes Velin bei Ensslin & Laiblin, Reutlingen. – Ein Jahr später erschienen die Gedichte Arps nochmals ohne seine Radierungen. – Tadellos schönes Exemplar.

27,5 : 21,5 cm. [32] Blätter, 7 Radierungen.

Arp-Hagenbach 364

825  Rudolf Augstein. Die Zeit ist nahe …

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Ausrufpreis/Starting bid: € 1500

Ein szenisches Gleichnis. Typoskript (Durchschlagkopie). [1947].

Korrigierte Abschrift einer früheren, im Spiegel-Archiv verwahrten Fassung. Die dort von Augstein vorgenommenen Änderungen und Korrekturen wurden ausgeführt, aber auch die neue Fassung ist von ihm nochmals durchgesehen und handschriftlich korrigiert. – Originaldokument des einmaligen dramatischen Versuchs von Rudolf Augstein (1923–2002). Das Theaterstück des 24-jährigen SPIEGEL-Chefredakteurs und -Herausgebers wurde im November 1947 in Hannover uraufgeführt. Kurz nach Kriegsende wollte Augstein ein zeitloses Gleichnis zur Tragödie der Nazizeit schaffen. Während eines Pestjahres verstricken sich die Protagonisten im Palazzo eines Kardinals in Schuld, Angst und Hass. – Das Stück fiel beim Publikum durch, von der Kritik wurde es gnadenlos verrissen. Selbst »Der Spiegel« schonte seinen Chef nicht (»Herr Augstein droht mit einem zweiten Stück«). Das Stück erlebte keine weiteren Aufführungen. – Augstein verschenkte den hier vorliegenden Typoskriptdurchschlag an den damaligen Leiter des Berliner »Spiegel«-Büros, seinen Freund Reinhard Hoffmeister (1923–2016). Dieser bot 1975, wohl aus Verärgerung über Augstein, das Typoskript in einem Privatinserat der FAZ zum Verkauf an. Nach seiner Aussage lag das Höchstgebot damals bei 50.000 DM, dem erfolgreichen Bieter teilte Hoffmeister aber mit, dass er eigentlich gar nicht daran denke, das Manuskript zu verkaufen. – Das Originaldokument verblieb in Familienbesitz. – Wir danken Hauke Janssen, dem Leiter des Spiegel-Archivs, für seine freundlichen Auskünfte.

[2], 65 A4-Blätter in Leitz-Ordner. – Blatt 1 etwas gebräunt. Vereinzelte Blätter mit winzigen, geklebten Randeinrissen.

826  Hannes M. Avenarius. – Gerhart Hauptmann. Sonette.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausrufpreis/Starting bid: € 130

Radiert von H. M. Avenarius. Berlin, Hans Heinrich Tillgner 1921. Acht ganzseitige Radierungen, einschließlich Titelblatt und Druckvermerk. Originalhalbpergamentband mit Seidenbezug und Deckelvergoldung.

Erstes Buch der deutschen Kleinmeister. – Eins von 125 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf handgeschöpftem Bütten und in Halbpergament (Gesamtauflage 300). – Im Druckvermerk von Künstler und Autor signiert. – Hannes M. Avenarius schuf je eine Radierung zu den, hier ebenfalls radierten, Sonetten »Dumpfe Bode«, »Befreite Erde« und »Gott und Götter«. – Druck von Alfred Ruckenbrod.

31,4 : 27,0 cm. [16] Seiten. – Einband etwas angestaubt. Seidenbezug des Hinterdeckels an der unteren Ecke eingerissen und gelöst.

827  Heinrich F. S. Bachmair. Otto Julius Bierbaum.

Schätzpreis/Estimate: € 120

Ausrufpreis/Starting bid: € 80

Ein Kapitel neuer deutscher Buchkunst. München 1927. Mit 23 Abbildungen, meist auf Tafeln. Originalpappband. – Widmungsexemplar.

Eins von 150 Exemplaren. – Auf Bütten. – Der Text erschien bereits 1925 in »Monatshefte für Bücherfreunde und Graphiksammler« und wurde für die vorliegende, der Gesellschaft der Münchner Bücherfreunde von Georg Müller gestifteten, Ausgabe textlich und mit weiteren Abbildungen aus »Pan« sowie Insel und Georg Müller Verlag erweitert. Bierbaum war neben Heymel und Schröder Mitbegründer des Insel Verlags und leistete nicht nur dort einen wichtigen Beitrag zur modernen deutschen Buchkunst. – Mit eigenhändiger Widmung des Verfassers für Irm(in)gard von Freyberg, die Graphikerin und Scherenschneiderin, die Ende der 1920er Jahre u. a. bei Emil Preetorius in München studiert hatte.

26,5 : 18.8 cm. 18, [46] Seiten. – Rücken leicht angeplatzt.

Deutsche Bibliophilie 1898–1930 S. 197

828  Eduard Bargheer – Albert Camus. Der Gast.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Ausrufpreis/Starting bid: € 400

Mit acht Originalradierungen von Eduard Bargheer. Frankfurt am Main 1965. Mit acht Kaltnadelradierungen, davon sieben blattgroß. Lose Doppelblätter in illustriertem Originalumschlag und -leinenkassette mit Deckelillustration (Helmuth Halbach, Königstein).

Exemplar 30/300 (Gesamtauflage 310). – Im Druckvermerk von Künstler und Verleger signiert. – Druck des Textes auf Velin d’Arches in der Werkstatt der Trajanus-Presse unter Aufsicht von Arthur Wetzig, die Radierungen druckte Hermann Steidle, Essen. – Die Umschlag- und Vorderdeckelillustration wurde nach einem Aquarell Bargheers gedruckt. – Die Übersetzung von Camus’ »L’Hôte« stammt von Guido G. Meister.

44,7 : 32,3 cm. 43, [5] Seiten. – Kassettengelenke etwas verschlissen.

Rosenbach 199–206. – Spindler 40.30. – Isphording II, 38

829  Eduard Bargheer – Sophokles. Antigone.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 350

In der Übersetzung von Karl Reinhardt. Mit zehn Radierungen von Eduard Bargheer. Frankfurt am Main, Ars librorum 1967. Mit neun blattgroßen Radierungen, davon vier in Rötel gedruckt. Originalleinenband mit einer Radierung auf dem Vorderdeckel. In Originalleinenkassette (Helmuth Halbach, Niederhöchstadt).

16. Ars librorum Druck. – Eins von 175 Exemplaren (Gesamtauflage 200). – Vom Künstler im Druckvermerk signiert. – Auf Hahnemühle-Bütten. – Druck des Textes von Johannes Weisbecker, Frankfurt a.M., die Radierungen druckte Arnd Maibaum, Berlin. – In Bargheers Œuvre spielt die mediterrane Landschaft, sei sie nun tatsächlich erlebt oder mystisch vorgestellt, besonders auch als Handlungsort der antiken Dramen, eine zentrale Rolle. Nach Jürgen Eyssen bannte Bargheer »die tragische Ausweglosigkeit der antiken Schicksalstragödie in grandiose Masken«. – Tadellos.

44,3 : 31,5 cm. 81, [3] Seiten.

Rosenbach 242–251. – Spindler 40.36. – Tiessen III, 3

830  Georg Baselitz – 1001 Nacht. Die Geschichte des Lastträgers und der drei Damen.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 800

Münster, Kleinheinrich 1995. Mit vier zweifarbigen Radierungen von Georg Baselitz. Originalbroschur im -schuber.

Eins von 180 Exemplaren. – Im Druckvermerk signiert, datiert und nummeriert. – Die formatfüllenden Radierungen in Grün und Schwarz, gedruckt in Kopenhagen auf schweres und blütenweißes Velin »BFK Rives«, alle Blätter einseitig bedruckt. – »Das Geheimnis der Ornamente und die Gesten der Körper stehen in einem andauernden Wechsel von Sich-Zeigen und Verschwinden« (Nachwort). – Die Broschurbindung entstand bei Thomas Zwang, Hamburg. – Der Text wurde aus der Littmannschen Übersetzung des Insel Verlags entnommen, das Nachwort schrieb Siegfried Gohr, der Herausgeber der Buchreihe »Bilder-Worte · Worte-Bilder«, als deren Band 2 Baselitz’ Interpretationen der orientalischen Märchen erschienen. – Tadellos schönes Exemplar.

42,4 : 30,2 cm. 28 Blätter, 4 Radierungen.

831  Thomas Bayrle und Bernhard Jäger. Gesichter.

Schätzpreis/Estimate: € 400 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 270 ( R7 )

10 Original-Lithographien. Stierstadt, Eremiten-Presse 1962. Mit je fünf blattgroßen Lithographien der beiden Künstler, davon sechs farbig. Originalbroschur mit farbig wiederholter Lithographie.

Eins von 100 Exemplaren. – Im Druckvermerk von beiden Künstlern signiert. – Mit einem einleitenden Text von Werner Schreib. – Als Blockbuch gedruckt und gebunden. – Die Steine der Lithographien wurden nach Ausdruck der Auflage abgeschliffen, zuvor wurde der Stein der zehnten Lithographie zweigeteilt und zweifarbig auf dem Umschlag abgedruckt. – Das seltene Erstlingswerk von Thomas Bayrle (geboren 1937) entstand als Gemeinschaftsarbeit mit dem zwei Jahre älteren Bernhard Jäger. Beide hatten bis 1961 an der Werkkunstschule Offenbach studiert und noch im gleichen Jahr die Gulliver-Presse gegründet, in der mehrere gemeinsam illustrierte Werke erschienen.

28,0 : 17,0 cm. [28] Seiten. – Umschlagränder leicht gebräunt, Rücken etwas brüchig und mit winziger Fehlstelle.

Spindler 1.174. – Reske 170

832  Aubrey Beardsley. Die Geschichte von Venus und Tannhäuser,

Schätzpreis/Estimate: € 600

Ausrufpreis/Starting bid: € 400

worein gewebt ist eine genaue Beschreibung der Sitten am Hofstaate der Frau Venus […] woran die Abenteuer Tannhäusers daselbst […] geschlossen sind. Eine romantische Novelle. München, Hans von Weber [1909]. Flexibler Originalpergamentband mit grün-goldener Lederintarsie und Kopfgoldschnitt (Carl Sonntag jun., Leipzig).

Erste deutsche Ausgabe. – Eins von 246 Exemplaren »für einen privaten Kreis von Subskribenten« (Druckvermerk). – Satz aus der Hyperion-Antiqua. – Gedruckt in Braun, Rot und Grau auf Bütten »Original Handlinen P & H«. – »In entzückender Ausstattung hergestellt. Die Auflage ist bereits vergriffen und die im Handel vorkommenden Exemplare werden über den Publikationspreis bezahlt und steigen sicher wesentlich noch im Preise« (Hayn/Gotendorf). – Die Originalausgabe von Beardsleys unvollendeter einziger Prosaarbeit erschien 1907 in ebenso kleiner Auflage als Privatdruck in London. – Aus der Bibliothek Carl Georg von Maassen, mit dessen Exlibris. Maassen (1880–1940) gründete zusammen mit Franz Blei, Ernst Schulte-Strathaus und Hans von Weber die Gesellschaft der Münchner Bibliophilen. Ihr gehörten u. a. Karl Wolfskehl und die Verleger Georg Müller und Ernst Rowohlt an. In den Jahren 1920–23 gab er die Zeitschrift »Der Grundgescheute Antiquarius« heraus, deren Beiträge fast ausschließlich aus seiner Feder stammen. Von Haus aus wohlhabend, begann er schon als Gymnasiast, eine Bibliothek aufzubauen, die die Schriften E. T. A. Hoffmanns, seiner Zeitgenossen, Lehrmeister und Nachfolger vereinigen sollte. – Beiliegend: Eigenhändiger Brief des Künstlers Otto zu Gutenegg an Georg von Maassen.

24,4 : 18,5 cm. [16], 64, [4] Seiten. – Deckel leicht verzogen. – Äußerste Ränder minimal gebräunt.

Hayn/Gotendorf VII, 527 f. – Lasner 151 A

833  Marcus Behmer – Honoré de Balzac. Das Mädchen mit den Goldaugen.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Zuschlag/Hammerprice: € 250

Deutsche Übertragung von Ernst Hardt. Zeichnungen von Marcus Behmer. Leipzig, Insel 1904. Mit zehn Illustrationen und Buchschmuck nach Zeichnungen. Originalpergamentband mit braun-goldenen Buntpapiervorsätzen. Rückentitel, Deckelvignette und Kopfschnitt vergoldet (signiert: A. Köllner, Leipzig).

Eins von 500 Exemplaren. – Gedruckt auf Van Gelder-Bütten, die Illustrationen als Zinkographien auf Japan. – Nach Oscar Wildes »Salome« war dies die zweite umfangreiche und selbständige buchillustratorische Arbeit des damals gerade 25jährigen Behmer. Er entwarf auch die große Deckelvignette und die braun-gold gedruckten Vorsatzpapiere.

22,0 : 18,0 cm. [16], 91, [5] Seiten. 10 Tafeln. – Einband verfärbt und fleckig. Ecken leicht bestoßen. – Äußerste Ränder gebräunt. Eine Seite mit kleinem Einriss.

Haucke 5. – Sarkowski 86. – Schauer II, 45. – Fromm 1533

834  Marcus Behmer. Salome.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 1400

Elf Zinkätzungen. 1904. 17,4 : 12,4 cm (34,5 : 27,5 cm). Zehn monogrammiert, alle bezeichnet.

Unten links bezeichnet bzw. signiert »No 20 Marcus Behmer«. – Auf Japan. – Die vollständige Folge der zehn Salome-Illustrationen, hier zusätzlich ein elftes Blatt mit der großen Dornenbordüre des Doppeltitels. – Die Tuschzeichnungen zu dem Text von Oscar Wilde stellten Behmers erste umfangreiche Illustrationsarbeit dar. »Behmer hatte sich schon Anfang des Jahres 1901, noch in Frankreich lebend, bei Bierbaum um die Illustrationen zur Wilde-Ausgabe des Inselverlages beworben. 1903 […] stellte er die 11 Zeichnungen in der Berliner und Wiener Sezession aus.« (Marcus Haucke). Die zehn Jahre zuvor erschienenen Zeichnungen Beardsleys, die dieser zu seiner französischen Übersetzung des Textes publiziert hatte, lehnte Wilde ab: »Sie sind zu japanisch, während mein Stück byzantinisch ist«. – Die Titelbordüre bezeichnet mit »Am 16. Maerz 1904 Weimar | Marcus Behmer«, alle Blätter in einem etwas knapp gewählten Büttenumschlag, der mit »Elf Zeichnungen zu Oskar Wilde’s Salome fuer Rudolf Stumpf | Weimar am 16. Maerz 1904 | Marcus Behmer« bezeichnet ist. Beide Widmungen stammen wohl nicht von Behmer selbst, sondern eher vom Empfänger, der sie als Schenkungsvermerk notiert haben mag. – Wie hoch die Auflage dieser großformatigen Suitenausgabe war, die vom Insel Verlag ediert wurde, ist nicht belegt.

Ecken oben rechts leicht geknickt, sonst makellos.

Haucke 90. – Vgl. Sarkowski 1913

835  Walter Benjamin. Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik.

Schätzpreis/Estimate: € 2200 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 2000 ( R7 )

Bern, A. Francke 1920. Neuer Leinenband mit Titelschild.

Erste Ausgabe der Dissertation von Walter Benjamin, die er 1919 verteidigt hatte und in der bereits viele Motive seines späteren Denkens angelegt waren. – Erschien als Heft 5 der Neuen Berner Abhandlungen zur Philosophie und ihrer Geschichte. – »Walter Benjamin, für eine ganze Studenten- und auch Professorengeneration der ›doctor subtilis‹ eines undogmatischen Marxismus, geradezu ein dialektischer Messias, scheint nicht eben zu den Großmeistern des Witzes zu zählen. Immerhin hat er es aber während seines Studiums an der Universität Bern von 1917 bis 1919 zusammen mit seinem Freund Gershom Scholem zur Gründung einer Phantasieuniversität Muri mit einer gestandenen ›dämonologischen‹ Fakultät, ihm selber als ›Rector mirabilis‹ und Scholem als Pedell des religionsphilosophischen Seminars gebracht. Dort parodierte er, während er an seiner in der Tat äußerst subtilen Dissertation […] arbeitete, den nicht ganz so subtilen Geist gereimter wie ungereimter Wissenschaft« (Ludger Lütkehaus. Die schwersten Aufgaben warten noch. Februar 2009. Literaturkritik.de). – »Der Doktorand erlangte mit seiner Schrift einen akademischen Achtungserfolg und noch sechzig Jahre später galt diese Arbeit als ein Grundpfeiler in der Romantikforschung.« (Die Berliner Literaturkritik, 26.09.08). – Innen tadellos frisch.

21,3 : 14,2 cm. 111, [1] Seiten.

Leinweber 10

836  Thomas Bernhard. Auf der Erde und in der Hölle.

Schätzpreis/Estimate: € 750 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 500 ( R7 )

Gedichte. Salzburg, Otto Müller 1957. Schwarzer Originalkunststoffumschlag mit Titeln in Gelb und Rot.

Erste Ausgabe der ersten Buchveröffentlichung. – Auf Vélin. – Tadellos erhalten. – Sehr selten.

19,2 : 11,0 cm. 125, [2] Seiten.

Dittmar 8

837  Thomas Bernhard. In hora mortis.

Schätzpreis/Estimate: € 450 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Salzburg, Otto Müller 1958. Schwarze Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Nach »Auf der Erde und in der Hölle« der zweite Gedichtband Bernhards. – Sehr selten. – Dazu: Thomas Bernhard. Ave Vergil. Gedicht. Frankfurt am Main, Suhrkamp 1981. Erste Ausgabe. – Beide tadellos erhalten.

21,3 : 12,3 cm. 30, [2] Seiten.

Dittmar 9 und 89

838  Thomas Bernhard. Frost.

Schätzpreis/Estimate: € 450 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 450

Frankfurt am Main, Insel 1963. Originalleinenband mit Rückenschild und Originalschutzumschlag.

Erste Ausgabe. – Die Veröffentlichung seines ersten Romans »Frost« im Jahr 1963 bedeutete für Bernhard den literarischen Durchbruch, 1965 erhielt er dafür den Bremer Literaturpreis. – »Ich halte das Buch für eine der stärksten Talentproben, für eines der aufwühlendsten und eindringlichsten Prosawerke, die seit Peter Weiss von einem Autor der jüngeren Generation vorgelegt worden sind« (Carl Zuckmayer, Die Zeit, 1963, zitiert nach Dittmar).

19,5 : 12,5 cm. 357, [3] Seiten. – Rücken minimal verblasst. Schutzumschlag mit kleinen Randläsuren, hinten mit kleinen Kratzern.

Dittmar 21

839  Thomas Bernhard. Frost.

Schätzpreis/Estimate: € 350 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 250

Frankfurt am Main, Insel [1983]. Originalleinenband mit -schutzumschlag.

Faksimile der Erstausgabe, verlegt anlässlich des 20. Erscheinungsjahres. – Eins von 1000 vom Autor signierten und nummerierten Exemplaren. – »Ich halte das Buch für eine der stärksten Talentproben, für eines der aufwühlendsten und eindringlichsten Prosawerke, die seit Peter Weiss von einem Autor der jüngeren Generation vorgelegt worden sind.« (Carl Zuckmaier, »Die Zeit« 1963, zitiert nach Dittmar, S. 52).

19,6 : 12,5 cm. 357, [3] Seiten. – Schutzumschlag am Oberrand mit winziger Läsur.

Dittmar 21

840  Thomas Bernhard. Vier Erstausgaben.

Schätzpreis/Estimate: € 500 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 300 ( R7 )

1964–1981. Originaleinbände, drei mit -schutzumschlag.

I. Amras. Frankfurt am Main, Insel 1964. Originalpappband, ohne den Schutzumschlag. – II. Verstörung. Roman. Frankfurt am Main, Insel 1967. – III. An der Baumgrenze. Erzählungen. Salzburg, Residenz 1969. – IV. Ave Vergil. Gedicht. Frankfurt am Main, Suhrkamp 1981.

Gelenke von I leicht angeplatzt.

Dittmar 26, 37, 44 und 89

841  Joseph Beuys. Multiples + Grafik.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

Ausstellung Februar/März 1971, Galerie Schellmann München, Barer Straße 34. München, Schellmann und Klüser 1971. Mit zahlreichen Abbildungen. Originalringbuchordner.

Eins von 600 Exemplaren. – Früher Ausstellungskatalog, der zugleich die Vorstufe für alle späteren Oeuvreverzeichnisse der Multiples bildete. – Dazu: Multiples. Oeuvreverzeichnis sämtlicher multiplizierten Arbeiten: Objekte, Grafik, Postkarten, Schallplatten, Filme. Herausgegeben von Jörg Schellmann und Bernd Klüser. 3. erweiterte Auflage. Zwei Bände. München, Schellmann 1974. Zwei Originalringbuchordner. Enthält zahlreiche Interviews der Herausgeber mit Joseph Beuys.

25,0 : 24,0 cm.

842  Joseph Beuys – Axel Hinrich Murken. Joseph Beuys und die Medizin.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

Münster, F. Coppenrath 1979. Mit zahlreichen ganzseitigen Abbildungen. Brauner Originalfilzeinband mit Rot-Kreuz-Deckelvignette und Tragegriff.

Erste Ausgabe. – Die Einbandgestaltung entstand unter Mitwirkung des Künstlers und vereint Materialien und Symbole aus Beuys Œuvre. – Der Verfasser ist Arzt sowie Medizin- und Kunsthistoriker.

24,0 : 21,0 cm. 160 Seiten.

843  John Bock. Lütte mit Rucola.

Schätzpreis/Estimate: € 400 ( R7 )

Ausrufpreis/Starting bid: € 270 ( R7 )

Köln, Walther König 2011. Durchgehend farbig illustrierter Originalpappband, mit einem gehäkelten Herz als Beilage.

Exemplar der im Buch nicht bezifferten Vorzugsausgabe mit einer monogrammierten Tintenstiftzeichnung auf dem Innendeckel. – Das Buch entstand nach dem blutrünstigen Film des Aktionskünstlers John Bock, der skurrile Folterfantasien verbildlicht. – Ein ganz und gar nicht für Kinder gedachtes Bilderbuch, jedoch mit dicken Pappseiten im Stil eines unzerreißbaren Kinderbuchs gestaltet. – Jedes Blatt mit einer Ausstanzung, die entstehende Kammer birgt das liebevoll gehäkelte Herz. – Tadellos.

32,7 : 26,5 cm. [64] Seiten.

844  Gunter Böhmer. Ein Sommer in Paris.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 460

75 Zeichnungen und Aquarelle mit einem Nachwort des Malers. Zürich und Stuttgart, Aldus Manutius 1959. Mit zahlreichen blattgroßen Abbildungen. Farbig illustrierte Originalbroschur. Im Originalschuber.

Eins von 30 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit einer bisher unveröffentlichten signierten, datierten und betitelten Zeichnung. – Gesamtgestaltung von Gunter Böhmer. – »Die vorliegenden Blätter wurden aus meinen Pariser Tagebüchern und Mappen ausgewählt und verkleinert reproduziert. Sie entstanden im Sommer 1953, in den ersten Wochen unseres Pariser Aufenthaltes, des wievielten? […] Mein Motto: ›je ne travaille pas, je m’amuse (en travaillant!)‹« (Nachwort).

24,4 : 17,9 cm. [86] Seiten.

Rysawi 112

845  Gunter Böhmer. Thomas Mann und Felix Krull.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausrufpreis/Starting bid: € 200

Radierung. Um 1980. 53,5 : 40,5 cm (80,0 : 58,0 cm). Signiert und nummeriert.

Exemplar 27/100. – Auf Velin. – Böhmer kombinierte in der großformatigen Radierung mehrere Porträts des Dichters und dessen Romanfigur, verbunden mit Kalligraphie und Signeten. – Wohl in zeitlichem Zusammenhang mit der Felix Krull-Ausgabe der Büchergilde Gutenberg (1981) entstanden. Seit 1955 erschienen vier Werke Thomas Mann mit Illustrationen von Gunter Böhmer. – Mit dem Trockenstempel »Atelier Sammet«.

Am linken Rand minimal gebräunt. – Nicht außerhalb des Rahmens begutachtet.

846  Bertolt Brecht. Svendborger Gedichte.

Schätzpreis/Estimate: € 1000

Zuschlag/Hammerprice: € 1500

London, Malik 1939. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe, vom Verfasser signiert. – Enthält »Deutsche Kriegsfibel«, »Chroniken« und »Deutsche Satiren (für den deutschen Freiheitssender)«, dort u. a. »Die Bücherverbrennung«, Brechts Loblied auf Oskar Maria Grafs Brief mit der Aufforderung »Verbrennt mich!«. – Die im Buch angekündigten Bände III und IV der Gesammelten Werke sind nicht mehr erschienen. »Svendborger Gedichte« war das letzte Buch im Londoner Exil des Malik-Verlags. – Herausgegeben unter dem Patronat der Diderot-Gesellschaft und der American Guild for German Cultural Freedom. Gedruckt in Kopenhagen. – Unbeschnitten.

22,0 : 15,8 cm. 87, [1] Seiten. – Der Umschlag gebräunt und mit einigen Läsuren. – Auf S. 62 einige englischsprachige Bleistiftanmerkungen.

Hermann, Malik 22. – Vgl. Nubel A 112, Melzwig 155.1, Raabe/Hannich-Bode 41.16, Sternfeld/Tiedemann 74 und Gittig, Malik 305 – die alle diese Vorzugsausgabe nicht erwähnen

847  Bernard von Brentano. Fünf Erstausgaben, zwei mit Widmung.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 190

1934–1962. Originalleinenbände, eine -broschur, vier mit Schutzumschlag.

Der Schriftsteller und Journalist Bernard von Brentano (1901–1964) arbeitete, bevor er 1933 in die Schweiz emigrierte, beim Feuilleton der »Frankfurter Zeitung« und wurde dort Nachfolger seines Freundes Joseph Roth. – I. Berliner Novellen. Zürich, Oprecht & Helbing 1934. Mit zehn Linolschnitten von Clément Moreau, acht im Buch, zwei auf dem Schutzumschlag. Der proletarische Künstler Carl Meffert lebte unter dem Pseudonym Moreau in der Schweiz. – II. Theodor Chindler. Roman einer deutschen Familie. Zürich, Oprecht 1936. Ohne Umschlag. – III. Tagebuch mit Büchern. Zürich, Atlantis 1943. Mit Schutzumschlag. – IV. Das unerforschliche Gefecht. Eine Erzählung in Versen. Zürich, Werner Classen 1946. Broschur. Auf dem Vortitel die Widmung für den Limes-Verleger »Für Max und Lilo Niedermayer zur Erinnerung an meinen ersten Wiesbadener Aufenthalt diese erste Fassung | Brentano Mai 1948«. – V. Schöne Literatur und öffentliche Meinung. Literarische Essays. Wiesbaden, Limes 1962. Auf dem Vortitel: »Auch die Freiheit ist eine geistige Situation (S.30). Meinem lieben Peter von dem Verfasser BvB | Oktober 1962«. – Beigabe: Max Niedermayer. Pariser Hof. Wiesbaden, Limes 1965. Mit Tafeln. Originalbroschur. Erinnerungen des Limes-Verlegers 20 Jahre nach Verlagsgründung.

Exil-Archiv 710, 718, 717 und 720 (I–IV). – I: Friedrich/Meffert B 9

848  Rolf Dieter Brinkmann. Ihr nennt es Sprache.

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Achtzehn Gedichte. Leverkusen, Klaus Willbrand 1962. Rote Originalbroschur.

Erste Ausgabe der ersten selbständigen Veröffentlichung Brinkmanns. – Texte, Heft 1. – Eins der wenigen im Druckvermerk von Brinkmann signierten und nummerierten Exemplare. Laut Druckvermerk sollten 500 Exemplare nummeriert und signiert werden, Brinkmann tat dies aus Verärgerung über die zahlreichen Druckfehler nur bei einem kleinen Teil der Auflage und verhinderte die Auslieferung zu Lebzeiten.

21 : 20 cm. 29, [3] Seiten. – Rücken leicht verblasst.

Geduldig/Wehebrink 1. – Seinsoth 1

849  Günter Brus. Geschichte aus dem Sommerhaus.

Schätzpreis/Estimate: € 1200 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1200

Berlin, Hohengebraching 1975. 32 Abbildungen, montiert auf klammergeheftete Packpapierseiten.

Eins von 50 Exemplaren. – Sehr seltene Edition, das Originalmanuskript mit 32 Matrizendrucken auf Papier, handabgezogen auf einer Rena »Renaplan«-Spiritdruckmaschine (Druckvermerk). – Druckvermerk vom Künstler signiert.

16 Blätter. 13,5 : 21,0 cm. – Ränder minimal geknickt.

850  James Lee Byars. The Golden Tower.

Schätzpreis/Estimate: € 900 ( R19 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1300

Serigraphie in Gold auf schwarzem Papier. 1974. 134,5 : 29,5 cm (192,7 : 49,8 cm).

Origineller Katalog zur Ausstellung in der Berliner Galerie Springer und zugleich Einladung zur Eröffnung. – Entwurf des Kataloges durch den Künstler, »Dieser Katalog hat seine exakte Körpergrösse«. – Auf zwei Blätter gedruckt, hier noch nicht zusammengesetzt. – Im Werk des US-amerikanischen Künstlers James Lee Byars (1932–1997) war die Farbe Gold seit Ende der 1960er Jahre ein immer wiederkehrendes Gestaltungsmotiv.

Ein winziger Randeinriss (2 mm), minimal gewellt.