ChristianHesse

Lot 851 – 900 | Hesse-Auktionen
Lot 851 – 900

851  Joachim Sartorius und James Lee Byars. The Golden Tower.

Schätzpreis/Estimate: € 180

Ausrufpreis/Starting bid: € 120

Köln, Walter König und Berlin, DAAD 1992. Schwarzer Originalseidenband mit schwarzem, unbedruckten Originalumschlag. In schwarzem Originalpappschuber.

Eins von 333 Exemplaren; die auf dem Schuber angekündigte Vorzugsausgabe von XIII Exemplaren ist nie erschienen. – 100 Blatt schwarzer Karton, davon 32 mit je einer Textzeile in Perforationsschrift. – Die Texte teils in Englisch, Deutsch und reiner Phantasiesprache.

22,7 : 14,2 cm. [100] Blätter.

852  Jean Cocteau. Les enfants terribles.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Roman. Paris, Bernard Grasset 1929. Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Unnummeriertes Autorenexemplar. – Mit eigenhändiger Widmung auf dem Vortitelblatt: »au docteur Friedmann cet hommage de Jean Cocteau«. – Jean Cocteau (1889–1963) veröffentliche schon im Alter von 17 Jahren erste Gedichte, 1919 erschien sein Debütroman »Le Potomak«. Der Universalkünstler arbeitete als Schriftsteller, Maler, Regisseur und Schauspieler. – »Les enfants terribles« schrieb Cocteau während eines Opiumentzugs. Die tragische Geschichte basiert auf der engen und ungewöhnlichen Beziehung der Geschwister Jeanne und Jean Bourgoint, mit denen Cocteau befreundet war. Zeitweilig war er der Liebhaber des Bruders, 1929 beging Jeanne Selbstmord. Überwältigt von den Geschehnissen schloss Cocteau den Roman in nur drei Wochen ab.

18,7 : 12,0 cm. [6], 228, [2] Seiten. – Rücken beschädigt. Vorderer Umschlag ca. zur Hälfte gelöst. Kanten mit kleinen Knicken und Einrissen.

853  Jean Cocteau. Poèmes écrit en Allemand.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 700

[Den Haag], Le Lapin et le Chat 1944. Originalbroschur. – Widmungsexemplar mit Zeichnung.

Eins von 200 Exemplaren. – Erste Buchausgabe, erschienen in dem von Huib van Krimpen gegründeten Untergrundverlag. Die sechs Gedichte hatte Cocteau 1934 in deutscher Sprache für Klaus Manns Exilzeitschrift »Die Sammlung« geschrieben. – Auf dem Titelblatt eine große Kugelschreiberzeichnung von Cocteau mit dem deutschsprachigen Zusatz »sonst geht es fort«, gewidmet 1962 für Hein(z) Kohn (1907–1979), der als Jude 1933 aus Deutschland nach Holland geflohen war und 1934 dort den Buchclub »Boekenvrienden Solidariteit« gegründet hatte. Er verlegte u. a. Werke von in Deutschland verfolgten Autoren, bis er nach der Besetzung der Niederlande selbst im Widerstand arbeitete und untertauchen musste. Nach Verhaftung und Flucht überlebte er bis zum Ende des Krieges im Untergrund. – Jean Cocteau (1889–1963) war seit den 1920er Jahren mit dem deutschen Bildhauer Arno Breker befreundet gewesen und bekannte sich auch während der deutschen Besatzungszeit seiner Heimat zu dieser Freundschaft, was ihm seitens dem Widerstand nahestehender Freunde und Kollegen angelastet wurde.

24,7 : 16,2 cm. [12] Seiten. – Leichte Knitterfalten. Titelblatt mit kleinen Braunflecken.

854  Paul Celan. Mohn und Gedächtnis.

Schätzpreis/Estimate: € 800

Ausrufpreis/Starting bid: € 530

3. Auflage. Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt 1958. Schwarzer Originalleinenband mit goldgeprägtem Rücken- und Deckeltitel und dem Folienumschlag. – Widmungsexemplar.

Mit eigenhändiger Widmung des Verfassers »Für Wolfgang Carl / Paul Celan / Paris, September 1958«. – Der zweite Gedichtband Celans erschien erstmals 1952.

19,1 : 11,8 cm. 75, [5] Seiten. – Der Folienumschlag oben abgerissen. Rücken etwas verblasst.

Glenn B 02

855  Paul Celan. Gedichte 1938–1944. – Schneepart.

Schätzpreis/Estimate: € 180

Zuschlag/Hammerprice: € 120

– Faksimileausgaben der Handschriften. Frankfurt am Main, Suhrkamp 1985 und 1976. Schwarzer Originallederband und -pappband im Schuber bzw. weißer Originalkalblederband mit Goldprägung im Schuber.

I. Eins von 1000 Exemplaren. – Mit dem Band »Transkription« mit einem Vorwort von Ruth Kraft, in der sie die frühe Begegnung mit dem Dichter beschreibt. Das kleine Lederbändchen mit Celans frühesten Dichtungen legte sie 1945 Alfred Margul-Sperber vor, der sofort die Meisterschaft des jungen Dichters erkannte. Sperbers Ehefrau suggerierte damals das Anagramm von Celans rumänischen Familiennamen »Ancel«. – II. Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe in Leder (Gesamtauflage 1000). Celan schloss das Manuskript im September 1969 ab. Aus dem Nachlass zeitgleich mit der Druckausgabe veröffentlicht. – Eine Beigabe.

Glenn B 29 und B 19a

856  Hanne Darboven. Urzeit / Uhrzeit.

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 260

New York, Rizzoli 1990. Mit einigen montierten farbigen Abbildungen nach Fotografien und zahlreichen nach Collagen und Zeichnungen. Originalleinenband im Schuber.

Eins von 250 Exemplaren, weitere 50 kamen nicht in den Handel. – Von der Künstlerin auf dem Vortitel monogrammiert, im Druckvermerk nummeriert. – Gedruckt in der von Hans Mardersteig gegründeten Stamperia Valdonega. – Das opulente Künstlerbuch der Konzeptkünstlerin Hanne Darboven (1941–2009) zeigt eine Auswahl des zwischen 1978 und 1988 entstandenen Werkes »Urzeit/Uhrzeit«, das aus 26 Einzelbänden besteht. Das vorliegende Künstlerbuch beschränkt sich auf 148 Blätter. Jeweils vier Blätter daraus werden auf je einer Seite präsentiert. »Darboven hatte sich in ihren Werken bereits mehrfach mit der Evolutionsgeschichte des Menschen beschäftigt. Ihre Bildsprache, die das Sichtbarmachen von Zeiträumen ausdrückt, verbindet codierte Berechnungen und Assoziationsketten mit Zitaten und Fotografien, die die Künstlerin nach bestimmten Kriterien anordnet. Dieses Opus Magnum – herausgegeben von der Ehefrau Claes Oldenburgs, Coosje van Bruggen – hat niemals die Aufmerksamkeit erhalten, die es verdient hätte.« (Verlagsankündigung). – Tadellos.

42,5 : 30,0 cm. 246, [4] Seiten.

857  Josef Eberz. Nächtlicher Circus.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 380

Sechs Holzschnitte. München, Goltz 1920. Sechs lose Blätter in Originalumschlag mit Titelholzschnitt.

Eins von 170 Exemplaren, im Druckvermerk signiert (Gesamtauflage 200). – Auf Bütten. – Opus I der Reihe »Graphische Capriccios«, einer »Reihe von Mappenwerken der Künstler der Galerie Neue Kunst Hans Goltz in München«. Weitere Mappen, u. a. von George Grosz und Paul Klee, waren geplant. – Josef Eberz studierte zunächst bei Franz Stuck an der Kunstakademie München, als Meisterschüler Adolf Hölzels schloss er sein Studium in Stuttgart ab. Eberz war Mitglied der »Neuen Münchner Secession«. Er profilierte sich als Kirchenmaler und Gestalter von Mosaiken und Glasfenstern und unterrichtete als Professor an den Münchner Lehrwerkstätten.

26,8 : 24,6 cm. 6 Blätter. – Mappe im Falz mit Filmoplast hinterlegt, Ränder mit kleinen Knicken und Verlusten. – 1 Blatt mit kleinem Eckverlust, 1 mit winzigen Läsuren am Unterrand.

Sennewald 20,1

858  [Kasimir] Edschmid. Bilder / Lyrische Projektionen.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 750

Begleitet durch sechs Holzschnitte von Hermann Georgi. Darmstadt, H. Hohmann 1913. Mit sechs blattgroßen Holzschnitten. Originalbroschur mit illustriertem Pergamentumschlag.

Erste Ausgabe. – Eins von 21 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten und in Pergamentumschlag geheftet (Gesamtauflage 210). – Im Druckvermerk von Dichter und Künstler signiert. – Die zweite Veröffentlichung des Dichters, noch unter seinem eigentlichen Namen Ed Schmid. 1915 erschien seine erste Publikation, der Novellenband »Die sechs Mündungen bei Kurt Wolff in Leipzig. »Ganz allein der Zufälligkeit eines dahin gerichteten Gestaltungsdranges verdankt dieser Cyklus seine Entstehung in dem wachsenden Willen: den dekorativen, seelischen oder pigmentären Gehalt der Bilder auszuschöpfen und in die neue Form zu fassen. […] Dass für die Auswahl von Maler und Sujets grundsätzlich und allein nur die Laune des Autors massgebend gewesen ist, sei hinzugefügt…« (Vorrrede). – Hermann Georgi war wie Edschmid Mitglied der Darmstädter Sezession und Mitarbeiter der »Dachstube« und des »Tribunal«.

23,7 : 23,7 cm. [60] Seiten. – Umschlag angestaubt und etwas fleckig, Heftband gerissen. – Innen papierbedingt gebräunt.

Raabe/Hannich-Bode 60.2. – Lang, Expressionismus 80. – Jentsch, Expressionismus 13

859  Dietz Edzard – Nicolai Vasilewic Gogol. Wij.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 420

Eine Volkslegende. Mit sechs Radierungen von Dietz Edzard. München, Pflüger 1924. Mit sechs signierten Radierungen. Originalumschlag und sechs Passepartouts lose in Originalhalbpergamentmappe.

Eins von fünf nicht für den Handel bestimmten Exemplaren, hier bezeichnet als Exemplar »A«. Darüber hinaus erschienen 100 nummerierte Exemplare. – Ins Deutsche übertragen von Karl Nötzel. – Der Text auf Bedenk-Bütten, die signierten und mit »A« bezeichneten Radierungen, in Passepartouts beigelegt, auf chamoisfarbenem Bütten.

42,3 : 30,3 cm (Mappe). [10], 32, [6] Seiten. – Textheft und einige der Radierungen stockfleckig.

Katalog Lindenau-Museum 482-487. – Sennewald 24,2. – Lang, Expressionismus 44. – Jentsch, Expressionismus 144

860  T. S. Eliot. Geoffrey Faber.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 270

1889 – 1961. London, Faber & Faber 1961. Originalpappband mit goldgeprägten Titeln. Im Originalschuber.

Privatdruck anlässlich der Gedenkfeier für Sir Geoffrey Faber in St. Giles-in-the-Fields, Holborn, 10. Mai 1961. – Eins von 100 Exemplaren auf Japan. – Als Blockbuch gedruckt und gebunden. – Geoffrey Faber (1889–1961) gründete 1925 zusammen mit Sir Maurice und Lady Gwyer den Verlag Faber & Gwyer, nach Gwyers Ausscheiden 1929 wurde der Verlag in Faber & Faber umbenannt. T. S. Eliot, der seine Gedichte aus den 1920er Jahren hier veröffentlichte, fungierte als Berater des Hauses und arbeitete in der Verlagsleitung mit. Seit 1963 wird Geoffrey Faber zu Ehren der gleichnamige britische Literaturpreis verliehen.

20,3 : 11,7 cm. 19, [5] Seiten. – Rücken etwas verblasst.

861  Lucio Fontana – Manifiesto Blanco.

Schätzpreis/Estimate: € 350 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 650

Mailand, Gallerie Apolliniare 1966. Mit zahlreichen meist blattgroßen und farbigen Abbildungen. Originalhalbleinenband.

Documenti e personaggi, 1. – Mit schwungvoller eigenhändiger Widmung von Lucio Fontana neben seinem Portätfoto. – 1946 erschien in Buenos Aires das berühmte von Lucio Fontana inspirierte viersprachige Manifest, das die »Movimento spaziale« begründete. – Zwei Jahrzehnte später folgte dieses Faksimile der spanischen Fassung mit den Übersetzungen ins Italienische, Französische und Englische sowie zusätzlich ins Deutsche. Der großformatige Band enthält einige weitere Fontana gewidmete Texte.

48,0 : 33,0 cm. [80] Seiten. – Deckelkanten minimal berieben, Schuber beschädigt. – Das erste Porträt lose.

862  Franz Fühmann – Der Wahrheit nachsinnen – Viel Schmerz.

Schätzpreis/Estimate: € 120

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Band 1: Georg Trakl. Gedichte · Dramenfragmente · Briefe. Herausgegeben von Franz Fühmann. – Band 2: Franz Fühmann. Gedanken zu Georg Trakls Gedicht. Leipzig, Philipp Reclam 1981. Mit 16 Farbtafeln nach Aquarellen und Zeichnungen von Egon Schiele. Zwei Originalpappbände und eine Originalbroschur, zusammen im Originalschuber.

Erste Ausgabe. – Eins von 115 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit einem beigelegten Autograph Fühmanns, einer Abschrift des Trakl-Gedichts »Im Schnee« (gefaltetes Büttenblatt) und im Druckvermerk von Band 2 von Fühmann signiert. – Fühmanns Trakl-Essay, als Vorwort konzipiert und dann auf den dreifachen Umfang der Trakl-Auswahl angewachsen, erschien hier gekürzt und bearbeitet. Fühmanns Text, ein Jahr später unter dem Titel »Vor Feuerschlünden« (in der BRD »Der Sturz des Engels«) vollständig erschienen, ist einer der bewegendsten Essays (nicht nur) der DDR-Literaturgeschichte. Fühmanns erste Begegnung mit dem Werk des Frühverstorbenen Salzburger Dichters datiert in den letzten Kriegstagen. Neben Leben und Werk Trakls erläutert Fühmann seine wechselvollen, aber bis zur Selbstzerstörung authentischen, Wandlungen vom Hitlerjungen zum Stalinverehrer und zum an den Erstarrungen des Realsozialismus Verzweifelnden. – Sehr selten und tadellos erhalten. – Dazu: Drei Erstausgaben Fühmanns (Saiäns-Fiktschen, 1981; Essays, Gespräche, Aufsätze 1964–1981, 1983; Das Ohr des Dionysios, 1985).

22,0 : 12,8 cm. 250, [2] ; 98, [2] Seiten, 16 Tafeln, 1 Autographenblatt. – Rückenschild von Band 1 mit leichten Leimspuren.

863  Felix Martin Furtwängler. Totentanz.

Schätzpreis/Estimate: € 3000

Zuschlag/Hammerprice: € 3200

Text + Holzschnitt. Berlin, Tyslander Press 1988. Zwölf signierte Farbholzschnitte mit zwölf Seiten Holzschnitttext. Lose Doppelbogen in bemalter Originalhalblederkassette.

Eins von zwei Künstlerexemplaren, neben weiteren sechs des vierten Zustands. Insgesamt erschienen 30 nummerierte Exemplare in fünf verschiedenen Zuständen. – Der erste Holzschnitt signiert und mit »e/a 1/2« bezeichnet, auch der Druckvermerk vom Künstler signiert. – Eindrucksvoll und großformatig kommen die zwölf Blätter daher: Seinen Totentanz druckte Felix Martin Furtwängler (geboren 1954) auf zwölf schwere unbeschnittene Velin-Doppelblätter. Jedem Bild ist eine Textseite gegenübergestellt, dem ersten der Titel, dem letzten der Druckvermerk. Alle Texte schnitt Furtwängler, inspiriert von mittelalterlichen Unizialschriften, in Holzplatten. – »Furtwänglers Tod setzt sich der namenlosen Angst aus, die den Tod selbst befallen hat. Auf diesen Blättern vernehmen wir kein Wort des Trostes. Trümmer, Fragmente, Fetzen wirbeln chaotisch durcheinander […]. Nicht der Kreislauf des Werdens und Vergehens, diese wundervolle Hoffnung, sondern der endgültige Tod, das endgültige Aus sprechen aus diesen Blättern« (J. Kruse, in Katalog »Totentänze« der HAB Wolfenbüttel, S. 253). – Die Kassetten aus schwarzem Leinen und Leder wurden individuell bemalt. – 70 Jahre zuvor hatte Julius Rodenberg seine Idealvorstellung einer Einheit von Wort und Bild in einem gemeinsamen Druckverfahren postuliert, Furtwängler realisierte sie in diesem großartigen Zyklus. – Makellos.

Holzschnitte: 42,5 : 40,0 cm, Papier: 49 : 92 cm (Doppelseiten).

Katalog »Totentänze« der HAB Wolfenbüttel 86. – Soltek 46

864  Felix Martin Furtwängler. Simsalabin.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Ausrufpreis/Starting bid: € 1400

Gedicht & Neue Graphik, herausgegeben von Harald Weller. Berlin, Privat Presse 2014. Mit 17 signierten ganzseitigen Tiefdrucken, davon elf mehrfarbig. Originalhalblederband mit Farbschnitten als Deckelbezug und Vorsatzpapier. Im schwarz-blau serigraphierten Originalschuber.

Erste Ausgabe. – Eins von 18 Exemplaren, die erste Radierung nummeriert, auch im Druckvermerk vom Künstler signiert und dort mit »fecit felix« bezeichnet. – Auf schwerem Hahnemühle-Bütten. – Der Band vereint Gedichte des Künstlers mit Tiefdrucken, die in einem Verfahren entstanden, zu dem der Künstler uns schrieb: »Ich hoffe, dass dies meine Erfindung ist, aber wahrscheinlich wieder mal nicht …«: Mit Kunststoff beschichtete Aluminiumplatten wurden mit Tusche, Stiften etc. bearbeitet, belichtet und dann mit der Hand nur kurz ausgewaschen. Die farbigen Partien wurden mit transparenten Farben im Buchdruck über die schwarzen Partien gedruckt. – Die Texte wurden aus der Linotype Schreibmaschine gesetzt und stehen jeweils einer Graphik gegenüber auf Doppelseiten. – Die Graphiken druckte Dieter Béla in Berlin, der schöne Handeinband entstand in der Werkstatt Ludwig Vater, Jena. – Makellos.

39,7 : 27,5 cm. [40] Seiten.

865  Felix Martin Furtwängler – B. K. Tragelehn. Über B[recht] und B[enjamin].

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 800

Für E. W. Berlin, Privatpresse 2018. Mit 21 Farbholzschnitten, davon sechs blattgroße signiert. Originalhalbleinenband mit Packpapierdeckelbezug und Deckelbild. Im Schuber.

Eins von 14 Exemplaren, von denen nur fünf für den Verkauf bestimmt waren. – Privatdruck für Erdmut Wizisla, den Leiter des Bertolt-Brecht-Archivs an der Akademie der Künste, anlässlich seines 60. Geburtstages. – Neben der Schlussvignette von Autor, Jubilar und Künstler signiert. – Auf strahlend weißem Velin. – Der Band vereint Erstdrucke verschiedener Gedichte und Texte des Theaterregisseurs und Schriftstellers B. K. Tragelehn zu Bertolt Brecht, Walter Benjamin und Ulrike Meinhof aus mehr als fünf Jahrzehnten, darunter auch das Musikstück »Jüngste Erscheinung des Engels der Geschichte in memoriam Ulrike Meinhof«. Tragelehn, Jahrgang 1936 und Meisterschüler von Brecht, wurde 1961, nachdem seine Heiner Müller-Inszenierung » Die Umsiedlerin« als konterrevolutionär eingestuft wurde, aus der SED ausgeschlossen. Zahlreiche bedeutsame Inszenierungen folgten, 1976 gehörte er zu den Unterzeichnern der Biermann-Petition und verließ 1979 die DDR. – Die farbigen Graphiken Furtwänglers sind Handdrucke des Künstlers, die blattgroßen meist signiert. – Tadellos erhalten.

30,5 : 21,3 cm. 41, [7] Seiten.

866  Rainer M[aria] Gerhardt. Der Tod des Hamlet.

Schätzpreis/Estimate: € 350

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Freiburg, Gruppe Fragmente 1950. Fadengeheftete Originalbroschur mit Umschlag aus japanischem Faserpapier, Monogrammstempel auf dem Vorderdeckel..

Eins von 25 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten (Gesamtauflage 600). – Im Druckvermerk vom Autor signiert. – Rainer Maria Gerhardt (1927−1954) gründete mit seiner Frau Renate und Claus Bremer den »fragmente-Verlag« und publizierte Werke u. a. von Artaud, Miller, Creeley, Olson und Pound. Anerkennung oder ein nennenswertes Echo auf Gerhardts literarisches Programm, an das später andere erfolgreich anknüpften, blieben aus. »Der Dichter und Verleger Rainer Maria Gerhardt, der 1954 im Alter von siebenundzwanzig Jahren aus dem Leben schied, war tatsächlich so etwas wie ein Heiliger der Literatur. Um ihr zu dienen und um seine Zeitschrift ›fragmente‹ zu finanzieren, führte er ein Leben in Armut und voller Verzicht. Er hatte eine Vision und scheiterte erbarmungswürdig« (»Heiliger im Dienst der Poesie«, faz.net, 25.5.77). – Mit 27 Jahren beging Gerhardt, finanziell ruiniert und literarisch isoliert, Selbstmord.

23,0 : 15,5 cm. 21, [3] Seiten.

867  Bert Gerresheim – Walter Aue. Memorandum.

Schätzpreis/Estimate: € 180

Ausrufpreis/Starting bid: € 120

Gedichte von Berlin. Sieben Holzschnitte von Bert Gerresheim. Duisburg, Guido Hildebrandt 1966. Mit sieben signierten Holzschnitten, fünf blatt-, einer doppelblattgroß. Fadengeheftete Doppelblätter in Originalleinwandmappe mit Rückenschild.

Hundertdruck III. – Eins von 100 Exemplaren. – Gestaltung, Typographie, Handsatz und -druck von Klaus Ulrich Düsselberg. – Vom Autor im Druckvermerk signiert.

39,0 : 27,5 cm. [26] Seiten.

Spindler 157.3

868  Philip Glass. – Laurie Anderson.

Schätzpreis/Estimate: € 250 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 170

Dokumente zum künstlerischen Schaffen.

Sammlung von diversen Originaldokumenten, Programmheften, Büchern, Schallplatten und Zeitungsartikeln zum Schaffen der beiden berühmten Musiker. – Philip Glass (geboren 1937): Pressematerial zu »The Making of the Representative for Planet 8« nach dem Libretto von Doris Lessing, dazu 2 Fotografien von Philip Glass und Doris Lessing. – Porträtfoto von Koos Breukel. – »Breaking in the Kitchen«, New York, 1987. – »Einstein on the Beach« mit Lucinda Childs, New York, 1984; Fotografie von Tom Caravaglia. – »Jean Cocteau. La belle et la bête.« Een opera voor ensemble en film, Amsterdam, 1994, signiert. – »Symphony No.5« Choral, Salzburg, 1999. – »Music by Philip Glass«, New York, 1987, Buch mit eigenhändiger Widmung. – Laurie Anderson (geboren 1947): Porträtfotografie von Frans Schelekens, Silbergelatine. Signiert von Laurie Anderson. – »0 Superman«, EP 1981. – »Empty Places«, Programmheft zur Weltpremiere, Umschlaggestaltung von Sol LeWitt. – Pressefoto Warner Bros., 1994. – »Germano Celant, Laurie Anderson Dal Vivo«, Buch, Mailand 1998. – In zwei Sammelordnern, genaue Auflistung auf Anfrage.

869  Florian und Christl Maria Göthner. Welcome.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Leipzig 1997. Mit zahlreichen Pop-ups, Collagen, Fotografien, farbigen Serigraphien und Offsetdrucken sowie einigen Multiples (Puzzleteile, Plastikgabel, Minituschkasten, Würfel etc.) in Folienumschlag. Ringheftete Originalbroschur.

Eins von 50 Exemplaren. – Entstanden nach einer New York-Reise der Künstlerin mit ihrem 15-jährigen Sohn Florian. – Das Buch zitiert mit Sinnbildern der amerikanischen Alltagskultur (Coca Cola, Dollarnoten, Stars and Stripes) und besonders durch mehrere Pop-ups (Luftballon, Blasebalg) die Größen der amerikanischen Pop-Art wie Jasper Johns, Andy Warhol und andere. – Christl Maria Göthner (geboren 1957) studierte bei Bernhard Heisig an der Leipziger Hochschule und war später seine und Joachim Johns Meisterschülerin an der Akademie der Künste in Berlin. – Sehr selten, ob die Auflage bei dem beträchtlichen Herstellungsaufwand überhaupt erreicht wurde, darf bezweifelt werden.

30,0 : 19,5 cm. Ca. 80 Blätter.

870  Charles Grieger – Nie wieder.

Schätzpreis/Estimate: € 180

Ausrufpreis/Starting bid: € 120

Nach Papierschnitten von Charles Grieger. Mit einem Vorwort von Peter Barras. Hamburg, Kristeller Kunsthandlung [1949]. Acht Blätter mit Abbildungen und zwei Doppelblätter lose in illustrierter Originalkartonmappe.

Als Privatdruck für die Freunde der Kristeller Kunsthandlung Hamburg hergestellt. – Eins von 1000 Exemplaren. – Die eindeutig antifaschistischen Papierschnitte (»Schlachtvieh«, »Die Grußmaschine«, »Kanonenfutter«, »Sie Schwein«, »KV«, »Führer wir danken dir«, »Der letzte Brief«, »Das Massengrab«) entstanden 1945. – Charles Grieger (1903–1952) war ein Hamburger Illustrator und Verleger. In seinem Verlag erschienen wenige Jahre später (unter erwartbar schwierigen Bedingungen) verschiedene von ihm selbst illustrierte homosexuelle Zeitschriften. – Seltenes Zeugnis dieses kämpferischen Widerständlers in dunklen Zeiten.

30,0 : 21,7 cm. [8] Seiten, 8 Blätter. – Mappenränder gebräunt, Falz eingerissen. – Blattränder papierbedingt gebräunt. Titelblatt mit Zueignung.

871  HAP Grieshaber. Osterritt.

Schätzpreis/Estimate: € 1000 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 1000

Text von Riccarda Gregor-Grieshaber. Köln, Galerie Der Spiegel 1964. Mit 39 Holzschnitten, teils mehrfarbig und doppelblattgroß, davon einer auf dem Umschlag. Lose Doppelblätter in Originalumschlag und -kassette mit gelbem Büttenbezug.

Erste Ausgabe. – Eins von 350 Exemplaren (Gesamtauflage 500). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Die Holzschnitte wurden teils mehrfarbig auf weißes Hahnemühle-Bütten, teils in Gold, Silber und Weiß auf schwarzes und rotes Papier gedruckt. – Neben dem nur kurze Zeit später entstandenen »Totentanz« eine der umfangreichsten Bildfolgen Grieshabers und zugleich eine seiner schönsten und fröhlichsten. – Umschlag und Blätter tadellos.

33,5 : 28,5 cm. 42 Doppelblätter. – Ecken der Kassette mit kleinen Eirissen im Bezugspapier.

Fuerst 64/52–90. – Fichtner/Bartelke 34. – Spindler 153.27

872  HAP Grieshaber – Pablo Neruda. Die Höhen von Macchu Picchu.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 270

Übertragung aus dem Spanischen von Rudolf Hagelstange. Mehrfarbige Original-Holzschnitte von HAP Grieshaber. Hamburg, Hofmann und Campe 1965. Mit zehn Farbholzschnitten, davon zwei doppelblattgroße lose beigelegt, die übrigen meist blattgroß im Text. Originalhalbpergamentband mit vergoldetem Rückentitel. Zusammen mit dem Beiheft in der Originalleinenmappe mit Holzschnittdeckelvignette.

Eins von 190 römisch nummerierten Exemplaren der im Druckvermerk von Künstler und Dichter signierten Vorzugsausgabe auf Pescia-Bütten (Gesamtauflage 1.000 Exemplare). – Das Beiheft enthält die spanische Originalfassung sowie einen Text von Ernst Kreuder und einen Kommentar von Jürgen von Stackelberg. – Tadellos erhalten.

43,7 : 33,0 cm (Mappenformat). 34, [2] Seiten, 2 lose Holzschnitte. Beiheft: 26, [2] Seiten.

Fuerst 65/100–110 a. – Fichtner/Bartelke 180. – Spindler 119.32

873  HAP Grieshaber. Totentanz von Basel

Schätzpreis/Estimate: € 300 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 250

mit den Dialogen des mittelalterlichen Wandbildes. Dresden, Verlag der Kunst 1966. Mit 40 Farbholzschnitten. Originalleinenband mit -schutzumschlag.

Erste Ausgabe der großartigen Holzschnittfolge. – Druck der Leipziger Presse in den Werkstätten der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. – Texte in deutscher, französischer und englischer Sprache, Nachworte von Wilhelm Boeck und Rudolf Mayer. – Grieshaber dienten Matthias Merians Kupferstiche nach den monumentalen Fresken an der Friedhofsmauer des Baseler Dominikanerklosters als Vorlage. Die Originale wurden 1805 abgerissen, weil die mittelalterlichen Malereien den Stadtvätern als »Kinderschreck« und »Leutescheuche« galten. – Die Übersetzungen der alten deutschen Reime entstanden im frühen 19. Jahrhundert, Albert Kapr, der Leipziger Schriftkünstler, entwarf die Schrifttafeln und schnitt sie mit seinen Studenten in Holz. – Schönes Exemplar, der empfindliche Schutzumschlag nicht ganz frisch.

46 : 35 cm. [130] Blätter. – Titelblatt mit schwachem vertikalen Knick.

Fuerst 66/1–40 c. – Fichtner/Bartelke 55. – Isphording II, 584. – Spindler 65.4

874  HAP Grieshaber. Die rauhe Alb.

Schätzpreis/Estimate: € 500 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 340

Stuttgart, Manus Presse 1968. Mit zwölf, teils mehrfarbigen, Holzschnitten und 20 Lithographien sowie 14 Faksimiles nach älteren Holzschnitten und einem Porträt. Originalleinenband mit farbigen Deckelillustrationen nach einem Holzschnitt. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Unnummeriertes Künstlerexemplar (Gesamtauflage 550). – Mit eigenhändiger Widmung für den Bauhausdesigner Wilhelm Wagenfeld: »aus der Wirklichkeit (die rauhe alb) vielleicht geformt (?) dein Grieshaber«. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Grieshabers opulente Liebeserklärung an seine schwäbische Heimat umfasst Beispiele aus seinem gesamten graphischen Œuvre, bemerkenswert sind neben den frühen Holzschnitten aus den 1930er Jahren die 20 Lithographien, eine von ihm eher selten angewandte Technik. – Mit einem Text von Margarete Hannsmann.

40,7 : 50,7 cm. 22 Seiten, 12 Holzschnitte, 20 Lithographien, [2] Seiten.

Fuerst 68/63–94 b. – Fichtner/Bartelke 68. – Spindler 161.10

875  HAP Grieshaber. Jossef,

Schätzpreis/Estimate: € 120

Ausrufpreis/Starting bid: € 80

übertragen von Martin Buber. Stuttgart, Hatje 1972. Mit zwei doppelblattgroßen farbigen Holzschnitten, einer auf dem Schutzumschlag, und zahlreichen Farbtafeln. Originalleinenband.

Eins von 75 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit dem signierten Holzschnitt als Frontispiz. – Grieshabers Jossef-Zyklus, 36 großformatige mit Pastellkreide kolorierte Linolschnitte, entstand 1970 als Wandschmuck für die Stuttgarter St. Germanus-Kirche. – Die nur im Werkverzeichnis (72/119) für die Vorzugsausgabe erwähnte großformatige Lithographie ist hier nicht beigelegt. – Dazu: Carl Orff und HAP Grieshaber. Carmina Burana. Stuttgart, Hatje 1975. Originalleinenband.

29,0 : 35,8 cm. [2], 82 Seiten, 1 Holzschnitt. – Schutzumschlagränder unfrisch.

Fuerst 72/120 a und b. – Fichtner/Bartelke 92

876  George Grosz – Heinrich Mann. Kobes.

Schätzpreis/Estimate: € 250 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Mit zehn Lithographien von George Grosz. Berlin, Propyläen 1925. Mit zehn blattgroßen Illustrationen nach Zeichnungen. Roter Originalleinenband mit schwarzgeprägten Titeln.

Erste Ausgabe. – »Heinrich Manns Novelle vom Intrigenspiel in der Zentrale eines Großkonzerns, dem Kobes vorsteht, spielt auf die Machtstellung des rheinischen Industriellen Hugo Stinnes an, dessen bärtige Physiognomie in einigen Darstellungen deutlich zu identifizieren ist.« (Dückers). – Tadelloses Exemplar.

28,0 : 22,8 cm. [4], 71, [1] Seiten.

Dückers B III. – Lang, Grosz 45. – Zenker 44

877  George Grosz. Interregnum.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Ausrufpreis/Starting bid: € 100

Frankfurt am Main, Berlin, Wien, Propyläen 1976. Mit farbigem Frontispiz und 64 Tafeln. Roter Originalhalbleinenband mit Holzfurnierimitationbezügen.

Eins von 400 Exemplaren. – Faksimileausgabe des 1936 bei »The Black Sun Press« in New York edierten Mappenwerks, von dem kaum mehr als 40 Exemplare erschienen. – Diese erste in Deutschland erschienene Ausgabe verzichtete auf die englischsprachige Einführung von John Dos Passos, erhielt aber eine deutsche Fassung der Bildtitel.

41,0 : 30,0 cm. [4], 65, [3] Blätter. – Ecken minimal bestoßen, Rücken kaum merklich verblasst.

Vgl. Dückers S II Anmerkung

878  Franz Roh. Der Maler Kurt Günther.

Schätzpreis/Estimate: € 250

Ausrufpreis/Starting bid: € 170

Berlin, Nierendorf 1928. Mit 32 ganzseitigen Abbildungen. Originalbroschur mit montierter Fotografie.

Erste Ausgabe, erschienen zur Ausstellung der Galerie Nierendorf und mit einem ausführlichen Vorwort des Herausgebers. – Franz Roh hatte die Ausstellung des zu den Dresdner Dadaisten gehörenden Kurt Günther (1893–1955), der sich später vorwiegend Porträts verschrieb, angeregt.

23,3 : 15,7 cm. 48 Seiten. – Umschlag fleckig, Heftklammern rostig.

879  Jakob Haringer. Der Reisende oder Die Träne.

Schätzpreis/Estimate: € 100

Zuschlag/Hammerprice: € 50

Ebenau bei Salzburg, Grigat 1932. Originalbroschur.

Erste Ausgabe des letzten Werkes vor seiner Emigration, als Privatdruck erschienen. – Unbeschnitten. – Die Band- und Reihenangaben (»Der Werke X. Band« und »Die Denkmäler 48/51«) sind wie meist bei Haringer fingiert und irreführend. Die angekündigte Werkausgabe in zehn Bänden ist nie erschienen, ebenso wenig eine gar dreißigbändige Ausgabe. – Jakob Haringer führte in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen ein unstetes Vagabundenleben und war, ohne festen Wohnsitz, stets auf die Unterstützung von Freunden und Förderern angewiesen. – Zwei Beigaben.

24,5 : 16,0 cm. 67, [1] Seiten.

Raabe/Hannich-Bode 104.13

880  Stephan Hermlin – Gesang auf dem Wege.

Schätzpreis/Estimate: € 120

Ausrufpreis/Starting bid: € 80

Gedichte. Affoltern, Aehren Verlag [1945]. Originalbroschur.

Sehr seltene Originalausgabe. – Erschien innerhalb der Schriftenreihe »Über die Grenzen«. – Mit Gedichten von Jo Mihaly, Ilse Krämer, Else Lasker-Schüler, Jakob Haringer und anderen, darunter wohl zwei sehr frühe Veröffentlichungen des jungen Stephan Hermlin (»Ballade vom Gefährten Ikarus« und »Ballade vom Stabsfeldwebel Fischer«), der wie die anderen hier Vertretenen in der Schweiz Exil gefunden hatte. – 1987 erschien ein Reprint des Heftes.

22,8 : 15,3 cm. [2], 27, [3] Seiten. – Deckelränder leicht, Blattränder etwas stärker gebräunt, insgesamt aber sehr gut.

Rost/Geist, Hermlin 61. – Nicht bei Melzwig und nicht bei Sternfeld/Tiedemann

881  Hermann Hesse. Klingsors letzter Sommer.

Schätzpreis/Estimate: € 900

Zuschlag/Hammerprice: € 800

Erzählungen. Berlin, S. Fischer 1920. Farbig illustrierter Originalhalbleinenband.

Erste Ausgabe. – Eins von 100 Exemplaren der vom Dichter signierten Vorzugsausgabe auf holzfreiem Papier, die »nur vom Dichter selbst (Wohnsitz: Montagnola, Schweiz) zu beziehen sind« (Druckvermerk). – Enthält die Erzählungen »Kinderseele«, »Klein und Wagner« und »Klingsors letzter Sommer«. – »Die Geschichte des Malers Klingsor ist eine Erinnerung an den Sommer 1919. Klingsor, am 2. Juli geboren, zweiundvierzig Jahre alt und allein, Maler, Dichter, Philosoph und Hypochonder, vom Tod beunruhigt, besessen von einer Leidenschaft für das Leben und die Kunst und zu Ausgelassenheit und Depressionen neigend, ist offensichtlich Hesse selber; Klingsors Freundeskreis war der Hesses; und der Schauplatz ist deutlich das Tessin.« (hhesse.de). – Sehr selten.

18,7 : 12,0 cm. 215, [1] Seiten.

Mileck II, 39

882  Hermann Hesse. Siddharta.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Eine indische Dichtung. Berlin, S. Fischer 1922. Originalhalbpergamentband.

Erste Ausgabe. – Einbandentwurf von Emil Rudolf Weiß. – Exemplar aus dem Besitz von Dr. Gottfried Bermann, mit dessen von Gunter Böhmer entworfenem Exlibris, farbig lithographiert und goldgehöht. – 1932 hatte der gelernte Chirurg Dr. Gottfried Bermann-Fischer von seinem Schwiegervater Samuel Fischer die Leitung des Verlages übernommen, der nach Hitlers Machtergreifung bedroht war. 1935 konnte er nach Wien übersiedeln; 1938, Österreich wurde »angeschlossen«, verlor er bei der Flucht Verlag und Eigentum. In Österreich, Stockholm, Amsterdam und New York gründete er neue Verlagsunternehmen.

18,9 : 11,5 cm. 174, [2] Seiten. – Einband lichtrandig. Beide Deckel und Vorsatzblätter mit größerem Fleck.

Mileck II, 43

883  Hermann Hesse. Zehn Gedichte.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Bern, Stämpfli [1939]. Originalbüttenbroschur, eingebunden in Pappband mit Oleographiepapierbezug und vergoldetem Rückentitel (signiert: R. Meuter, Ascona).

Erste Ausgabe dieser Sammlung, »Dieser nicht käufliche Privatdruck enthält die seit dem Erscheinen der ›Neuen Gedichte‹ [1937] entstandenen Verse« (Editionsvermerk). – Auf dem Titel eigenhändiger »Gruß von H. H.«.

21,7 : 15,5 cm. 14, [2] Seiten. – Einige Blätter unten mit kleinem Eckknick.

Mileck III, 70

884  Hermann Hesse. Kleine Betrachtungen.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausrufpreis/Starting bid: € 270

Sechs Aufsätze. Zürich, Büchergilde Gutenberg [1942]. Mit Illustrationen von Heiner und Isi Hesse. Grüner Halblederband mit farbigen Oleographiepapierbezügen, Rückentitel und -fileten vergoldet, Kopfschnitt mit Graphit gefärbt (signiert: R. Meuter, Ascona).

Eins von 8000 nummerierten (!) Exemplaren. – Mit einem faksimilierten Brief Hesses zu dieser Edition. – Damals nicht käufliche Werbegabe der Büchergilde Gutenberg. – Die fünf Texte aus den Jahren 1928–1933 und ein sechster aus dem Frühjahr 1940 waren, noch ohne die Illustrationen von Hesses Sohn Heiner und dessen Ehefrau Isa, 1941 als Privatdruck erschienen. – Ansprechend gebunden.

21,8 : 15,5 cm. 45, [3] Seiten.

Mileck II, 75 (vgl. III, 74)

885  Hermann Hesse. Das Glasperlenspiel.

Schätzpreis/Estimate: € 750

Ausrufpreis/Starting bid: € 500

Versuch einer Lebensbeschreibung des Magister Ludi Josef Knecht samt Knechts hinterlassenen Schriften. [Zwei Bände]. Zürich, Fretz und Wasmuth 1943. Hellblaue Originalleinenbände mit schwarzem Rückenschild, Rückenvergoldung und vergoldeter Deckelvignette, beide mit Originalschutzumschlag.

Erste Ausgabe des großen Spätwerks. – In einer von mörderischem Krieg umtosten Schweiz schrieb Hesse seine Zukunftsvision einer elitären, universal gebildeten Gesellschaft. – So schöne Exemplare inzwischen auch selten. – Vorsatzblatt von Band 1 mit einem von Hesse signierten Dedikationsaufkleber des Schweizerischen Schriftstellervereins. – Beiliegend eine Hesse-Fotografie.

19,0 : 12,0 cm. 451, [1]; 441, [1] Seiten. – Rücken der Schutzumschläge gebräunt.

Mileck II, 76

886  Hermann Hesse. Freunde.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Erzählung. Olten 1957. Mit einer Titelzeichnung von Gunter Böhmer. Originalhalbsaffianlederband mit Batik-Modeldruck-Bezugspapier (Hugo Peller, Solothurn). Im Schuber.

75. Publikation der Oltner Bücherfreunde. – Erste Ausgabe. – Eins von 150 Exemplaren der signierten Vorzugsausgabe in Halbleder (Gesamtauflage 850). – Druck auf Zerkall-Bütten.

20,4 : 13,0 cm. [2], 106, [4] Seiten. – Rücken verblasst und minimal fleckig.

Mileck II, 123. – Rysawy 99

887  Hermann Hesse. Demian.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Ausrufpreis/Starting bid: € 300

The Story of a Youth. With a Foreword by Thomas Mann. New York, Henry Holt 1948. Originalleinenband mit illustriertem Originalschutzumschlag. – Widmungsexemplar.

Auf dem fliegenden Vorsatzblatt mit eigenhändiger Widmung von Hermann Hesse: »Gruss vom Autor«. – Die Einleitung Thomas Manns basiert in weiten Teilen auf seinem Artikel »Hermann Hesse zum siebzigsten Geburtstag« in der NZZ (Juni 1947). Die erweiterte Fassung erschien im Sommer 1947 in »Die Neue Rundschau«, 1948 dann in englischer Sprache in »The Saturday Review« und als Einleitung zu »Demian«.

20,8 : 14,2 cm. 207, [1] Seiten.

Mileck IX, 56 a. – Potempa G 979.2

888  Stefan Heym. Nazis in U.S.A.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 260

An Expose of Hitler’s Aims and Agents in the U.S.A. New York, American Committee for Anti-Nazi Literature 1938. Rote Originalbroschur.

Erste Ausgabe, ihrer Herkunft und Verbreitungswege sowie des ephemeren Charakters selten. – Stefan Heym (1913–2001) zählte zu den politisch einflussreichsten deutschsprachigen Schriftstellern der Nachkriegszeit. Unter dem Namen Helmut Flieg im sächsischen Chemnitz geboren, wurde er 1931 wegen der Veröffentlichung eines Gedichts der Schule verwiesen. Er beendete die Schulzeit in Berlin, emigrierte 1933 nach Prag und lebte fortan unter dem Pseudonym Stefan Heym. 1935 wanderte er in die USA aus, arbeitete dort als Journalist und Schriftsteller und kam als Nachrichtenoffizier der US Army wieder nach Deutschland. Seit 1953 lebte er in der DDR, zunächst als Verfechter der sozialistischen Idee, später als resignierter Kritiker des Systems. 1979 wurde Heym aus dem Schriftstellerverband der DDR ausgeschlossen. – Schönes Exemplar.

17,0 : 12,7 cm. 45, [3] Seiten. – Rückenfalz lichtrandig. – Exlibris.

Wilpert/Gühring 1. – Sternfeld/Tiedemann 216. – Nicht in Deutsches Exilarchiv

889  Patricia Highsmith. Brief mit Unterschrift »Pat« und eigenhändigem Nachsatz.

Schätzpreis/Estimate: € 450 ( R19 )

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Rom, 28. August 1979. Zwei Seiten. 23 : 15 cm.

Patricia Highsmith (eigentlich Mary Patricia Plangman, 1921–1995) schrieb den Brief auf Briefpapier des Hotel Hassler in Rom an zwei Freundinnen (Bar and Bar), u. a. wohl Barbara Borthfeld, die Highsmiths ersten »Ripley«-Roman »The Talented Mr. Ripley« 1961 ins Deutsche übersetzt hatte. – Im Brief erwähnt die Autorin den vierten Roman der Serie, »The Boy Who Followed Ripley«, dessen Erscheinen unmittelbar bevorstehe. Sie erläutert ihre Pläne, eine Wohnung im Tessin zu kaufen, erklärt die steuerlichen Aspekte einer solchen Investition und beschreibt die Geschäftsgebaren verschiedener Verleger und Vertreter (»I must say the Mafia network is loyal to one another«). – Am Anfang des Briefes: »I was really shocked by Mountbatten’s death. I do detest those crazy, hald-drunk Irish. These terrorists don’t even represent their country.« Der 1st Earl Mountbatten of Burma wurde 1979 Opfer eines IRA-Bombenanschlags. – Am Schluss berichtet Patricia Highsmith von ihren nächsten Reiseplänen und fügt unter ihrem Kurznamen »Pat« hinzu »+ if such a mord exists!«.

890  Hockney.

Schätzpreis/Estimate: € 1800

Zuschlag/Hammerprice: € 1800

A Bigger Book. Köln u. a., Taschen 2016. Mit unzähligen farbigen Abbildungen. Originalleinenband und Originalpappband. Zusammen mit dem verchromten Buchständer in Originallieferkarton.

Eins von 9000 Exemplaren der Collector’s Edition. – Herausgegeben von Hans Werner Holzwarth. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Mit einem exklusiven Buchständer von Marc Newson und einem Begleitband mit einer detaillierten, 680-seitigen illustrierten Chronologie. – »A Bigger Book« entstand »in engster Zusammenarbeit mit David Hockney und zeichnet seine gesamte, mittlerweile sechs Jahrzehnte umspannende Karriere nach. … Der Band ist gleichermaßen eine persönliche Rückschau wie die Bestandsaufnahme eines rahmensprengenden Werks, das immer wieder neue Wege beschritten hat.«.

70,0 : 50,0 cm. 498 Seiten; 680 Seiten.

891  Hugo von Hofmannsthal. Florindo.

Schätzpreis/Estimate: € 350

Ausrufpreis/Starting bid: € 230

Wien und Hellerau, Avalun 1923. Mit 25 Lithographien von Otto Hettner, davon 24 blattgroß und eine als Titelvignette. Originalhalblederband mit reicher Vergoldung (P. A. Demeter, Hellerau) im Originalschuber mit vergoldeter Deckelvignette.

25. Avalun-Druck. – Erste Ausgabe der endgültigen Fassung des Dramas, das bereits 1910 in zwei Versionen als »Cristinas Heimreise« bei S. Fischer erschienen war. – Eins von 300 Exemplaren (Gesamtauflage 350). – Im Druckvermerk von Künstler und Verfasser signiert.

25,0 : 16,5 cm. 125, [3] Seiten. – Rücken verblasst, Kanten etwas berieben.

Houghton Library Catalogue 287. – Rodenberg 335, 25. – Lang, Impressionismus 92. – Sennewald 23,1

892  Ödön von Horváth. Zwei Erstausgaben.

Schätzpreis/Estimate: € 400 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 450

1930 und 1938. Zwei Originalleinenbände mit illustriertem -schutzumschlag.

I. Der ewige Spießer. Erbaulicher Roman in drei Teilen. Berlin, Propyläen 1930. Umschlagillustration von Olaf Gulbransson. – II. Jugend ohne Gott. Roman. Amsterdam, Allert de Lange 1938. – Ödön von Horváth (1901–1938) war seinen Zeitgenossen in erster Linie als Bühnenautor bekannt. »Der ewige Spießer« ist seine erste längere Erzählung. Mit erstaunlicher Hellsichtigkeit erkennt Horváth, dass das politische Bewusstsein des Kleinbürgers nach rechts tendiert und der »neue Typ des Spießers« der zukünftige Mitläufer oder überzeugte Nationalsozialist ist. – »Jugend ohne Gott« schildert die Tragödie einer Jugend, die in Verachtung all dessen aufwächst, was früheren Generationen heilig war.

I. 19,7 : 14,1 cm. 207, [5] Seiten. – II. 18,8 : 12,3 cm. 219, [1] Seiten. – Schutzumschläge mit Randläsuren und Ausrissen. – Schnitt, erste und letzte Seiten stärker stockfleckig.

893  Peter Huchel. Gedichte.

Schätzpreis/Estimate: € 900 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 600

Dieter Haack. Collagen. Staufen/Breisgau 1976. Sechs handgeschriebene Gedichte und drei Originalcollagen. Originalleinenband im -schuber.

Eins von 23 Exemplaren. – Privatdruck mit den sechs in Bleistift geschriebenen Gedichten »Wintersee«, »Abschied von den Hirten«, »Schnee«, »Ophelia«, »Gehölz, habichtgrau …« und »Die Gaukler sind fort …«. – Nachdem bereits in den 1950er Jahren seine Arbeit als Chefredakteur bei der Ostberliner Zeitschrift »Sinn und Form« behindert wurde und er 1962 erzwungener Maßen von diesem Posten zurückgetreten war, folgten Publikations- und Reiseverbot. 1971 durfte Huchel nach Intervention von Heinrich Böll endlich die DDR verlassen. Auf Initiative Erhart Kästners ließ er sich in Staufen nieder, unterstützt von dem Mäzen Franz Armin Morat. – Auf Velin.

43,2 : 30,5 cm. [12] Blätter. – Einband mit wenigen schwachen Stockflecken.

894  [Friedensreich] Hundertwasser. Verschimmelungs-manifest gegen den rationalismus in der architektur.

Schätzpreis/Estimate: € 250 ( R7 )

Zuschlag/Hammerprice: € 200

Herausgegeben von Eberhard Fiebig und Reinhard Kaufman. Wiesbaden 1958. Rosafarbene Originalbroschur.

Erste Ausgabe. – Unnummeriert, aber wie weitere 300 Exemplare vom Autor mit Aquarellfarbe signiert. – Erschienen im Eigenverlag des Mitherausgebers Reinhard Kaufman innerhalb der Schriften der Galerie Renate Boukes, Wiesbaden. – Das Manifest wurde zuerst am 4. Juli 1958 auf einer von Monsignore Otto Mauer (siehe KatNr. LAGER 857) in der Abtei Seckau organisierten Kunst- und Architekturveranstaltung verlesen. Danach folgten Lesungen in den Galerien Van de Loo, München, und Parnass, Wuppertal.

20,6 : 14,7 cm. [2], 19, [3] Seiten. – Umschlag leicht fleckig und mit Besitzvermerk.

Fürst ARCH 6

895  Hundertwasser is painting. Hundertwasser malt. Hundertwasser peint.

Schätzpreis/Estimate: € 450

Zuschlag/Hammerprice: € 300

[Ausstellungskatalog]. Glarus, Gruener Janura 1979/80. Mit 35 Farbabbildungen. Originalhalbleinenband mit je einem Metallfolie-Prägedruck auf Vorder- und Hinterdeckel.

Eins von 500 Exemplaren der Vorzugsausgabe, auf dem Innendeckel vom Künstler mit weißer Farbe signiert und nummeriert (Gesamtauflage 5.000). – Der Künstler gestaltete dieses Katalogbuch anlässlich einer Ausstellungstournee seiner neuen Bilder in New York, Tokyo, Hamburg, Oslo, Paris, London und Wien in den Jahren 1979–1981. – Die Abbildungen wurden in neun Farben auf schwarze Kartonblätter gedruckt und die Gemälde dabei im Verhältnis ihrer tatsächlichen Größen reproduziert. »Die Breite der Seiten verjüngt sich fächerartig, so daß sich beim Blättern durch Überschneidungen jeweils unterschiedliche Ansichten der Doppelseiten ergeben« (Werkverzeichnis). – Mit einem Essay des Künstlers und bio-bibliographischen Anmerkungen.

28,0 : 24,0 cm. [22] Seiten. – Minimal berieben.

Werkverzeichnis APA 192 (Œuvre 824E)

896  Horst Hussel. Schmähzeichnungen.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

München, Klaus Renner 1994. Mit 35 blattgroßen Illustrationen. Originalpappband mit Fabrianobüttenbezug.

Eins von zehn römisch nummerierten Künstlerexemplaren. – Wie die 35 Vorzugsexemplare mit einer beigelegten signierten Radierung (»Wasserwerker«). – Mit einem Nachwort von Joachim von Westphalen: »Die Schmähzeichnungen […] Hussels kommen gerade recht, um an die frisch verdrängten Obszönitäten der Wiedervereinigung zu erinnern. […] ist es allerhöchste Zeit sich vor Augen zu führen, daß die Deutschen nach wie vor und mehr denn je ein blödes und häßliches Volk von Rüsselschweinen sind.«.

28,5 : 17,5 cm. [80] Seiten, 1 Radierung.

897  Richard Janthur – Pantschatantra.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Fabeln aus dem indischen Liebesleben. Lithographien von Richard Janthur. Berlin, Fritz Gurlitt 1919. Mit zehn farbigen Lithographien und Buchschmuck. Originalhalbpergamentband mit rosa Seidenbezügen und Pergamentschließen; Rückentitel und Deckelvignette goldgeprägt. In der Originalkassette.

Der Venuswagen. Erste Folge, Band III. – Eins von 700 Exemplaren, Privatdruck der Gurlitt-Presse. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Auf Bütten. – Außer den schönen in Schwarz und je zwei aquarellartigen Farben gedruckten Lithographien zeichnete der Expressionist Richard Janthur zur Einleitung und jedem der zehn Texte eine Kopfvignette und eine Initiale. Auch der Doppeltitel wurde wohl nach seiner Kalligraphie lithographiert. – Die neunbändige von Alfred Richard Meyer herausgegebene Reihe »erotischer Privatdrucke mit Originalgraphik« besprach ein zeitgenössischer Kritiker 1920 so: »Der Venuswagen hat kräftige Gewürze, saftige Kräuter aus Abendland und Morgenland geladen, Künstler mit Namen geben die Zukost, Herr Alfred Richard Meyer führt die Zügel. Erotik zieht – Erotik zieht besser denn je. Heia, – wird das eine Fahrt werden! […] Ein Teil der Bilder ist ›massiv‹, ganz im Sinne des Pornobibliophilen […] gepfefferte Kost […]« (Die Bücherstube, Band I, Heft 2, Seite 71f.).

30,5 : 24,5 cm. [4], 47, [5] Seiten, 10 Lithographien. – Kassette etwas angestaubt und mit Lichtrand. Vordere Ränder etwas berieben, an den Schließen winzige Fehlstellen im Seidenbezug.

Hayn/Gotendorf IX, 600. – Josch C 5. – Lang, Expressionismus 144

898  Richard Janthur – Prosper Mérimée. Tamango.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 380

Illustrationen von R. Janthur. Berlin, Franz Schneider 1922. Mit sieben signierten Lithographien. Originalecrasélederband; Rückentitel und Deckelillustration bzw. -vignette goldgeprägt (H. Sperling, Leipzig).

Luxusgraphik Schneider, Band 1. – Eins von 200 Exemplaren. – Auch im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Auf handgeschöpftem, unbeschnittenen Zandersbütten. – Auch den Einbandentwurf und die Initiale (und wohl auch den kalligraphischen Titel) zeichnete Richard Janthur. – Die Signaturen teils in Bleistift, teils in blauem Kopierstift. – Schönes Exemplar.

29,2 : 19,8 cm. 27, [1] Seiten. – Rücken etwas verblasst, wie auch die Ecken leicht berieben. Deckel mit schwachen Kratzspuren.

Lang, Expressionismus 153. – Sennewald 22,4

899  G. Jeanniot – [Pierre-Ambroise-François] Choderlos de Laclos. Les liaisons dangereuses.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Eaux-fortes originales de G. Jeanniot. Tome premier [et] second. Paris, L. Carteret 1914. Mit 34 farbig gestochen Radierungen, davon 24 im Text. Originalbroschuren.

Eins von 200 Exemplaren auf Vélin du Marais. – Alle Radierungen in zwei Zuständen, farbig und schwarz-weiß, letztere mit Remarque und ohne Text. – Die Radierungen im Text bilden große Kopfvignetten mit Initiale, Schluss- und Titelvignetten. – Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos (1741–1803), Offizier im königlichen Militärdienst und später auf Seiten der Jakobiner unter anderem als Redenschreiber Robespierres tätig, verdankt seinen Ruhm diesem einzigen Buch. 1780/81 schrieb er den als Attacke gegen den Hoch- und Hofadel gedachten Briefroman, der die Verderbtheit der »besseren« Gesellschaft vor der Französischen Revolution schildert. Choderlos de Laclos’ gesellschaftskritisches Sittengemälde, das meisterhaft die Mechanismen der Verstellung, kühlen Berechnung und wahren Gefühle analysiert, wählten die Académie Goncourt 1999 auf Platz 1 von insgesamt zwölf Büchern, die die wesentlichsten Werke der französischen Literatur repräsentieren.

28,7 : 21,5 cm. [4], 298, [6] Seiten; [6], 293,[1] Seiten; zusammen 34 Radierungen.

Monod 2768. – Carteret IV, 104

900  Franz Kafka – Hyperion.

Schätzpreis/Estimate: € 500

Zuschlag/Hammerprice: € 500

Eine Zweimonatsschrift. Herausgegeben von Franz Blei und Carl Sternheim. Erstes [bis] Elftes/Zwölftes Heft. München, Hans von Weber 1908–1910. Mit sieben Originalgraphiken und 106, teils farbigen Tafeln. Drei fliederfarbene Originalleinenbände mit Deckel- und Rückenvergoldung (signiert: Wiener Werkstätte), vier Originalbroschuren.

Vollständige Folge der beiden erschienenen Folgen. – Eins von 1000 Exemplaren auf englischem Velin (Gesamtauflage 1050). – »Sie stand in geradliniger Nachfolge der ›Insel‹ nahe […] In der Persönlichkeit des jungen Walter Tiemann und in der frühen Fassung seiner Mediaeval lag die Gewähr für eine heitere Stattlichkeit des Zeitschriftenbildes. Das Material war so kostbar wie bei den frühen Insel-Heften, die Typographie ruhig, elegant und durchdacht. Für die Anbringung von dekorativen Zutaten fehlten Anlaß und Notwendigkeit. Anders als in den Jahren des Jugendstils waren jetzt die Schrift und der Schrifttitel aussagekräftig genug.« (Schauer I, 102). – Die Zeitschrift enthält zahlreiche Erstdrucke, darunter in Heft 1 die erste Veröffentlichung des jungen Franz Kafka (acht Stücke aus »Betrachtung«). Kafka war damals noch so unbekannt, dass man hinter seinem Namen ein Pseudonym vermutete. – Weitere Textbeiträge stammen von Brod, Borchardt, Dauthendey, Dehmel, Carl Einstein, Heinrich Mann, Alfred Richard Meyer, Musil, Rilke, Sternheim, Schickele und vielen anderen. – Für die Auswahl der abgebildeten Kunstwerke, u. a. von Nolde, Heckel, Liebermann, Toulouse-Lautrec, Pascin (kolorierte Strichätzung) und Th. Th. Heine war übrigens Alfred Walter Heymel zuständig; die Originalgraphiken stammen von Laboureur, Vrieslander, Edward Gordon Craig und anderen. – Mit den Inhaltsverzeichnissen der beiden Folgen, Musiknoten und Verlagsanzeigen. Die Originalvorderumschläge der Hefte 1–6 wurden eingebunden, ein Heft mit Besitz- oder Zustellvermerk »Graf Harry Kessler«.

28,5 : 23,0 cm (Jg. II: 27,8 : 21,3 cm). – Rücken der Leinenbände verblasst, Umschläge der Broschuren fleckig (9/10 und 11/12), gebräunt und mit kleinen Randläsuren. – Vorsätze und einige Seiten der ersten Folge etwas stockfleckig.

Diesch 2802. – Söhn HDO 124. – Siehe auch Dietz, Kafka 1