ChristianHesse

Lot 951 – 996 | Hesse-Auktionen
Lot 951 – 996

951  Pablo Neruda. Las piedras de Chile.

€ 750 ( R7 )

Poesias. Antonio Quintana. Fotografias. Buenos Aires, Losada 1960. Mit zahlreichen, teils blattgroßen und zweifarbig getönten Abbildungen nach Fotografien. Originalleinenband mit -schutzumschlag.

Erste Ausgabe. – Vortitelblatt mit eigenhändiger Widmung des chilenischen Dichters und kommunistischen Politikers. – Mit eingeklebter eigenhändiger Notiz.

24,5 : 19,8 cm. 132, [2] Seiten. – Deckelränder angestaubt, der Schutzumschlag mit winzigen Einrissen.

952  Olaf Nicolai. Zeichenbuch.

€ 700

[Leipzig] 1989. Mit zwölf Farbserigraphien, davon drei doppelblattbreit und eingefaltet, und drei Transparentblätter mit serigraphiertem Titel und Text. Originalhalbleinenband mit Deckelvignette. – Mit beigelegter Zeichnung.

Eins von 50 Exemplaren (Gesamtauflage 65). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Beigelegt eine Originalarbeit des Künstlers: Flucht und Vorhang. Tempera und schwarze Fettkreide. 1990. 18,8 : 20,5 cm. Rückseitig signiert, datiert und betitelt. – Die in dem Begleitbuch zur Ausstellung der Galerie »Eigen + Art Leipzig« »enthaltenen Blätter beruhen auf den drei 1987 entstandenen Zeichenbüchern. Ich habe darin versucht, die Zeichnung wie eine Sprache zu behandeln […] Man kann die Elemente auf dem beigehefteten Blatt selbst – also nach einer eigenen Syntax – anordnen; somit selbst neue Zeichen kombinieren.« (aus dem Vorwort).

20,3 : 36,7 cm. 15 Blätter. – 3 Serigraphien aus der Durchstichheftung gelöst.

Henkel/Russ B 109

953  Emil Nolde – Gustav Schiefler. Das graphische Werk Emil Noldes bis 1910.

€ 1200

Berlin, Julius Bard 1911. Mit einem Titel- und 25 Textholzschnitten sowie einer Lithographie. Originalpappband mit Holzschnitt-Deckelvignette.

Erste Ausgabe des bereits im sechsten Jahr des künstlerischen Schaffens erschienenen Verzeichnisses. – Eins von 400 Exemplaren (Gesamtauflage 435). – Mit dem Holzschnitt »Ägypterin I« und der Lithographie »Der Pflüger«, 25 (Druckvermerk irrig: 26) Textholzschnitten und einer Holzschnittvignette auf dem Vorderdeckel. – Druck der Holzschnitte von den Originalstöcken, die Lithographie wurde bei W. Genthe, Hamburg, gedruckt. – Der Hamburger Richter Gustav Schiefler (1857–1935) war ausgewiesener und engagierter Kunstsammler und Mäzen. Sein Kunstverständnis wurde vor allem von dem damaligen Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark, geprägt. Besonders engen Kontakt pflegte er zu den Brücke-Künstlern. 1906 lernte er Nolde kennen. Mit dem frühen Verzeichnis der Graphik Emil Noldes wollte er »Zeugnis ablegen, wie ich seine Kunst schätze, und gleichzeitig versuchen, den Kreis derjenigen zu erweitern, welche an seinen Werken Anteil nehmen und sie sammeln.« (Vorwort). Es erschienen von ihm akribisch ediert (Jentsch: »von den Bearbeitern der Ergänzungsbände auch nicht annähernd erreicht«) auch Verzeichnisse der Graphik von Liebermann, Munch, Laage, Kirchner und Illies.

25,0 : 19,7 cm. [2], 139, [1] Seiten, 1 Holzschnitt, 1 Lithographie. – Einband gebräunt und fleckig. Ecken und Kapitale leicht bestoßen.

Schiefler/Mosel H 41–48, 50, 53–58, 60–62, 66–70, 72, 76, 86 III und 96 sowie L 35. – Jentsch, Expressionismus 3

954  Alfons Paquet. Der Rhein, eine Reise.

€ 150

Frankfurt, Verlag der Societäts Druckerei 1923. Roter Originalmaroquinband mit grün-goldenem Rückenschild und reicher Vergoldung.

Erste Ausgabe. – Unnummeriertes Exemplar in der Ausstattung der 30 Vorzugsexemplare, auf breitrandigem Velin und in prächtigem Ledereinband. – Auf einem Widmungsblatt »Sonderdruck für einen Kreis Hamburger Freunde« vom Verfasser signiert. – Alfons Paquet erläuterte in zwei »Rhein-Büchern« (1920 und 1923) seine Auffassungen von der vermittelnden Rolle Deutschlands in einem »rheinländischen Europa«. – Mit Besitzvermerk des Schriftstellers und Journalisten Hans Bütow (1900–1991), der 1954 unter Kurt Sieveking Regierungssprecher der Hansestadt Hamburg wurde.

22,2 : 14,5 cm. 193, [3] Seiten. – Bünde mit winzigen Schabstellen.

955  August Ohm – Georg Philipp Friedrich von Hardenberg (Novalis). Die Lehrlinge zu Sais.

€ 200

Mit Bildern von August Ohm. Oberwiederstedt, Novalis-Museum 1998. Mit 22 Abbildungen nach Gemälden. Originalpappband mit -schutzumschlag.

Mit formatfüllender Farbstiftzeichnung von August Ohm, signiert und datiert (15.11.98) auf dem Vortitelblatt. – August Ohm (geboren 1943) studierte an der Werkkunstschule Hamburg. Er lebt und arbeitet in Hamburg, Berlin und Florenz. In seinen Arbeiten setzt er sich immer wieder mit den historischen Vorbildern der abendländischen Malerei auseinander, 1998 zeigte das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe seine »Bilder zur Antike« in einer umfangreichen Einzelausstellung. »In einer Balance von Einfühlung und Verwandlung gelingen ihm ganz neue Interpretationen von anscheinend Bekanntem« (stiftung-ohm.de).

30,5 : 23,5 cm. 71, [1] Seiten.

956  Jürgen Partenheimer – Cees Nooteboom. De slapende goden. Les dieux dormants. Jürgen Partenheimer. Sueños y otras mentiras.

€ 1000

Gent, Ergo Press 2005. Mit zwei farbigen blattgroßen Lithographien und Illustrationen von Jürgen Partenheimer. Farbig illustrierte Originalbroschur im Acrylglasschuber.

Eins von 24 Exemplaren der niederländisch-französischen Ausgabe, weitere 24 erschienen mit deutschem Paralleltext. – Mit einer signierten Suite der beiden Lithographien. – Im Druckvermerk von Künstler und Dichter signiert. – Gedruckt auf Velin »Saunders Waterford«. – Ein Künstlerbuch, »in which the minimalism of Partenheimer is juxtaposed to Nooteboom’s ›poetry of place‹« (Webseite der Ergo Press). – Tadellos erhalten.

28,5 : 38,7 cm. [52] Seiten.

957  Julius Pascin – Heinrich Heine. Aus den Memoiren des Herrn von Schnabelewopsky.

€ 1800

Mit lithographischen Zeichnungen von Julius Pascin. Berlin, Paul Cassirer 1910. Mit 35 Lithographien, davon acht blatt- und eine doppelblattgroß, sechs koloriert und neun signiert, eine als Titel. Originalpergamentband mit kolorierter Deckellithographie und Kopfgoldschnitt.

Vierter Druck der Pan-Presse. – Eins von 60 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Alt Kaiserlich Japan (Gesamtauflage 310). – Der Druckvermerk von Pascin signiert und nummeriert. – »Es war, wenn ich mich recht erinnere, das erste kostbare Buch der ›Pan-Presse‹, die wir gegründet hatten. Seine Bilder illustrierten Heine nicht nur, sondern schufen auch eine ganz neue Welt voll von übermütigem Witz, Grazie, Kühnheit und zartesten Linien« (Wilhelm Herzog, zitiert nach Feilchenfeldt/Brandis). – »Hier passen einmal Bild und Textsatz harmonisch zusammen, auch trifft die Illustration restlos den Heineschen Stil« (Hans Loubier, Buchkunst, S. 107). – Julius Pascin, geboren 1885 in Bulgarien als Julius Pincas, studierte in Wien und München, wo er bald Illustrator beim »Simplicissimus« wurde. Heines »Schnabelewopsky«, Pascins erstem und einzigem illustrierten Buch, bescheinigt Eleanor M. Garvey: »The deceptive simplicity of his drawing, recalling German illustration of a hundred years earlier, gives the plates a mock innocence.« – Der Künstler lebte einige Jahre in den USA, ging 1920 nach Paris und beging dort 1930 Selbstmord. Die Teilnahme am Trauerzug soll überwältigend gewesen sein: »Am Tag der Beerdigung des ›Prinzen von Montparnasse‹ blieben alle Pariser Galerien geschlossen […]« (Ann-Katrin Hahn, in: Slg. Classen). – Makellos, mit Schutzpapierumschlag in Holzfurnierschuber mit Pergamentkanten.

31,5 : 24,0 cm. [2], 83, [7] Seiten.

Garvey 219. – Slg. Classen 60. – Feilchenfeldt/Brandis 96.0.A. – Rodenberg 452, 4

958  Emil Pirchan. Weinwunder.

€ 300

Ein Spiel in Sinntänzen. Berlin, Die Wende 1918. Mit sieben blattgroßen kolorierten Lithographien des Verfassers. Originalbroschur mit farbig lithographiertem Umschlag, in ebensolchem Originalschuber, beide mit montierter Deckelvignette und Rückenschild.

Erster EOS-Druck. – Eins von 215 Exemplaren, laut Druckvermerk wurden nur die ersten 40 Exemplare von Pirchan koloriert. – Vom Künstler im Druckvermerk signiert. – Druck in Silber und Schwarz in der Mandruck GmbH in der Kronen-Mediaeval. – Als Blockbuch gedruckt und gebunden. – Mit der beiliegenden signierten Farblithographie »Die Geburt des Weines« sowie einem nummerierten Deckelschild. – Die gesamte Buchausstattung, stark an den Stil der Wiener Werkstätte angelehnt, stammt von Emil Pirchan (Architekt und Bühnenbildner, 1884–1957), der 1918 zusammen mit Paul Baumann die bibliophile Dreimonatsschrift »EOS« gründete.

17,3 : 14,4 cm. 44 Seiten. – Schuber Umschlagpapier am Rücken mit kleinem Einriss. Ränder schwach berieben.

Rodenberg 384, 1

959  Sylvia Plath. Lyonnesse.

€ 200 ( R7 )

Poems. London, Rainbow Press 1971. Originalkalblederband mit goldgeprägten Titeln und Fileten sowie Kopfgoldschnitt (Zaehnsdorf). Im Schuber.

Eins von 90 Exemplaren der Vorzugsausgabe im Ganzledereinband (Gesamtauflage 400). – Gedruckt auf Hodgkinson hand-made paper von der Rampant Lions Pree, Cambridge. – Vorsatzpapier mit Faksimiles von zwei Plath-Gedichten. – Das dritte von Rainbow Press herausgegebene Buch ist eine Sammlung bis dahin unveröffentlichter Gedichte von Sylvia Plath (1932–1963). Die Dichterin beging 1963 Selbstmord, ihr Ehemann Ted Hughes veröffentlichte viele ihrer Werke erst posthum aus dem Nachlass.

29,5 : 19,5 cm. 31, [7] Seiten.

960  Hanns Wolfgang Rath. Pierrots sonderbare Ehe und Absterben.

€ 200

Ein tragigrotesk pikanter Roman. Frankfurt a. M., Carl Fr. Schulz 1912. Mit einer signierten Farbradierung von Willi Geiger. Flexibler Originalseideneinband.

Erste Ausgabe, im Eigenverlag erschienen. – Eins von 40 Exemplaren der Luxusausgabe auf Handjapan (Gesamtauflage 240). – Impressum vom Autor signiert und mit eigenhändigem Gedicht und Zueignung: »Hütet, Männer, euch vor Frauen. Unersättlich sind sie alle; wenn es gilt Flacons zu haschen | äugt man auch nach – Puderquasten. | 11.1. 16. H.W.R. für Herrn M. Liebhold als Gruß aus der pierrotischen Perspektive«. – Hinter dem Pseudonym Wolfgang Rath verbarg sich der Frankfurter Schriftsteller Carl-Friedrich Schulz-Euler (1880–1934). Weit mehr als durch eigene Dichtungen wurde er durch seine Publikationen zu Hölderlin, den schwäbischen Dichterkreis und besonders zu Eduard Mörike bekannt.

24,5 : 15,0 cm. 57 Blätter, 1 Radierung. – Rücken und hintere Ränder etwas verblasst.

Hayn/Gotendorf VI, 364

961  Hans Reimann. Die sächsische Volksseele in ihren Wallungen.

€ 250

10 Originalradierungen mit Begleittext. München, Ottmar Kern [1922]. Lose in Originalhalbleinenmappe mit zwei Deckelschildern.

Eins von 200 Exemplaren. – Alle Radierungen signiert, jede mit vorgelegtem Textblatt. Dort findet sich neben dem jeweiligen Titel der Radierung ein kurzer Text in der Reimann eigenen sächsischen Lautschrift (Anmerkung: »j« sprich »sch«), z. Bsp. Blatt 1 »Die Bestie in Sachsen | ›Das saachj dr, mei Guhdsdr, biss Du bloß no ä eenzjes mal widdr so gemeene zu mir, da sorgj drfier, daßde de Radiesjn von unden wachsen siehsd!‹« oder das hier abgebildete Blatt 4: »Zwischen Quatsch und Philosophie | ›Wemmr ä Bahr Laadschn hadd, unn dähr eene is wek, da nudzn een alle beede nischd«. – Mit eigenhändiger Widmung des Verlegerehepaars »Zur Erinnerung an die schönen Tage in Dresden im August 1930 | ›Auf, daß die sächsische Volksseele walle!‹« – Mit dem Titelblatt.

31,5 : 27,0 cm. 10 Radierungen, 11 Blätter. – Mappendeckel (fast) lose, ein Umschlagflügel beschädigt, einer fehlt.

Raabe/Hannich-Bode 242.21

962  Christa Reinig. Skorpion.

€ 200 ( R7 )

Einblattdruck mit vier Holzschnitten von Cäcilia von Schoultz. 28 : 38 cm.

Exemplar 5/36. – Auf »Vélin d’Arches 88«. – Bibliographisch nicht nachweisbarer Privatdruck der Parabel vom Bücher-Skorpion, die erstmals 1968 in Christa Reinigs »Orion trat aus dem Haus. Neue Sternbilder.« in der Stierstädter Eremiten-Presse erschien. – Die Künstlerin Cäcilia von Schoultz (1931–2015) hat das gefaltete Blatt signiert und nummeriert. – Die kurze Schilderung eines Bücherkaufs endet für den Buchhändler tödlich: Der Skorpion »preßte das Buch mit beiden Händen fest an sein Herz, und, da er nichts mehr frei hatte, reichte er dem Buchhändler zum Abschied seinen Stachel. Der Buchhändler drückte den Stachel und fiel tot um.«.

963  Rainer Maria Rilke. Die Sonette an Orpheus.

€ 1200

Geschrieben als ein Grab-Mal für Wera Ouckama Knoop. Leipzig, Insel 1923. Dunkelgrüner Originalkalblederband. Deckelvignette, Fileten und Kopfschnitt vergoldet, schwarz-goldenes Rückenschild (signiert: H. Sperling, Leipzig).

Erste Ausgabe. – Eins von 300 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten. – Druck bei Offizin W. Drugulin, Leipzig. – Ebenfalls 1923 erschienen die »Duineser Elegien« von denen auch eine Vorzugs- und eine öffentliche Ausgabe gedruckt wurde. – Hier in der grünen Einbandvariante, die die Nähe zu den »Duineser Elegien« noch mehr verdeutlicht. – Exlibris Wilhelm Kesten (1875–1958), Bergwersdirektor und Vorstand der Zeche Dahlbusch. – Sehr selten und gesucht, zumal so tadellos erhalten.

21,8 : 14,2 cm. [2], 63, [7] Seiten. – Rücken kaum merklich verblasst.

Sarkowski 1357 VA. – Mises 99

964  Dieter Roth. Poeterei.

€ 1800

Doppelnummer 3/4 der Halbjahresschrift für Poesie und Poetrie. Herausgegeben von Dieter Roth und Rudolf Rieser. Stuttgart, Hansjörg Mayer 1968[–72]. Mit einer Collage, einer Zeichnung, beide signiert, und einem beigelegten »Original-Hammel«. Originallederbroschur.

Eins von 230 Exemplaren. – Im Druckvermerk von Dieter Roth signiert und datiert »68«. – Nummer 3 mit einem »Originalrhein« (Collage aus einer Bildpostkarte, die durch Ausschnitte auf den Rheinwasserspiegel reduziert wurde, monogrammiert und datiert »D. R. 68«). – Nummer 4 mit einer blattgroßen Originalzeichnung, betitelt »Hammel« und signiert »Dieter Roth 72« sowie einem eingelegten Käsestück. – Mit dieser Doppelnummer wurde die Zeitschrift abgeschlossen, die 1969 erschienene Nummer 5 enthielt nur Auszüge aus 1 und 2 und erschien als Band 15 der »Gesammelten Werke«. – Nummer 3 auf starkem Karton, Nummer 4 als Blockbuch gedruckt. – Der Hinweis im Druckvermerk auf den Einband aus »Zickel-Embryohaut« vom Künstler gestrichen. – Sehr schönes Exemplar.

24,8 : 14,2 cm. [24], [44] Seiten. – Das Leder minimal abgegriffen.

Dobke, Bücher F 5. – Spindler 28.53

965  Antoine de Saint-Exupéry. Le Petite Prince.

€ 1200

Avec dessins par l’auteur. New York, Reynal & Hitchcock 1943. Mit zahlreichen, meist farbigen Illustrationen, davon zwölf ganzseitig. Hellroter Originalleinenband, Rückentitel und Vorderdeckelillustration in Rotdruck. Mit farbig illustriertem Originalschutzumschlag. In Holzfurnierschuber mit Lederkanten.

Erster Druck der ersten Ausgabe. – Eins der bekanntsten, meistübersetzten und nachgedruckten Bücher des 20. Jahrhunderts. – »Die gedankentiefe und zartempfundene Geschichte vom kleinen Prinzen, die Saint-Exupéry selbst illustriert hat, ist die von unmittelbarer Lebenserfahrung geprägte, dichterische Darstellung einer moralischen Erkenntnis. Die einfache Diktion dient der Absicht des Autors, die Sprache und Sichtweise des Kindes wiederzugeben, das mit dem Herzen das Innere der Dinge ergreift, ohne sich von der äußeren Erscheinung beirren zu lassen, und ist nicht zuletzt aus Saint-Exupérys Achtung vor der Wahrheit und dem Ernst des Wortes zu verstehen.« (KLL). – Die Erstausgabe erschien in den USA zeitgleich im französischen Original und in englischer Übersetzung. Der Autor hielt sich damals in den USA auf, kehrte aber noch im gleichen Jahr nach Algerien zurück und wurde nochmals als Luftwaffenpilot eingesetzt. Von seinem letzten Aufklärungsflug, am 31. Juli 1944 von Korsika aus Richtung Grenoble, kehrte er nicht mehr zurück. In Frankreich erschien das Buch erst nach seinem Tod, bald erfuhren Text und Illustrationen leichte Veränderungen, die in alle späteren Ausgaben übernommen wurden.

23,0 : 18,3 cm. 91, [3] Seiten. – Schutzumschlag mit Preisangabe »$2.00« und der Verlegeranschrift »386 Fourth Avenue«. – Schutzumschlag am Rücken leicht gebräunt und mit winzigem Einriss, Oberrand des vorderen Umschlags berieben. – Das Buch tadellos. – Kleines Monogrammexlibris auf Vorsatzblatt.

KLL 7414

966  Paul Scheerbart. Jenseits-Galerie.

€ 750

Berlin, Oesterheld 1907. Zehn Strichätzungen nach Zeichnungen. Mit einem Doppelblatt lose in roter Originalleinenmappe mit grüngeprägtem Titel.

Erste Ausgabe. – Auf dem Titelblatt von Scheerbart in roter Tinte nummeriert »No. 113« und signiert. – Aus Scheerbarts »wissenschaftlicher« Einleitung: »Die zehn vorliegenden Zeichnungen sind Nachbildungen von dem, was wir jenseits der Neptunsbahn entdeckt haben.« Scheerbart bezeichnete diese Zeichnungen von »Asteroïdenbewohnern mit vielen neuen Organen und bisher noch nie gezeigten Gliedmaßen« 1904 als seine bis dato gelungenste Produktion. In der »Jenseits-Galerie« »gibt er seinen Wortträumen in seltsamen surrealen Phantasiewesen, die an Redon erinnern, optischen Ausdruck« (Hans Bolliger). – Die Lithographien nach Zeichnungen von Paul Scheerbart auf Japan, der Vorderdeckel der Mappe wurde nach seinem Entwurf gedruckt. – Sehr schönes Exemplar.

29,3 : 19,5 cm. [4] Seiten, 10 Tafeln. – Mappe minimal lichtrandig. – Titelblatt unten mit kleinem Eckknick. Titelblatt und Innendeckel mit rot kalligraphiertem Vorbesitzer-Monogramm.

Kohnle S. 37. – Raabe/Hannich-Bode 260.19. – Dokumentations-Bibliothek II, 363

967  Lothar Romain und Rolf Wedewer. Bernard Schultze.

€ 300

München, Hirmer 1991. Mit mehr als 300 meist blattgroßen Farbabbildungen. Originalleinenband mit Schutzumschlag. – Widmungsexemplar der Vorzugsausgabe mit Zeichnung und Originalradierungen.

Die erste umfangreiche Monographie zu Leben und Werk Bernard Schultzes (1915–2005). – Exemplar einer im Buch nicht ausgewiesenen Vorzugsausgabe mit drei beigelegten Farbradierungen (Labyrinth-Figur 1-3, jede signiert, datiert und nummeriert). Die Radierungen in grünem Kartonumschlag und zusammen mit dem Buch in lilafarbener Originalleinenkassette. – Vortitel mit formatfüllender Bleistiftzeichnung, gewidmet »für Horst und Vivien von Bernard Dez. 91«. – Tadellos erhalten.

32,5 : 27,5 cm. 128 Seiten, zahlreiche Tafeln.

969  Renée Sintenis – Sappho. Carmina

€ 1000

(griechisch). München, Piper 1921. Mit zwölf Radierungen von Renée Sintenis sowie radiertem Titel und 24 radierten Textseiten. Originalpergamentband mit vergoldetem Rückentitel und Kopfgoldschnitt (signiert: Frieda Thiersch). Im Originalhalbpergamentschuber.

31. Druck der Marées-Gesellschaft. – Unnummeriertes Verlegerexemplar, gedruckt für den Verleger Reinhard Piper, dies im Impressum handschriftlich vermerkt. Wie die 65 römisch nummerierten Exemplare der Vorzugsausgabe auf englischem Velin und in Ganzpergament (Gesamtauflage 250). – Im Druckvermerk von beiden Künstlern signiert. – Renée Sintenis (1888–1965) und Emil Rudolf Weiß (1875–1942) schufen mit diesem Druck der Marées-Gesellschaft eines der elegantesten Bücher des 20. Jahrhunderts: Weiß radierte die griechischen Texte nach Vorbild einer alten Minuskelhandschrift, seine Ehefrau steuerte zwölf blattgroße Radierungen bei, anmutige, »hauchzarte Umrisse ihrer Figurinen, die in ihrer zerbrechlichen Schönheit den Text mit graziöser Anmut begleiten.« (Jürgen Eyssen).

26,5 : 20,5 cm. [44] Seiten.

Rodenberg 371, 31. – Schauer I, 218. – Eyssen S. 58

970  Max Slevogt – Klabund. Mohammed.

€ 200

Der Roman eines Propheten. Berlin, Erich Reiß 1917. Mit lithographiertem Titel von Max Slevogt und einer Radierung von Hans Meid, beide signiert. Originalbrokateinband mit Rückenschild und versilbertem Rückentitel (Fikentscher, Leipzig). Im Schuber.

Zweiter Prospero-Druck. – Eins von 70 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf handgeschöpftem Bütten, im Seideneinband und mit den signierten Graphiken (Gesamtauflage 600). – Unbeschnitten.

25,7 : 19,7 cm. 115, [5] Seiten, 1 Lithographie, 1 Radierung. – Brokatbezug an Rücken und Rändern verschlissen. – Vorsatz minimal fleckig.

Raabe/Hannich-Bode 158, 11. – Slevogt: Söhn 36 und Rümann 53. – Meid: Badorrek-Hoguth 3.12 und Jentsch 261

971  Max Slevogt. Aquarelle zu Mozarts Zauberflöte.

€ 300

Einführung von Fritz Wichert. Herausgegeben von J. Meier-Graefe. München, R. Piper 1920. 14 farbige Reproduktionen nach Aquarellen, alle unter Passepartout. Zusammen mit Titelblatt und kordelgeheftetem Textheft lose in Originalhalbleinenmappe mit Deckelschild.

25. Druck der Marées-Gesellschaft. – Eins von 265 Exemplaren auf Hadern-Papier (Gesamtauflage 300). – Die Faksimiles wurden nach den Originalen von der Anstalt Ganymed in Berlin als ihr erster Druck hergestellt. – Dazu: Lorenzo da Ponte. Don Juan. Mit zwanzig Zeichnungen von Max Slevogt in Holz geschnitten von Reinhold Hoberg. Berlin, Fritz Gurlitt 1921. Roter Originalhalblederband. Neue Bilderbücher, Reihe IV. Eins von 250 Exemplaren mit einem von Slevogt signierten Holzstich (Gesamtauflage 320). Auf Bütten. – »Don Juan und Zauberflöte werden Lieblingsopern des Künstlers. Da ihre Stoffe ihm im Innersten entsprechen, erscheint es ihm ganz natürlich, daß er seine Liebe zu Mozart gerade an ihnen Ausdruck geben konnte. […] Es ist das Wesen des wahren Graphikers, hinter einem Nichts die Weltfülle spürbar zu machen. Slevogt löst die Aufgabe, und was wir finden, ist Kindhaftigkeit, Lebensreichtum, Güte« (Einführung zur Zauberflöten-Mappe).

37,8 : 28,7 cm (Mappenformat). – Mappe mit Gebrauchsspuren, Gelenke der Beigabe etwas berieben.

Söhn 381–400 (Beigabe). – Rümann 66 b und 71 d. – Rodenberg 369, 25 und 394, 4.2. – Lang, Impressionismus 206 und 211

972  Max Slevogt. Die goldene Kugel.

€ 450

17 Lithographien. 1920. 28 : 20 cm. Signiert und nummeriert.

Eins von 35 römisch nummerierten Exemplaren der Suitenausgabe ohne Text. – Das Buch »Die goldene Kugel« mit Fritz Wicherts »märchenhafter Geschichte« erschien 1920 im Münchner Bruckmann Verlag und enthielt neben dem gezeichneten Titelblatt die 16 entzückenden Lithographien Slevogts als Textvignetten. – Auf Japanpapier, jeweils in Passepartout eingelegt und diese lose in Originalhalbpergamentmappe.

40 : 31 cm (Mappe). – Mappe etwas fleckig und berieben. – Das Passepartout gebräunt, sonst tadellos.

Söhn 277–293, alle c. – Rümann 108 a. – Lang, Impressionismus 204

973  Max Slevogt. Alte Märchen

€ 250

mit der Feder erzählt, in Worte gefasst von Joachim Zimmermann. Berlin, Propyläen 1920. Mit einer signierten Lithographie und 20 Tafeln nach Federzeichnungen. Mit 23 Textblättern lose in Originalpergamentmappe mit der goldgeprägten Künstlersignatur als Deckelvignette.

Eins von 200 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit der Lithographie »Schneewittchen bei der Morgentoilette«. – Neben der Titelzeichnung enthält die Folge 19 detaillreiche Zeichnungen von Slevogt zu Märchen der Brüder Grimm, Perrault u. a. Sammlungen. Jede Tafel in Passepartout eingelegt, dazu jeweils ein Blatt mit der Kurzfassung des Märchens. – In Slevogts buchkünstlerischem Œuvre spielen die Märchenillustrationen eine zentrale Rolle, Rümann nennt allein zwölf illustrierte Grimm-Ausgaben. Viele Zeichnungen zu »Alte Märchen« gewinnen besonderen Reiz durch die comicartigen, auf einer Zeichnung vereinigten Bildsequenzen.

31 : 38 cm (Mappe). – Pergament etwas stockfleckig, Deckel leicht verzogen. – Passepartout der Litho mit Abklatsch der Mappenflügel, die Litho nicht betroffen.

Rümann 63 a. – Söhn 329 b

974  Max Slevogt – Lorenzo da Ponte. Don Juan.

€ 180

Heiteres Drama in zwei Akten. Mit zwanzig Zeichnungen von Max Slevogt in Holz geschnitten von Reinhold Hoberg. Berlin, Fritz Gurlitt 1921. Mit 16 blattgroßen, davon einer signiert, und vier Vignetten-Holzschnitten. Roter Halblederband mit rot-goldenem Rückenschild und marmorierten Deckelbezügen.

Neue Bilderbücher, Reihe IV. – Eins von 250 Exemplaren der Ausgabe B (Gesamtauflage 300 und 20 Mappenausgaben). – Auf getöntem deutschen Bütten. – »Zu den ohne Zweifel wichtigsten Arbeiten Slevogts sind die Illustrationen für ›Don Juan‹ zu zählen. Slevogt war natürlich von der Musik Mozarts enthusiasmiert. In den Illustrationen […] folgt er dem Text des heiteren Dramas von Lorenzo da Ponte mit rasanten Bewegungen, zumal in dem Getümmel der Kampfszenen. […] Hoberg erreichte mit ihnen den Gipfel seiner Faksimile-Holzschnittkunst.« (Lothar Lang, Seite 100). – Tadellos.

33,3 : 25,5 cm. [10], 130, [12] Seiten.

Söhn 381–400. – Rümann 71 d. – Rodenberg 394, 4.2. – Lang, Impressionismus 211

975  Max Slevogt – [Johann Wolfgang von] Goethe. Das Maerchen.

€ 250

Wien und Hellerau, Avalun 1922. Mit einer signierten Lithographie von Max Slevogt. Roter Originalmaroquinband mit Vergoldung (P. A. Demeter).

18. Avalun-Druck. – Eins von 135 Exemplaren der Vorzugsausgabe in Ganzleder (Gesamtauflage 260). – Auf Bütten. – Den Text druckte Jakob Hegner, Hellerau, Slevogts Lithographie M. W. Lassally, Berlin.

22,7 : 17,7 cm. 105, [7] Seiten. – Ränder minimal fleckig, Kanten minimal berieben, eine Ecke stärker. – Filetenvergoldung an einigen Stellen gelöst.

Söhn 548. – Rümann 26 a

976  Max Slevogt. Das singende, springende Löweneckerchen.

€ 400

Zwölf Zeichnungen zu dem Märchen der Brüder Grimm, in Holz geschnitten von Oskar Bangemann. 1923. Signiert.

Eins von 50 Exemplaren der Suitenausgabe ohne den Text – In der Reichsdruckerei mit der Handpresse auf China gedruckt und in Passepartouts. – Die Mappenausgabe erschien wie die Buchausgabe 1923 bei Bruno Cassirer, Berlin. – Mit Doppelblatt (Titel und Auflagenvermerk) lose in der Originalhalbpergamentkassette.

39,5 : 29,5 cm (Kassette). 12 Holzschnitte. – Kassettendeckel fleckig und berieben. – Textblatt stockfleckig.

Söhn 622–633. – Rümann 38 b

977  Max Slevogt. Der gelernte Jäger.

€ 500

13 Federlithographien zu dem Märchen der Brüder Grimm. 1924. Signiert.

Eins von 100 Exemplaren der Suitenausgabe ohne Text. – Die Lithographien wurden mit der Handpresse auf feines Chinapapier gedruckt und in Passepartouts montiert. – Die Mappenausgabe erschien wie die Buchausgabe 1924 bei Bruno Cassirer, Berlin. – In der Originalhalbpergamentkassette mit Deckelvignette und vergoldetem Rückentitel. – Ohne das Doppelblatt mit Titel und Auflagenvermerk.

39,5 : 29,5 cm (Kassette). – Kassettenränder berieben. – Vereinzelt schwach stockfleckig, Titellithographie stärker.

Söhn 725–737 (datiert irrtümlich auf 1933/34). – Rümann 30 b

978  Max Slevogt – Vier Märchenbücher.

€ 400

Berlin, Bruno Cassirer 1920–1924. Mit Illustrationen nach Federzeichnungen und Federlithographien. Drei Originalhalbpergamentbände, ein Originalhalblederband.

I. Alte Märchen mit der Feder erzählt, in Worte gefaßt von Joachim Zimmermann. 1920. 20 Tafeln. – II. Zeichnungen zu Kinderliedern, Tierfabeln und Märchen. 1920. 42 Illustrationen. Auflage 600. – III. Das singende, springende Löweneckerchen. 1923. 12 Illustrationen. Auflage 360. – IV. Das blaue Licht. 1924. 15 Federlithographien. Auflage 400. – Alle im Druckvermerk vom Künstler signiert.

Einbände angestaubt (II und III), Deckel lichtrandig (II).

Rümann 63b, 52a, 38a und 37b. – Söhn 329 b, 294–328 a, 621-633, 671-685 b

979  Tschechiche Buchkunst – Saint-John Perse. Kronika.

€ 300

Prag, Lyra 1982. Mit sechs signierten Farbradierungen von Jan Souček. Olivgrüner Kalblederband mit Blind- und Goldprägung.

Eins der 200 Vorzugsexemplare im Ledereinband von Jiriho Faltuse. – Jan Souček (1941–2008) zählte zu den wichtigsten Vertretern des tschechischen Neo-Surrealismus. Zu Leben und Werk vgl. Heinz Brüggemanns Essay auf der Webseite der Galerie Grewenig in Heidelberg. – Auf Bütten.

29,8 : 21,5 cm. 36, [4] Seiten, Broschurumschlag eingebunden. – Rücken leicht aufgehellt.

980  Ottomar Starke – F[jodor] M[ichailovic] Dostojewski. Der Spieler.

€ 1200 ( R7 )

Roman. Illustriert von Ottomar Starke. München, Phantasus 1922. Mit zahlreichen, teils blattgroßen Holzschnitten nach Federzeichnungen von Ottomar Starke. Roter Originalmaroquinband mit marmorierten Buntpapiervorsätzen. Rücken-, Deckel-, Steh- und Innenkantenfileten, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet (Spamersche Buchbinderei, Leipzig).

Eins von 30 Exemplaren der römisch nummerierten Vorzugsausgabe im Maroquinhandeinband. Zudem erschienen 400 arabisch nummerierte Exemplare in Halbleder- und Pappbänden. – Gesetzt aus der Tiemann-Fraktur. – Die Federzeichnungen von Ottomar Starke wurden von den Münchner Xylographen Albert Fallscheer und Hans Tempel »faksimilegetreu« in Holz geschnitten. – Ottomar Starke (1886–1962) zählte vor dem ersten Weltkrieg zu den wichtigsten expressionistischen Buchillustratoren, für Kurt Wolff illustrierte er mehrere Hefte der Reihe »Der jüngste Tag«, unter anderem Kafkas »Verwandlung«. – Tadellos schönes Exemplar der äußerst seltenen Vorzugsausgabe.

28,5 : 20,7 cm. [2], 257, [5] Seiten.

Rodenberg 458, 6. – Sennewald 23,1. – Schauer II, 95 (Abbildung)

981  Hugo Steiner-Prag – E. T. A. Hoffmann. Das Majorat.

€ 250

Mit Radierungen von Hugo Steiner-Prag. Berlin, Propyläen [1922]. Mit zwölf blattgroßen signierten Radierungen. Originalhalblederband mit Vergoldung.

Erste Ausgabe mit diesen Illustrationen. – Eins von 100 Exemplaren der zweiten Vorzugsausgabe mit den signierten Radierungen, aber ohne Remarquen (Gesamtauflage 300). – Auf Bütten.

21,5 : 15,0 cm. 159, [5] Seiten. – Rücken leicht fleckig und verblasst, Oberrand des Vorderdeckels leicht aufgehellt.

Sennewald 22,4

982  Hugo Steiner-Prag – Arthur Graf Gobineau. Die Liebenden von Kandahar.

€ 750

Deutsch von Franz Werner Schmidt. Mit Radierungen von Hugo Steiner-Prag. Berlin, Franz Schneider [1923]. Mit sechs signierten Radierungen und drei radierten Vignetten. Roter Kalblederband mit reicher Rückenvergoldung. Deckelvignette und Stehkanten vergoldet (signiert: Handeinband Fritzsche AG). Im Originalschuber.

Eins von 200 Exemplaren. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Alle Radierungen signiert und mit Remarquen. – Auf handgeschöpftem Bütten. – Außer den stimmungsvollen, besonders durch ihr Spiel von Licht und Schatten eindrücklichen Bildern radierte Steiner-Prag die Titel- und Schlussvignette sowie eine figürliche Initiale. – Der elegante Einband, mit Schutzpapierumschlag und Schuber, tadellos erhalten.

27,2 : 19,0 cm. 56, [4] Seiten, 6 Radierungen. – Schnitt minimal gebräunt.

Sennewald 23,2

983  Hans Ticha. Persönliches Meinungsbild.

€ 400

Ohne Ort 1995–1999. Mit zwölf signierten Originalholzschnitten, zehn davon farbig. Originalhalbleinenband mit Holzdeckeln mit farbigem Deckelrelief. Im Schuber.

Eins von 25 unikalen Exemplaren, wohl im Eigenverlag erschienen. – Im Impressum vom Künstler signiert. – Die Holzschnitte wurden von Hand abgezogen, signiert und als Blockbuch gebunden. – Die Bildtitel wurden in Einzellettern in jedes Buch gestempelt. – Den Einband, weiße Holzdeckel mit Relief aus verschieden farbigen Holzteilen, fertigte Hans Ticha selbst.

29,0 : 23,2 cm. [28] Seiten.

984  Hans Ticha – Ernst Jandl. 13 Gedichte.

€ 250

6 Farbholzschnitte Hans Ticha. Ohne Ort [1998]. Mit sechs signierten ganzseitigen Farbholzschnitten von. Illustrierter Originalleinenband mit Rückenschild.

Eins von 25 Exemplaren. – Im Druckvermerk von Autor und Künstler signiert und nummeriert. – Schönes Künstlerbuch des vor allem in der DDR als Buchillustrator (aber auch durch Arbeiten für die Büchergilde in Westdeutschland) bekannt gewordenen Hans Ticha. Eine der letzten zu Lebzeiten Jandls erschienenen Publikationen. – Tadellos.

29,6 : 22,4 cm. [32] Seiten.

985  Jean Tinguely – K. G. Pontus Hultén. Jean Tinguely »Méta«.

€ 300

Berlin, Propyläen 1972. Mit einer signierten Méta-matic-Zeichnung, einer Schallplatte und zahlreichen Abbildungen. Original-Objekteinband.

Deutsche Ausgabe, zeitgleich mit der Stockholmer Ausgabe erschienen. – Katalogobjekt in Form eines Koffers mit Tragegriff. – Die von Tinguelys Zeichenmaschine »geschaffene« Zeichnung vom Künstler signiert. – Tadellos erhalten.

30 : 22 cm. 363, [1] Seiten, davon einige gefaltet, 1 Zeichnung, 1 Schallplatte.

Slg. Schnepel T2-02

986  Walter Trier. Zwei eigenhändige Postkarten mit Unterschrift.

€ 200

– Von Walter Trier farbig illustrierte Werbekarten der Leipziger Krausswerke-Metallwarenfabrik.

Beide an eine Familie Robert David in Berlin-Dahlem. – 22. Dezember 1926: Frohes Fest ! u. Prost Neujahr! und falls Sie sich weiter so rar machen fröhliche Ostern!« und »Wir haben Ihnen heute eins der von mir gezeichneten 3 Fridolin-Bücher gesandt und hoffen, daß es Ihren Kindern Spaß machen wird.« – Undatiert: »Anbei mit schönsten Grüßen die 2 Künstlerkarten und 1 Freikarte. Wir haben Tisch 49 und sind schon um 9 Uhr zum Essen da.« – Walter Trier entwarf in dieser Zeit Werbeartikel für die Leipziger Firma, die durch ihre »Volksbadewanne« und die Waschmaschine »Turna-Krauss« bekannt wurde.

10,5 : 14,8 cm. – Minimale Knickspuren.

987  Walter Trier. Dr. Alfred Fürstenberg und Frau Lotte Fürstenberg-Cassirer ziehen um nach Hohenzollernstr. 6.

€ 300

Kolorierte Lithographie. 15 : 23 cm. Im Stein signiert.

Typisch humorvolle Umzugsanzeige für das Ehepaar Fürstenberg-Cassirer. – Die Ehefrau und die Söhne sind mit Bildern und Graphikmappen belastet, der Ehemannn und Vater mit chirurgischen Instrumenten. – 1927 hatte die verwitwete Charlotte Cassirer, die Mutter des Kunsthändlers Reinhold Cassirer, wieder geheiratet. Die Ehe mit dem jüdischen Arzt Alfred Fürstenberg sollte allerdings nur wenige Jahre bestehen können: 1933 beging der Mediziner Selbstmord. – Ehemals Sammlung Siegbert Marzynski (Marcy) (Berlin 1892–1969 Beverly Hills, California), rückseitig dessen signierte Hinweis »Original«.

988  Rosemarie Trockel – Gabriel García Márquez. Der Oberst hat niemand, der ihm schreibt.

€ 300

Roman. Mit Arbeiten von Rosemarie Trockel. Köln, Kiepenheuer & Witsch 1998. Mit zahlreichen Illustrationen nach Zeichnungen. Farbig illustrierte Originalbroschur mit dem bedruckten Folienumschlag.

Eins von 21 Exemplaren der zweiten Vorzugsausgabe mit einer signierten Lithographie von Rosemarie Trockel (Zwei Hühneköpfe, 45 : 34 cm, gerahmt). – Auch im Druckvermerk von der Künstlerin signiert und nummeriert. Die deutsche Erstausgabe mit der hier neu aufgelegten Übersetzung von Curt Meyer-Clason erschien erstmals 1976. – Tadellos.

24,0 : 18,8 cm. 101, [3] Seiten.

989  Tomi Ungerer. Weltschmerz.

€ 600

Eine Bilanz der traurigen Errungenschaften des Fortschritts. Mit einem Empfehlungsschreiben von Art Buchwald. – The Party. Klub der Bibliomanen, Band 15. Zürich, Diogenes 1961 und 1966. Mit zahlreichen, teils farbigen Bildtafeln nach Zeichnungen. Originalleinenbände mit illustriertem Schutzumschlag. – Widmungsexemplare.

Erste Ausgaben. – Beide Bücher mit einer eigenhändigen Bleistiftkarikatur Ungerers auf dem Vorsatzblatt. Beide Widmungen richten sich an Hein Kohn (1907–1979, niederländischer Literaturagent und Verleger). – Der Kosmopolit Tomi Ungerer (1931–2019) ließ sich 1957 in New York nieder, wo seine Karriere erst richtig begann. Insgesamt illustrierte er mehr als 140 Bücher und schuf etwa 40.000 Zeichnungen, über 300 Plakate, Dutzende Ölbilder, Lithographien und Skulpturen. – In einem Interview mit der Weltwoche beschrieb er einmal seinen künstlerischen Antrieb: »Wollen Sie mit Ihrem Buch nur Gesellschaftskritik üben oder auch einen Beitrag zu Veränderung dieser Gesellschaft leisten? ›Wenn überhaupt eine Gesellschaftsveränderung möglich wäre, hätte ich dieses Buch dafür gezeichnet. Ich zeichne, um mir selbst im klaren zu bleiben, um Ärgernisse loszuwerden‹.« Der ZEIT sagte er: »Meine Streiche sind irgendwie kindisch, aber ich schäme mich nicht dafür.« – Tomi Ungerer starb vor wenigen Wochen, im Februar 2019 in Irland.

30,5 : 23,5 cm. [108] Seiten; [128] Seiten.

990  Hans-Joachim Walch – Johann Wolfgang von Goethe. Myrons Kuh.

€ 200

Gesetzt, gedruckt und mit Holzschnitten versehen von Hans-Joachim Walch. [Leipzig] 1953. Mit 14 Holzschnitt-Vignetten. Orignalpergamentband mit vergoldeter Deckelvignette und Kopfgoldschnitt.

Hergestellt in wohl nur einer Handvoll Exemplare in den Werkstätten der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst während seines externen Studiums. – Hans–Joachim Walch (1927–1991) wurde 1952 Herstellungsleiter und künstlerischer Gestalter beim Leipziger Insel Verlag. Als 1977 aus den ostdeutschen Niederlassungen der Verlage Insel, Kiepenheuer, Dieterich und Paul List ein Kombinat gebildet wurde, verließ er den Verlag und arbeitete fortan freischaffend als Buchgestalter, Illustrator und Graphiker für zahlreiche Verlage. Sein künstlerischer Nachlass befindet sich im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig.

21,3 : 13,3 cm. 20, [4] Seiten. – Mittig am Rücken kaum sichtbar geknickt.

991  William Carlos Williams. The Tempers.

€ 1200 ( R7 )

London, Elkin Mathews 1913. Originalpappband mit vergoldeten Titeln.

Erste Ausgabe der ersten Gedichtsammlung. – Auf dem Vorsatzblatt vom Dichter signiert. – William Carlos Williams (1883–1963), amerikanischer Arzt und Lyriker, gilt neben Ezra Pound und T.S. Eliot als der bedeutendste amerikanische Lyriker der Moderne. Seine frühen Gedichte sind noch stark vom europäischen Dadaismus und Surrealismus geprägt, mit Pound und Eliot schloss er sich um 1912 den Imagisten an, einer anglo-amerikanischen literarischen Bewegung. Während einer Europareise besuchter er den Salon von Gertrude Stein.

13,0 : 10,0 cm. 31, [1] Seiten. – Einband leicht angestaubt.

992  Kurt Wolff Verlag – Sieben Almanache des Verlages.

€ 400

Leipzig und München 1913–1926. Originalpappbände und -broschuren.

I. Das bunte Buch. Leipzig 1914 [1913]. Rote Broschur. Der erste Verlagsalmanach mit einem vollständigen Verlagsverzeichnis 1910–1913. Mit Illustrationen von Karl Walser, Thylmann, Kokoschka, Seewald, Lichnowsky, Tiemann u. a. Mit Textbeiträgen von Kafka, Werfel, Trakl, Heym, Robert Walser u. v. a. – II. Vom jüngsten Tag. Ein Almanach neuer Dichtung. 1916. Mit Bildtafeln. Illustrierter Pappband. – III–V. Der neue Roman. – Die neue Dichtung. – Das neue Geschichtenbuch. Ein Almanach. 1917 bzw. 1918. Mit Bildtafeln nach Kokoschka, Oppenheimer u. a. und Illustrationen von Ludwig Meidner. Drei farbige Broschuren. – VI-VII. 1925 [bzw.] 1927. Ein Almanach für Kunst und Dichtung aus dem Kurt Wolff Verlag. [München 1924 bzw. 1926]. Mit Tafeln und Illustrationen. Pappbände mit Deckelillustration von Frans Masereel. – Die Almanache I, II und IV enthalten folgende Erstdrucke von Franz Kafka: »Zum Nachdenken für Herrenreiter« (Dietz 22), »Vor dem Gesetz« (D. 28), »Ein Landarzt« (D. 48) und »Der Mord« (D. 49). – Dazu: Bücher und Graphik des Kurt Wolff Verlages. München u. a. 1925. Broschur. – Eine Beigabe.

I: Rücken verblasst und brüchig, Deckel etwas fleckig. – II: Fleckig. – V: Rücken mit Fehlstelle.

Göbel 152, 345, 361, 367, 636

993  Kurt Wolff Verlag – Der jüngste Tag.

€ 450

57 (von 86) Nummern in 47 (von 73) Heften. Leipzig und München, Kurt Wolff 1913–1921. Meist Originalbroschuren, vereinzelt illustriert.

Umfangreiches Konvolut der wichtigsten deutschsprachigen Buchreihe des Expressionismus. – Meist in ersten Ausgaben, viele aber auch in Nachauflagen (darunter besonders die frühen Hefte, Kafkas »Heizer« in 3. Auflage). – »›Der jüngste Tag‹ soll mehr als ein Buch sein und weniger als eine Bücherei: er ist die Reihenfolge von Schöpfungen der jüngsten Dichter, hervorgebracht durch das gemeinsame Erlebnis unserer Zeit« (Verlagsankündigung, zitiert nach Smolen/Stammerjohann). – Es fehlen die Nummern 6, 18, 22/23, 25, 34, 42, 44/45, 49, 55 und 60, danach sind nur folgende vorhanden 66, 67/68, 75, 76/77, 78 und 84. – Erwähnenswert sind die seltene Einbandvariante von Nr. 17 (Georg Kölwel »Gesänge gegen den Tod«, so Smolen unbekannt) und die Erstausgabe von Gottfried Benns »Gehirne« (Nr. 35). – Dazu: Vom jüngsten Tag. Ein Almanach neuer Dichtung. Zweite veränderte Ausgabe. Leipzig, Kurt Wolff 1917. Mit Bildtafeln. Originalbroschur.

Teils stärkere Gebrauchs- und Alterungsspuren, Exlibris und Besitzvermerke. – Kein Rückgaberecht.

Raabe, Zeitschriften 145

994  Stefan Zweig. Das Haus am Meer.

€ 1500

Ein Schauspiel in zwei Teilen (drei Aufzügen). Leipzig, Insel 1912. Originalecrasélederband mit vergoldetem Deckelsignet, Rückentitel und Kopfschnitt.

Erste Ausgabe. – Eins von 25 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf holländischem Bütten und in weinrotes Ganzleder gebunden. – Unbeschnitten. – Das Theaterstück »Das Haus am Meer« wurde am 26. Oktober 1912 am Wiener Burgtheater uraufgeführt. »Der Abend war ein ausgesprochener Erfolg für den Dichter«, berichtete Friderike von Winternitz für das »Hamburger Abendblatt« (Stefan Zweig/Friderike Zweig, Briefwechsel 1912-1942, Frankfurt a. M., S. Fischer 2006). – Sehr selten, in der Vorzugsausgabe kaum auffindbar.

20,0 : 14,0 cm. 170, [6] Seiten. – Rücken kaum merklich verfärbt.

Klawiter E7

995  Stefan Zweig. Eigenhändige Briefkarte mit Unterschrift.

€ 250

Salzburg, 20. Februar 1930.

An Fritz Adolf Hünich (1885–1964), damals Lektor beim Insel Verlag. – Zweig teilt mit, dass er erst im März kommen wird. »Am 15. ist die Premiere gleichzeitig in Hannover, Breslau, Lübeck, dann folgt gleich Frankfurt, Bremen, Wien. Aber die Sache macht mir durch das Abspringen von W. Krauss schon keine Freude mehr«. – 1930 wurde Zweigs Theaterstück »Das Lamm des Armen« in Breslau – und nicht wie geplant in Wien (in einem Brief an Kippenberg: »da uns Werner Krauss im Burgtheater im Stiche liess«) – uraufgeführt. Zweig plante anlässlich der Aufführungen eine Neuauflage des 1929 im Insel Verlag erschienenen Buches. – Postkarte mit kleiner Ansicht von Hallstatt bei Salzburg und Stefan Zweigs eingedruckter Salzburger Anschrift.

Etwas gebräunt, Tinte leicht verblasst. Ganz leichte Knickfalte.

Vgl. Stefan-Zweig-Handbuch 2.10

996  Stefan Zweig. Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam.

€ 450

Wien, Reichner 1934. Mit neun ganzseitigen Abbildungen nach alten Holzschnitten sowie einigen Vignetten, Zierleisten und Initialen. Originalhalblederband mit Deckelvignette, vergoldetem Rückentitel und Kopfgoldschnitt (Albert Günther, Wien).

Erste Ausgabe. – Eins von 100 Vorzugsexemplaren, im Druckvermerk vom Verfasser signiert und in Halbleder gebunden (Gesamtauflage 700). – Unbeschnitten.

25,6 : 16,8 cm. 227, [13] Seiten. – Einband etwas fleckig. – Vorsatz mit Besitzvermerk, Titel und hinterer Vorsatz mit Nummerierung. Zwei Seiten mit größerem Feuchtigkeitsfleck.

Klawiter G 886