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Naturwissenschaften, Reisen | Hesse-Auktionen
Naturwissenschaften, Reisen

528  Astrologie – Jean Taisnier. Opus mathematicum

€ 1200

octo libros complectens … Köln, Johannes Birckmann und Werner Richwin 1562. Mit hunderten, teils großen Textholzschnitten, einem zweifach verwendeten Holzschnitt-Porträt und einer Holzschnitt-Druckermarke. Pergamentumschlag der Zeit.

Seltene erste Ausgabe. – Jean Taisnier (1509–nach 1562), Jurist, Mathematiker, Philosoph und Musiker, war Lehrer der Pagen Karls V. und bereiste über 20 Jahre lang Nordafrika, Vorderasien und Südeuropa. Er starb nach 1562 als Musikdirektor des Erzbischofs von Köln. – Sein Hauptwerk, dessen Schwerpunkt die Handlesekunst bildet, vereint das Wissen früherer Autoren. Allein schon wegen seines Umfangs und der fast 1800 Illustrationen, zählt es bis heute zu den geschätztesten Arbeiten auf diesem Gebiet. Im zweiten Teil behandelt Taisnier auch Physiognomik und gibt eine Einführung in die Astrologie. – Aus dem Nachlass von Wilhelm Theodor Heinrich Wulff (Astrologe, 1893–1984) mit seiner Visitenkarte und einigen Beilagen. Während seines Studiums der Bildhauerei und Malerei kam Wulff mit den Werken von Leonardo da Vinci, Johannes Kepler, Tycho Brahe und Goethe in Kontakt, diese führten ihn 1912 zur Astrologie. Anfang der 1920er Jahre machte er diese mit großem Erfolg zu seinem Beruf. Nach der Flucht von Rudolf Heß 1941 nach England wurde er zusammen mit vielen anderen Astrologen verhaftet. Aus dem Hamburger KZ Fuhlsbüttel wurde er in ein Speziallager verlegt, um für Himmler und einige andere Nazi-Politiker Horoskope zu erstellen. Er soll das Attentat vom 20. Juli 1944 vorausgesagt haben. Nach dem Krieg war er Mitbegründer des Deutschen Astrologen-Verbandes. Seine Autobiographie erschien 1968 unter dem Titel »Tierkreis und Hakenkreuz – als Astrologe an Himmlers Hof«.

29,5 : 19,8 cm. [12], 624, [8] Seiten. – Pergamentumschlag fleckig und gewellt. – Die erste Hälfte wasserrandig, durchgehend etwas gebräunt und mit alten Anmerkungen. – Titelblatt mit zwei alten Besitzvermerken, u. a. Abraham Limczar (?) 1564, rückseitig Stempel. Das letzte, leere Blatt mit Kaufvermerk von 1564.

VD 16, T 72. – Graesse, Bibl. magica 100. – Poggendorf II, 1066. – Rosenthal, Bibl. magica 1017

529  Astrologie – Francesco Giunti. Speculum Astrologiæ,

€ 1800

universam mathematicam scientiam, in certas classes digestam, complectens. Tomus prior [et] posterior. Lyon, Q. Phil. Tinghus und Joh. Quadratus für S. Beraud 1581–1583. Mit zahlreichen Textholzschnitten. Pergamentbände der Zeit.

Erste Ausgabe, beide Titelblätter mit »1583«, Kolophon mit »1581«. – Der Florentiner Karmeliter Francesco Junctinus lebte von 1522–1580/1590 und wurde der Überlieferung nach von einem Bücherregal erschlagen. – In ausgewählten Zitaten und durch ausführlichste Kommentare versuchte er die Schriften von Ptolemäus, Johannis de Sacro Bosco, Georg Purbach und Nikolaus Kopernikus als wissenschaftliche Belege der Astrologie zu nutzen. Daneben finden sich einige eigene Texte (»Compendium de stellarum fixarum observationibus«, »De eclipsius«, »De cometis«, »Calendarium astrologium«). – Das Werk gilt als das umfassendste Lehrbuch der Astrologie und enthält mehr als 600 Nativitäten geschichtlich bekannter Persönlichkeiten und deren Deutungen. Die zahlreichen Textholzschnitte mit astronomischen Ereignissen (Kometen, Sonnen- und Mondfinsternis) und Sphärenmodellen, Himmels- und Erdgloben, Weltkarten und anderem. – Rosenthal betont die allgemeine Bedeutung sowie die für »collectors of Americana, as containing biographies of Columbus and Vespucci«. – Sehr selten. – Aus dem Nachlass von Wilhelm Theodor Heinrich Wulff (siehe die vorherige KatNr). – Beigabe: Martin Pegius’ Geburtsstundenbuch (Basel 1570). Faksimileausgabe München 1924. Originalhalbpergamentband. Eins von 500 Exemplaren.

34,5 : 22,0 cm. [8], 1313, [3]; 1176 (paginiert 1170), [42] Seiten. – Einbände etwas berieben und leicht bestoßen, Rücken mit Fehlstellen und teils überklebt. – Leicht fleckig, einzelne Lagen gebräunt. Zahlreiche Anmerkungen und Anstreichungen. Einige alte Stempel.

Poggendorf I, 1211. – Rosenthal, Bibl. magica 3432

530  Astrologie – Johann Wilhelm Pfaff. Astrologie.

€ 400

Nürnberg, Friedrich Campe 1816. Mit einer gestochenen Titelvignette und zwei Kupfertafeln. Halblederband der Zeit.

Erste Ausgabe. – Johann Wilhelm Pfaff (1774–1835), jüngerer Bruder des Mathematikers Johann Friedrich Pfaff, erhielt 1809 eine Anstellung am neugegründeten Nürnberger Realinstitut. Seine Beschäftigung mit der Astrologie fand unter » […] seinen Fachkollegen wenig Gegenliebe. Insbesondere Gauß, Johann Elert Bode und Heinrich Wilhelm Olbers äußerten sich kritisch bis abfällig über Pfaffs 1816 erschienene ›Astrologie‹« (NDB XX, 292). – Aus der Bibliothek von Wilhelm Theodor Heinrich Wulff (1893–1984).

17,1 : 10,0 cm. VIII, 244 (paginiert 246), [2] Seiten. – Vorsatzblätter und 8 beigelegte Blätter mit ausführlichen Anmerkungen von alter Hand. – Alter Besitzvermerk und Wulffs Prägestempel. – Einband stärker bestoßen, Rücken mit Fehlstellen.

531  Astronomie – [Giuseppe] Simone Assemani. Globus caelestis

€ 1200

cufico-arabicus vleiterni Musei Borgiani […] Præmissa ejusdem de arabum astronomia dissertatione et adjectus duabus epistolis Cl. Josephi Toladi. Padua, Typis Seminarii 1790. Mit drei gefalteten Kupfertafeln, davon zwei koloriert. Halblederband im Stil der Zeit mit Rückenvergoldung.

Simone Assemani (1752–1821) war wie sein Großonkel Giuseppe Simone Assemani (1687–1768) Orientalist und zählt zu den bedeutendsten seiner Zeit. Wie sein Verwandter bereiste auch er den Nahen Osten, später lebte und arbeitete er in Padua. Papst Clemens XII. erwarb die mehr als 200 syrischen Handschriften aus dem Familienbesitz. – Der arabische Himmelsglobus von Muhammed Alkamel Ajubitae in den vatikanischen Sammlungen beschreibt er unter sprachwissenschaftlichen Aspekten ausführlich, die drei Kupfer bilden den Globus im Ganzen und seine Schift- und Bildzeichen en detail und fein koloriert ab. – Sehr schönes Exemplar.

30,7 : 24,0 cm. [16], CCXIX, [1], [8] Seiten, 3 Faltkupfer. – Oberränder vereinzelt etwas angestaubt. – Vorsatzblatt mit Besitz-, Kauf- und Restaurierungsnotiz von 1837. Titelblatt und letztes Kupfer, beide verso, mit Stempel des British Museum, vorn mit Stempel »1831 Duplicate for Sale«. Zwei Exlibris.

Graesse I, 240. – Brunet 8185. – Österr. Biograph. Lexikon I, 33

532  J[ohann] H[einrich] Lambert. Beschreibung einer mit dem Calauschen Wachse ausgemalten Farbenpyramide,

€ 800

wo die Mischung jeder Farben aus Weiß und drey Grundfarben angeordnet, dargelegt und derselben Berechnung und vielfacher Gebrauch gewiesen wird. Berlin, Haude und Spener 1772. Mit einer kolorierten gefalteten Kupfertafel. – Angebunden: Johann Win[c]kelmann. Anmerkungen über die Baukunst der Alten. Leipzig, Johann Gottfried Dyck 1762. Mit zwei gestochenen Vignetten, eine auf dem Titel. – Johann Win[c]kelmann. Sendschreiben von den Herculanischen Entdeckungen. An […] Heinrich Reichsgrafen von Brühl. Dresden, Georg Conrad Walther 1762. Mit drei gestochenen Vignetten nach Winckelmann, eine auf dem Titel. – Halblederband der Zeit mit floraler Rückenvergoldung und rot-goldenem Rückenschild.

Erste Ausgabe, sehr selten. – Johann Heinrich Lambert (1728–1777) war einer der bedeutendsten Mathematiker und Astronomen seiner Zeit, u. a. bewies er die Irrationalität der Kreiszahl π. Am Lebensende legte er mit seiner Farbenpyramide das erste dreidimensionale Farbsystem vor. Damit verhalf er dem Farbendreieck des Astronomen Tobias Mayer, das er ausführlich beschreibt, zur dringend notwendigen Tiefe. Seine Pyramide, ausgemalt mit den gerade in Berlin entwickelten Calauschen Wachsfarben, bildet die Grundlage für die ebenfalls räumlichen Farbenmodelle von Goethe und Philipp Otto Runge. – Als praktischen Nutzen erhoffte sich Lambert den Einsatz seiner Farbberechnungen bei Textilhändlern, Färbereien und Druckern, aber auch bei der Bestimmung von Farben im Naturreich. – Angebunden zwei wichtige Schriften zur antiken Kunst, verfasst vom Begründer der wissenschaftlichen Archäologie und Kunstgeschichte. – Beide in erster Ausgabe. – Beide Bücher, die häufig mit seiner »Geschichte der Kunst« zusammengebunden wurden, entstanden unter dem gewaltigen Eindruck, den die Tempel des alten Paestum und die Ruinen am Golf von Neapel auf ihn gemacht hatten. – Sehr schönes Exemplar, identisch gebunden mit dem folgenden Werk.

23,0 : 18,7 cm. [6], 126, [2] Seiten, 1 Kupfer. – [16], 68, [8] Seiten. – 96 Seiten. – I mit wenigen alten Anmerkungen.

Poggendorf I, 1355. – Winckelmann: Goedeke IV/1, 301, 7 und 9

533  A[ndreas] Riem. Über die Malerei der Alten.

€ 400

Ein Beitrag zur Geschichte der Kunst. Veranlasst von B[ernhard] Rode. Berlin, Friedrich Maurer 1787. Mit gestochenem Frontispiz (Bildnis des Zeuxis), gestochener Titelvignette (Appelles) und 22 großen und kleinen Textkupfern, gestochen von F. Reclam und Rode. Halblederband der Zeit mit floraler Rückenvergoldung und rot-goldenem Rückenschild.

Erste und einzige Ausgabe dieser seltenen kunsttheoretischen Schrift. – Der Theologe und aufklärerische Literat Riem verfasste sie auf Initiative des Direktors der Berliner Kunstakademie Christian Bernhard Rode. – Riem setzt sich ausführlich mit der Behauptung des dortigen Hofmalers Benjamin Calau (1724–1785) auseinander, dieser habe mit seinen Wachsmalfarben das legendäre »punische Wachs« wiederentdeckt, jene antiken Farben die schon Plinius in seiner »Naturalis historia« beschrieben hatte. Nach Calaus Tod setzten Rode und J. C. Frisch die Versuche mit seiner Wachsmalerei fort. Die vorliegende Schrift enthält die Ergebnisse dieser Versuche, zugleich ordnet der Verfasser die Bedeutung von Malerei und Plastik in der alten Kunst, auch anhand außereuropäischer Beispiele (Azteken und Maya). – Auf festem Bütten.

22,7 : 19,3 cm. [6], IV, 161 (paginiert 163), [1] Seiten, 1 Kupfer. – Minimal berieben. – Ohne die bei Vergleichsexemplaren erwähnte Kupfertafel. – Etwas stockfleckig.

534  [André-César Bordier]. Herrn Bourret [!] Schilderung seiner Reise nach den Savoyischen Eisgebirgen.

€ 750

Aus dem Französischen mit Anmerkungen und Zusätzen. Erster [und] Zweyter Theil. Gotha, Carl Wilhelm Ettinger 1775. Mit einer gestochenen Ansicht des Genfer Sees als Titelvignette. Halblederband der Zeit mit floraler Rückenvergoldung und zwei Rückenschildern.

Erste deutsche Ausgabe, jedoch war der Verfasser, der unter dem Monogramm »M. B.« 1773 in Genf erschienenen französischen Vorlage »Voyage pittoresque aux glacières de Savoye« der Genfer Theologe André-César Bordier (1746–1802). Der deutsche Übersetzer Heinrich August Ottokar Reichard schreibt das Werk irrtümlich Marc Théodore Bourrit zu. Dieser Genfer Künstler illustrierte Alpenwerke und verfasste selbst eine Beschreibung der Gegend. – Bordiers Reisebuch gehört zu den frühesten größeren Werken, die sich ausschließlich mit der alpinen Gletscherwelt auseinandersetzen. »In seinem Werk […] feierte er als Erster die Erhabenheit der Gletscher« (HLS). – Sehr selten und sehr gut erhalten. – Ein Vergleichsexemplar in der Bayerischen Staatsbibliothek hat auch für den zweiten Teil ein Titelblatt mit Vignette, hier nur der Zwischentitel auf Seite 83.

19,8 : 12,0 cm. [12], 184, [6, 2 leere] Seiten. – Titel mit altem Besitzvermerk. – Die Ecken der ersten und letzten Blätter etwas leimschattig, die letzten Blätter am Oberrand mit kleinen Braunflecken.

Fromm I, 3980 (Bourrit). – HLS (Historisches Lexikon Schweiz) online unter Bordier

535  [Jean Françoise Albanis Beaumont]. Voyage historique et pittoresque du Comté de Nice.

€ 4500

Genf, Isac Bardin 1787. Mit 13 kolorierten Kupferstichen und einem gestochenem Widmungsblatt. Halblederband der Zeit mit schwarz-goldenem Deckelschild.

Erste Ausgabe. – Der vom König von Sardinien geförderte Mathematiker, Architekt und Maler Albanis Beaumont schuf Ende des 18. Jahrhunderts viele Ansichten der südlichen Alpen. Füssli erwähnt u. a. die vorliegenden Folge mit den zwölf Ansichten aus der Umgebung von Nizza. – Das prächtige Kolorit stammt von Gabriel Lory d. Ä. – Mit einem gestochenen Widmungsblatt für den damaligen Duke of Gloucester William Henry, den jüngeren Bruder des englischen Königs Georg III. – Der Band enthält eine große Karte der Küste von Nizza sowie zwölf Ansichten: Golf de Saint-Auspice, Turbie, Cimier, Fréjus, Chateau de Saint-André, Grotte de Saint-André, Küste vor Saint-Laurant, Saint-Ponce, Port Lympia Nice, Nice und Fort Mont-Alban. – Die ersten sechs, etwas kleinformatigeren, und weitere vier der großen Kupfer sind am Plattenrand ausgeschnitten und auf Büttenkarton montiert, jedes mit einer Tuschelinie eingefasst. Abbey vermutet, dass die kleinen Kupfer ursprünglich paarweise auf größeren Bogen gedruckt wurden. Alle Tafeln sind mit Tusche paginiert.

47,5 : 31,5 cm. [4] Seiten (Vortitel, Titel), gestochenes Widmungsblatt, [4] Seiten (Widmung und Einleitung), Karte, Seiten [9]–15 (Text), 1 leere Seite, 12 Kupfer, 1 Faltblatt (Explication des planches). – Eine Ecke des Vorderdeckels etwas geknickt. – Textblätter leicht stockfleckig, das Faltblatt am Ende am Falz etwas gebräunt.

Vgl. Abbey I, 48 (unvollständig). – Nicht bei Wäber und Lonchamp. – Cox I, S. 161

536  [Jean Françoise] Albanis Beaumont. Voyage pittoresque aux Alpes Pennines.

€ 4500

Précédé de quelques observations sur les hauteurs des montagnes, glaciers & des différens villages qui se trouvent sur cette route. Genf, Isac Bardin 1787. Mit zwölf kolorierten Kupferstichen. Halblederband der Zeit mit schwarz-goldenem Deckelschild.

Erste Ausgabe dieser prachtvollen Beschreibung der Walliser Alpen, mit atemberaubenden Darstellungen der dortigen Gletscherwelt und lieblichen Ansichten von Orten und Landschaften in der Nähe des Genfer Sees: Cluses, Saint-Martin bei Sallanches mit dem Mont-Blanc im Hintergrund, Sallanches, See bei Chède, Chamonix, Gletscher (Glacier des Bois, Lavanchet, Arveron), Holzfäller am Ufer der Arve, Evian-les-Bains, Thonon-les-Bains und die Berge über Genf. – Die Kupfer mit Prägerand, das dritte Kupfer aufgezogen und mit Tusche umrahmt, elf handschriftlich paginiert und meist betitelt. – Dieses Werk widmete Beaumont der Tochter des Duke of Gloucester, Prinzessin Sophie-Mathilda (geboren 1773). – Absolut vollständiges Exemplar mit dem Vortitelblatt, dem eingeklebten Erratazettel und den Bilderläuterungen auf dem gefalteten Blatt am Ende des Bandes. Die Kupfer am Unterrand teils mit gedruckter, teils handschriftlicher Nummerierung (wie bei Abbey beschrieben). – Durch die damaligen Expeditionen von Künstlern in die Bergwelt der Alpen verbreitete sich die Kenntnis von der beeindruckenden Schönheit der Eiswelten. Sind schon Vergleiche mit Postkarten der 1920er Jahre im Hinblick auf den Rückgang der Gletscher erschreckend, so sind die hier dokumentierten Verhältnisse vor etwa 250 Jahren unvorstellbar. – Wie das vorherige (KatNr. 535) ein Rarissimum der alpinen Literatur.

44 : 30 cm. 20 Seiten, 12 Kupfer, 1 Faltblatt (Explication des planches). – Rücken erneuert. – Vereinzelt minimal stockfleckig, die Seidenblätter vor den Stichen und das Faltblatt etwas stärker betroffen. – Vorsatz mit einen eingeklebten Schriftstück und einem beigelegten Antwortschreiben an den Erstbesitzer.

Abbey Travel I, 47. – Wäber II, S. 211. – Lonchamp 232. – Cox I, S. 164

537  Jacques Callot. Les Misères et les malheurs de la guerre.

€ 2000

Representez par Jacques Callot, Noble Lorrain, et mis en lumiere par Israel [Henriet] son amy. Paris 1633.

Vollständige Folge. – Erste Ausgabe von Callots berühmtester Illustrationsfolge, die im deutschen Sprachraum zumeist unter dem Titel »Die großen Schrecken des Krieges« geführt wird. – 1621 war Callot aus dem Dienste der Medici nach Nancy zurückgekehrt. Die Belagerung der Stadt durch die Truppen von Louis XIII. waren ihm Anlass und Motivquelle für diese Radierungen. Callots Zeichnungen wurden von seinem Landsmann Israel Henriet gestochen und in Paris verlegt. – »Es ging ihm nicht nur um die Sensation, die Hängen, Rädern, Foltern dem Kriegsberichterstatter als effektvolle Themen lieferten. Er zeigte auch das Unglück am Rande« (Schröder). – Vollständige Folge im zweiten Zustand, lediglich das Titelblatt liegt im dritten Zustand vor. Mit den Versen de Marolles, der Nummerierung unten rechts und dem Verlegervermerk Israels, Blatt 18 »Callot fecit, Israel excudit«. – Breitrandig, auf Bütten und tadellos erhalten.

8,3 : 18,5 cm (9,5 : 19,5 cm). – Mit je zwei Papierfälzchen auf zwei Kartonblätter montiert. – Blatt 14 am linken Rand leicht fingerfleckig, Blatt 18 mit kleinem Tintenfleck am Oberrand.

Méaume 564-581. – Lieure 1339-1356. – Schröder S. 1325ff

538  [Gabriel Bodenehr d. Ä.. Grotesche Capriccios:

€ 2500

oder neueröffnete Carnevals Redoute. Augsburg um 1725]. 50 kolorierte Kupferstiche nach François Rabelais mit gestochenem Text. Halblederband der Zeit mit Rückenvergoldung und rot-goldenem Rückenschild »Karikaturen«.

Sehr seltene Originalausgabe. – Jedes Kupfer mit einem lateinischen Titel (vier fehlende wurden handschriftlich ergänzt), einem deutschen Titel und einem sechszeiligen Spottgedicht. – Auf Bütten. – »Kein Blatt auf dem nicht eine Gestalt aus den 1565 erschienenen ›songes‹ wiederzuerkennen wäre, obwohl das Obszöne hier stark abgeschwächt ist. Während wir in vielen der Figuren des französischen Originals Karikaturen gewisser Stände und Sitten der Zeit nur vermuten konnten, ist die karikierende Absicht in Bodenehrs Wiedergaben durch die beigegebenen Verse über allen Zweifel erhaben. Denn alle die Abbildungen sind mit satirisch komischen Unterschriften versehen, die sich erklärend auf das Dargestellte beziehen. Auf die Unterschriften folgen jeweils kleine Spottverse.« (Robert Ralph Anderson, Dissertation Ohio 1958, S. 106). – Vorblätter mit alten Anmerkungen zur Editionsgeschichte. – Gabriele Bodenehr (1673–1766?). – Wir konnten in deutschen Auktionen nur dieses eine Exemplar nachweisen (Bassenge, Berlin 1973, Auktion 26, KatNr. 3614, und Dörling, Hamburg 1981, Auktion 162, KatNr. 1264).

17,0 : 10,5 cm (Plattenmaß), 20,0 : 13,3 cm (Einband). – Deckel mit Schabstellen. – Das erste Blatt mit hinterlegtem Falzeinriss, rückseitig mit alter Anmerkung, recto mit altem Wappenstempel.

Kat. Ornamentstichslg. Berliner Kunstbibliothek 4300 (nur zwölf Blätter) und 4299 (unvollständiges Exemplar mit Umrahmungen)