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Politik und Propaganda | Hesse-Auktionen
Politik und Propaganda

477  The unanimous Declaration of the thirteen united States of America.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Zuschlag/Hammerprice: € 300

Faksimiledruck der handschriftlichen Fassung der »Declaration of Independence« Um 1876..

Die Gründungsurkunde der Vereinigten Staaten von Amerika wurde zunächst mit der Hand geschrieben, unverkennbar mit der großen Überschrift »IN CONGRESS, JULY 4, 1776« und dem das ganze untere Viertel des Dokuments einnehmenden Unterschriftenblock. – Ein erstes Faksimile stellte 1824 William J. Stone im sogenannten »Wet Ink Transfer«-Verfahren her, das aber dem empfindlichen Original einige Schäden zufügte. Um es zu schonen, wurden alle späteren Nachdrucke von diesem Stone-Druck abgenommen. – Trotz der Verkleinerung auf etwa 50% der Originalgröße strahlt das vorliegende Faksimile gerade durch das verwendete Material eine große Authentizität aus.

40 : 35 cm. Druck auf hellbraunem pergamentähnlichem Dokumentenpapier. – Oberrand und das untere Blattviertel gebräunt, ein restaurierter Randeinriss.

478  Kaiser Wilhelm II. und Familie.

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 800

76 zeitgenössischen Fotografien und Fotopostkarten.

Glanzstück der inhaltsreichen und originellen Sammlung ist sicher eine großformatige Porträtfotografie der Kaiserin Auguste Victoria (Vintage, Bromsilbergelatine, 15,5 : 11,7 cm, montiert auf Kartonblatt) mit eigenhändiger Widmung von Kaiser Wilhelm II. »Zur Erinnerung an die liebe Grossmama von Grosspapa 1921«. Rückseitig signiert oder bezeichnet mit dem Namen des Fotografen, T. H. Voigt, Bad Homburg, dem Hoffotografen der Kaiserfamilie. Die Aufnahme von 1914 diente auch als Vorlage für eine Feldpostkarte. – Album 1: 19 Fotografien mit Porträts, teils nach Gemälden, von Wilhelm I., seiner Familie und Nachfahren. Originalfotoabzüge, montiert auf Kartons mit Titel und Angaben zu den Fotografen. – Album 2: 56 teils farbig lithographierten Postkarten und Fotografien mit Porträts von Wilhelm II., der Kaiserfamilie, dem Kaiser mit seinen Enkeln, der Kronprinzen Wilhelm, Eitel, Adalbert, August Wilhelm, Oskar und Joachim sowie der Kronprinzessin Victoria Luise und anderen mehr. Viele Karten mit faksimilierten Unterschriften und Widmungen. – Alle sehr gut bis tadellos erhalten, in zwei Einsteckalben. – Einige Beigaben.

479  102 Glückwunsch-, Andenken- und Grußpostkarten, alle um 1900.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausruflimit/Reserve price: € 300

Umfangreiche Sammlung von originellen und teils kitschigen Postkarten. Meist Chromolithographien, teils folienkaschierter Farbdruck, einige mit Collage. – Aus dem Inhalt: Karten zu allen erdenklichen Feiertagen und Feierlichkeiten: Ostern, Pfingsten, Weihnachten, Neujahr, Geburtstag, Verlobung, Hochzeit, Niederkunft, Drillingsgeburt (!) und Scheidung. – Farbige Feldpostkarten »O Vaterland du schönster Stern«. – Reisegrüße, teils allgemein, teils mit Ansichten der sächsischen »Metropolen« Aue, Augustusburg, Bitterfeld, Bad Brambach aber auch Magdeburg, Karlsbad, Hamburg und München, darunter eine sehr schöne zum Münchner Oktoberfest (mit kleiner Szene »Heimkehr von der Wiesen«). – Alle sehr gut erhalten, meist beschrieben, frankiert und gestempelt.

480  Zelta Sapnis.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

Plakat, farbig lithographiert. 99 : 67 cm. Gefaltet.

Der goldene Cholem (Der goldene Traum). Plakat der Aufführung im Rigaer Idisher Muitim Teater (Rigaer Jüdisches Minderheiten-Theater) am 18. Dezember. – In lettischer und jiddischer Sprache gedruckt. – Wohl aus dem zeitlichen Umfeld der frühen Saeima-Wahlen in den 1920er Jahren. – Seltenes Dokument aus einem der wichtigsten Zentren des europäischen Judentums, das 1941 durch die Massenerschießungen und Deportation nahezu endgültig ausgelöscht schien.

Vertikale und horizontale Knickspuren. Ränder mit wenigen kleinen Ein- und Ausrissen, mittig in der Kchrift kleine Fehlstelle. Linker Rand mit größerem Einriss (10 cm) mit Filmoplast hinterlegt.

481  Walter Crane. Cartoons for the Cause 1886–1896.

Schätzpreis/Estimate: € 600

Zuschlag/Hammerprice: € 600

A Souvenir of the International Socialist Workers and Trade Union Congress, 1896. London, Twentieth Century Press 1896. Zwölf Lithographien und ein lithographiertes Titelblatt. Mit sechs Textblättern.

Auf dem Titelblatt von Walter Crane in roter Tinte signiert und mit »43« (Exemplarnummer?) bezeichnet. – In den Drucken mit Cranes Monogramm. – Auf J Whatman-Bütten. – Enthält zwölf Lithographien nach Zeichnungen aus den Jahren 1884–1896, teils in früheren Publikationen wie »Justice«, »Commenweal«, »Labour Leader« und »Clarion« veröffentlicht. – Vom Künstler stammen auch das Vorwort und vier Texte zu einzelnen Blättern. – Walter Crane (1845–1915) zählt zu den wichtigsten Erneuerern der Buchkunst. Gemeinsam mit William Morris publizierte er Bücher und gilt neben Kate Greenaway und Randolph Caldecott zu den führenden Kinderbuchautoren des späten 19. Jahrhunderts. – Sowohl Morris als auch Crane waren begeisterte Sozialisten und Mitglieder der Social Democratic Federation (SDF), der ersten marxistischen Partei Englands. Einige Jahre später verließ Crane die SDF, um sich der 1884 von William Morris gegründeten »Socialist League« anzuschließen. – Die flugblattartigen »Cartoons« mit eindeutig politischer Aussage: »The True Answer to Jingoism« (zum Kongress 1896); »The Party Fight and the New Party« (zur Spaltung der SDF); »The Vampire«, »Vive la Commune«, »The Triumph of Labour«, »The Worker’s May Pole« u.s.w. – Sehr selten.

Ca. 30 : 18 cm (Platten), 50 : 31 cm (Mappe). – Mappe fleckig und etwas bestoßen. Rücken, Kordelheftung und eine Ecke erneuert. – Äußerste Ränder und untere Ecken etwas angestaubt.

481a  Münchner Kriegsblätter.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Ausruflimit/Reserve price: € 130

Erstes [bis] Drittes Kriegsflugblatt der Zeitschrift »Der Zwiebelfisch«. München, Hans von Weber 1914. Mit sechs Lithographien von Bruno Goldschmitt. Lose Blätter.

Bruno Goldschmitt. Michel und seine Nachbarn I und II. Vor dem 1. August 1914. – Nach dem 1. August 1914. Einblattdrucke mit je einer Lithographie. Auf gelblichem Maschinenbütten. – Richard Dehmel. Vier Kriegslieder mit Ur-Steindrucken von Bruno Goldschmitt. Zwei Doppelblätter mit vier Lithographien und Text. Auf Maschinenpapier. – Sehr seltene, zumal so gut erhaltene, Folge mit den frühesten Illustrationsarbeiten des bald schon überaus schaffensreichen Künstlers.

44,5 : 29,5 cm bzw. 40,5 : 27,5 (III).

Sennewald 14, 1 und 2 (ungenau)

482  Manifest und Richtlinien der Kommunistischen Internationale.

Schätzpreis/Estimate: € 800

Zuschlag/Hammerprice: € 650

(Verfaßt von dem ersten internationalen kommunistischen Kongreß in Moskau, vom 2. bis 6. März 1919, und unterzeichnet von den Genossen C. Ratowsky, N. Lenin, M. Zinovjev, L. Trotzky und Fr. Platten.) Herausgegeben von der Chicago Arbeiter-Zeitung Publishing Company. Chicago [1919?]. Ziegelrote Originalbroschur.

Sehr selten, wohl zeitgleich mit der amerikanischen Fassung in Chicago gedruckt. – Auf dem 1. Weltkongress der kommunistischen Parteien vereinigten sich diese zu einem international agierenden Zusammenschluss, der bis zur Auflösung durch Stalin 1943 unter zunehmendem Einfluss der sowjetischen KP stand. Unter der Führung Lenins schlossen sich im März 1919 in Moskau (unter Enthaltung des Abgeordneten der deutschen KPD) Parteien aus mehr als 25 Ländern zusammen. – Mit einem Vorwort zur Bedeutung des Manifests (»Es stellt nach dem kommunistischen Manifest von Marx und Engels das wichtigste Schriftstück der internationalen sozialistischen Bewegung dar […]«), unterzeichnet von M. F. L., und dem Text »An das Proletariat der ganzen Welt!«. – Wir konnten via WorldCat kein Exemplar in einer Bibliothek nachweisen.

16 : 11 cm. 32 Seiten. – Minimal fleckig, das innerste Doppelblatt aus der Klammerheftung gelöst. Wenige Bleistiftanstreichungen.

483  Plakat – Die Parteien!

Schätzpreis/Estimate: € 300

Ausruflimit/Reserve price: € 200

Lithographie und Typendruck. 1919. 44 : 30 cm.

Konservatives Wahlplakat zur Deutschen Nationalversammlung, die am 19. Januar 1919 als erste reichsweite Wahl nach der Novemberrevolution stattfand. An ihr, der ersten nach Verhältniswahlrecht, durften zum ersten Mal in Deutschland auch Frauen teilnehmen. Das Ziel war die Bildung einer verfassunggebenden Nationalversammlung. – Karikierend werden die Vertreter der linken Parteien dargestellt, darunter Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg als »Spartakus-Sozi«. Die beiden Mitbegründer der KPD wurden am 15. Januar 1919, wenige Tage vor der Wahl, ermordet. – Mit mehr Sympathie werden die Vertreter der konservativen Parteien (Christliche Volkspartei, Deutsche Volkspartei, Deutschnationale Volkspartei) dargestellt. – Am Unterrand die Aufforderung: »Wähle Deutscher! Deine Schicksalsstunde schlägt am 19. Januar 19«. – Aus der Wahl ging die SPD als stärkste Kraft hervor, die daraufhin mit der DDP und der Zentrumspartei koalierte.

Linker und Unterrand mit Verlusten, unten eventuell Wegfall der Angaben zum Druck.

484  Plakate – Nie sollst Du mich befragen …

Schätzpreis/Estimate: € 750

Ausruflimit/Reserve price: € 500

Wahlplakat. Lithographie. Um 1932. 111 : 80 cm.

Sehr seltenes, für uns bibliographisch nicht nachweisbares Wahlplakat der bayerischen SPD. Inhaltlich verantwortlich zeichnete Thomas Wimmer (1887–1964), langjähriger Vorsitzender der Münchner Sozialdemokraten, von 1924 bis 1933 ehrenamtlicher Stadtrat und von 1948 bis 1960 Münchner Oberbürgermeister. Bereits am 10. März 1933 wurde er von den Nationalsozialisten verhaftet. – Unter dem Lohengrin-Zitat werden folgende brisante Fragen gestellt: »Warum Hitler Südtirol verraten hat? Wer die Geldgeber Hitlers sind? Wo Naziabgeordnete während des Krieges waren? Welche Arbeitslosen die Reichstagsdiäten der Nazi erhielten? Wie hoch das jährl. Gesamt-Einkommen Adolf Hitlers ist? Was sich der Preußen-Kronprinz seinen Hitlerschwarm kosten läßt?« Am Unterrand dann die Aufforderung: »Wählt Sozialdemokraten!« – Die Diskussion um den drohenden Verrat Hitlers an dem seit 1919/1920 zu Italien gehörenden Landesteil südlich des Brenners wurde durch die österreichische Sozialdemokratie seit 1931 geführt. Der Pakt zwischen Mussolini und Hitler wurde erst 1938 abgeschlossen, Jahre nach dem Verbot der Sozialdemokratie in Deutschland und Österreich. Das Plakat ist aber vor 1933 entstanden. – Weitere Anmerkungen: Trotz Millioneneinnahmen aus Spenden und dem Verkauf von »Mein Kampf« wurde Hitler 1935 sogar von der Steuerpflicht befreit. Kronprinz Wilhelm von Preußen galt als eifriger, auch finanzieller Unterstützer Hitlers. Thomas Wimmer war als Stadtrat auch für Gemeindefinanzen zuständig. – Gedruckt bei R. Schumann, München.

Unbeschnitten, links ist der mitdruckende Plattenrand sichtbar geblieben. – Einige Faltspuren, im weißen Rand kleine restaurierte Ausrisse durch ehemalige Anheftung.

485  Freies Deutschland.

Schätzpreis/Estimate: € 150

Ausruflimit/Reserve price: € 100

Organ des Nationalkomitees Freies Deutschland. [Fünf Ausgaben]. Moskau 1943 und 1945.

Fünf Originalausgaben der Wochenzeitschrift der 1943 im Moskauer Exil gegründeten Gruppe »NKFD«, der neben kommunistischen Exilanten auch Kriegsgefangene angehörten. Dem Gründungskomitee gehörten Erich Weinert, Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht und Hans Mahle als Vertreter der Emigranten sowie Hauptmann Hadermann, Leutnant von Kügelgen, Feldwebel Stresow und der Gefreite Eschborn als die der Gefangenen an. Stalin misstraute der Gruppe von Anfang an, sah er doch in ihr eine »Schattenregierung«. – Alle Titelseiten mit Bordüren in den Farben des Komitees, die als Zugeständnis an die vertretenen Generäle nicht der schwarz-rot-goldenen Flagge der Weimarer Republik, sondern der schwarz-weiß-roten des Deutschen Kaiserreiches entsprachen. – Vorhanden: Nr. 2, 29. Juli 1943 (Frontberichte, Erste Stimmen zur Gründung des NKFD), Nr. 23, 19. Dezember 1943 (Weihnachtsausgabe); Nr. 20, 16. Mai 1945 (Berlin bleibt deutsch!, Alfred Kurella zur Auflösung der NSDAP, Foto »Hitlerberlin hat kapituliert«, Berichte aus den Konzentrationslagern Auschwitz, Bergen-Belsen und Buchenwald); Nr. 21, 24. Mai 1945 (Berlin wird versorgt); Nr. 22, 31. Mai 1945 (Stalin dankt dem russischen Volk, Amtseinführung des neuen Berliner Magistrats). – Beigabe (Faksimile der Ausgabe 24. Mai 1945).

59 : 42 cm. – Papierbedingt gebräunt, mehrfach gefaltet.

486  Alliierte Propaganda – 13 englische Flugblätter und Tarnschriften.

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausruflimit/Reserve price: € 260

London 1939–1944. Meist zweiseitig bedruckte Flugblätter, meist illustriert, eine Broschur. Meist ca. 21 : 13 cm.

Achtung! Der englische Premierminister Chamberlain richtete am 3. September über den Rundfunk … folgende Worte an das deutsche Volk. [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1939]. Code EH.280. Eines der ersten von den Engländern im 2. Weltkrieg abgeworfenen Flugblättern. Wiedergegeben ist eine gekürzte Fassung von Chamberlains Rede zum Kriegseintritt Englands. – Warum? Für Führer und Vaterland / Hitler kann den Krieg nicht mehr gewinnen. Fotomontage auf dem Titelblatt. Code G.10. Die grausige Fotomontage zeigt starr gefrorene Soldatenleichen, im Hintergrund Todesanzeigen. – Dieses war der erste Streich. Die Zeit arbeitet endlich für uns. Code G.51. – Die Blase platzt! Zwanzig Jahre haben es die Faschisten in Italien getrieben … Code G.55. – Totaler Krieg. Broschur mit Berichten über die Bombardierungen der Deutschen Luftwaffe in europäischen Städten. – Londoner Rundfunk. Sendungen in deutscher Sprache / B.B.C. Der Londoner Rundfunk. [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1941]. Code EH.490. Selten, nur 198.000 Exemplare im April 1940 abgeworfen. Über Sendezeiten, Wellenlängen und mit Anweisungen »Fenster zu! Stellen Sie den Empfangsapparat auf ein Kissen!« – Wie lange noch? Lesen und Weitergeben! Nummern 1, 2, 7, 11 und 20. Fünf illustrierte Handzettel. – Zwei weitere Flugschriften.. – Alle sehr gut erhalten.

487  Alliierte Propaganda – Zwölf englische Flugblätter,

Schätzpreis/Estimate: € 400

Ausruflimit/Reserve price: € 260

meist für das von Deutschland besetzte Frankreich. London 1941–1942. Flugblätter und Broschüren, teils illustriert. Meist ca. 21 : 13 cm.

Auch für die französische Bevölkerung in den besetzten Gebieten Frankreichs wurde aufklärende Propaganda gedruckt und von Flugzeugen abgeworfen: L’Amerique en Guerre. 1943. Code USF 64. – L’Arc en Ciel / De Regenboog. 1944. Flugschrift für Das Belgische Volk. Code XB 8. Beide Im verkleinerten Zeitungsformat mit Nachrichten und Artikeln zum Kriegsverlauf. – Aux Populations de la France occupée. Code F8. – La Revue du Monde Libre. Nr. 12. 1943. Code F.180. – Un peu d’arithmétique. De Gaulle _ Giraud + Grenier = Marty. C’est ça, la France nouvelle? Code SW 10. – Quante ancora? Flugblatt für Itailen. Code I 20. – Last Will and Testament of Adolf Hitler alis Adolph Schiklegruber. This is the Last Will and Testament of me Mis-Leader of Germany – Better known as the MAD DOG OF EUROPE. – Zwei weitere Postkarten, eine Broschüre, ein Flugblatt.. – Alle sehr gut erhalten.

488  Alliierte Propaganda – Neun englische Flugblätter und Tarnschriften.

Schätzpreis/Estimate: € 300

Zuschlag/Hammerprice: € 220

London 1942–1944. Meist zweiseitig bedruckte Flugblätter, eine Broschur. Meist ca. 21 : 13 cm.

Dieses und die nachfolgenden beiden Konvolute beinhalten eine bemerkenswert vielfältige und gut erhaltene Sammlung von englischen Propagandaflugblättern, wie sie in den Jahren 1939–1945 von der Royal Air Force über Deutschland und von Deutschland besetzten Gebieten abgeworfen wurden. Die meisten der Flugblätter wurden mit einer Codierung versehen. – Freiwillige vor für die U-Boot-Waffe! Wir fahren gegen England / Wir fahren hinab ins kühle Grab. [London, Political Warfare Executive 1942]. Ausziehbares illustriertes Flugblatt. 10,2 cm : 20 cm. [Code G.7]. Als Werbung für die U-Boot Waffe aufgemachtes Flugblatt, das sich erst beim Herausziehen des Schiebestreifens als Feindpropaganda entpuppt. – Ich fühle mich so frisch. Es kommt der Frühling. Mit Fotomontage auf der Titelseite. Code G.14. Die Fotomontage zeigt den amüsierten Hitler umgeben von erfrorenen Soldaten. – Predigt des Bischofs Clemens August Graf von Galen. Gehalten am 13. Juli 1941 in der Lambertikirche zu Münster. [London, Special Operations for Propaganda at Electra House 1941]. 4 Seiten. EH.526. Seltenes Flugblatt, das im Oktober und November 1941 über Deutschland abgeworfen wurde. – Schwarze Listen für die Schwarze Schmach. Schluss mit den Greuelmärchen. Code G 22. – Was die Woche zeigt – und was sie verschweigt. / Hitler kann den Krieg nicht mehr gewinnen … Code G.21/1942. Mit Fotos eines Hitlerjungen und Soldatenleichen. Rückseitig Todesanzeigen gefallener Soldaten. – Volk am Abgrund. Code G 97. Broschur. Gegenüberstellung in Wort und Bild, Vergleich »Damals« und »Heute«, 1. und 2. Weltkrieg. – Die R.A.F. wirft jetzt in einer Nacht 1 bis 2 Millionen Kilogramm Bomben. Code G. 36. – Zwei weitere Flugblätter in Form von Handzetteln. – Die meisten von derartigen Flugschriften wurden vom Political Warfare Executive (Ausschuss für Politische Kriegsführung), London, verbreitet und für die besetzten Gebiete auch in Englisch, Französisch und Italienisch gedruckt. Das vom Außenministerium 1941 gegründete PWE wurde nach Kriegsende mit der Umerziehung deutscher Kriegsgefangener beauftragt.

489  Arthur Szyk. The New Order.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 320

Introduction by Roger W. Straus. New York, G. P. Putnam’s Sons 1941. Mit farbigen Titelbild und 38 ganzseitigen Illustrationen nach Zeichnungen, davon acht farbig. Originalleinenband mit farbig illustriertem Schutzumschlag.

Erste Ausgabe. – Bissige und teils ur-komische Karikaturen der Eliten des 1000jährigen Reiches. – Der polnisch-amerikanische Künstler Arthur Szyk (1894–1951) wurde besonders durch seine politischen Karikaturen weltweit bekannt. Seit 1939 lebte er in den USA, das Buch erschien im Jahr des Kriegseintritts der USA. »… ich bin kein Künstler. Ich bin Soldat. […] MeinKampf gilt nicht nur Hitler, sondern einem Deutschland, das ihn ermöglichte.« (Aufbau, Vol. X/11, 1943, S. 28). – Sehr gut erhalten. – Dazu: The Book of Job with a Preface by Mary Ellen Chase and illustrations by Arthur Szyk. New York, Heritage Press 1946. Mit acht Farbtafeln nach Aquarellen. Originalleinenband mit montiertem Deckelbild. Im Originalschuber. Erste Ausgabe, zeitgleich mit einer Ausgabe des Limited Edition Club.

25 : 20 cm. [48] Seiten.

490  Mao Zhu Yu Lu

Schätzpreis/Estimate: € 1200

Zuschlag/Hammerprice: € 800

(chinesisch: Zitate des Vorsitzenden Mao). [Peking 1964]. Mit Porträt und Faksimileblatt. Rote Originalkunststoffbroschur mit blindgeprägtem Deckeltitel.

Wohl Exemplar aus der zweiten Bindequote der Erstausgabe, nun in dem weltbekannt gewordenen roten Kunststoff-Einband. – Nur die Erstausgabe erschien ohne Datierung, mit der hier vorliegenden Kollation und in dem etwas größeren Format. Bereits die zweite Auflage von 1965 wurde um zwei Kapitel erweitert und das Faksimile der handgeschriebenen Widmung Lin Biaos mit dem »Schreibfehler« in der zweiten Spalte gegen eine korrigierte Fassung ausgetauscht. – Vortitel in Rot, Haupttitel in Grün und Rot gedruckt. – Die Sammlung von Aussprüchen des Führers der chinesischen Volksrevolution erschien auf Anregung des Armeegenerals Lin Biao (1907–1971). Auf seine Initiative hin sollten die Soldaten der Roten Armee Mao-Zitate auswendig lernen, was schlussendlich 1964 zur vorliegenden Sammlung führte. Bis 1967 wurden mehr als 720 Millionen Exemplare und Übersetzungen in mehr als 35 Sprachen gedruckt – nur die christliche Bibel hat weltweit größere Verbreitung gefunden. Wegen seiner zunehmenden Machtfülle misstraute Mao seinem Stellvertreter Lin Biao, der 1971 unter ungeklärten Umständen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Um sein Andenken zu tilgen, wurden die Einwohner Chinas, denen der Besitz der »Mao-Bibel« staatlich verordnet war, aufgefordert, Widmungsblatt und Vorrede aus den bis 1971 erschienenen Exemplaren zu entfernen. – Trotz der weltweit riesigen Auflage sind unkorrigierte Exemplare des Erstdrucks sehr selten. – Eines der folgenreichsten Bücher der Weltgeschichte.

14 : 10 cm. [4], 2, 2, 250, [2 leere] Seiten. – Porträt und das hintere Vorsatzblatt leicht fleckig.

491  Plakatkunst – The Street Wall Journal.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 130

Volume I, No. 1, 2 and 3. – Free New University Conference. New York 1970. Vier Einblattdrucke.

Vollständige Folge der frühesten Ausgaben, laut WorldCat alles Erschienene. – Nummer 1 auf gelbem Papier. – 1970 erreichten die Proteste gegen den Vietnamkrieg und die Ausweitung der Kampfhandlungen in Kambodscha und Laos einen neuen Höhepunkt. Anfang Mai riefen verschiedene Gruppierungen zu einem landesweiten Generalstreik der Studenten auf. Die Plakatzeitschrift erläutert die Beweggründe, verweist auf verschiedene Veranstaltungen und nennt Telefonnummern des Koordinierungskomitees, der Anwaltsvereinigung und einer Notfallzentrale. – Nummer 3 ist dem Kampf und der Verfolgung der »Black Panthers Party« gewidmet; im Rahmen der Proteste waren am 1. Mai 1970 auf dem Campus der Kent State University in Ohio vier Studenten erschossen worden. – Seltene Dokumente der Antikriegsbewegung in den U.S.A.

55 : 43 cm. – Zusammen 4 Blätter.

492  Plakatkunst – The Street Wall Journal.

Schätzpreis/Estimate: € 200

Zuschlag/Hammerprice: € 140

Volume I, No. 1, 2 and 3. – Free New University Conference. New York 1970. Vier Einblattdrucke.

Vollständige Folge der frühesten Ausgaben. – Nummer 1 auf blauem Papier.

55 : 43 cm. – Zusammen 4 Blätter. – Ränder teils leicht geknickt.