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Kalligraphie · Einbände | Hesse-Auktionen
Kalligraphie · Einbände

383  Handgeschriebene Bücher – Cäsar Flaischlein. Von Alltag und Sonne.

€ 200

Lieder und Sprüche. Geschrieben von Emmy Brode. Ohne Ort und Jahr, wohl Hamburg-Altona 1917. Mit sechs monogrammierten Tuschfederzeichnungen, davon eine aquarelliert. Pappband mit aquarelliertem Japanbüttenbezug.

Handgeschrieben von der Altonaer Künstlerin Emmy Brode (1890–1968), verziert mit sechs blattgroßen Zeichnungen und zahlreichen in Gold eingemalten und teils aquarellierten Initialen. – Die Zeichnungen alle monogrammiert, betitelt und datiert »1917«. – Die Gedichtsammlung Flaischleins erschien erstmals 1898 in Thedor Fontanes Verlag und erlebte allein bis 1919 eine Auflage von 100.000 Exemplaren.

22,7 : 15,2 cm. [60] Seiten.

384  Handgeschriebene Bücher – Otto Reichert, Offenbach – Joseph von Eichendorff. Auf meines Kindes Tod.

€ 200

Offenbach 1922. Mit zehn aquarellierten Initialen. Originalhalbpergamentband mit handgeschriebenem Titel, aquarellierter Deckelverzierung und aquarellierten Japanpapiervorsätzen.

Handgeschrieben von Otto Reichert im Auftrag von Karl Koetschau. – Im Editionsvermerk vom Kalligraphen monogrammiert »OR 264«. – Bei dem Auftraggeber handelt es sich möglicherweise um den Dresdner Museumsdirektor Karl Koetschau (1868–1949), der zusammen mit Gustav Pauli und Georg Swarzenski 1917 im Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main den »Deutschen Museumsbund« gründete. – Geschrieben wurde das Eichendorff-Gedicht von dem Schriftkünstler Otto Reichert (1883-1956), der maßgeblich an der Gründung des Bundes Offenbacher Künstler (BOK) beteiligt war.

34,7 : 25,8 cm. [20] Seiten.

385  Handgeschriebene Bücher – Jesus Christus

€ 6000

gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Den Evangelien nacherzählt und geschrieben von Joh. Holtz. Handschrift auf Pergament, mit Bildern, großen figürlichen Initialen und Buchschmuck, alles farbig und goldgehöht. Roter Maroquinband mit reicher Goldprägung, farbigen Lederintarsien sowie vergoldeten Eckbeschlägen mit Ziersteinen und Emaillearbeiten (signiert: W. A. Petersen · Flensburg · Werkstatt für Buchkunst).

Überaus prächtige Handschrift des Flensburger Kalligraphen Johann Holtz (1875–1944), entstanden wohl Mitte der 1920er Jahre. – Jedes der fünf Kapitel mit einem besonders aufwendig ausgemalten und vergoldeten Zwischentitel: »In deo spes · Licht«; »In deo vis · Wort«, »In deo pax · Geist«, »In deo victoria · Tod« und »In deo gloria · Auferstehung«. – Am Ende ein Inhaltsverzeichnis. – Die reich illustrierte, kalligraphisch beeindruckende und mit Blattgold und aufwendigem Einband verzierte Handschrift wirkt wie die »Reinkarnation« mittelalterlicher Evangeliare und Stundenbücher. – Die Anordnung der Texte, das Rankenwerk und die Bordürenrahmen sind ebenso wie die ganzseitigen, reich vergoldeten Zwischentitel- und Widmungsblätter und die ganzseitigen und im Text eingestreuten Miniaturen von der klösterlichen Schreibkunst dieser alten Zeit geprägt. Durch die Verwendung von modernen Stilelementen gewinnen Holtz’ Kalligraphien aber ihre über eine bloße Nachahmung hinausgehende künstlerische Selbstständigkeit. – Einige seiner handschriftlichen Unikate wurden nachgedruckt bzw. faksimiliert.

33,0 : 25,0 cm. 88 Blätter, teils blatt-, teils seitenweise paginiert.

386  Handgeschriebene Bücher – 1. Korinther 13.

€ 1600

Geschrieben von Joh. Holtz. 1928. Handgeschriebener Titel und sechs kalligraphische Seiten mit Ornamentbordüren. Roter Kalblederband mit Deckel- und Innenkantenvergoldung und aquarellierten Seidendamastspiegeln. Im originalen Schutzumschlag und Schuber.

Unikales Exemplar, kalligraphiert auf Pergament. – Vollständiger Text der berühmten Lobpreisung der Liebe. – Jede der sechs Textseiten mit breiter Bordüre in Gold und verschiedenen Farben, der Text und das Lineament in schwarzer Tusche. Die Initialen und Schlussworte »Glaube, Hoffnung, Liebe« wurden in Temperafarbe geschrieben.

24,3 : 18,0 cm. [6] Blätter. – Kanten minimal berieben.

387  Einbände – Roter Ecrasélederband von Otto Herfurth, mit reicher Vergoldung.

€ 1200

– Inhalt: Erbrochene Siegel. Frl. Anni Pillrich geboten v. Ede S. Blehmches. [München 1912?].

Schöner Handeinband mit reicher Bordüren-, Fleuron- und Filetenvergoldung. – Sammlung von erotischen Dichtungen, unter anderem von Luise Adelgunde Victorie Gottschedin, Friedrich Schlegel und pseudonym vom Herausgeber. Ob dies Carl Georg Maaßen oder Franz Blei war, ist nach der bibliographischen Recherche nicht eindeutig zu klären: KVK nennt Maaßen, Hartmut Walravens führt den Band in seiner Franz Blei-Bibliographie auf. – Druckort: »Gedruckt auf der Klosterpresse zu Czenstochau im Jahr des Heils Eintausendneunhundertundzwölf, als die Lust rum war.« – Darunter handschriftlich »30.3.22«.

23,0 : 15,0 cm. 61, [3] Seiten. – Ecken und kanten kaum merklich berieben.

Walravens, Blei 344. – Nicht bei Hayn/Gotendorf

388  Einbände – Roter Maroquinband von Otto Herfurth, Berlin,

€ 1500

mit reicher Vergoldung. – Inhalt: Heinrich Heine. Die Bäder von Lucca. Mit sieben Radierungen von Martin E. Philipp. Heidelberg, Richard Weissbach 1921.

Der leuchtend rote Maroquinband des Berliner Buchbinders Otto Herfurth mit reicher Rückenvergoldung in fünf Feldern, vergoldetem Deckeltitel und vergoldeten Kantenbordüren aus Fileten und Linien. – Grün gestreifte Kleisterpapiervorsätze. – Kopfschnittvergoldung. – Im gefütterten Schuber mit Lederkanten. – Eins von 200 Exemplaren. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert und nummeriert. – Auf Zanders-Bütten. – Handpressendruck der Radierungen bei O. Felsing. – Alle Radierungen in der Platte bezeichnet »MEPH Okt. 1918«. – Philipp gilt als einer der renommiertesten Graphiker der erotischen Kunst. Er schuf zahlreiche Exlibris.

31,5 : 23,6 cm. 75, [5] Seiten. – Rücken leicht verfärbt. KLeiner Fleck auf dem Vorderdeckel.

Götze C 3 (hier ohne die dort erwähnte Vignette, die wohl den Originaleinband zierte)

  389    Einbände – Violetter Maroquinband mit floraler Vergoldung.

€ 200

– Inhalt: Adolf Wilhelm Ernst. Lenaus Frauengestalten. Stuttgart, Carl Krabbe 1902.

Erste Ausgabe. – In falscher Bescheidenheit unsigniert gebliebener Handeinband mit hübscher floraler Vergoldung der beiden gerahmten Deckel-Mittelfelder, zwei Blüten in Rot akzentuiert. Rückenfelder mit Blüten und Blattwerk, Rückentitel, Buchschnitt und Innenkantenfileten ebenfalls vergoldet. – Spiegel und Vorsätze mit farbig bedruckten Seidenbezügen. – Im Originalschuber. – Sehr gut erhalten.

19,8 : 13,8 cm. [2], VI, 410 Seiten. – Winzige Bereibungen vom Schuber auf dem Vorderdeckel.

390  Einbände – Hellbrauner Maroquinband von Paul Kersten, Berlin.

€ 1800

Rückentitel, Rücken-, Deckel-, Steh- und Innenkantenfileten, Eckfleurons auf Deckeln und Innenkanten sowie Kopfschnitt vergoldet. Farbig intarsierte und vergoldete Deckelvignette nach der Titellithographie mit goldgeprägter Bordüre. – Inhalt: Joseph von Eichendorff. Aus dem Leben eines Taugenichts. München, Hans von Weber 1914. Mit 28 Lithographien von Emil Preetorius, fünf davon farbig und blattgroß.

Von der illustrativen, großen und farbigen Deckelvignette dominierter Einband des Berliner Meisters. – Vorsätze und Spiegel mit orangefarbener Wildseide bezogen. – Im gefütterten Originalschuber. – Sechster Hyperiondruck. – Eins von 100 römisch nummerierten Exemplaren (Gesamtauflage 600).

29,5 : 19,7 cm. [4], 121, [3] Seiten. – Rücken leicht verfärbt.

Rodenberg 415, 6

391  Einbände – Gelber Maroquinband von Paul Kersten

€ 2000

mit Vergoldung und grünen und roten Lederintarsie. – Inhalt: Clemens Brentano. Das Märchen von Komanditchen. Leipzig, Verlag der Diovis-Bücher 1924. Mit sechs Farblithographien von Maria Krauß.

Schöner, sehr dekorativer Einband von Paul Kersten (1865–1943), einem der führenden Buchbinder des frühen 20. Jahrhunderts. – »K. war ein begabter Alleskönner: Fachschriftsteller, Direktor der ›Aschaffenburger Buntpapierfabrik‹ und Fachlehrer an der ›Berliner Innungsfachschule‹.« 1912 gründete er mit Carl Sonntag den »Jakob-Krause-Bund« und war dessen Vorsitzender von 1914–1921. Er schrieb viele Fachaufsätze sowie grundlegende Bücher zur Einbandkunst. Sowohl seine Gestaltungsidee als auch ein von ihm verbessertes Werkzeug wurden nach ihm benannt: »Kerstenstil« und »Kerstenfalzbein«. – Eins von 1000 Exemplaren. – Gedruckt auf Zerkall-Bütten. – Der Druckvermerk wurde hinsichtlich der Angaben zum Einband handschriftlich abgeändert und ergänzt. – »Die Künstlerin Maria Krauss war bis 1921 in Wien Schülerin der privaten Schule und Werkstätte von Emmy Zweybrück und gehört zur zweiten Generation der Wiener Werkstätte. Später war sie Schülerin von Walter Tiemann in Leipzig. Im Jahr 1925 heiratete sie den Graphiker Walter Cyliax, der die Druckausstattung des Buches übernahm« (vgl. Katalog »Angewandte Kunst« der Antiquariate Sabine Keune und Dr. Ruth Wölfle).

26,9 : 19,5 cm. [10], 54, [12] Seiten. – Rücken kaum merklich verfärbt. Vorderdeckel mit wenigen winzigen, kaum sichtbaren Farbflecken.

392  Einbände – Hellbrauner Maroquinband von Hübel & Denck, Leipzig,

€ 750

mit reicher floraler Vergoldung, schwarzen und braunen Intarsien sowie Seidenspiegeln und -vorsätzen. – Inhalt: Richard Dehmel. Die Menschenfreunde. Drama in drei Akten. Verbesserte Ausgabe. Berlin, S. Fischer 1918.

Dekorativer Handeinband der Leipziger Firma. – Eins von 60 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten.

21,5 : 14,5 cm. 101, [3] Seiten.

393  Einbände – E. T. A. Hoffmann. Dichtungen und Schriften

€ 1500

sowie Briefe und Tagebücher. Gesamtausgabe in fünfzehn Bänden. Herausgegeben und mit Nachworten versehen von Walther Harich. Weimar, Erich Lichtenstein 1924. Türkisfarbene Originalsaffianlederbände (Hübel & Denck, Leipzig). Rückentitel, Fileten und Kopfschnitt vergoldet. In gefütterten Schubern mit Lederkanten.

Eins von 75 Vorzugsexemplaren in Saffianleder, weitere 25 wurden in Maroquin gebunden. Alle 100 Vorzugsexemplare wurden auf Bütten gedruckt. – Vollständiges Exemplar der ansprechenden Werksammlung. – »Abgesehen von den Ausgaben von Hirschberg und Frank – die auch Unechtes enthalten – […] die bisher vollständigste« (Voerster). – Die Texte in Fraktur, Nachworte in Antiqua gesetzt. – Die prachtvolle und – von minimalen Bereibungen abgesehen – hier tadellos erhaltene Vorzugsausgabe kostete bereits bei Erscheinen 1.500 Mark. – Erworben in der berühmten Auktion »Die Insel und die moderne deutsche Buchkunst« (Hauswedell & Nolte 257, 1985, KatNr. 829).

23,4 : 15,4 cm.

Voerster A 12

394  Einbände – Roter Maroquinband von Hübel & Denck, Leipzig,

€ 900

mit reicher Rücken- und Kantenvergoldung, grün-goldenem Rückenschild und Kopfschnittvergoldung. – Inhalt: Clemens Brentano. Das Märchen von Gockel und Hinkel. Original-Radierungen von Felix Meseck. München, Drei Masken [1922]. Mit 13 signierten Radierungen im Text, davon fünf blattgroß.

Sechster Obelisk-Druck. – Eins von 70 römisch nummerierten Exemplaren (Gesamtauflage 340). – Alle Radierungen und der Druckvermerk wurden vom Künstler signiert. – Auf Bütten. – Druck der Radierungen auf der Mandruck Künstlerpresse.

27,3 : 18,7 cm. 106, [6] Seiten.

Rodenberg 448, 6. – Sennewald 22,1

395  Einbände – Dunkelblauer Ecasélederband von Th. Knaur, Leipzig, mit reicher, ornamentaler Vergoldung auf beiden Deckeln,

€ 1200

vergoldetem Rückentitel, vergoldeten Steh- und Innenkantenfileten, Kopfschnittvergoldung und marmorierten Vorsätzen – Inhalt: Friedrich von Schiller. Geschichte des Abfalls der Vereinigten Niederlande von der spanischen Regierung. Mit einunddreißig Abbildungen nach alten Darstellungen. München, O. C. Recht 1922.

Schöner Handeinband der Leipziger Großbuchbinderei, die 1930 mit Hübel & Denck fusionierte. – Unnummeriertes Exemplar, wie die 100 Exemplare der Vorzugsausgabe auf Bütten gedruckt. – Breitrandiges, seitlich und unten unbeschnittenes Exemplar. – Exlibris Sally Bruckmann (wohl der Lehrer am Leipziger Jüdischen Kollegium, 1890–1942).

26,7 : 21,2 cm. 236, [8] Seiten, 31 Tafeln.

396  Einbände – Roter Saffianlederband von H. Zieher, Bonn, mit reicher Vergoldung

€ 900

– Inhalt: Caprichos von Goya. 83 getreue Nachbildungen in Lichtdruck. Herausgegeben von Valerian von Loga. München, Hugo Schmidt 1918. Mit 83 Heliogravüren.

Eindrucksvoller Handeinband mit ornamentaler Vergoldung des Rückens, der Deckelränder und des Vorderdeckels. – Steh- und Innenkanten mit vergoldeten Fileten, Kopfschnitt vergoldet, Vorsätze und Spiegel mit blau-rot-gelben Monotypie-Papieren. – Eins von 500 Exemplaren. – Der Verleger Schmidt reproduzierte in aufwendigem Druckverfahren die drei großen Graphikzyklen Goyas.

30,2 : 20,9 cm. [12] Seiten, 83 Tafeln. – Gelenke und Bünde minimal berieben.

397  Einbände – Dunkelblauer Ecrasélederband von Johannes Gerbers, Hamburg,

€ 1800

mit vergoldeter Deckelillustration. Doppelfileten auf Rücken, Deckel- und Innenkanten ebenfalls vergoldet. – Inhalt: Goethe. Reineke Fuchs. Zwölf Gesänge. Mit Rahmen, Initialen und Bildern gezeichnet und radiert von Otto Schubert. München, Verlag der Marées-Gesellschaft R. Piper 1921. Mit 42 Radierungen, davon 33 blattgroß, und zwölf radierten Initialen.

Meistereinband der berühmten Hamburger Traditionsfirma. – 30. Druck der Marées-Gesellschaft. – Eins von 185 Exemplaren auf handgeschöpftem Van Gelder-Bütten (Gesamtauflage 250). – Vom Künstler im Druckvermerk signiert. – Schöner Druck, breitrandig gesetzt aus der Korpus Didot-Antiqua von 1790. – Otto Schubert (1892–1972) studierte an der Dresdner Kunst- und Gewerbeschule und wurde dort Bühnenmaler. Nach ersten Erfolgen mit Illustrationsfolgen wurde er Mitglied der Dresdner Sezession und kam in Kontakt zu den Verlegern Piper und Flechtheim. Ein Großteil seiner Arbeiten wurde bei der Bombardierung Dresdens 1945 zerstört.

25,0 : 21,5 cm. [2], 302, [4] Seiten. – Rücken etwas verfärbt. – Exlibris.

Rodenberg 370, 30. – Schauer II, 88. – Sennewald 21, 1

398  Einbände – Königsblauer Maroquinband von Johannes Gerbers, Hamburg,

€ 900

mit gold- und blindgeprägten Rücken-, Deckel- und Innenkantenfileten. Rückentitel, Stehkantenbordüren und Kopfschnitt vergoldet. – Inhalt: Alfons Pacquet. Die alte Sparcasse. Ein Hundertjahrbild der Hamburger Sparcasse von 1827. Hamburg 1927. Mit zahlreichen montierten Abbildungen. Im Originalschuber mit Lederkanten.

Eins von 50 Exemplaren auf Zanders-Bütten, entgegen dem Druckvermerk aber nicht signiert. – Unsignierter Einband, der Druckvermerk der aufwendigen Firmenfestschrift nennt die Hamburger Buchbinderei Johannes Gerbers.

29,0 : 24,0 cm. 134, [10] Seiten. – Rücken schwach verfärbt.

399  Einbände – Grauer Saffianlederband von Maria Lühr,

€ 1500

mit ornamentaler Vergoldung und karminroten Lederintarsien. – Inhalt: Theodor Storm. Der Schimmelreiter. Aachen 1921. Mit einer handgemalten blauen Initiale.

Schöner Einband von Maria Lühr (1874–1969). Nach ihrer Ausbildung in den traditionsreichen Buchbindereien Collin, Berlin, und Cobden-Sanderson in England wurde sie die erste deutsche Buchbindermeisterin. Von 1913–1957 betrieb sie ihre eigene Werkstatt in Berlin und war Ehrenmitglied des Bundes »Meister der Einbandkunst« (vgl. Moessner/Kriechel S. 73). – Fünfter Druck der Eginhard-Presse. – Eins von 165 Exemplaren, von denen 15 nicht für den Verkauf bestimmt waren. – Gedruckt auf Velin mit dem Wasserzeichen der Presse.

27,0 : 19,2 cm. [4], 117, [7] Seiten. – Rücken und Ränder schwach verfärbt. Ränder und Bünde leicht berieben.

Rodenberg 67, 5

400  Einbände – Roter Saffianlederband von Bruno Scheer,

€ 1000

mit reicher floraler Rücken- und Bordürenvergoldung. Steh- und Innenkantenfileten sowie Kopfschnitt vergoldet. – Inhalt: Edmond Rostand. Cyrano von Bergerac. Berlin, Wohlgemuth & Lissner 1923. Mit acht signierten blattgroßen Radierungen von Ernst Oppler.

Meistereinband von Bruno Scheer (1889–1968), dem Schüler von Paul Kersten und Franz Weiße, Mitglied des Jakob Krause-Bundes und des Bundes »Meister der Einbandkunst«. Viele seiner Einbände wurden ausgezeichnet. – Eins von 300 Exemplaren auf Zanders-Bütten (Gesamtauflage 312). – Im Originalschuber mit Lederkanten.

28,7 : 19,5 cm. [8], 207, [9] Seiten.

401  Einbände – Zwei schwarze Ecrasélederbände von Otto Dorfner, Weimar,

€ 2500

mit Vergoldung. – Inhalt: Johann Wolfgang von Goethe. Achilleis. [und] Prometheus. Berlin, Ernst Rowohlt 1922. Mit einer farbig eingemalten und drei eingedrucken Initialen, entworfen von Hanns Thaddäus Hoyer.

Der zweite und dritte von fünf Goethe-Drucken der Officina Serpentis. – I. Eins von 50 Exemplaren auf starkem Handbütten und mit der farbig eingemalten Initiale (Gesamtauflage 200). – II. Eins von 150 Exemplaren (Gesamtauflage 200), hier wurden die Initialen eingedruckt. – Handpressendrucke von E. W. und E. H. Tieffenbach, gedruckt in Rot und Schwarz. – Hoyer entwarf auch den Titel, der wie das Pressensignet von Bruno Rollitz in Holz geschnitten wurde. – Die prächtigen Handeinbände stammen von Otto Dorfner, blieben aber unsigniert. Titel, Stehkanten, zehnfache Fileten auf den Deckeln und der Kopfschnitt wurden handvergoldet. Beide in gefütterter Originalhalbleinenkassette.

28,0 : 20,0 cm. 29, [3] Seiten. – Innenseite der Kassette mit wenigen schwachen Stockflecken. – Bei I wenige Seiten und Vorsätze ganz gering stockfleckig.

Backe/Köppen 69 und 70. – Rodenberg 114

402  Einbände – Schwarzer Ecrasélederband von Otto Dorfner

€ 3000

mit vergoldeten Titeln, Fileten und Deckelillustration. – Inhalt: J. E. Poritzky. Mysterien. München, Der Bücherwinkel 1923. Mit zwölf signierten Radierungen und je zwölf signierten radierten Initialen und Vignetten von Ernst Zimmermann.

Meisterhafter Einband von Otto Dorfner (1885–1955), Weimar, dessen Lehrtätigkeit, für kurze Zeit auch am dortigen Bauhaus, und mustergültigen Einbände für die nächste Buchbindergeneration von immensem Einfluss waren. – Eins von 100 Exemplaren. – Auf Zanders-Bütten. – Die zwölf kurzen Texte tragen Titel wie »Incubus«, »Blut«, »Beschwörung«, »Mord«, »Qualen« und »Spuk« – die Radierungen sind entsprechend düster. – Tadellos schönes Exemplar.

31,3 : 26,7 cm. [4], 201, [3] Seiten. 12 Radierungen.

Zwischen van de Velde und Bauhaus, KatNr. 150 (Exemplar 76 in identischem Einband). – Rodenberg 351

403  Einbände – Ziegelroter Maroquinband von Karl Funke, Leipzig,

€ 1500

mit vergoldeter Deckelvignette, vergoldeten und schwarzgeprägten Fileten und Bordüren. – Inhalt: Jahrbuch der Einbandkunst. Herausgegeben von Hans Loubier und Erhard Klette. Erster Jahrgang. Leipzig 1927. Mit zahlreichen Abbildungen auf 106 Tafeln.

Prächtiger und dekorativer Handeinband von Karl Funke (1888–1945), Studienrat an der Kunstgewerbeschule Leipzig, Werkstattleiter der dortigen Meisterschule des Deutschen Handwerks und Mitglied der »Meister der Einbandkunst«. – Der erste Jahrgang des ambitionierten Projekts. Bis 1937 erschienen allerdings nur vier Ausgaben, dann wurde die Reihe eingestellt. – Mit Beiträgen und Abbildungen zur »alten« und »neuen« Einbandkunst, unter anderem von Heinrich Endres, Max Joseph Husung, Konrad Haebler, Hans Loubier, Ernst Fischer, Hermann Herbst, Emil Kretz und vielen anderen. – Die Tafeln mit Abbildungen von Einbänden von Jakob Krause, Lukas Weischner, Lyoner Einbänden sowie Arbeiten von Paul Adam, Otto Pfaff, Otto Dorfner, Rudolf von Larisch, René Kieffer und viele weitere.

31,5 : 21,5 cm. XII, 253, [3] Seiten, 105 Tafeln. – Rücken kaum merklich verfärbt.

404  Einbände – Grauer Ecrasélederband von Erwin Weigl,

€ 750

mit anthrazitfarbenen Lederapplikationen und vergoldeten Fileten und Rückentitel. – Inhalt: [Johann Wolfgang von] Goethe. Novelle. Mit einem Nachwort von Emil Staiger und Original-Holzstichen von Imre Reiner. Basel, Benno Schwabe 1943. Mit zehn blattgroßen Holzstichen.

Schöner Handeinband des Nürnberger Buchbinders Erwin Weigel, entstanden 1971 und beim Wettbewerb »Prix Paul Bonet« in Ascona mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. – Zweiter Druck der Petri-Presse. – Eins von 200 Exemplaren der Ausgabe B auf Bütten (Gesamtauflage 625), ein Exemplar der Vorzugsausgabe A unter KatNr. 466. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert und nummeriert.

31,7 : 21,8 cm. [6], 63, [12] Seiten. – Rücken und Ränder schwach verfärbt. – Exlibris.

Reiner III, 9. – Tiessen II, 9

405  Einbände – Hellbrauner Ecrasélederband mit Blind- und Goldprägung von Ignatz Wiemeler.

€ 12000

– Inhalt: Walter Tiemann zu seinem sechzigsten Geburtstage herzlichst zugeeignet von seinen Kollegen. [Leipzig] 1936. Mit zahlreichen eigenhändigen Glückwünschen, Aquarellen und Zeichnungen.

Senffarbener Lederband mit umlaufenden Fileten, zehn in Blindprägung, eine vergoldet. – Vorderdeckel mit Tiemanns vergoldeten Initialen, Unterrand des hinteren Innendeckels mit vergoldeter »Glückwunsch-Signatur«. – Rückentitel, doppelte Steh- und dreifache Innenkantenfileten und der gesamte Buchschnitt wurden vergoldet. – Im Schuber mit Lederkanten.
Unikum. – Am 29. Januar 1936 feierte Walter Tiemann, Pionier und Leitfigur der deutschen Buchkunst der Moderne, seinen 60. Geburtstag. 1920 war er zum Direktor der Leipziger Staatlichen Akademie für Graphik und Buchgewerbe berufen worden. Dieses Amt hatte er bis 1941 und nach Kriegsende nochmals kurz kommissarisch inne. – Tiemanns Wirken für die deutsche Buchkunst der Moderne ist umfassend, zahlreiche Buchkünstler auf allen Gebieten haben von und unter ihm gelernt, gelehrt und gearbeitet. Zahlreiche von ihm entworfene Schriften bereicherten die Typographie der klassischen Moderne. 1933 änderten sich auch an der Akademie die Zustände dramatisch. Zahlreiche Lehrer wurden wegen jüdischer Abstammung oder als »entartet« entlassen und nachrückende Lehrkräfte waren häufiger linientreue Parteigenossen. Engagierten Kräften dieser wichtigen Bildungsstätte gelang es, unideologisiert weiter zu unterrichten und traditionelles Wissen mit innovativer Kreativität zu verbinden.
Mit der vorliegenden Festschrift gratulierten ihm folgende Lehrer der Akademie mit Beiträgen in Wort und Bild, meist eigenhändig geschrieben, gezeichnet und gemalt. – Alois Kolb (1875–1942, Leiter der Radierklasse; drei Seiten eigenhändiger Text mit zwei Tuschezeichnungen). – Hans Alexander Müller (1888–1962, Leiter der Holzschnittklasse; eine Seite eigenhändiger Gruß, acht Seiten »Der Fall Taku«. Mit fünf Holzstichen des Verfassers. Sonderdruck zum Jubiläum. Exemplar 1 von 40. Nummeriert und signiert. Eichhorn/Salter 1.61). – Julius Zeitler (1874–1943, Dozent, Verleger, Bibliophiler; eine Seite eigenhändiger Gruß). – Weitere Beiträge von Georg Belwe (1878–1954, Leiter der Abteilung Satz und Druck; Grußwort, Tusche), Carl Blecher (Grußwort, Tusche), Wilhelm Buhr (Klasse für Gebrauchsgraphik; Drei Seiten handschriftlich mit drei Aquarellen), Kurt Otte (Aquarell und Gedicht mit Bordüre), Walter Gasch (Typographie und Tiefdruck, seit 1933 Tiemanns linientreuer Stellvertreter; gedrucktes Gedicht mit eigenhändigem Gruß), Karl Max Schneider (Direktor des Leipziger Zoos, wo Studierende in Tierkunde unterrichtet wurden; vier Seiten, eigenhändiges Gedicht), Horst Schulze (drei Seiten, Text mit Tuschzeichnungen), Hans Soltmann (Leiter der Akt-Klasse; drei Seiten, Text mit Zeichnungen), Hellmuth Weißenborn (Zeichenlehrer, zwei Seiten, Text und zwei Aquarelle) und anderen.

Gebunden von einem der bedeutendsten Buchbinder des 20. Jahrhunderts: Ignatz Wiemeler (1895–1952). Von 1925 bis 1945 wirkte Wiemeler, der auf Vorschlag Tiemanns als Lehrer an die Leipziger Akademie berufen worden war, im »Mekka der Buchkunst« und hatte dort »seine große Epoche« (Kurt Londenberg). Seinem Freund und Kollegen widmet er den vorliegenden Einband mit einer ungewöhnlich langen »Glückwunsch-Signatur«, vergoldet am Unterrand des hinteren Innendeckels: »MIT ALLEN GUTEN WÜNSCHEN UND IN HERZLICHER VEREHRUNG IGNATZ WIEMELER«. – Bereits 1926 war eine Festschrift zu Tiemanns 50. Geburtstag erschienen und auch diese hatte Wiemeler gebunden (siehe WVZ 92/93). – Die vorliegende Arbeit dort nicht verzeichnet.

31,5 : 22,0 cm. [86] Seiten. – Rücken kaum merklich verfärbt. Winziger Verlust der Vergoldung an den Bünden. Ecken und Kapitale minimal berieben.

406  Einbände – Homer. Zwei weinrote Oasenziegenlederbände mit Vergoldung.

€ 900

– Inhalt: Ilias. – Odysseia. (griechisch). München 1923–1924. Handgebundene weinrote Oasenziegenlederbände mit Vergoldung.

Hervorragend gestaltete und gearbeitete, jedoch unsignierte Ganzfranzbände aus leicht geglättetem Oasenziegenleder. Alle Deckel und beide Rücken mit einem formatfüllenden Mäanderband aus sechs parallel laufenden vergoldeten Fileten. Die Deckel an Ober- und Unterrand mit einer blindgeprägten, auf dem Rücken vergoldeten, Filete. – Rücken mit den beiden Titeln in griechischen Buchstaben, »Ilias« querlaufend mit Filetenrahmung, »Odysseia« senkrecht gesetzt. – Die Kopfschnittvergoldung bei Band I wurde nach, die von Band II vor dem Heften aufgebracht. Fuß- und Seitenstege blieben unbeschnitten. – Jeweils in einer Leinenkassette mit Lederrücken bzw. Lederrückenschild mit blindgeprägtem Titel. – 15. und 16. Druck der Bremer Presse. – Je eins von 615 Exemplaren. – Auf Zanders-Bütten. – Herausgegeben von Eduard Schwarz. – Gedruckt in der 1922 für »Lieder der Sappho« erstmals verwendeten Griechischen Type der Presse. Die beiden Holzschnitt-Titel zeichnete Anna Simons.

34,8 bzw. 35,0 : 23,0 cm. [384] Seiten.

Lehnacker 16. – Rodenberg 58, 16. – Isphording I, 32

407  Einbände – Hellbrauner Maroquinband mit reicher ornamentaler Vergoldung.

€ 300

– Inhalt: Maurice de Guèrin. Der Kentauer. Übertragen durch Rainer Maria Rilke. Leipzig, Insel 1911.

Unsignierter Einband, wohl der 1960er Jahre. – Beide Deckel wurden mit Fileten und schmalen Bordüren ornamental verziert, dieses Muster wurde, wie die Titel auf Deckel und Rücken und der Kopfschnitt, vergoldet. – Erste deutsche Ausgabe. – Eins von 250 Exemplaren auf Old Stratford-Bütten. – Mit einer großen vergoldeten Initiale, entworfen von Friedrich Wilhelm Kleukens.

23,2 : 15,7 cm. [4], 31, [5] Seiten.

Stürz 37. – ELP 22. – Schauer II, 65. – Rodenberg 78. – Sarkowski 638. – Mises 158

408  Einbände – Kalbpergamentband von Kurt Londenberg,

€ 4000

mit Titeln und Verzierungen in Handvergoldung. – Inhalt: Novalis. Hymnen an die Nacht. Mit vier Holzstichen von Imre Reiner. [Stuttgart], Rosenhammer-Presse [1942]. Mit vier Holzstichen im Text, davon einer als Titelvignette.

Außer den beiden Titeln prägter Londenberg auf die Deckel jeweils zwei Reihen kleiner Sterne, die ebenfalls handvergoldet wurden. – Erste Ausgabe dieser Illustrationsfolge. – Die seltenste Reiner-Edition, erschienen in nur elf Exemplaren (A–C und 4–11) als Privatdruck anlässlich des 70. Geburtstages von F. H. Ernst Schneidler. – Unikates Exemplar mit allen vier Originalvorzeichnungen in blauem Farbstift und je einem Probeabzug der Stiche, gedruckt in Schwarz. – Die Vorzeichnungen in Blau auf Velin, alle monogrammiert. Die Probedrucke auf dünnem Japan, alle bezeichnet mit »Probe« o. ä. sowie bezeichnet »Hymnus«, monogrammiert und datiert. Alle acht »Beigaben« in eingebundenen Passepartouts. – Sicher ein Höhepunkt jeder Reiner-Sammlung, hier zudem in einem exklusiven Einband des Hamburger Meisterbuchbinders. – Im Schuber mit Pergamentkanten und blauem Büttenpapierbezug. – Ehemals Sammlung Peter Wilhelm Brand, versteigert 1979 in Hamburg (Auktion Hauswedell & Nolte 229, KatNr. 1160).

37,5 : 27,5 cm. 31, [5] Seiten, 8 Passepartouts.

Schaefer 71. – Reiner III, 7

409  Einbände – Rotbrauner und naturfarbiger Nigerlederband von Kurt Londenberg,

€ 2000

mit Blindprägung auf beiden Deckeln und vergoldetem Rückentitel. – Inhalt: Das Evangelium des Johannes. Griechisch und Deutsch. Frankfurt 1960.

Beide Deckel mit dem Johannes-Signet in Prägeblinddruck. – Deckelkanten und Gelenke mit dem helleren Leder abgesetzt, Innenkanten mit schmaler, blindgeprägter Filete. – Im gefütterten Originalschuber. – Elfter Druck der Trajanus-Presse. – Eins von 150 Exemplaren. – Auf Trajanus-Bütten von Hahnemühle. – Zweispaltiger Druck: Die deutsche Übertragung nach dem Luthertext gesetzt aus der Aldus-Antiqua, der griechische Originaltext aus der Heraklit. – Ehemals Sammlung Wolfgang Tiessen (1930–2017).

31,5 : 20,5 cm. 50, [6] Seiten. – Rücken leicht verfärbt. Vorderdeckel mit winziger Kratzspur.

Schaefer 70 (mit farbiger Abbildung 31)

410  Einbände – Moosgrün-beigefarbener Oasenziegenlederband von Kurt Londenberg mit Blindprägung.

€ 3000

– Inhalt: Aristophanes. Die Frösche. Eine Komödie. Übertragen von Johann Gustav Droysen. Mit Holzstichen von Imre Reiner. Frankfurt am Main, Trajanus-Presse 1961. Mit 23 Textholzstichen.

Die schmalen Lederstreifen, die Deckel und Rücken in je drei Felder teilen, mit quergestrichelter Blindprägung. Die Mittelfelder beider Einbanddeckel und des Vorderdeckels der Suitenmappe mit Darstellung eines Frosches, plastisch geprägt nach einer antiken griechischen Gemme. – Im Mittelfeld des Buchrückens der Längstitel in Grün. – Schnittfärbung in Dunkelgrün. – Zusammen mit der Suitenmappe (grüne Seide) in einer Leinenkassette mit zweifarbigem Lederrückenschild.

Zwölfter Druck der Trajanus-Presse. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Auf Trajanus-Bütten von Hahnemühle. – Eins von 50 römisch nummerierten Exemplaren, die nicht für den Handel bestimmt waren. Unikates Exemplar mit einer Originalrötelzeichnung und neun Probedrucken. Die Zeichnung signiert und datiert »’34«, die Holzstiche alle signiert, meist bezeichnet »Die Frösche · Probeabzug« und teils datiert: »’40« – »’56«. – Die Probedrucke dokumentieren die lange Entstehungsphase der Illustrationen. Die Rötelzeichnung diente wohl als Vorlage für die Titelvignette, acht der neun Probedrucke wurden für das Buch verwendet. Die zehn Blätter in grün-weißen Passepartouts.

Ehemals Sammlung Peter Wilhelm Brand, versteigert 1979 in Hamburg (Auktion Hauswedell & Nolte 229, KatNr. 1157). – Seit 1983 (Auktion Hauswedell & Nolte 250, Lot 1789) im Besitz Barbara und Edith Achilles.

35,4 : 22,2 cm. 126, [6] Seiten, 1 Zeichnung, 9 Probedrucke.

Schaefer 117. – Spindler 40.12. – Reiner III, 22. – Tiessen II, 21

411  Einbände – Schwarzer Maroquinband von Kurt Londenberg,

€ 6000

mit großflächiger Blindprägung nach Eduardo Chillida. – Inhalt: André Frenaud. Le chemin des devins suivi ménerbes. Eduardo Chillida. Paris, Maeght 1966. Mit elf Radierungen und einem Prägedruck auf dem eingebundenen Originalvorderumschlag.

Der Einband zitiert auf beiden Deckeln die typische Formsprache des Künstlers, Chillidas Radierungen wurden von Londenberg in das tiefschwarze Maroquin geprägt. – Rückentitel in Schwarz auf hellgraues Leder gedruckt, dieses aufgewalzt. – Im gefütterten Schuber mit schwarzen Lederkanten. – Eins von 50 auf Papier Auvergne von Richard de Bas (Gesamtauflage 195 Exemplaren). – Tadellos schönes Künstlerbuch in einem kongenialen Einband. – Ehemals in der Sammlung Peter W. Brand, versteigert in Hamburg 1979 (Auktion Hauswedell & Nolte 229, KatNr. 1163).

36,3 : 30,2 cm. [2], 47, [9] Seiten. – Schuber mit zwei kleinen Stockflecken und einigen Griffspuren.

Schaefer 109 (mit farbiger Abbildung 43). – Monod 5004

412  Einbände – Grüner Maroquinband von Theophil Zwang, Offenbach,

€ 1500

Rücken mit brauner Lederapplikation mit vergoldetem Titel sowie vergoldete Deckelkantenfileten und Kopfschnittvergoldung. – Inhalt: Gotthold Ephraim Lessing. Tierfabeln. Frankfurt a. M. 1965. Mit 14 Lithographien von Kurt Steinel, meist blatt- und doppelbattgroß und signiert.

Meisterhafter Handeinband, dessen Gestaltung der Formsprache seines Lehrers nahesteht. – Nach einem Studium bei Kurt Londenberg arbeitete Theophil Zwang in der Werkstatt seines Vaters, dem Kersten-Schüler Friedrich Zwang. Er übersiedelte 1955 nach Hamburg und gründete dort zusammen mit seinem Bruder Christian eine eigene Werkstatt. Nach zwei Jahren lehrte er an den Kölner Werkschulen und von 1960 bis 1987 an der Werkkunstschule Offenbach. – Im Schuber mit Lederkanten. – Eins von 20 Exemplaren der Vorzugsausgabe (Gesamtauflage 500). – Privatdruck der Schriftgießerei Ludwig & Mayer in Frankfurt am Main auf Zerkall-Bütten. – Auch im Druckvermerk vom Künstler signiert und nummeriert.

34,6 : 26,4 cm. [80] Seiten.

413  Einbände – Sechzig Pressendrucke

€ 600

in Handeinbänden von Christian Zwang. 1956–1984. Hamburg 1985. Mit 27 blattgroßen Abbildungen. Tiefschwarzer Ecrasélederband mit Negativblindprägung auf dem Vorderdeckel und blindgeprägtem Rückentitel (Christian Zwang). Im Schuber.

Eins von wenigen Exemplaren im Handeinband von Christian Zwang, im Druckvermerk monogrammiert »CZ«. – Mit einem Vorwort von Bertold Hack. – Der Katalog, gestaltet von Otto Rohse und mit Fotografien von Studio Fischer-Daber, stellt ausgewählte Höhepunkte aus dem Schaffen Christian Zwangs vor. Er kam 1954 nach Hamburg und wurde Schüler von Kurt Londenberg (1914–1995), dem Nachfolger von Ignatz Wiemeler als Leiter der Einbandklasse der Hamburger Landeskunstschule. Noch im gleichen Jahr gründete er mit seinem Bruder Theophil die bis bekannte Hamburger Werkstatt, die heute von seinem Sohn Thomas geleitet wird. Namhafte Pressendrucker wie Otto Rohse, Gunnar Kaldewey und Roswitha Quadflieg ließen und lassen ihre Bücher in der Eimsbütteler Werkstatt binden. – Tadellos erhalten.

27,4 : 20,3 cm. [72] Seiten.

  414    Einbände – Grün-schwarzer Maroquinband von Hans Rudolf Billeter

€ 300

mit vergoldeten Titeln. – Inhalt: Martin Kessel. 50 ironische Miniaturen. Bonn 1960.

Erster Druck der Presse des Wirtschaftsrings Bonn. – Eins von 275 Exemplaren. – Auf Bütten. – Druck in Grün und Schwarz in der Werkkunstschule Braunschweig. – Typographie von Hans-Dieter Buchwald, Einbandentwurf von Hans Rudolf Billeter. Im gefütterten Schuber mit hellgrauem Japanfaserpapierbezug und grünen Lederkanten. – Der klassisch-schöne Einband beweist einmal mehr die künstlerische und handwerkliche Meisterschaft Billeters.

25,0 : 16,2 cm. 41, [7] Seiten.

  415    Einbände – Rot-schwarzer Maroquinband mit vergoldeten Titeln (Hans Rudolf Billeter).

€ 300

– Inhalt: Goethe für Weltleute. Bonn 1961.

Zweiter Druck der Presse des Wirtschaftsrings Bonn. – Eins von 275 Exemplaren. – Auf Bütten. – Gedruckt in Rot und Schwarz in der Werkkunstschule Braunschweig. – Typographie von Hans-Dieter Buchwald, Einbandentwurf und -ausführung von Hans Rudolf Billeter. Im gefütterten Schuber mit blaugrünem Japanfaserpapierbezug und roten Lederkanten.

25,0 : 19,5 cm. 45, [3] Seiten, einige leere Vorblätter.

  416    Einbände – Rot-schwarzer Maroquinband von Hans Rudolf Billeter

€ 300

mit vergoldeten Titeln. – Inhalt: Georg Christoph Lichtenberg. Gedanken zur Zeit. Ausgewählt und mit einem Nachwort versehen von Hans Erich Nossack. Bonn 1962.

Dritter Druck der Presse des Wirtschaftsrings Bonn. – Eins von wenigen Belegexemplaren, über die Auflage von 275 Exemplaren gedruckt. – Auf Bütten. – Gedruckt in Rot und Schwarz in der Werkkunstschule Braunschweig. – Typographie von Hans-Dieter Buchwald, Einbandentwurf von Hans Rudolf Billeter. Im gefütterten Schuber mit grauem Japanfaserpapierbezug und schwarzen Lederkanten.

25,0 : 16,7 cm. 44, [4] Seiten, einige leere Vorblätter.

  417    Einbände – Rostrot-schwarzer Maroquinband von Hans Rudolf Billeter

€ 300

mit vergoldeten Titeln. – Inhalt: Adalbert Stifter. Auf goldenen Rädern. Ausgewählt und mit einem Nachwort versehen von Franz Thumler. Bonn 1963.

Vierter Druck der Presse des Wirtschaftsrings Bonn. – Eins von wenigen Belegexemplaren, über die Auflage von 275 Exemplaren gedruckt. – Auf Bütten. – Gedruckt in der Werkkunstschule Braunschweig. – Typographie von Hans-Dieter Buchwald, Einbandentwurf von Hans Rudolf Billeter. Im gefütterten Schuber mit grauem Japanfaserpapierbezug und schwarzen Lederkanten.

25,0 : 19,1 cm. 59, [5] Seiten, einige leere Vorblätter.

  418    Einbände – Rotbraun-schwarzer Maroquinband von Hans Rudolf Billeter

€ 300

mit vergoldeten Titeln. – Inhalt: Gottfried Keller. Unterwegs zu sich selbst. Ausgewählt und mit einer Einführung versehen von Werner Weber. Bonn 1964.

Fünfter Druck der Presse des Wirtschaftsrings Bonn. – Eins von wenigen Belegexemplaren, über die Auflage von 275 Exemplaren gedruckt. – Auf Bütten. – Gedruckt in der Werkkunstschule Braunschweig. – Typographie von Hans-Dieter Buchwald, Einbandentwurf von Hans Rudolf Billeter. Im gefütterten Schuber mit grau-grünem Japanfaserpapierbezug und schwarzen Lederkanten.

25,0 : 16,7 cm. 53, [3] Seiten, einige leere Vorblätter.

  419    Einbände – Roterbrauner Maroquinband von Hans Rudolf Billeter

€ 250

mit schwarzen Linienintarsien und vergoldeten Titeln. – Inhalt: Helmut Koopmann. Geld und Literatur im 18. Jahrhundert. Sion, Kurt Bösch Presse 1992.

15. Druck der Kurt Bösch Presse Sion. – Eins von wenigen Belegexemplaren, über die Auflage von 275 Exemplaren gedruckt. – Auf Zerkall-Bütten. – Gedruckt in Rot und Schwarz. – Buchschmuck von Johannes Lebeck. – Im gefütterten Schuber mit grauem Japanfaserpapierbezug und roten Lederkanten.

24,8 : 18,3 cm. 41, [3] Seiten.

420  Einbände – Mittelbrauner Ecrasélederband von Ferdinand Hansel, Offenbach a. M.,

€ 900

mit blindgeprägten und vergoldeten Fileten. – Inhalt: Rudolf Borchardt. Das Buch Joram. Frankfurt am Main, Trajanus-Presse 1962. Mit sieben Vetrographien von Hans Fronius.

13. Druck der Trajanus-Presse. – Eins von 200 Exemplaren (Gesamtauflage 275). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Die Vetrographien (Glaszeichnungen) von Hans Fronius wurden von Paul Robert Wilk gedruckt. – Gesetzt aus der Palatino der Stempel AG, gedruckt auf getöntem Trajanus-Bütten. – Borchardts Erzählung erschien erstmals 1905 als Privatdruck und 1907 im Insel-Verlag. – Der schöne Handeinband wird auf beiden Deckeln durch einen Davidstern verziert, der aus Gold- und Blindfileten gebildet wird. Die Steh- und Innenkanten sowie die Kapitale sind mit vergoldeten Fileten verziert. Der Kopfschnitt der starken Büttenblätter wurde vergoldet. Für die eingelassenen Spiegel und die Vorsatzblätter wurde das Trajanus-Bütten der Auflage verwendet. – In einem Schuber mit Lederkanten und Holzfurnierbezug. – Die Firma Hansel in Offenbach wurde 1964 durch die Buchbinderei Köhler, die heute in Rodgau ansässig ist, übernommen. Ferdinand Hansel hat dort in den Folgejahren noch einige Handeinbände für sich und Freunde hergestellt. Der damalige Inhaber Wolfgang Köhler gehörte zum Freundeskreis des Klingspor-Museums.

40,5 : 27,8 cm. 37, [3] Seiten.

Tiessen II, 37. – Tiessen Beauclair 160, 13. – Spindler 40.13. – Rethi, Bücher 40. –

421  Einbände – Olivgrün-beigefarbener Saffianlederband mit Blindprägung von Markus Müller.

€ 1000

– Inhalt: Arthur Schnitzler. Reigen. Mit zehn zweifarbigen Lithographien von Otto Bachmann. Ascona, Centro del Bel Libro 1970. Mit zehn signierten zweifarbigen Lithographien. In Originalhalblederkassette.

Der Einband blieb unsigniert, die Urheberschaft konnte aber durch freundliche Recherche von Roland Meuter geklärt werden, handwerklich und gestalterisch überzeugende Arbeit: Markus Müller war in den 1970er Jahren bei den jährlich stattfindenden Kurse des Centro del bel libro Ascona tätig. Der Verein ließ eigens für diese Buchbinderwettbewerbe Bücher drucken. – Die große Deckelillustration wird aus einer farblich leicht differierenden Lederintarsie und einem »darüber« geprägten Filetenmuster gebildet. – Rückentitel blindgeprägt, Kopfschnitt vergoldet. – Innendeckel und Vorsätze aus Wildleder. – Eins von 80 auf Rives-Raisin-Bütten (Gesamtauflage 140). – Vom Otto Bachmann im Druckvermerk signiert und nummeriert.

50,4 : 33,2 cm. [3]–83, [3] Seiten.

422  Einbände – Gelber Oasenziegenlederband der Werkstatt Schoy mit dekorativer Filetenvergoldung.

€ 1500

– Inhalt: Aristophanes. Die Frösche. Eine Komödie. Mit zwölf Kaltnadel-Radierungen von Oskar Kokoschka. Frankfurt am Main 1968. Mit zwölf signierten blattgroßen, rückseitig unbedruckten Kaltnadelradierungen.

Hervorragender Meistereinband aus der Werkstatt der Dorfner-Schülerin Frida Schoy (1889–1963), die 1948 die Leitung der Werkgruppe »Leder und Papier« der Folkwang Werkkunstschule übernahm. – Aus Linien und Kreisen bilden sich auf beiden Deckeln acht stilisierte Froschgesichter. – Kopfschnittvergoldung. – 18. Ars librorum Druck. – Eins von 120 Exemplaren. – Druckvermerk vom Verleger signiert und vom Künstler monogrammiert. – Auf Auvergne-Bütten Richard de Bas.

45,2 : 33,2 cm. [2], 98, [6] Seiten. – Die unbeschnittenen Seitenränder leicht gebräunt.

Spindler 40.38. – Tiessen III, 1. – Wingler/Welz 437–448

423  Einbände – Dunkelgrüner Maroquinband von Roland Meuter

€ 3000

mit Deckelillustration aus grauen Lederintarsien und vergoldeten Fileten. – Inhalt: Aristophanes. Die Frösche. Eine Komödie. Übertragen von Johann Gustav Droysen. Mit Holzstichen von Imre Reiner. Frankfurt am Main 1961.

Ebenso typischer wie schöner Einband von Roland Meuter unter Einsatz von Lederapplikationen und vergoldeten Fileten. – Rückentitel vergoldet, dunkelgrüne Wildledervorsätze und -spiegel. – In einer Halbleder-Seidenkassette mit vergoldetem Rückentitel und Wildleder-Innendeckeln. – Zwölfter Druck der Trajanus-Presse. – Eins von 200 Exemplaren; 50 römisch nummerierte Exemplare waren nicht für den Handel bestimmt. – Von Imre Reiner im Druckvermerk signiert. – Auf Trajanus-Bütten von Hahnemühle.

35,0 : 21,7 cm. 126, [6] Seiten.

Spindler 40.12. – Reiner III, 22. – Tiessen II, 21

424  Einbände – Halbmaroquinband von Roland Meuter, Deckelbezüge aus Oleographiepapier.

€ 450

– Inhalt: [Johann Wolfgang von] Goethe. Das Märchen. Mit Holzstichen von Imre Reiner. Basel 1972. Mit 21 Holzstichen im Text, einer davon farbig.

Eins von 100 Exemplaren auf Hahnemühle Kupferdruck-Bütten (Gesamtauflage 280). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert.

35,5 : 26,0 cm. 61, [7] Seiten.

Reiner III, 42. – Tiessen IV, 39

425  Einbände – Schwarzer Ecrasélederband von Paul C. Delrue,

€ 900

mit vergoldeten Fileten und Rückentitel. – Inhalt: Remains of Elmet. A Pennine Sequence. Poems by Ted Hughes. Photographs by Fay Godwin. London und Boston, Faber and Faber 1979. Mit zahlreichen ganzseitigen Abbildungen.

Paul C. Delrue wurde 1944 in Middlesex geboren. Während seiner Ausbildung bei John Vivien in London gewann er bereits 1966 den ersten Preis beim Thomas-Harrison-Wettbewerb. 1971 gründete er seine eigene Buchbinderei in Bedfordshire, später firmierte er in Chester und Ruthin. Vielfach ausgezeichnet, gehört er seit 1981 der englischen Society of Bookbinders an, 1986 wurde er zum »Licentiate of Designer Bookbinders« berufen.

25,0 : 21,5 cm. 125, [3] Seiten.

426  Einbände – Bemalter Kalblederband von Paul C. Delrue.

€ 1200

– Inhalt: Le Labourd. A la découverte d’une province du Pays Basque. Ciboure, Cercle de Reliure d’Art 1992. Mit sieben farbigen ganzseitigen Illustrationen von Ramiro Arrue.

Handeinband des englischen Buchbinders. – Die natürliche Narbung des Leders, die Bemalung und einige blindgeprägte Fileten bilden als Einbandillustration eine Landschaft. – In Leinenkassette mit Lederapplikationen. – Eins von 350 Exemplaren auf »MBM de Papeteries Arjomari«. Es erschienen weitere 50 römisch nummerierte Exemplare auf Arches-Bütten. – Das Werk wurde ungebunden ausgeliefert und für einen Wettbewerb der Einbandgesellschaft verwendet.

27,8 : 18,8 cm. [120] Seiten.

427  Einbände – Roter Saffianlederband von Peter Weiersmüller mit Leinen- und Materialcollage

€ 1000

– Inhalt: Miguel de Cervantes. Szenen aus Don Quixote. Mit einundzwanzig Holzstichen von Imre Reiner und einem Nachwort von Hermann Kienzle. Basel, Holbein 1941. Mit 21 Textholzstichen.

Peter Weiersmüller (geboren 1944) und lebt und arbeitet in München und Südfrankreich. Besonders in den 1980er Jahren schuf er eine Reihe von Bucheinbänden und -objekten. – Das frühe Illustrationswerk von Imre Reiner wurde von Weiersmüller zunächst in rotes Saffianleder gebunden. Auf beide Deckel wurde dann je ein Leinenstück aufgewalzt, welche durch Blind- und Farbprägungen sowie Applikationen aus Perlmutt und Kork verziert sind. – In Halblederchemise und Schuber. – Bei Gebr. Fretz, Zürich, auf Bütten gedruckt. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Der Originalumschlag wurde mit eingebunden.

26,7 : 19,5 cm. 48, [4] Seiten.

Reiner III, 6. – Tiessen II, 6

428  Einbände – Schwarzer Oasenziegenlederband mit Blindprägung von Peter Weiersmüller.

€ 1000

– Inhalt: Robert Walser. Eine Ohrfeige und sonstiges. Mit Holzstichen von Imre Reiner. Ruvigliana 1965. Mit 15 Holzstichen im Text, einer blattgroß.

Im gefütterten Originalschuber mit Balsaholzbezug. – Eins von 100 Exemplaren (Gesamtauflage 116). – Gedruckt nach Angaben Reiners auf Hahnemühle-Bütten. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Im Eigenverlag des Künstlers erschienen. – Beilage: Zwei Entwurfszeichnungen, beide signiert und betitelt.

30,3 : 22,3 cm. [2], 34, [10] Seiten.

Reiner III, 34. – Tiessen III, 34

429  Einbände – Anthrazitfarbener Bastardlederband von Werner Kießig, Berlin,

€ 400

mit Negativblindprägung. Rückentitel und Deckelkantenfileten vergoldet. – Inhalt: Vergils Georgika. Ins Deutsche übertragen von Rudolf Alexander Schröder. München, Bremer Presse 1924.

Eins von 200 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten. – Schöner Handeinband des Berliner Buchbindemeisters Werner G. Kießig (1924–2014), der seit Mitte der 1970er Jahre für Unikateinbände das Signet »K im stilisierten Buch« (Entwurf Herbert Prüget) verwendete. – Werner Kießig war unter anderem der von Wolfram Benda für »The Bear Press« bevorzugte Buchbinder. – Ehemals Sammlung Martin Wandersleb (Theologe und Bibliophiler, 1924–2005): Mit seinem Holzschnitt-Exlibris (von Gerhard Marcks, Lammek 457, eins von nur drei Exlibris des Künstlers, neben dem eigenen und dem für seine Frau Maria) auf dem Innendeckel und dem Exlibris-Stempel (Entwurf Otto Rohse), dieser in das Leder des Hinterdeckels geprägt. – Ober- und Unterkanten beider Deckel und des Rückens sind mit einer vergoldeten Streicheisenfilete verziert, auch der Rückentitel wurde vergoldet. – Das Leder indischer Bastardschafe, die Haare wie eine Ziege statt Wolle tragen, wird wegen seiner Weichheit geschätzt, jedoch nur selten verwendet. – Schönes Exemplar in Leinenschuber mit Deckelschild. – Wir danken Axel Haidle, Leipzig, für seine erhellenden Hinweise.

27,8 : 19,5 cm. 97, [1] Seiten. – Einige Seiten leicht geknittert und mit winzigen Stockflecken. Eine Blattecke ergänzt.

Lehnacker 62

430  Einbände – Ecrasélederband von Mary Horstschulze, bemalt und mit Applikationen.

€ 750

– Inhalt: Thomas Bernhard. Die Mütze. Neu-Isenburg, Edition Tiessen 1986. Mit drei Radierungen von Bernhard Schultze, davon zwei ganzseitig.

Erste Ausgabe. – Eins von 90 Exemplaren (Gesamtauflage 135). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – 49. Druck der Edition Tiessen. – Auf Velin d’Arches. – Der Originalumschlag mit der dritten Radierung ist eingebunden. – Das hellgraue Leder der Deckel wurde mit hellroter Temperafarbe und verschiedenen Farbstiften bemalt und beschrieben, den Vorderdeckel zieren Applikationen aus Leder und Wolle. Der Rückentitel ist blindgeprägt, der Kopfschnitt mit Graphit eingefärbt. – In einer gefütterten schwarzen Leinenkassette mit geprägtem Rückenschild. – Die in Staufen/Breisgau tätige Einbandkünstlerin Mary Horstschulze, geboren 1943, absolvierte ihre Ausbildung bei Eva Aschoff und an der Münchner Akademie für Graphisches Gewerbe. Von 1970 bis 1977 war sie Dozentin an der Ascona Legatoria Artistica. Sie ist seit 1974 Mitglied des Vereins Meister der Einbandkunst und errang 1975 eine Goldmedaille im Wettbewerb »Prix Paul Bonet«. – Um dieses Buch entbrannte in unserer Auktion 5 (Mai 2012) ein unvergessenes Bietgefecht zwischen Edith Achilles, die diesen letzten ihr fehlenden Druck der Edition Tiessen um (fast) jeden Preis für unseren kurz vor Abschluss stehenden Dokumentationskatalog ihrer Buchsammlung erwerben wollte, und dem Münchner Sammler Viktor Günthert. Erst bei der zehnfachen Taxe (350 auf 3.600 EUR) ging der Zuschlag an die Sammlerin, die lange Zeit nicht glauben wollte, dass keine Absprache hinter dieser Gegenwehr steckte.

29,3 : 20,8 cm. 20, [4] Seiten.

Dittmar 35. – Spindler 41.49. – Heuer B 19

431  Einbände – Schwarzer Lederband von Karl Heinz Neumann, in Halblederchemise und Lederkassette, alle mit vergoldeten Rückentiteln.

€ 300

– Inhalt: Hiob. Das 28. Kapitel nach der Übersetzung von Martin Luther. Holzstiche von Hella Fischer-Thorer. Offenbach, Hans Schmidt 1964. Mit fünf Holzstichen, blatt- und doppelblattgroß, und zwei weiteren auf dem Originalumschlag.

Fünfter Druck von Hans Schmidt. – Eins von zwölf Exemplaren. – Im Druckvermerk von Künstlerin und Herausgeber signiert. – Auf Japanpapier Hakone als Blockbuch gedruckt und gebunden. – Hans Schmidt studierte zunächst in Leipzig, dort entstanden erste Handpressendrucke. Er wurde Typograph bei der Eggebrecht-Presse in Mainz, wo 1958 der erste seiner Hans Schmidt-Drucke entstand. Von 1963 bis 1983 lehrte er an der Werkkunstschule Offenbach. Seine Ehefrau Hella Fischer-Thorer (1928–1978) studierte u. a. bei Karl Hofer in Berlin. – Unikater und typischer Einband. – Selten.

39,0 : 20,0 cm (Buchformat). [10] Seiten.

Spindler 38.5

432  Einbände – Schwarzer Maroquinband von Karl Heinz Neumann

€ 450

mit geometrischem Muster aus farbigen Lederapplikationen auf beiden Deckeln und goldgeprägtem Rückentitel. – Inhalt: Friedrich Hölderlin. Elegien. Urtext. Vier- und fünffarbige Zinkätzungen von Hans-Joachim Burgert. Berlin, Burgert Handpresse 1971. Mit sechs signierten blattgroßen farbigen Zinkätzungen.

Unikat gebundenes Exemplar aus der Auflage von 130. – Druckvermerk vom Künstler signiert und nummeriert. – Die von Burgert verwendete Schrift »Olive« entwarf Roger Excoffon 1962 für die »Air France«. – Blockbuch, der Text auf grauem, die Graphiken auf weißem Roma-Bütten.

30,7 : 22,8 cm. [4], 26, [6] Seiten.

Spindler 154.11

433  Einbände – Schwarz-roter Lederband von Karl-Heinz Neumann.

€ 750

– Inhalt: Romanzen von Mauren, Christen und einem langen Krieg. Aus dem Spanischen übertragen von Ansgar Hillach. Berlin, Burgert-Handpresse 1979. Mit drei blattgroßen signierten Radierungen und sechs Illustrationen von Hans-Joachim Burgert.

Karl-Heinz Neumann, eigentlich Schriftsteller, arbeitete in Frankfurt auch als Buchbinder. Aufwendiger Handeinband: Schwarzes Saffianleder mit großen roten Rindslederapplikationen und vergoldeten Fileten. Innendeckel mit rotem Rindsleder, Vorsätze aus rot-goldenem Buntpapier. – Chemise und Kassette aus denselben Lederarten, Innenseiten mit roter bzw. schwarzer Seide bezogen. – Alle drei »Teile« mit vergoldetem Rückentitel und Signatur des Buchbinders. – Eins von 200 Exemplaren. – Im Druckvermerk vom Künstler, der zugleich die Typographie seiner Pressendrucke entwarf, signiert. 1962 hatte Hans-Joachim Burgert (1928–2009) in Berlin seine Handpresse gegründet. – Mit einem erklärenden Text des Übersetzers. – Als Blockbuch gedruckt und gebunden (dabei vier Seiten verheftet).

30,8 : 19,5 cm. [3]–36, [4] Seiten.

Spindler 154.19

434  Einbände – Brauner Maroquinband von Karl-Heinz Neumann mit schwarzen Lederapplikationen.

€ 600

– Inhalt: Oskar Beyer. Rudolf Koch. Ein schöpferisches Leben. Offenbach a. M., Wilhelm Kumm 1984. Mit zahlreichen Abbildungen und Tafeln.

Auf den Vorderdeckel applizierte der Buchbinder das Christogramm aus Rudolf Kochs Folge »Christliche Symbole«. – In der dazugehörigen schwarz-braunen Maroquinkassette.Das Buch erschien ursprünglich 1953 im Bärenreiter-Verlag, hier die Sonderausgabe der Stadt Offenbach am Main zum 50. Todestag Rudolf Kochs im Wilhelm Kumm Verlag. – Gesetzt aus der Marathon-Antiqua von Rudolf Koch. Dessen Verdienste um die deutsche Typographie sind kaum ausreichend zu würdigen, die Liste der von ihm geschnittenen Schriften beachtlich lang.

30,5 : 22,2 cm. 106, [2] Seiten. 10 Tafeln.

435  Einbände – Schwarz-weiß lasierter Holzlamellen-Einband von Andrea Odametey.

€ 1000

– Inhalt: Johann Wolfgang von Goethe. Das Märchen. Ascona, Antinous Presse 1999. Mit acht Holzstichen von Karl-Georg Hirsch, davon vier blattgroß und sechs signiert. – Widmungsexemplar.

Unikaler Handeinband der Meisterbinderin Andrea Odametey. Mit einem sehr ähnlich konzipierten Einband gewann sie 2017 bei der »Designer Bookbinders International Bookbinding Competition«, die mit Unterstützung von Mark Getty und der Bodleian Library Oxford ausgerichtet wurde, den ersten Preis, nachdem sie bereits 2013 zu den Ausgezeichneten dieses Wettbewerbs gehörte. – Die einzelnen Lagen des Buches wurden auf schwarze Lackpapierfalze geheftet, die beiden Deckel aus verschränkt geleimten dünnen Pappelholzlamellen wurden auf fünf Bünden angesetzt. – Auf dem Rücken und auf der schwarzen Leinenkassette je zwei schwarz bedruckte Pergamentschilder. – Achter Druck der Antinous Presse. – Eins von 130 Exemplaren (Gesamtauflage 135). – Im Druckvermerk vom Künstler, vom Verfasser des Nachworts, Friedhelm Kemp, und der Buchbinderin signiert. – Mit eigenhändiger Tuschfederzeichnung und Widmung des Künstlers auf dem Vorblatt. – Beiliegend eigenhändiger Brief von Karl-Georg Hirsch an den Sammler, in dem er auf das Buch und den Sondereinband eingeht »Die Buchbinderin hat ein feines, modernes Gespür für’s bibliophile Buch. Es ist ein ansehenswertes rein schwarz-weißes Buchobjekt geworden. […] Ich werde mich an dieses einmalige Exemplar nicht ungern erinnen. […] Alle Holzstiche des Buches signierte ich Ihnen, damit ist’s das 3. Buch, dem solch Aufwand widerfährt.« – Der Künstler übersah leider zwei Holzstiche, machte dieser Manko aber durch die schöne Widmungszeichnung mehr als wett. – Die Kassette innen mit dem Exlibris des Sammlers, ein signierter Acrylstich von Karl-Georg Hirsch.

25,8 : 16,7 cm. 46 Seiten.

Kästner/Lübbert II, A 125