ChristianHesse

Lot 201 – 250 | Hesse-Auktionen
Lot 201 – 250

201  Werkgemeinschaft Worpswede – Prometheus und Ganymed.

€ 1200

Zwei Gedichte von Goethe mit Bildern von Fr. Uphoff. Worpswede 1924. Mit vier ganzseitigen signierten Radierungen und ornamentalem, vergoldetem Buchschmuck. Originalpergamentband. Deckel- und Rückenvignette vergoldet, im Originalpergamentschuber mit vergoldeter Deckelvignette.

Das erste Exemplar der Fassung Nr. 4. Die Auflagenangabe »auf höchstens 100 Exemplare begrenzt« im Druckvermerk bezieht sich wohl auf die Gesamtauflage aller Fassungen (von denen Rodenberg nur zwei, schwarzweiß und koloriert, kennt). – Von den beteiligten Künstlern Ludwig Tügel, Fritz und Carl Emil Uphoff im Druckvermerk signiert. – Fritz Uphoff schuf die Radierungen und den ornamentalen Schmuck der Textseiten, Ludwig Tügel entwarf die Schrift (Tügel-Antiqua), die Brüder Uphoff stachen die Kupferplatten. – Auf Kupferdruck-Bütten. – Auch die Vorsätze mit vergoldeten ornamentalen Kupferstichen. – Text und Schmuckornamente wurden in Kupferplatten gestochen und nach dem Druck vergoldet. – »So kann das gestochene Buch – und das ist hier der Fall – nicht allein der Schriftkunst, sondern überhaupt dem illustriertem Buche neue, bisher unbegangene Wege weisen«, lobt Julius Rodenberg das Bestreben der Worpsweder Werkgemeinschaft, die Divergenz von Text und Illustration im herkömmlichen Druck, also zwei unterschiedlichen Drucktechniken, zu überwinden.

33,5 : 27,2 cm. 20 unnummerierte Blätter.

Rodenberg 138

202  Brandus – El Koran, das heißt Die Lesung.

€ 6000

Die Offenbarungen des Mohammed ibn Abdallah des Propheten Gottes. Zu Schrift gebracht durch Abdelkaaba Abdallah Abu-Bekr übertragen durch Lazarus Goldschmidt im Jahre der Flucht 1334 oder 1916 der Fleischwerdung. Berlin, Brandus 1916. Bordeauxroter Maroquinband. Rückentitel und -fileten, Deckel- und Innenkantenfileten sowie Buchschnitt vergoldet (signiert: H. Fikentscher, Leipzig).

Exemplar B von zehn auf Pergament. Weiterhin erschienen 29 Exemplare auf Japanvelin, 200 auf Van Gelder-Bütten sowie ein Exemplar auf Kalbpergament (Fürstenausgabe für den Übersetzer). – Gesetzt aus Lettern der extra für dieses Buch geschnittenen Delitsch-Antiqua. Die Entwürfe für Schrift, Titel, Zierleisten und die gesamte Ausstattung stammt von Lazarus Goldschmidt. – Gedruckt von Julius Klinkhardt, Leipzig. – Wortgetreue Übertragung aus dem Urtext nach der Flügelschen Ausgabe, Ausstattung im Gepräge der älteren Handschriften. – Gustav Leberecht Flügel (1802–1870) war Theologe und Philosoph in Leipzig. Flügels Hauptwerk war die Erstellung eines bibliographischen und enzyklopädischen Lexikons des Haji Khalfa, mit lateinischer Übersetzung (London und Leipzig, 1835-1858). Besonderen Stellenwert hatte auch seine Ausgabe des Koran, die in Leipzig (1834 und erneut 1893) beim Drucker und Verleger Carl Christoph Traugott Tauchnitz entstand. Mit dieser wurde der europäischen Wissenschaft erstmals ein zuverlässiger Korantext zur Verfügung gestellt. Auf Flügels Ausgabe beruhten in der Folgezeit nahezu alle Übersetzungen in europäische Sprachen. – In der seltenen Pergamentausgabe bildet diese – mit feinem Gespür für verbindende Stilelemente gestaltete – deutsche Koranausgabe eine bibliophile Kostbarkeit.

36,9 : 27,2 cm. 214, [2] Seiten. – Bünde kaum merklich berieben. – Vorsätze mit schwachen Stockflecken.

203  E. W. Tieffenbach – Alfred Richard Meyer. Würzburg im Taumel.

€ 800

Arabesken. Berlin, A. R. Meyer 1911. Brauner Kalblederband mit vergoldetem Rückentitel.

Exemplar auf Pergament: »Von dieser Ausgabe wurden damals auf Wunsch des Autors in meiner Gegenwart und unter meiner Leitung einige Expl. (nach meiner Erinnerung nur 2 !) auf P e r g a m e n t abgezogen. Berlin, den 20. Okt. 1936« (beiliegende maschinengeschriebene Notiz von E. W. Tieffenbach mit eigenhändiger Unterschrift). – Laut Druckvermerk und Bibliographien erschienen 500 Exemplare auf Papier. – Der gestochene Titel mit der Abbildung nach dem Kupferstich von Merian wurde bei den Papierexemplaren auf den Einband gedruckt, hier jedoch auch auf Pergament gedruckt eingebunden. Anders als bei den Papierexemplaren hier ohne die Seite mit den Anzeigen. – Offensichtlich gedruckt auf Tieffenbachs Presse in deren ersten Monaten. – Eduard Wilhelm Tieffenbach (1883–1948), Gründer der »Officina Serpentis«, war ursprünglich Naturwissenschaftler und hat sich als Liebhaber des graphischen Gewerbes in dessen Techniken eingearbeitet. Die Vorstellung vom »idealen« Buch hatte für ihn nicht unmittelbar mit einer »Familienähnlichkeit« der Bücher innerhalb der Presse zu tun, vielmehr verstand er aus seiner Liebe zum Buch heraus die Individualität jedes einzelnen, nicht nur im Inhalt. Ihm kam es auf die »Ornamentik des Wortbildes« an: »Das Wortbild ist entscheidend, nicht der einzelne Buchstabe«. (E. W. Tieffenbach, Über den Satz im schönen Buch).

26,1 : 19,7 cm. [18] Blätter, erstes und letztes leer. – Einband etwas fleckig.

Raabe/Hannich-Bode 207.13

204  Officina Serpentis – Q. Horati Flacci [Horaz]. De arte poetica epistola ad Pisones.

€ 450

Berlin 1919. Mit einem handgemalten, farbigen und vergoldeten Initial und Zierleiste von Ansgar Schoppmeyer. Original-Interimspappband mit Buntpapierbezug und Deckelschild (signiert: Maria Lühr, Berlin).

Eins von 60 Exemplaren auf Bütten, daneben erschienen fünf Exemplare auf Pergament. – Bei dem vorliegenden Exemplar findet sich unter dem lateinischen Druckvermerk die bei Backe nicht erwähnte Zeile »Rubricator: Ansgar Schoppmeyer«, wobei der Name des Künstlers in roter Tinte handgeschrieben wurde. Die Existenz von Büttenexemplaren mit kolorierter und vergoldeter Randleiste und Initiale war den Bibliographen unbekannt. Möglicherweise handelt es hier um das Exemplar Schoppmeyers. – Die Officina Serpentis wurde 1911 von E. W. Tieffenbach gegründet und sah »ihre Aufgabe darin, ›unter ausschließlicher Benützung alter Handtechniken den alten handwerklichen Buchdruck in Deutschland wieder durchzuführen‹, wie es in der Ankündigung heißt« (Julius Rodenberg). Als Schriften wurden die Schöffersche Bibeltype in der Abwandlung von Creußner und Koberger und eine griechische Unziale verwendet. Zu den künstlerischen Mitarbeitern zählten Ansgar Schoppmeyer, Marcus Behmer, Hanns Thaddäus Hoyer und andere.

27,8 : 19,2 cm. [24] Seiten. – Bezugspapier am Rücken brüchig.

Backe/Köppen 28. – Rodenberg 110

  205    Officina Serpentis – Die johanneischen Schriften.

€ 300

Das Evangelium. Die Briefe. Die Offenbarung. Verdeutscht durch D. Martinus Luther. Berlin 1919. Mit roten Initialen und Randleisten, entworfen von Ansgar Schoppmeyer. Halbpergamentband mit vergoldetem Rückensignet (signiert: Maria Lühr, Berlin).

Eins von 56 Exemplaren auf Zanders-Bütten, zehn davon gelangten nicht in den Handel. Es erschienen weitere sechs Exemplare auf Pergament. – Gesetzt aus der eigens für Tieffenbach in der Bauerschen Gießerei geschnittenen Gotico-Antiqua, die sich an der Schöfferschen Bibel-Type von Creußner und Koberger aus dem 15. Jahrhundert orientierte. – Titel, Untertitel und Initialen wurden von Bruno Rollitz in Holz geschnitten. – Handsatz und Handpressendruck von E. W. und E. H. Tieffenbach. – »›Die Johanneischen Schriften‹ (1910 [irrig]), einer der schönsten Drucke der Officina Serpentis, erstrahlen im farbigen Glanz ihrer aquarellierten Zierleiste so täuschend ›echt‹, als habe Schoppmeyer sein Zeichenpult mitten in der Offizin des Meisters Creussner um 1480 aufgestellt.« (Jürgen Eyssen).

35,2 : 26,3 cm. 61, [3] Seiten. – Deckel mit schwachem Lichtrand.

Backe/Köppen 30. – Rodenberg 111. – Eyssen Seite 89

206  Officina Serpentis – Q. Valerius Catullus. Gedichte.

€ 800

Deutsch von Ernst Hohenemser. [Berlin] 1922. Farbige Randleiste des Widmungsgedichts mit goldenem Initial und Signet von Ansgar Schoppmeyer nach Entwürfen von Marcus Behmer. Brauner Schweinslederband mit blindgeprägtem Deckel- und Rückenschmuck und rot-goldenem Rückenschild. Innenkantenfileten und Kopfschnitt vergoldet (signiert: Rud. Schmid, Berlin).

Eins von 30 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit dem kolorierten und vergoldeten Widmungsblatt auf Zanders-Bütten. Es erschienen weitere 120 Exemplare auf Hahnemühle-Bütten. – Druck in Rot und Schwarz. – Ansgar Schoppmeyer war Professor an der Technischen Hochschule in Charlottenburg. In mehr als zwanzigjähriger Arbeit trug er eine umfangreiche Miniaturen-Sammlung zusammen, die später in den Besitz des Deutschen Museums für Buch und Schrift in Leipzig überging. – Ganz ihm Sinne Tieffenbachs, der anstrebte, »vollkommene Bücher auch durch Übernahme bewährter Gestaltungsformen« (Jürgen Eyssen) zu gestalten, entwarf Marcus Behmer den üppigen Randschmuck des Widmungsblatts nach alten Vorlagen.

29,3 : 20,5 cm. [10], 84, [6] Seiten.

Backe/Köppen 38. – Rodenberg 111. – Eyssen Seite 92

  207    Officina Serpentis – Curt Wesse. Der grenzenlose Spiegel.

€ 300

Berlin, Ernst Rowohlt [1922]. Flaschengrüner Saffianlederband mit Rücken-, Deckel-, Stehkanten- und Innenkantenvergoldung (signiert: Spamersche Buchbinderei, Leipzig). Im Schuber mit Lederkanten.

Eins von 250 Exemplaren. – Handpressendruck der Officina Serpentis. – Gesetzt aus der Alten Schwabacher, gedruckt auf Hahnemühle-Bütten. – Beim Verfasser Curt Wesse handelt es sich wohl um den ab Ende der 1920er Jahre vor allem als Drehbuchautor und Regisseur wirkenden Schriftsteller.

28,5 : 20,6 cm. 47, [1] Seiten. – Rücken und Lederkanten des Schubers verblasst, Vorderdeckel mit kleinen, unbedeutenden Druckstellen.

Backe/Köppen 65. – Rodenberg 119

208  Officina Serpentis – Arno Holz. Phantasus.

€ 1000

Berlin, Ernst Rowohlt 1922–23. Mit einer signierten Lithographie von Max Liebermann und sieben handvergoldeten Initialen von Hanns Thaddäus Hoyer. Bordeauxroter Maroquinband. Rückentitel, Rücken- und Innenkantenfileten vergoldet (signiert: Heyne-Ballmüller).

Eins von 30 Exemplaren der Vorzugsausgabe, in der die Porträtlithographie signiert und die Initialen handvergoldet wurden. Darüber hinaus wurden 220 Exemplare gedruckt, von denen 170 in den Handel gelangten. – Handpressendruck von E. W. Tieffenbach, R. Janzen und Hans Mardersteig, der damals Herstellungsleiter beim Kurt Wolff Verlag war, aber sicher schon seine Pläne einer eigenen Offizin hegte. – Der Plan, eine Gesamtausgabe von Arno Holz’ Monumentalwerk als Handpressendruck zu edieren, musste aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben werden. So erschien, ein Jahr nach Beginn der Planung, nur der Einführungstext.

28,4 : 20,0 cm. [14], 46, [6] Seiten. – Rücken schwach verfärbt.

Backe/Köppen 67. – Rodenberg 117, 8. – Schiefler 350 (der die Buchausgabe nicht erwähnt)

209  Officina Serpentis – Johann Wolfgang von Goethe. Helena.

€ 1000

Klassisch-romantische Phantasmagorie. Zwischenspiel zu Faust. Berlin, Ernst Rowohlt 1922. Mit handgemaltem zweifarbigen Initial, entworfen von Hanns Thaddäus Hoyer. Reich vergoldeter roter Maroquinband mit Kopfgoldschnitt, blauer Lederspiegel mit Vergoldung und blauen Seidenvorsätzen (signiert: Holzhey u. Sohn, Leipzig). Im Schuber mit Lederkanten.

Der erste von fünf Goethe-Drucken der Officina Serpentis, alle erschienen 1922. – Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf starkem Papier und mit dem in Rot und Blau handgemalten Initial (Gesamtauflage 200). – Auch die beiden Zwischentitel entwarf Hoyer, geschnitten wurden sie von Bruno Rollitz. – Handpressendruck in Rot und Schwarz. – »In diesem Titel ist zum ersten Mal das von Hanns Thaddäus Hoyer entworfene Schlangensignet der Officina Serpentis zur Anwendung gekommen« (Julius Rodenberg).

28,7 : 20,8 cm. 76, [4] Seiten. – Rücken kaum merklich verfärbt.

Backe/Köppen 68. – Rodenberg 114

210  Officina Serpentis – Johann Wolfgang von Goethe. Achilleis.

€ 1200

Berlin, Ernst Rowohlt 1922. Mit einem Initial von Hanns Thaddäus Hoyer. Grüner Maroquinband mit reicher Vergoldung (signiert: Johannes Gerbers, Hamburg).

Der zweite von fünf Goethe-Drucken. – Eins von 150 Exemplaren (Gesamtauflage 200) – Gesetzt von M. Hoffmann aus der Gotico-Antiqua. – Handpressendruck von E. W. und E. H. Tieffenbach. Hoyer entwarf auch den Titel, dieser wurde, wie das Initial, von Bruno Rollitz in Holz geschnitten.

28,0 : 20,0 cm. [44] Seiten. – Ecken, Stehkanten und Bünde kaum merklich berieben. – Vorsatzblätter schwach leimschattig.

Backe/Köppen 69. – Rodenberg 114

211  Officina Serpentis – Johann Wolfgang von Goethe. Prometheus.

€ 1500

Berlin, Ernst Rowohlt 1922. Drei handgemalte zweifarbige Initialen, entworfen von Hanns Thaddäus Hoyer. Dunkelroter Maroquinband. Rücken-, Deckel- und Innenkantenfileten, Deckelverzierung, Rückentitel und Kopfschnitt vergoldet (signiert: Walter Hacker, Leipzig). Im Leinenschuber.

Der dritte Goethe-Druck. – Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf starkem Handbütten und mit den in Blau und Grün handgemalten Initialen (Gesamtauflage 200) – Handpressendruck, gedruckt in Rot und Schwarz. – Hoyer entwarf auch den Titel und die drei Zwischentitel; diese wurden wie das Pressensignet von Bruno Rollitz in Holz geschnitten.

28,0 : 20,0 cm. 29, [3] Seiten. – Rücken minimal verblasst. Ecken und Kanten schwach berieben.

Backe/Köppen 70. – Rodenberg 114

212  Officina Serpentis – Platon. Tres Epistolae.

€ 4000

Berlin 1926. Mit sechs vergoldeten und teils in Rot ornamentierten Initialen von Hanns Thaddäus Hoyer. Ziegelroter Maroquinband mit blindgeprägten Deckel- und Innenkantenfileten sowie vergoldetem Rücken- und Deckeltitel und Kopfschnitt (signiert: Hans Glökler, Berlin). In Halbleinenschuber mit Pergamentkanten.

Eins von sieben Exemplaren auf Pergament mit vergoldeten Initialen. Es erschienen weitere 333 Exemplare auf Zerkall-Bütten, bei denen die Initialen nur in Rot gedruckt wurden. – Gesetzt aus der Griechischen Tischendorf-Type von Schelter & Giesecke, die hier erstmals für einen fortlaufenden Text verwendet wurde, und der Elzevir-Cursiv von Gentzsch & Heyse, Hamburg. – Handpressendruck. – Hanns Thaddäus Hoyer, Lehrer an der Unterrichtsanstalt des Berliner Kunstgewerbe-Museums entwarf auch den Titel. – Der Druck wurde von A. Axter, Fr. Hohmeyer, H. Th. Hoyer, W. Janke, E. Kyriß, P. Rauert, A. Renker, F. Rothe, H. Steinwachs und E. W. Tieffenbach den Mitgliedern der Maximilian-Gesellschaft gestiftet. – Die Auswahl der drei Briefe Platons erfolgte auf Grundlage der wissenschaftlichen Forschung um die Echtheit der Autorenschaft, die Übertragung stammt von Helene Simon-Eckardt auf Grundlage der Übersetzung von O. Apelt. – »Alle Kritiker vollends zum Verstummen bringen sollte die Ausgabe der ›Tres Epistolae Platonis‹ (1926). Angesichts der Harmonie dieser Seiten im sorgfältig ausgependelten Gleichgewicht der Satzblöcke […] und den beiden beschwingten, ›geschrieben‹ wirkenden Initialen, ist es wohl erlaubt, von einer typographischen Höchstleistung zu sprechen« (Jürgen Eyssen).

38,6 : 28 cm. 43, [5] Seiten. – Rücken minimal verblasst. Unteres Kapital berieben.

Backe/Köppen 114. – Rodenberg II, 517 (ihm blieb die Pergamentauflage unbekannt). – Deutsche Bibliophilie 1898–1930, Seite 130. – Eyssen Seite 90ff. mit doppelblattgroßer Abbildung

  213    Pan-Presse – Emil Pottner. Sommertage im Gefügelhof.

€ 300

Zwanzig Steinzeichnungen und Text. Berlin, Paul Cassirer 1912. Mit 21 Lithographien im ebenfalls lithographiertem Text. Originalseidenband mit lithographierter Deckelillustration.

Achter Druck der Pan-Presse. – Eins von 60 Exemplaren der Vorzugsausgabe, vom Künstler signiert und nummeriert, auf Strathmore-Japan (Gesamtauflage 310). – Der Text wurde nach der Handschrift des Künstlers lithographiert. – Emil Pottner, Graphiker und Keramiker (1872–1942), wurde 1902 von Paul Cassirer für dessen Galerie unter Vertrag genommen. Ab 1904 war er Mitglied der Berliner Secession, zwischen 1911 und 1916 eng befreundet mit Lovis Corinth. Im Juli 1942 wurde Pottner nach Theresienstadt deportiert und später in der Nähe von Minsk ermordet.

32,4 : 24,9 cm. [48] Seiten. – Einbandränder leicht angestaubt. – Vorsatzpapier und Ränder etwas stockfleckig.

Rodenberg 453, 8. – Feilchenfeldt/Brandis 157.A

214  Prospero-Drucke – Gustave Flaubert. Herodias.

€ 500

Mit sechs Originallithographien von Max Slevogt. Berlin, Erich Reiss 1919. Mit sechs signierten Lithographien. Originalpergamentband mit goldgeprägtem Deckeltitel und Marmorpapiervorsätzen (Otto Dorfner, Weimar).

Siebter Prospero-Druck. – Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe in Pergament. Zusätzlich wurden 150 Exemplare in Halbpergament gebunden. – Druck der Lithographien von M. W. Lassally, Berlin, den Text druckte Otto von Holten. – Auf handgeschöpftem Zanders-Bütten. – Der Einbandentwurf stammt von Lucien Bernhard.

38,0 : 34,0 cm. [36] Seiten. 6 Lithographien. – Deckelränder minimal angestaubt. – Bei zwei Lagen Bindung im Falz gelockert.

Söhn 188–193. – Rümann 21 a. – Lang I 201

215  Prospero-Drucke – Charles de Coster. Herr Halewijn.

€ 500

Eine vlämische Märe. Mit sechzehn Original-Lithographien von Wilhelm Kohlhoff. Berlin, Erich Reiss 1920. Mit 16 signierten Lithographien. Hellbrauner Ecrasélederband mit blindgeprägtem Titel.

Zwölfter Prospero-Druck. – Eins von 60 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit den signierten Lithographien (Gesamtauflage 250) – Der Text wurde bei Otto von Holten gedruckt, die Lithographien bei Alexander Rogall, beide Berlin. – »In fast allen Bildern Kohlhoffs stellt sich dies phantastische Moment ein, das sich indes nirgends ins Spielerische verliert, vielmehr sucht sich der Künstler in ihm mit tiefsinnigem Ernste über die Vielgestaltigkeit ekstatischer Ausdrucksmöglichkeiten auszusprechen«, schrieb Joachim Kirchner 1919 über den jungen Künstler (1893–1971).

30,0 : 23,5 cm. [60] Seiten. 16 Lithographien. – Rücken leicht verfärbt, Deckel mit weißen Farbschlieren.

Rodenberg 463, 12. – Jentsch 95. – Lang E 189

  216    Plenzat-Presse – Zwei Drucke mit Radierungen von Erik Richter.

€ 300

Berlin, Friedrich Plenzat 1923 und 1924. Ein Originalmaroquinband mit Vergoldung, ein Originalschweinslederband mit Rückenschild und Blindprägung. Beide mit Kopfschnittvergoldung.

I. Guy de Maupassant. Toine. Mit vierzehn Kupfern. 1923. Erster Druck der Friedrich-Plenzat-Presse. Eins von 150 Exemplaren. Vom Künstler im Druckvermerk signiert. Gedruckt auf Zanders-Bütten. – II. Jean Paul. Des Rectors Florian Fälbels und seiner Primaner Reise nach dem Fichtelberg. 1924. Mit vierzehn Kupfern. Siebter Druck der Friedrich-Plenzat-Presse. Eins von 500 Exemplaren. Im Druckvermerk von Künstler und Verleger signiert. – Friedrich Plenzat gründete seine Presse Weihnachten 1922.

21,0 : 14,3 cm. [2], 33, [7] Seiten; 21,6 : 13,0 cm. [4], 41, [7] Seiten.

Rodenberg 154, 1. – Sennewald 23

217  Eigenbrödler-Verlag – Miguel de Cervantes Saavedra. Leben und Taten des scharfsinnigen Ritters Don Quixote.

€ 500

Einleitung von Heinrich Heine. Mit 32 Kupfern von Daniel Chodowiecki. Erster [bis] Vierter Band. Berlin [1921]. Mit insgesamt 32 Heliogravüren. Blaue Originalkalblederbände mit reicher Rücken- und Deckelvergoldung und Kopfgoldschnitt (signiert: E. A. Enders, Leipzig).

Eins von 1100 Exemplaren, wobei wir vermuten, dass es in dieser Ausstattung (auf Bütten und in Ganzleder gebunden) 100 Exemplare als Vorzugsausgabe gab. Der Druckvermerk erwähnt nur zehn römisch nummerierte Luxusexemplare. – Unbeschnitten. – Der Text wurde von Curt Moreck nach der Tieckschen Übertragung bearbeitet. – Die Ausgabe muss wohl ein Verkaufserfolg gewesen sein: Nur drei Jahre später verlegte der Eigenbrödler-Verlag erneut eine bibliophile vierbändige Cervantes-Ausgabe, diesmal mit 48 Chodowiecki-Kupfern und der Textüberarbeitung von Friedrich Walther. – Tadellos erhalten.

19,8 : 15,0 cm.

218  Eigenbrödler – Waldemar Bonsels. Kyrie eleison.

€ 250

Mit sechs Radierungen von Käte Wilczynski. Berlin, Eigenbrödler 1922. Fliederfarbener Originalkalblederband mit reicher Vergoldung.

Eins von 510 Exemplaren, von denen die ersten 110 (und wohl einige mehr) besonders kostbar gebunden und die Radierungen signiert wurden. – Im Druckvermerk von der Künstlerin und dem Verfasser signiert. – Auf Bütten gedruckt bei Otto von Holten, Berlin. – Herausgegeben vom Künstlerdank (Clauss-Rochsstiftung). Der Schriftsteller Karl Wilczynski (1884–1954) war Geschäftsführer der Stiftung, Katerina (Käte) Wilczynksi (1894–1974) wohl seine Ehefrau. – Der in Ahrensburg bei Hamburg geborene Waldemar Bonsels war 1903/04 als Missionskaufmann in Indien. 1904 kehrte er nach Deutschland zurück und gründete in München einen eigenen Verlag, in dem unter anderem auch Heinrich Mann publizierte. 1912 veröffentlichte er seine bis heute bekannteste Erzählung »Die Biene Maja«. »Kyrie eleison«, Bonsels 1908 erstmals veröffentlichte Schilderung eines Sexualmordes, wurde 1910 vom Landgericht München verboten. – Über den Eigenbrödlerverlag, der 1919 in Berlin gegründet wurde und nach eigenem Bekunden »hauptsächlich Werke mit Radierungen in nummerierter oder unnummerierter Auflage« edieren wollte, finden sich in den einschlägigen Bibliographien keine Informationen. Nach dem Historischen Archiv des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels leiteten u. a. Robert Johndorff, Artur Lokesch, Willy Stuhlfeld sowie Ernst Nicolasund Paul Eipper zeitweise den Verlag. 1930 erfolgte die Umfirmierung in »Deutsch-Schweizerische Verlagsanstalt AG«. 1932 erlosch der Verlag durch Konkurs.

22,8 : 15,3 cm. [6], 54 Seiten. 6 Radierungen. – Rücken stark verblasst. Kanten etwas beriebn.

Hayn/Gotendorf IX, 76

219  Eigenbrödler – Börries von Münchhausen. Bayard.

€ 450

Ein Balladenkranz. Mit sieben Radierungen von Alois Kolb. Berlin [1922]. Mit sieben signierten blattgroßen Radierungen. Cremefarbener Schweinslederband mit Rückenschildchen. Rücken und Deckel mit ornamentaler, Steh- und Innenkanten mit Filetenvergoldung. Kopfschnitt vergoldet.

Erste Ausgabe. – Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit den signierten Radierungen (Gesamtauflage 525). – Im Druckvermerk von Künstler und Verfasser signiert. – Herausgegeben vom Künstlerdank (Clauss-Rochsstiftung). Diese »Vereinigung zur Förderung und Unterstützung kriegsgeschädigter und durch den Krieg in Not geratener Maler, Bildhauer, Musiker und Bühnenkünstler ohne Unterschied der Religion, Konfession, Nationalität und politischen Gesinnung« wurde kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges in Posen durch die Militärärzte Rochs und Clauß gegründet. – Der 1875 in Wien geborene Alois Kolb, gestorben 1942 in Leipzig, zählt zu den produktivsten Buchillustratoren der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Bereits 1905 wurde er, der sich das Radieren autodidaktisch beigebracht hatte, Dozent in Magdeburg, 1907 übernahm er die Leitung der Radierklasse an der Leipziger Akademie für graphische Künste. – Sehr schönes Exemplar. – Der Einband unsigniert, hinteres Vorsatzblatt mit kleinem Monogrammstempel »R«.

24,5 : 17,9 cm. [60] Seiten. – Hinterer Deckel schwach fleckig.

Sennewald 22,6

220  Eigenbrödler – Clemens Brentano. Die Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl.

€ 750

Mit 12 Radierungen von Hans Meid. Berlin [1925]. Mit zwölf signierten Radierungen. Dunkelroter Kalblederband mit Vergoldung.

Eins von 100 Exemplaren, mit den signierten Radierungen (Gesamtauflage 525). – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Gedruckt bei Otto von Holten, Berlin. – Einbandentwurf von Ernst Nicolas.

26,9 : 19,5 cm. [6], 62, [6] Seiten. 12 Radierungen. – Rücken und Deckelränder verblasst.

Badorrek-Hoguth 1.7. – Jentsch 485–496

221  Eigenbrödler – Hans Kyser. Tango Argentino.

€ 450

Mit 10 Radierungen von Ernst Oppler. Berlin [um 1924]. Mit zehn signierten Radierungen. Grüner Maroquinband mit reicher Vergoldung.

Eins von 25 Exemplaren der römisch nummerierten Vorzugsausgabe mit den signierten Radierungen, gedruckt von den unverstählten Platten. Insgesamt wurden 525 Exemplare gedruckt. – Von Verfasser und Künstler im Druckvermerk signiert. – Gesetzt aus der Koch-Kursiv, gedruckt bei Otto von Holten. – Einbandentwurf von Ernst Nicolas.

26,5 : 19,5 cm. [4], 32, [6] Seiten. – Rücken leicht verblasst.

Lang I 146

222  Hoennicke-Drucke – Zueignung.

€ 400

Charlottenburg 1916. Originalpergamentband mit vergoldetem Deckeltitel (signiert: Paul Kersten – Berlin).

Privatdruck für Freunde der Daphnis-Drucke. – Eins von 100 römisch nummerierten Exemplaren, ein Teil wie hier in von Paul Kersten in Pergament, ein Teil bei E. A. Enders in Buntpapier (Leier zwischen Sphinxen) gebunden. – Gedruckt auf Kaiserlich-Japan auf der Handpresse von Joh. Enschedé en Zonen, Haarlem, in Lila, Gold und Schwarz. – Eine der frühesten Publikationen des Charlottenburger Pressengründers Alfred Hoennicke. – Tadellos erhalten.

20,4 : 15,4 cm. [20] Seiten.

Backe 2. – Rodenberg 323

223  Hoennicke-Drucke – [Johann Wolfgang von] Goethe. Weissagungen des Bakis.

€ 200

Berlin 1916. Originalpergamentband mit Deckelvignette und Kopfschnittvergoldung (signiert: Hübel & Denck, Leipzig).

Eins von 80 Exemplaren. – Auf Kaiserlich Japan. – Gedruckt in Rot und Schwarz auf der Handpresse von Joh. Enschedé en Zonen, Haarlem. – Alfred Hoennicke ließ das Büchlein als Geschenk für Freunde drucken. – Die Deckelvignette mit einer Sphinx, monogrammiert wohl »FH«, möglicherweise also von Franz Hein, der sowohl Bezugspapiere als auch Illustrationen für andere Hoennicke-Drucke schuf.

22,5 : 15,5 cm. [32] Seiten. – Schließbänder erneuert.

Backe 6. – Rodenberg 324

224  Hoennicke-Drucke – Hanns Rudolf Klimas. Das Mädchen in dem Porzellanturm.

€ 400

Eine chinesische Arabeske nach H. de Régnier. [Berlin 1922]. Mit acht signierten blattgroßen Radierungen von Martin E. Philipp. Leuchtend roter Saffianlederband mit vergoldetem Rückentitel und blindgeprägten Innenkantenfileten.

Eins von 20 Exemplaren einer nicht bezeichneten Vorzugsausgabe auf Japan, Backe und Götze nennen undifferenziert 60 Exemplare. In unserer Auktion 4 (2011, KatNr. 219) verkauften wir eins von 30 Büttenexemplaren. – Der kurze Text wird illustriert durch sechs große Radierungen von Martin E. Philipp, ein von ihm radiertes Titelblatt und eine radierte Schlussvignette mit der Bezeichnung »MEPH Opus: 1«. – Alle Radierungen in Braun gedruckt, teils in der Platte monogrammiert und datiert, alle signiert, Titel- und Schlussradierung auch nummeriert.

24,5 : 17,0 cm. [32] Seiten. – Ecken mit winziger Bereibung. – Vorsatzränder leicht leimschattig, vorderes Innengelenk angeplatzt.

Backe 61. – Götze C 6. – Rodenberg 327 (abweichend). – Hayn/Gotendorf IX, 486 (falsche Datierung)

225  Tillgner-Drucke – Amerika.

€ 250

Zwanzig Radierungen von Hermann Struck. Mit Worten von Arthur Holitscher. Berlin, Hans Heinrich Tillgner 1922. Mit 20 Radierungen im Text, davon sieben blattgroß. Originalhalbpergamentband.

Erster Tillgner-Druck. – Eins von 300 Exemplaren. – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Blockbuch. – Bereits 1912 war Holitscher im Auftrag seines Verlegers Samuel Fischer nach Amerika gereist, in Folge erschien sein wohl berühmtestes Werk »Amerika heute und morgen«. In der vorliegenden Ausgabe sind seine Texte mehr als Ergänzung zu Hermann Strucks Radierungen gedacht. – Hans Heinrich Tillgner (1898–1976) gründete nach seinem Literatur- und Kunstgeschichtsstudium Anfang der 1920er Jahre seinen kleinen bibliophilen Verlag. 1926 wandte er sich dem Film zu und wirkte als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent. – Zeitgleich erschien als »1. Tillgner-Mappe« Hermann Strucks »Amerikanische Reisebilder«, eine Folge von 44 Lithographien (siehe KatNr. 709).

34,3 : 28,7 cm. [32] Seiten. – Deckel leicht angestaubt. – Einige Blätter mit wenigen schwachen Stockflecken.

  226    Tillgner-Drucke – Giacomo Casanova. Die Flucht aus den Bleikammern Venedigs.

€ 200

Mit sechs Radierungen von Magnus Zeller. Berlin, Hans Heinrich Tillgner 1922. Mit sechs Radierungen. Originalhalblederband mit Rückenvergoldung und Buntpapierbezug.

Dritter Tillgner-Druck. – Eins von 450 Exemplaren (Gesamtauflage 500) – Im Druckvermerk vom Künstler signiert. – Druck der Radierungen von der Künstlerpresse Worpswede.

26,6 : 18,9 cm. 100, [4] Seiten. 6 Radierungen. – Rücken etwas verfärbt. Ecken und Kapitale schwach berieben.

Sennewald 22, 2. – Lang E 376. – Hayn/Gotendorf IX, 103

227  Tillgner-Drucke – Arthur Holitscher. Gesang an Palästina.

€ 500

Mit zwölf Radierungen von Hermann Struck. Berlin, Hans Heinrich Tillgner 1922. Mit zwölf signierten Radierungen. Bordeauxroter Originallederband mit vergoldetem Titel und Deckelvignette.

Siebter Tillgner-Druck. – Erste Ausgabe. – Eins von 100 Exemplaren der zweiten Vorzugsausgabe auf handgeschöpftem Bütten und in Ganzleder (Gesamtauflage 320).

35,2 : 27,2 cm. [2], 28, [6] Seiten. 12 Radierungen.

228  Das Prisma – Oscar Wilde. Der Geburtstag der Infantin

€ 400

und andere Märchen. Mit Steinzeichnungen von Ludwig Kainer. Berlin, Hans Heinrich Tillgner 1922. Mit 33 Lithographien im Text, davon zehn blattgroß und signiert, sowie einem lithographierten Titelbild. Rotbrauner Originalziegenlederband mit Vergoldung (signiert: Walter Hacker, Leipzig). Im Originalschuber.

Das Prisma I/II. – Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten. – Ludwig Kainer, künstlerischer Autodidakt, arbeitete als Illustrator für den »Simplizissimus« und verschiedene Modezeitschriften und Journale. Er schuf Kinoplakate und Theaterdekorationen. – Hans Heinrich Tillgner (1898–1976) gründete nach seinem Literatur- und Kunstgeschichtsstudium Anfang der 1920er Jahre seinen kleinen bibliophilen Verlag. 1922/23 edierte er die Reihe »Das Prisma«. Alle fünfzehn Ausgaben enthielten signierte blattgroße Originallithographien und Textillustrationen, bis Band 7 auch illustrierte Titelblätter. Die Vorzugsausgaben wurden in einheitlichem Stil gebunden. Laut Sennewald betrug die Gesamtauflage jeweils 300 Exemplare.

27,1 : 18,2 cm. [6], 139, [7] Seiten.

Sennewald 22,2 und I, 1/2

229  Das Prisma – Charles Dickens. Londoner Bilder.

€ 400

Mit Steinzeichnungen von Rahel Szalit-Marcus. Berlin, Tillgner 1923. Mit 15 Lithographien im Text, davon sechs blattgroß und signiert, und einem lithographierten Titelbild. Bordeauxroter Ziegenlederband. Rückentitel, Deckelvignette und Deckel- und Innenkantenfbordüren vergoldet (signiert: Wübbe & Co., Berlin). Im Schuber.

Das Prisma V. – Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten (Gesamtauflage laut Sennewald ca. 300). – Der Band vereint die Erzählungen »Eine Dampferfahrt«, »Familie Tuggs in Ramsgate« und »Das Boardinghaus«, übersetzt von Ernst Sander. – Die jüdische Künstlerin Rahel Szalit-Marcus wurde 1894 in Litauen geboren. Nach Studien in München zog sie 1919 nach Berlin, stellte in der Berliner Sezession aus und wurde Mitglied der Novembergruppe. Nach Machtergreifung der Nationalsozialisten floh sie nach Frankreich, wurde jedoch 1942 verhaftet und starb kurz darauf in einem Konzentrationslager.

27,5 : 18,3 cm. [6], 109, [5] Seiten. – Rücken leicht verblasst.

Sennewald 23, 1 und I, 5

230  Das Prisma – Franz Graf von Pocci. Kasperlkomödien.

€ 400

Mit Steinzeichnungen von Alphons Woelfle. Berlin, Tillgner 1922. Mit 15 Lithographien im Text, davon sechs blattgroß und fünf signiert, und einem lithographierten Titelbild. Türkisfarbener Originalziegenlederband mit reicher Vergoldung (signiert: Walter Hacker, Leipzig). Im Originalschuber.

Das Prisma VII. – Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten (Gesamtauflage laut Sennewald ca. 300). – Wohl versehentlich blieb eine blattgroße Lithographie unsigniert. – Der Münchner Künstler Alphons Woelfle (1884–1951) illustrierte seit 1909 zahlreiche Bücher.

27,2 : 17,9 cm. [6], 139, [7] Seiten. – Rücken minimal verfärbt.

Seewald 22,4 und I, 7

231  Das Prisma – Arthur Holitscher. Ekstatische Geschichten.

€ 400

Mit Steinzeichnungen von Magnus Zeller. Berlin, Tillgner 1923. Mit sieben Lithographien im Text, davon sechs blattgroß und signiert. Schwarzer Saffianlederband mit Rücken-, Deckel- und Innenkantenvergoldung.

Das Prisma XI. – Erste Ausgabe. – Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Bütten (Gesamtauflage laut Sennewald ca. 300). – Im Druckvermerk vom Verfasser signiert. – Druck der Radierungen bei Ruckenbrod, Berlin. – Arthur Holitscher (1869–1941) lebte gegen Ende des 19. Jahrhunderts als freier Schriftsteller in Paris, später in München und Berlin. Sein Hauptwerk »Amerika heute und morgen« soll Franz Kafka bei seinem Roman »Amerika« beeinflusst haben. Verfolgt von den Nationalsozialisten emigrierte Holitscher erst nach Frankreich und später in die Schweiz.

27,1 : 15,2 cm. [2], 58, [6] Seiten. – Rücken etwas verfärbt. Hinterdeckel mit schwachem Fleck. – Titel- und Vortitelblatt stockfleckig, ansonsten vereinzelt schwache Stockflecken.

Sennewald 23, 2 und I, 11. – Lang E 377

232  Euphorion – Honoré de Balzac. El Verdugo.

€ 300

Aus dem Französischen neu übertragen von Karl Federn. Berlin 1921. Mit sechs signierten blattgroßen Radierungen von Klaus Richter. Schwarzer Originalkalblederband mit blau-roter ornamentierter Intarsie auf dem Vorderdeckel. Rückentitel, Innenkantenfileten und Kopfschnitt vergoldet (signiert: Hübel & Denck, Leipzig Euphorion Einband).

Eins von 150 Exemplaren auf handgeschöpftem Zanders-Bütten und mit signierten Radierungen (Gesamtauflage 400). – Den typographisch gestochenen Titel entwarf der junge Jan Tschichold (1902–1974), der seit 1919 an der Leipziger Akademie studierte und recht bald Meisterschüler von Tiemann wurde. – »›El Verdugo‹ (Der Henker) ist die Geschichte des spanischen Adligen, der von den napoleonischen Besetzungstruppen gezwungen wird, an seiner eigenen Familie das Henkersamt zu verrichten. Der Düsterkeit dieses Vorwurfs versuchten wir dadurch zu entsprechen, daß wir den Vorderdeckel des schwarzen Lederbandes mit einer dreiteiligen streng ornamentierten blauen Lederauflage verzierten, mit einem kleinen blutroten Mittelstück.« (Alfred Horodisch).

18,6 : 13,6 cm. [6], 58, [8] Seiten. – Rücken verblasst, an den Gelenken minimal berieben.

Horodisch, Euphorion 12

  233    Euphorion – Thomas J. Cobden-Sanderson. Das Idealbuch oder Das schöne Buch.

€ 250

Eine Abhandlung über Kalligraphie, Druck und Illustration und über das schöne Buch als ein Ganzes. – Hermann Struck. Die Radierung im schönen Buche. Berlin, Euphorion 1921. Hellbraune Kalblederbände mit blindgeprägter Deckelvignette und goldgeprägtem Rückenschildchen sowie eingebundenem Originalvorderumschlag. Beide zusammen in Kassette.

Je eins von 800 Exemplaren. – I. Gesetzt aus der Ehmke-Rustika, gedruckt bei Knorr & Hirth. Cobden-Sandersons »The Ideal Book« erschien als erstes Buch der Doves Press. Die Übertragung stammt von Richard Stettiner. – II. Gesetzt aus der Behrens-Mediaeval, gedruckt bei Otto von Holten. – Als Deckelvignetten der unsignierten Handeinbände dienen die stilisierten Monogramme der beiden Autoren.

24,5 : 16,7 cm. 13, [3] Seiten und 23, [1] Seiten. – Rücken kaum merklich verblasst.

Horodisch, Euphorion 6 und 8

  234    Euphorion – Venedig.

€ 300

Verse von Robert Hamerling. Dreiundzwanzig Radierungen von Hermann Struck. Berlin, Euphorion 1920. Mit 23 Radierungen im Text, sechs davon blattgroß, die Titelvignette signiert. Brauner Originalmaroquinband mit Deckeltitel und -vignette in Schwarzprägung, grünen Lederintarsien und Vergoldung. Rückentitel, Innenkantenbordüren und Kopfschnitt vergoldet (signiert: Euphorion Einband Hübel & Denck, Leipzig).

Eins von 200 Exemplaren mit der signierten Titelradierung (Gesamtauflage 300). Bei den Exemplaren 1–100 wurde jede Radierung signiert. – Auf handgeschöpftem Bütten, als Blockbuch gedruckt und gebunden. – Hermann Struck hatte 1908 das grundlegende Werk »Die Kunst des Radierens« herausgegeben und Künstler seiner Zeit an diese Technik herangeführt. 1923 erschien die fünfte und zugleich letzte Auflage und Hermann Struck emigrierte nach Palästina.

36,6 : 26,7 cm. 26, [4| Seiten. – Deckel mit einigen Kratzspuren. Untere Kanten an je einer Stelle gestaucht.

Horodisch, Euphorion 3

235  Euphorion – Hermann Hesse. Italien.

€ 500

Verse. 20 Radierungen von Hermann Struck. Berlin, Euphorion 1923. Mit 20 signierten Radierungen im Text, davon drei ganzseitig. Originalpergamentband mit handgemalten Titeln (signiert: Euphorion Einband Buchb. Meink, Berlin).

Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe mit den signierten Radierungen (Gesamtauflage 322). – Auf Bütten. – Als Blockbuch gedruckt und gebunden.

37,0 : 27,5 cm. [26] Seiten.

Horodisch, Euphorion 27. – Lang I 240. – Mileck III, 16

236  Euphorion – Dante Alighieri. Das neue Leben.

€ 450

Übersetzt von Karl Federn. Berlin 1921. Mit Titel- und Textbordüre sowie einer Initiale von Marcus Behmer. Brauner Originalschweinslederband. Rückenschildchen und Kopfschnitt vergoldet, reiche Verzierung mit Blindprägung (signiert: Euphorion Einband Hübel & Denck, Leipzig).

Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Van Gelder-Ingres-Bütten (Gesamtauflage 1100). – Titelholzschnitt, Holzschnittbordüre und -initiale wurden von Marcus Behmer nach alten Entwürfen gezeichnet und wohl von Bruno Rollitz in Holz geschnitten. Auch die Einbandzeichnung entwarf Marcus Behmer. – Gedruckt bei Otto von Holten, Berlin. – Die Übersetzung entstand bereits 1897, wurde aber im Dantejahr 1921 (600. Todestag) vom Übersetzer überarbeitet. – Die einzige Bucharbeit Behmers für den Euphorion-Verlag.

25,9 : 17,2 cm. [2], 168, [2] Seiten. – Rücken etwas verfärbt.

Horodisch, Euphorion 10. – Haucke 41. – Erlemann 10.6. – Eyssen 132 (und Abbildung des Doppeltitels auf Seite 134/35)

237  Euphorion – Jens Peter Jacobsen. Die Pest von Bergamo.

€ 450

Mit Radierungen von Klaus Richter. Berlin 1923. Mit fünf signierten blattgroßen Radierungen im Text. Graubrauner Originalmaroquinband. Deckelornament und Rückenschildchen intarsiert und vergoldet, Rücken-, Deckel- und Innenkantenfileten blindgeprägt, Kopfschnitt vergoldet (signiert: Euphorion Einband Heyne-Ballmüller).

Eins von 20 römisch nummerierten Exemplaren vor der Auflage mit einer Extrasuite der signierten und nummerierten Radierungen auf Japan. Wie bei den ersten 100 (der insgesamt 400) Exemplare sind auch die Radierungen im Buch signiert. – Auf handgeschöpftem Zanders-Bütten. – Die Radierungen der Suite in Passepartouts und in einer Halbleinenmappe.

19,4 : 14,7 cm. [10], 43, [11] Seiten. – Rücken etwas verfärbt.

Horodisch, Euphorion 24. – Sennewald 159, 23.1

238  Cranach-Presse – Die Odyssee.

€ 25000

Neu ins Deutsche übertragen von Rudolf Alexander Schröder. Erster bis Zwölfter Gesang. Des Gesamtwerkes erste Abteilung. – Dreizehnter bis Vierundzwanzigster Gesang. Leipzig, Insel 1907–1910. Mit Titeln und Initialen von Eric Gill und fünf Holzschnitten von Aristide Maillol. Dunkelblaue Originalseehundlederbände mit reicher Vergoldung und roten Lederintarsien (signiert: WHS).

Eins von 25 Exemplaren der Vorzugsausgabe, von Kessler eigenhändig nummeriert und dediziert, hier »No. 8« »Für Richard Dehmel von H. K.« – Insgesamt wurden 425 Exemplare gedruckt, von den 400 in Halbpergament kamen 350 in den Verkauf, weitere 50 wurden von Harry Graf Kessler an Freunde verteilt. – Gesetzt aus der Caslon-Antiqua. – Druck unter Leitung von Harry Graf Kessler bei R. Wagner Sohn, Weimar. – Auf Bütten. – Eric Gill entwarf die Titelblätter, jeweils mit einer Holzschnittvignette von Maillol, und die Holzschnittinitialen, von denen drei von Maillol ornamentiert wurden. Die Titel- und Zwischentitelzeilen sowie die Ornamentierungen der Initialen wurden in Rot gedruckt. – Die Bezugspapiere der »einfachen« Ausgabe wurden bei den Vorzugsexemplaren als Vorsatzpapiere benutzt. – »Bei wenigen Büchern des 20. Jahrhunderts spielt der Einband eine so herausragende Rolle wie bei Kesslers Ausgabe der ›Odyssee‹. Und dies hat zwei Gründe. Der erste fällt schwerer ins Gewicht: Die Vorzugsausgabe der Odyssee unterscheidet sich von der Normalausgabe allein durch den Einband – während es gängig war, sie durch anderes Papier […] oder durch Kolorierung der Illustrationen auszuzeichnen. Der Einband der Vorzugsausgabe, die streng genommen eine Geschenkausgabe war, da Kessler fünfundzwanzig Exemplare nach seinen Vorstellungen nur für Freunde in dunkelblaues Seehundleder binden ließ, was allerdings von einer Schönheit war, daß es den Empfängern die Sprache verschlug« (John Dieter Brinks). – In seiner Monographie zur Cranach-Presse (»Das Buch als Kunstwerk«, 2005) beschreibt John Dieter Brinks detailliert die Herkunft der rätselhaften Motive des Einbandes. Nach alten mykenischen Vorlagen ließ Douglas Cockerell bei der Londoner Buchbinderei W. H. Smith, die er inzwischen leitete, Stempel anfertigen, die zur Vergoldung der dunkelblauen Lederbände dienten.

28,6 : 22,2 cm. [8], 178, [2] Seiten; [6], 169, [3] Seiten. – Rücken kaum sichtbar aufgehellt. Kapitale minimal berieben.

Brinks 29 u. 30. – Müller-Krumbach 17 u. 17 a. – Schauer II, 50. – Sarkowski 784. – Gill 301 – Guérin I, 12

239  Cranach-Presse – Die Odyssee.

€ 2500

Neu ins Deutsche übertragen von Rudolf Alexander Schröder. Erster bis zwölfter Gesang. Des Gesamtwerkes erste Abteilung. – Dreizehnter bis vierundzwanzigster Gesang. Leipzig, Insel 1907–1910. Mit Titeln und Initialen von Eric Gill und fünf Holzschnitten von Aristide Maillol. Originalhalbpergamentbände mit Rückenvergoldung, goldgeprägter Bordüre und Buntpapierdeckelbezügen.

Eins von 400 Exemplaren, von denen 350 für den Verkauf bestimmt waren, 50 wurden von Kessler verschenkt, ebenso 25 dedizierte Vorzugsexemplare (siehe KatNr. 238). – Druck unter Leitung von Harry Graf Kessler bei R. Wagner Sohn, Weimar. – Auf Bütten. – Eric Gill entwarf die Titelblätter, jeweils mit einer Holzschnittvignette von Maillol, und die Holzschnittinitialen, von denen drei von Maillol ornamentiert wurden. – Die Titel- und Zwischentitelzeilen sowie die Ornamentierungen der Initialen wurden in Rot gedruckt. – Die Bezugspapiere der Deckel sollte nach Kesslers Plan (und langen Annahmen der Fachwelt) Mario Fortuny liefern. Da sich dieses Vorhaben aber für Kessler wohl unannehmbar lange verzögerte, übernahm Eric Gill die Umsetzung der alten mykenischen Motive. – Die Odyssee kann als das erste große Druckwerk der Cranach-Presse gelten, auch wenn ihr Name im Buch noch nicht genannt wird.

28,2 : 21,7 cm. [8], 178, [2] Seiten; [6], 169, [3] Seiten. – Deckel von Band II unten mit leichtem Feuchtigkeitsfleck. Kapitale von Band I leicht bestoßen, die unteren Ecken minimal berieben.

Brinks 29 u. 30. – Müller-Krumbach 17 u. 17 a. – Schauer II, 50. – Sarkowski 784. – Gill 301. – Guérin I, 12

240  Cranach-Presse – Albert Verwey. Gedichte.

€ 600

Übertragen von Paul Cronheim. Leipzig, Insel 1917. Violetter Maroquinband mit vergoldetem Rückentitel, blindgeprägten Deckelfileten und dreiseitiger Schnittvergoldung (signiert: W. Gerlach – Berlin).

Eins von 1050 Exemplaren als Handdruck hergestellt. – Kriegsdruck der Cranach-Presse, Weimar. – Die Kriegsjahre zeigten auch im Druck- und Verlagsgewerbe ihre Auswirkungen: Dieses Buch wurde auf Bütten, allerdings mit dem Wasserzeichen der Ernst Ludwig Presse gedruckt. – Satz aus der Caslon-Antiqua. – Gedruckt von Walter Tanz und Max Geski, »Harry Graf Kessler trägt technisch für den Druck, den er nicht überwachen konnte, keine Verantwortung« (Druckvermerk). – Der Originalvorderumschlag mit der Deckelillustration von E. R. Weiß beigebunden.

25,2 : 18,4 cm. [6], 173, [3] Seiten. – Ecken und Gelenke minimal berieben.

Brinks 45. – Müller-Krumbach 28. – Sarkowski 1834. – Nicht bei Schauer

241  Cranach-Presse – Theodor Däubler. Hymne an Venedig.

€ 2000

Berlin, Heinz Barger [1917]. Flexibler weinroter Originalrohseidenband mit Schwarzdruck, Deckelvignette und Kopfschnitt vergoldet. In Originalschutzumschlag und -schuber mit Deckelvignette.

Erste Ausgabe. – Eins von 100 Exemplaren auf Old Stratford-Bütten. – Druckvermerk vom Autor signiert und nummeriert. – Erste Ausgabe. – Kriegsdruck der Cranach-Presse: »Harry Graf Kessler hat zur Herstellung dieses Werkes seine Presse, seine Arbeiter und seine Typen zur Verfügung gestellt, trägt aber im übrigen für den Druck technisch keine Verantwortung, da er ihn wegen Kriegsabwesenheit nicht überwachen konnte.« (Druckvermerk). – Die Druckleitung lag möglicherweise bei Henry van de Velde, den Kessler um vertretende Aufsicht gebeten hatte. – Satz von Walter Tanz und Max Geski aus der Caslon-Antiqua. – Druck in Rot und Schwarz. – Das Copyright für Däublers Text lag beim Georg Müller Verlag, wo 1916 die »Hymne an Italien« erschienen war. – »Die Bezeichnung ›Heinz Barger Verlag‹ ist auf eine Eigenmächtigkeit Bargers zurückzuführen, der neben dieser Ausgabe bereits die ›Erste George Grosz Mappe‹ […] unter seinem Namen veröffentlicht hatte.« (Frank Hermann). – Alle Publikationen seines Verlages »Neue Jugend« gingen nach den Querelen um die von den Brüdern Herzfelde übernommene Zeitschrift an den Malik-Verlag über. – »Eindrucksvoll ist das großflächige Format des nur zwanzig Seiten umfassenden Buches, das durch den roten Seideneinband mit einer linearen Zeichnung des Markuslöwen in Gold betont wird. Der schmale Band bekommt dadurch etwas Luxeriöses […]« (Renate Müller-Krumbach, S. 36). – Theodor Däubler gehörte neben George Grosz zu den engsten Freunden von Wieland Herzfelde und John Heartfield. Harry Graf Kessler druckte kurze Zeit später auch Wieland Herzfeldes »Sulamith«.

31,8 : 23,5 cm. 20, [4] Seiten.

Müller-Krumbach 26. – Brinks 42. – Hermann 29. – Raabe/Hannich-Bode 55, 8

242  Cranach-Presse – Theodor Däubler. Hymne an Venedig.

€ 4000

Berlin, Heinz Barger [1917]. Weinroter Originalecrasélederband mit vergoldeter Deckelvignette, Rückentitel und Deckelkantenfileten (signiert: Maria Lühr, Berlin).

Erste Ausgabe. – Eins von 100 Exemplaren auf Old Stratford-Bütten. – Kriegsdruck der Cranach-Presse. – Druckvermerk vom Autor signiert und nummeriert. – Sehr seltene Einbandvariante in Leder, gearbeitet in der Werkstatt von Maria Lühr, die auch den Einband für den nächsten Kriegsdruck der Cranach-Presse, Wielands »Sulamith«, schuf. Sie war wie Douglas Cockerell eine Schülerin Cobden-Sandersons und trug maßgeblich zur Überarbeitung der deutschen Übersetzung von Cockerells Buch »Der Bucheinband und die Pflege des Buches« bei. – Da die gedruckten Rohbogen von der Cranach-Presse an die beauftragenden Verleger geliefert wurden und diese für die Bindung verantwortlich waren und zudem die Deckelvignette mit dem Markuslöwen bei beiden Ausgaben identisch sind, darf man vermuten, dass auch die Seideneinbände bei Maria Lühr geschaffen wurden. – Vorblatt mit einer längeren handschriftlichen Zueignung von Paul Marum, datiert 1932, auf dem Titelblatt, unmittelbar über dem Namen des Verlegers, sein Namenszug.

32,3 : 23,3 cm. 20, [4] Seiten. – Gelenke und Kanten minimal berieben. Deckel mit einigen kleinen Kratzern.

Hermann 29. – Müller-Krumbach 26. – Raabe/Hannich-Bode 55, 8

243  Imberg & Lefson – Heinrich Heine. Hebräische Melodien.

€ 400

Berlin, Heinrich Barger 1920. Originalpergamentband mit vergoldetem Rückentitel und vergoldeter Deckelvignette (signiert: O. Dorfner – Weimar).

Eins von 40 Vorzugsexemplaren auf Kaiserlich-Japan resp. Strathmore-Japan (Gesamtauflage 185). – Druck bei Imberg & Lefson, Berlin. – Die Berliner Firma druckte, neben einigen Pressendrucken für die Pan-Presse und die Marées-Gesellschaft, die bibliophil ausgestattete Zeitschrift »Marsyas«. – Vielleicht hatte der Verleger Heinrich Barger durch die beiden Werke, die er 1917/18 auf Kesslers Cranach-Presse drucken ließ (Däubler, »Venedig« und Herzfelde, »Sulamith«) Gefallen an der luxuriösen Typographie gewonnen. – Die Titelzeilen und Initialen wurden in Gold gedruckt. – Exlibris Feuerbacher Heide.

29,0 : 23,0 cm. 100, [4] Seiten. – Deckel leicht aufgebogen.

244  Cranach-Presse – Max Goertz. Gedichte.

€ 750

Leipzig, Insel 1922. Mit einer Titelvignette und Deckelvignette, beide in Holzschnitt, von Georg Alexander Mathey. Gelber Originalpappband im hellblauen Originalschuber.

Eins von 300 Exemplaren (davon 250 für den Handel). Fünf römisch nummerierte Exemplare wurden in Leder, 20 weitere in Rohseide gebunden. – Typographische Gestaltung von Georg Alexander Mathey. – Auf Bütten. – Die Einbände fertigte die Handeinbände-Abteilung von E. A. Enders, Leipzig. – »Wilma Marquise von Brion in tiefer Ehrfurcht gewidmet«. – Dazu: Max Goertz. Zwei Novellen. Leipzig, Insel 1929. Mit Holzschnitt-Titel und drei Initialen von Eric Gill, diese ornamentiert von Aristide Maillol. Originalhalbpergamentband. Eins von 60 Exemplaren. – Auf Maillol-Kessler-Bütten. – Titel und die Initialen in Rot. – Die seltene Ausgabe enthält die beiden Novellen »Die graue Frau« und »Schabracke 234«.

24,2 : 18,8 cm. 59, [5] Seiten und 26,8 : 18,0 cm. [2], 83, [3] Seiten. – Rücken von I verblasst. – Vorderdeckel von II schwach fleckig.

Brinks 56 und 72. – Müller-Krumbach 34 und 47. – Sarkowski 538 und 539. – II: Gill 339

245  Cranach-Presse – Paul Valery. Gedichte.

€ 1500

Übertragen durch Rainer Maria Rilke. Leipzig, Insel 1925. Mit einem Initial von Eric Gill. Gelber Originalecrasélederband. Rückentitel, Deckelvignette und Stehkantenfileten vergoldet (signiert: Handband H. Sperling, Leipzig).

Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Japan (Gesamtauflage 450). – Druck unter Leitung von Harry Graf Kessler und Georg Alexander Matthey. – Satz von Walter Tanz aus der Caslon-Antiqua. – Von Eric Gill stammen die beiden floral verzierten Initialen (Vorderdeckel und Textanfang) sowie die Inselschiff-Titelvignette und die Colophon-Vignette am Ende, letztere drei wurden in Rot gedruckt. – 1924 hatte Harry Graf Kessler versucht, Anton Kippenberg zur Herausgabe einiger Handpressendrucke zu bewegen, die sich qualitativ zwischen den einfachen Drucken der Presse (wie Verwey oder Nostitz) und den »Großprojekten« wie Vergil und Hamlet bewegen sollten. Kessler hoffte dadurch die finanziell schwierige Lage der Cranach-Presse zu verbessern. Kippenberg schlug zu Kesslers Freude vor, die Valery-Übersetzungen Rilkes in solcher Form drucken zu lassen. Die Vignette »Handdruck der Cranach-Presse« entwarf Eric Gill wohl speziell für diesen Plan, allein: 1925 lehnte Kippenberg weitere Drucke mit Verweis auf den schlechten Absatz des Valery-Buches ab. – Der Kopfschnitt vergoldet, die übrigen Ränder blieben unbeschnitten.

27,7 : 19,0 cm. 60, [4] Seiten. – Rücken und Ränder etwas verfärbt. Vorderdeckel einige kleine Druckstellen. – Eine Seite an der unteren Ecke geknickt.

Brinks 59. – Müller-Krumbach 38. – Schauer II, 75. – Sarkowski 1798. – Ritzer E 68. – Gill 326

246  Cranach-Presse – In memoriam Paul Cassirer 7. Januar 1926.

€ 1000

Gedächtnisreden von Max Liebermann, Harry Graf Kessler bei der Totenfeier und ein Nachruf von René Schickele. 1926. Mit drei Holzschnitt-Initialen von Aristide Maillol, einem Holzschnitt-Titel mit -Vignette von Eric Gill und einer Porträttafel. Originalhalbpergamentband mit Titeln in Ocker.

Eins von 75 Exemplaren. – Auf Maillol-Kessler-Bütten. – Die beiden Reden wurden auf der Totenfeier am 10. Januar gehalten, der Nachruf von Schickele erschien einen Tag später in der Vossischen Zeitung. – Die Tafel mit der Totenmaske Cassirers, geschaffen von Georg Kolbe, wird bei Müller-Krumbach und Gill nicht erwähnt. – Am 10. Januar notierte Kessler in seinem Tagebuch: »Trauerfeier für Paul Cassirer. Das ganze künstlerische Berlin. […] Mit Kolbe hinausgefahren u. nachher in sein Atelier, wo er mir die Totenmaske zeigte. […] Der Tod Cassirers hat mich tief erschüttert.«.

26,8 : 18,3 cm. 14, [2] Seiten. 1 Lichtdrucktafel. – Durchgehend mit Stockflecken.

Brinks 61. – Müller-Krumbach 42. – Schauer II, 75. – Gill 329

247  Cranach-Presse – P[ublius] Vergilius Maronis. Eclogae & Georgica.

€ 10000

Latine et germanice. Volumen prius. Eclogæ. Ornavit Aristide Maillol. Die Eclogen Vergils. In der Ursprache und Deutsch übersetzt von Rudolf Alexander Schröder. Mit Illustrationen gezeichnet und geschnitten von Aristide Maillol. Leipzig, Insel 1926. Mit 43 Holzschnitten von Aristide Maillol sowie einem Holzschnitt-Titel und 17 -Initialen von Eric Gill, letztere ornamentiert von Aristide Maillol. Roter Originalmaroquinband mit vergoldeten Titeln, Deckel-, Steh- und Innenkantenfileten sowie Kopfschnittvergoldung (signiert: Gerhard Prade, Leipzig).

Eins von 250 Exemplaren auf Hadernbütten (davon 225 für den Handel). Ferner wurden acht Exemplare auf Pergament und 36 auf »Kessler-Maillol-Seidepapier« gedruckt. – Satz aus der Jenson-Antiqua und Johnston-Kursiv. – Nach den ersten Vorarbeiten zur Satzanordnung, die Harry Graf Kessler schon 1912 begann, schuf Maillol 1912–1914 und 1925 die Holzschnitte. – Die Druckleitung lag neben Kessler bei James H. Mason. – Der Druck wurde im Frühjahr 1914 auf der Weimarer Handpresse begonnen und, »durch den Weltkrieg unterbrochen«, im Juni 1925 wieder aufgenommen. – Es erschienen neben der lateinisch-deutschen Fassung auch Übersetzungen ins Französische und Englische. – Die Originaleinbände wurden – nach Entwürfen von Kessler, teils unter Verwendung einer Vignette von Maillol oder wie hier mit Gills Titelzeilen – bei Otto Dorfner und Gerhard Prade gefertigt. – Der Vergil, eines der Hauptwerke der Presse und zugleich eines der schönsten Bücher des 20. Jahrhunderts, wurde 1927 auf der Leipziger Buchkunst-Ausstellung ausgezeichnet.

32,0 : 24,0 cm. [6], 110, [12] Seiten.

Brinks 63. – Müller-Krumbach 40. – Schauer II, 73 (mit 3 Abbildungen). – Sarkowski 1813. – Gill 328. – Guérin I, 15–59

248  Cranach-Presse – Hugo von Hofmannsthal. Der Tod des Tizian.

€ 15000

Bruchstück. Leipzig, Insel 1928. Mit zwei Initialen von Eric Gill, ornamentiert von Aristide Maillol. Ziegelroter Originalecrasélederband. Rückentitel, Fileten und Buchschnitt vergoldet (signiert: O. Dorfner-Weimar).

Eins von 13 römisch nummerierten Exemplaren auf Pergament, von denen die Exemplare X–XIII nicht in den Handel kamen. Weitere 225 Exemplare wurden auf Maillol-Kessler-Bütten gedruckt. – Die Initialen der Pergamentexemplare wurden mit Gold gehöht. – Satz von Walter Tanz aus der Jenson-Antiqua und Johnston-Kursiv. – Druck von H. Gage-Cole. – Druck in Rot und Schwarz. – Dreiseitige Schnittvergoldung. – Sarkowski nennt die Auflage der Pergamentexemplare wie hier im Druckvermerk, während Müller-Krumbach, Schauer und Gill nur sechs Pergamentexemplare zählen. – Tadellos schönes Exemplar.

25,8 : 16,8 cm. [4], 18, [6] Seiten.

Brinks 71 VA. – Müller-Krumbach 46. – Schauer II, 75. – Sarkowski 774 VA. – Houghton Library Catalogue 670. – Gill 392b

249  Cranach-Presse – William Shakespeare. Die tragische Geschichte von Hamlet Prinzen von Dænemark

€ 18000

in deutscher Sprache. Neu übersetzt und eingerichtet von Gerhart Hauptmann, begleitet von Auszügen, die den Geschichten von Saxo Grammaticus und François de Belleforest und der Hystorie of Hamblet entnommen sind. Mit Figurinen und Holzschnitten gezeichnet und geschnitten von Edward Gordon Craig. Leipzig, Insel, und Berlin, S. Fischer 1929. Mit 74 Holzschnitten im Text. Senffarbener Maroquinband. Rückentitel, Deckelkantenfileten und Kopfschnitt vergoldet, Innenkantenfileten blindgeprägt und Originalhalbpergamentmappe mit Titeln in Rotdruck.

Erste Ausgabe dieser Übersetzung. – Eins von 17 römisch nummerierten Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Kaiserlich-Japan. Zudem erschienen acht Exemplare auf Pergament und 230 auf Bütten. – Gesetzt von Walter Tanz und Hans Schulze aus der von Edward Johnston entworfenen Hamlet-Fraktur. – Gedruckt von H. Gage-Cole und Max Kopp unter Beihilfe von Hugo Bergmann und Franz Hornik. – Die beide Suiten auf gelbem bzw. weißem Japan enthalten je 46 Holzschnitte, teils variierend, drei monogrammiert, und einige Dubletten. Beiden Suiten liegen in der Halbpergamentmappe des Verlages. Nach den Angaben bei Dieter Brinks darf man vermuten, dass bei der Auslieferung der Vorzugsexemplare die Suiten individuell zusammengestellt wurden. Teils wurden – wie auch hier – Holzschnitte der englischen Buchausgabe verwendet, die gegenüber der deutschen Fassung sechs zusätzliche Motive enthielt.

Kesslers Vorhaben, eine Hamlet-Ausgabe mit Holzschnitten von Craig zu drucken, reichen bis in das Jahr 1910 zurück. Aber erst das Zusammentreffen mit Gerhart Hauptmann und Anton Kippenberg auf der BUGRA in Leipzig im Mai 1927 brachten die Pläne in eine konkrete Realisierungsphase. – Die Holzschnitte Craigs entstanden ganz im Hinblick auf seine Bühnenbildentwürfe, sie waren zum Teil wirkliche Figurinen und Versatzstücke für das kleine Modelltheater von Craig in Florenz. – Der Satz der Schrift mit den verschiedenen Text- und Kommentarblöcken und der oft aus mehreren Stücken bestehenden Holzschnitte stellte höchste Anforderungen an Walter Tanz. Der Druck der Holzschnitte erfolgte teils mit mehreren »Zurichtungen«, um die feinen Farbnuancen in einem Druckvorgang zu erzielen. Fachleute bewunderten diese Leistung: »Poeschel sagte mir privatim, der ›Hamlet‹ habe ihm eine schlaflose Nacht bereitet, so habe er sich über ihn aufgeregt. Er begreife nicht wie wir die Zweifarbendrucke von einem einzigen Holzstock gemacht hätten. Da Poeschel wohl der beste deutsche Drucker ist, will das allerhand heißen, wenn er mir das sagt« (Harry Graf Kessler, Tagebücher, 14. III. 1930; ausführliche Bilddokumentation bei Brinks, S. 323ff.). – Der »Hamlet« wurde von der Jury 1929 einstimmig zum schönsten Buch des Jahres gewählt.

35,0 : 24,5 cm. [2], 202, [6] Seiten.

Brinks 76. – Müller-Krumbach 48. – Schauer II, 74. – Sarkowski 1585. – Eyssen Seite 95: »zweifellos der typographisch interessanteste Druck Kesslers«. – Gill 340a

250  Cranach-Presse – Rainer Maria Rilke. Gesammelte Gedichte.

€ 5000

Erster [bis] Vierter Band. Leipzig, Insel 1930–1934. Originalhalbpergamentbände mit vergoldeten Rückentiteln (signiert: Gerhard Prade, Leipzig).

Eins von 200 Exemplaren auf handgeschöpftem Maillol-Kessler-Bütten. Daneben erschienen fünf Exemplare auf Pergament und 20 auf Japanpapier. – Satz aus der Jenson-Antiqua und Johnston-Kursiv. – Die Bände I–III wurden unter Aufsicht von Max Goertz und Harry Graf Kessler auf der Weimarer Cranach-Presse gedruckt. Nach deren Auflösung erfolgte der Druck von Band IV unter Verwendung der Schriften der Cranach-Presse in der Offizin Poeschel & Trepte, Leipzig. Die Aufsicht über den Druck dieses abschließenden Bandes hatte bis zu seiner Emigration Kessler selbst. – Die Titelzeilen der Gedichte und die Zwischentitel wurden in Rot gedruckt. – Die Titelschrift und Initialen zeichnete Eric Gill, die Initialen wurden von Aristide Maillol ornamentiert.

27,0 : 18,0 cm. [4], 271, [7] Seiten; [2], 282, [8] Seiten; [6], 222, [8] Seiten; [2], 265, [5] Seiten.

Brinks 82, 83 und 94. – Müller-Krumbach 52. – Schauer II, 75. – Sarkowski 1348. – Mises 129. – Gill 342