ChristianHesse

Wien um 1900 | Hesse-Auktionen
Wien um 1900

194  K[arl] W[ilhelm] Diefenbach [und Fidus]. Per aspera ad astra.

€ 750 ( R7 )

Ein Lebensmärchen. Wien, V. A. Heck 1893. Leporello mit 34 Tafeln, jede mit Abbildung nach Scherenschnitt und Text. Originalleinenband mit vergoldetem Deckelbild.

Der Fries »Per aspera ad astra«, im Original 68 Meter lang, entstand seit 1875, zuletzt, da Diefenbach krankheitsbedingt kaum noch den Pinsel halten konnte, unter Mitwirkung seines ehemaligen Schülers Hugo Höppener, dem Diefenbach den Künstlernamen »Fidus« verliehen hatte. Das Panorama von Jugend, Schönheit und Harmonie wurde 1893 in Baden bei Wien erstmals gezeigt und fünf Jahre später in Wien auch öffentlich ausgestellt. – Der Maler Karl Diefenbach (1851–1913) missionierte vor 130 Jahren als Vegetarier, Nudist und Pazifist. Beim Anblick des Sonnenaufgangs hatte er 1882 auf dem Hohenpeißenberg in Oberbayern ein spirituelles Erweckungserlebnis. Diefenbach verstand sich nunmehr als Prophet, steckte aber permanent in finanziellen Nöten. Diefenbach gilt heute als einer der einflussreichen Vorreiter alternativer Bewegungen um 1900. Fidus (1868–1948) folgte den Auffassungen seines Lehrers künstlerisch und in seiner Lebensgestaltung. – Die großformatige Originalausgabe des Frieses, eines lebhaften Zuges tanzender Knaben und Mädchen, begleitet von zahlreichen heimischen und außereuropäischen Tieren, ist ein wichtiges Zeugnis der Reformpädagogik.

32,8 : 25,5 cm. [2], 30 Seiten.

Ries 486, 6 und 516, 7

195  Ver sacrum.

€ 3000 ( R7 )

Organ [Zeitschrift | Mittheilungen] der Vereinigung bildender Künstler Österreichs. I. [bis] IV. Jahrgang. Wien und Leipzig 1898–1901. Mit zahlreichen, teils farbig lithographierten, teils montierten Abbildungen, Zierleisten, Vignetten und Initialen. 71 Originalbroschuren, davon 23 mit illustrierten Vorderdeckeln und 47 mit farbiger Deckelvignette. Die Hefte von Jahrgang 1898 lose in Originalhalbpergamentdecke, die Hefte 1899 und 1901 in Halblederdecken.

Die vollständigen ersten vier Jahrgänge der repräsentativen Zeitschrift der 1897 gegründeten Wiener Secession, jeweils für 300 Abonnenten gedruckt. – Im programmatischen Geleitwort verkünden die Herausgeber: »Wir wollen dem thatenlosen Schlendrian, dem starren Byzantinismus und allem Ungeschmack den Krieg erklären« und bekennen zugleich, ganz im Sinne von William Morris: »Wir kennen keine Unterscheidung zwischen ›hoher Kunst‹ und ›Kleinkunst‹, zwischen Kunst für die Reichen und Kunst für die Armen. Kunst ist Allgemeingut.« – Mit künstlerischen Beiträgen von Koloman Moser, Gustav Klimt, J. Hoffmann, Max Liebermann, Alphons Mucha, J. Olbrich, Segantini und vielen anderen. Zu den literarischen Mitstreitern gehörten u. a. Hermann Bahr, Ferdinand von Saar, Rainer Maria Rilke und Hugo von Hofmannsthal. Seit 1900 wurde die Zeitschrift von einem Redaktionskomitee, bestehend aus Mitgliedern der Wiener Secession, geleitet. – Mit Bestellzettel bzw. Bestellkarte (1899 und 1903). – Ohne das Sonderheft zur zweiten Ausstellung der Wiener Secession, dafür als Beigabe das Sonderheft zur XVIII. Ausstellung Wien Nov/Dez. 1903 – Kollektivausstellung Gustav Klimt (72 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Originalpergaminbroschur). – Heft I, 5/6 erschien als Doppelnummer, Heft III/22 erschien (in kleinerem Format und abweichendem Umschlag) zur VIII. Ausstellung (Marcus Behmer). – Mit zahlreichen Anzeigen, Jahrgänge III und IV mit den Registern. – Beigabe: Von Koloman Moser gestaltete Karte zum 60jährigen Thronjubiläum von Kaiser Franz Joseph I. Mit Kaiserporträt, Ansichten von Schloss Schönbrunn und der Hofburg, umrahmt von ornamentalen Verzierungen. Adressiert und gelaufen, seltener roter Poststempel.

I und II: 29,0 : 28,5 cm. Je etwa 30-32 Seiten. – III und IV: 25,8 : 24,0 cm. 388; 432 Seiten.

Dietzel/Hügel 2985. – Diesch . – Langner, Jugendstil, Seite 150. – Schauer I, 40 und II, 7

196  Gustav Klimt – Lukian [von Samosata]. Die Hetaerengespraeche.

€ 12000 ( R7 )

Deutsch von Franz Blei. Mit funfzehn Bildern von Gustav Klimt. Leipzig, Julius Zeitler 1907. Mit 15 Heliogravüren nach Federzeichnungen. Grauer Originalsämischlederband mit einer goldenen Deckelplakette und Kopfschnittvergoldung (signiert: Wiener Werkstätte J[osef] H[offmann]). In privater Kassette mit marmoriertem Kleisterpapierbezug.

Eins von 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe, gebunden in der Wiener Werkstätte in Sämischleder, ein speziell gegerbtes Wildleder, und auf chamoisfarbenem Zanders-Bütten (Gesamtauflage 450, sämtlich nur für Subskribenten). – Gedruckt in Schwarz und Gold in der Offizin W. Drugulin, Leipzig. – Klimts erotische Zeichnungen, je eine zu den fünfzehn Dialogen, wurden als Lichtdrucke faksimiliert. – Klimt entwarf auch die Kalligraphie der Deckelplakette. Der überaus elegante Einband stammt von Josef Hoffmann, dem führenden Designer der Wiener Werkstätte, auf dem Hinterdeckel sein vergoldeter Monogrammstempel. – »Immer war es das Prickelnde, was [Julius Zeitler] reizte, die Besonderheit im romantischen Sinne und nicht selten das Gewagte aus dem erotischen Bereich, wie etwa die kühne Ausgabe der Hetärengespräche des Lukian (1907) mit den überfeinert genialen Zeichnungen von Gustav Klimt« (Georg Schauer). »Das Werk ist ein treffliches Gegenstück zu der Ausgabe des ›Jardin des Supplices‹, die Rodin mit Zeichnungen schmückte« (Hayn/Gotendorf). – Sehr schönes Exemplar.

37,0 : 29,5 cm. [4], 37, [3] Seiten, 15 Tafeln. – Das Leder an den Ecken minimal durchgerieben, der Vorderdeckel im linken Drittel mit kleinen Sprenkeln im Leder. – Innen tadellos.

Hayn/Gotendorf IV, 294. – Schauer I, 158. – Hofstätter S. 214. – Langer, Jugendstil 153. – Eyssen S. 177. – Abbildung von Hoffmanns Monogramm: Reschke, buntpapier als pART der WW, 2018, S. 162

197  Wiener Ballspenden – Ball der Stadt Wien 1909.

€ 300 ( R7 )

Gedenktage aus dem Jahre 1909. Eine Erinnerung. Den Damen Wiens gewidmet vom Ballkommitee der Stadt Wien. Wien [1909]. Mit 14 Farblithographien. Weißer Originalkalblederband mit Deckelillustration in Gold-, Rot- und Schwarzprägung und Goldschnitt (signiert: Wilhelm Melzer, Wien). In Originalkassette.

Seit 1890 fand jeweils am 1. Februar der Ball der Stadt Wien als Pendant zum berühmten Hofball statt. Beliebt und heute begehrte Sammelobjekte waren und sind die »Ballspenden«, die vom Veranstalter den Damen beim Eintritt überreichten Geschenke. – Mit den schönen farbprächtig lithographierten Jugendstil-Illustrationen von Remigius Geyling aus der Geschichte Wiens im Jahre 1809. – Remigius Geyling (1878–1974) war Gründungsmitglied des Österreichischen Werkbunds. Die Spannbreite seines künstlerischen Schaffens reicht vom Jugendstil über den Expressionismus bis zum Art Déco.

14,7 : 16,8 cm. 14 Kartontafeln.

Langer, Jugendstil 158

198  Wiener Ballspenden – Ball der Stadt Wien 1910.

€ 300 ( R7 )

Des Meeres und der Liebe Wellen. Trauerspiel in fünf Aufzügen von Franz Grillparzer. Nach dem ersten bei J. B. Wallishausser erschienenen Druck aus dem Jahre 1840. Wien, Gerlach & Wiedling [1910]. Mit einem Porträt und einer ganzseitigen Abbildung. Roter Originallederband mit silbergeprägten Titeln und Verzierungen. Im Etuischuber.

Als Ballspende 1910 diente ein Miniaturnachdruck der Erstausgabe, gebunden in rotes Leder, in einem durchbrochenen Weißblechschuber. Dieser hängt mit zwei Ketten und drei rot emaillierten Medaillons (»1910«, »Ball der Stadt Wien« und der Doppelkopfadler) an einem Gürtelhaken. – Insgesamt ganz im Stil der Wiener Werkstätte.

18 : 7 : 1,5 cm (Gesamtgröße), Buchformat 6,7 : 5,0 cm. – Silberdruck des Einbandes etwas abgerieben. – Ein Verbindungsring erneuert, nach Vergleichsabbildungen ist das Ensemble vollständig.

199  Wiener Ballspenden – Ball der Stadt Wien 7. Februar 1911.

€ 300 ( R7 )

Zur Erinnerung an die Vollendung der II. Kaiser Franz Josef Hochquellenleitung. Wien, Gerlach & Wiedling [1911]. 36 ovale Kartonblätter, meist mit fotografischen Abbildungen und ornamentaler Verzierung von Remigius Geyling. Mit rot-weiß-roter Kordel geheftet und in der Originalsilberdose mit reicher Gravur.

Prächtige Edition mit der Bildfolge zum Bau der neuen Trinkwasserleitung, die vorfristig beendet und 1910 eröffent wurde. – Enthält nach dem Titel drei Tafeln mit Fotoporträts, 28 mit Fotografien von Landschaften, Brücken, Pumpwerken usw. und vier mit dem Programm des Balls. – Das kleine »Textheft« wurde in einer versilberten Messingdose mit reicher ornamentaler Verzierung präsentiert, auf deren Unterseite mit der gravierten Signatur des Kunsthandwerkers Wilhelm Melzer.

10,8 : 7,5 : 3,5 cm (Dose).

200  C. O. Czeschka – Gustav Falke. Die Auswahl.

€ 250 ( R7 )

Gedichte. Hamburg, Alfred Janssen 1910. Mit drei ganzseitigen Illustrationen und Buchschmuck von C. O. Czeschka. Originalpappband. – Widmungsexemplar.

Erste Ausgabe. – Vorblatt mit eigenhändiger Widmung »Dem lieben Freunde M. Spanier mit herzlichen Grüßen! | Gustav Falke | Hamburg 1910«. – Im selben Jahr erschien Falkes Novelle »Der Spanier«, was der Widmung eine werkbezogene Bedeutung verleiht.

19,0 : 12,5 cm. 213, [5] Seiten. – Einbandränder und besonders der Rücken leicht gebräunt.

201  Wien – Das Ehrenjahr Otto Wagners

€ 200 ( R7 )

an der K. K. Akademie der bildenden Künste in Wien. Arbeiten seiner Schüler. Projekte, Studien und Skizzen. Herausgegeben von Otto Schönthal. Wien, Eduard Mosack [1912]. Mit einem Kupfertiefdruck-Porträt und zahlreichen, meist ganzseitigen und teils farbigen Abbildungen, einige farbige einmontiert. Originalhalbleinenband, Vorderdeckel mit Goldprägung.

Sehr schön gestaltete Veröffentlichung mit Entwürfen von Josef Heinisch (Skizze für ein Mosaik, Verlegung der päpstlichen Residenz nach Jerusalem), Hans Fritz, Franz Kaym (Landkirche, Jagdhaus, Hotel Ring), Friedrich Pindt (Flugfeld Aspern), Josef Hannich (Ausbau d. Wiener Hofburg), Karl Reinhart (Untergrundbandhaltestelle Stadtpark), Rudolf Weiss (Hotel Wien), Rupert Pokorny (Thermenanlage Vöslau) etc. – Otto Wagner (1864–1945) war der bedeutendste Architekt im Wien um 1900. Zahlreiche Bauten der Stadt, aber auch Schleusenanlagen, die Stadtbahn u. a. wurden von ihm entworfen.

[8], 56 Seiten, 1 Porträt. – Deckel berieben. – Das Porträt etwas stockfleckig.

Lasch 3470

202  Wiener Werkstätte – Almanach der Wiener Werkstätte.

€ 750

Wien und Leipzig, Rosenbaum [1911]. Mit zwölf Tafeln, davon vier farbig. Orangefarbener Originalleinenband, ornamentale Deckelverzierung und Rückentitel in Braun geprägt.

Die originale Ausgabe, wohl nur in überschaubarer Auflagenhöhe gedruckt. – Den gesamten Buchschmuck (Einband, grüne Textbordüren und die ornamentierten Initialen) entwarf Josef Hoffmann. »Eine Reihe klangvoller Namen, die Elite der Wiener Literatur und Kunst, hatte sich da zusammengefunden, um durch Wort und Bild zu bezeugen, daß in ihrem Lager das geistige Österreich zu finden sei« (Hans Ankwicz-Kleehoven, zitiert nach Schweiger). Max Mell übernahm die Redaktion des literarischen Teils mit Beiträgen so wichtiger Autoren wie Peter Altenberg, Hugo von Hofmannsthal (Erstdruck von Akt 4 »Das Bergwerk zu Falun«) und Rainer Maria Rilke (Erstdruck des achten Sonetts der Louize Labé) u. a. – Die zwölf »Bilderbeigaben« stammen von C. O. Czeschka, Josef Hoffmann, Gustav Klimt, Ivan Mestrovic, Moritz Jung, Josef Schwetz, Albert Paris von Gütersloh, Koloman Moser, Joseph von Diveky, Oskar Kokoschka und Berthold Löffler. – Sehr schönes Exemplar des wichtigen frühen Dokuments.

17 : 13 cm. [2], 126 Seiten, 12 Tafeln.

Schweiger, Kunst und Handwerk, S. 91. – Dokumentations-Bibliothek VI, 467. – Hofmannsthal: Houghton Library Catalog 96. – Rilke: Mises 220

203  Wiener Werkstätte – Adalbert Stifter. Aus dem alten Wien 1844.

€ 300

Wien 1914. Grüner Originalkalblederband mit vergoldeter Deckelvignette, vergoldeten Titeln und Kopfgoldschnitt (Wiener Werkstätte).

Eins von 50 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Fabriano-Bütten mit »echt vergoldeten Initialen« (Gesamtauflage 520). – Einbandzeichnung, Vorsätze, Buchschmuck und Initialen nach Entwürfen von Rudolf Junk wurden in der k. k. Hof- und Staatsdruckerei »hergestellt«.

24,8 : 18,5 cm. 214, [6] Seiten. – Ecken berieben, Rücken verfärbt. Beide Deckel mit kleinen Kratzern. – Vorsatzblatt mit Sammlerstempel.

204  Wiener Werkstätte – Schwarzer Kalblederband der Wiener Werkstätte

€ 1800 ( R7 )

(signiert) mit Deckelvignetten in Negativblindprägung und gepunzter Schnittvergoldung. – Inhalt: Charles de Coster. Flämische Legenden. Jena, Eugen Diederichs 1911. Mit einem Titelholzschnitt von F. H. Ehmcke.

Hinterer Innendeckel mit dem vergoldeten quadratischen Stempel »Wiener Werkstätte«. Der Einband stammt nach Vergleichsabbildungen wohl von Hilda Jesser (1894–1985), Mitarbeiterin der Wiener Werkstätte und Mitglied des Österreichischen Werkbundes. – Beide Deckel mit einem großen erhabenen Relief (Blumengebinde). Rankwerk verziert auch die allseitige Schnittvergoldung. Vorsätze und Spiegel mit hellgrauer Seide bezogen.

19,5 : 12,0 cm. [4], VIII, 213, [3] Seiten. – Winzige Abplatzung der Epidermis am Vordergelenk. – Ein Vorblatt mit Filmoplastresten.

Vgl. Schweiger, Wiener Werkstätte, S. 183, Abbildung unten

205  Wiener Werkstätte – Senffarbener profilierter Maroquinband von Josef Hoffmann, Wiener Werkstätte

€ 6000 ( R7 )

(signiert). – Inhalt: Sanctissimum. Eine melodramatische Allegorie in einem Akt von Henny Bauer. Musik von Wilhelm Kienzl. Vollständiger Klavierauszug. Wien und New York, Universal-Edition 1924.

Außergewöhnlicher Einband von Josef Hoffmann, dem wichtigsten Buchgestalter der Wiener Werkstätte. Hinterer Innendeckel mit zwei vergoldeten Signaturstempeln: Monogramm »JH« und »Wiener Werkstätte«. – Statt eines in der Fläche gestalteten Einbandes mit Prägungen und Illustrationen entwarf Josef Hoffmann hier ein Buchobjekt. Zwei gefräste Holzdeckel wurden mit dem grobnarbigen Leder bezogen, dass sich perfekt den Schwüngen der Deckel anschmiegt. Die dreifach wiederholte Wellenform der Deckel erinnert, von den Seiten betrachtet, an den Umriss eines Streichinstruments, womit Hoffmann den Bezug zum Inhalt schuf. – Vorsatzblätter und Spiegel wurden mit lilafarbener Seide bespannt. – Hoffmann konzipierte den Einband ohne jegliche Beschriftung, einer Schatulle gleich, das Innere zeigt sich erst beim Öffnen des Deckels.

31,0 : 22,8 cm. 60 Seiten. – In moderner, mit goldgehöhtem Kleisterpapier bezogenen Kassette.

Vgl. einen ähnlichen Einband in: Schweiger, Wiener Werkstätte, S. 183, Abbildung unten

206  Die Wiener Werkstätte 1903–1928.

€ 2500

Modernes Kunstgewerbe und sein Weg. Wien, Krystall Verlag 1929. Mit 175, teils farbigen Abbildungen. Originaleinband (signiert: Karl Scheibe, Wien) mit bemalter Reliefpressung nach Entwürfen von Vally Wieselthier und Gudrun Baudisch. In farblich passender privater Leinenkassette.

Erste und einzige Ausgabe. – Sehr schöne, nach Angaben von Josef Hoffmann von Mathilde Flögl gestaltete, Festschrift. Der opulent ausgestattete Katalog erschien im Jubiläumsjahr der Werkstätte. – »Das Neue an diesem […] Album ist der Umstand, daß darin jede einzelne Seite nach künstlerischem Gesichtspunkt komponiert ist und zur Belebung der Blattfläche auch Farben (Schwarz, Rot, Gold und Silber) zur Verwendung kamen« (Buchanzeige 1929, zitiert nach Schweiger). – In 175 Abbildungen wird ein Querschnitt durch das künstlerische Schaffen und die Erzeugnisse (Kunstgegenstände, Stoffe, Bucheinbände, Schmuck, Möbel u. a.) der Wiener Werkstätte gegeben. – Für den berühmten Einband wurden zwei Pappmachéreliefs auf die Deckel montiert und in Orange und Schwarz bemalt. – Ein »als ›Kachel-Katalog‹ gehandeltes Rarissimum des Antiquariatbuchhandels« (Brandstätter). – Vortitelblatt mit eigenhändiger Widmung von Kuno Grohmann »Zur Erinnerung an die Berliner Sitzung | 1929«. Der vermögende Unternehmer hatte 1926 und 1928 erfolglos versucht, der Wiener Werkstätte durch Kapitaleinlagen aus der finanziellen Misere zu helfen. 1929 eröffnete die Wiener Werkstätte eine Filiale in Berlin, um endlich die Umsätze wieder zu steigern, Grohmanns Einschätzung nach wurde dies allerdings »ein vollständiger Fehlschlag« und trug nicht unwesentlich zur Schließung des Gesamtunternehmens im Folgejahr bei.

23,0 : 21,8 cm. [176] Seiten. – Leicht berieben, die Ecken und Kapitale mit kleinen Schabstellen. Rücken etwas verfärbt. – Vortitel mit zeitgenössischer Widmung.

Dokumentations-Bibliothek VI, 485. – Schweiger S. 124f. – Brandstätter 13