Vorschau 9 : Hugo von Hofmannsthal. Der Kaiser und die Hexe. Mit Zeichnungen von Heinrich Vogeler-Worpswede.

Berlin, Verlag der Insel bei Schuster & Löffler 1900. Mit illustriertem farbigen Doppeltitel, einer figürlichen Initiale und kleinen Zierstücken. Originalpergamentband mit vergoldetem Rückentitel, breiter vergoldeter Innenkantenbordüre und farbig und in Gold gedruckten Vorsatzpapieren.

Erste Buchausgabe. – Exemplar 28 von 200. – Breitrandiger Druck in Rot und Schwarz auf starkem Insel-Bütten. – Gedruckt bei Otto von Holten im Auftrag von Alfred Walter Heymel. – »Vogeler entwarf Buchschmuck und Doppeltitel zu Hofmannsthals lyrischem Einakter. […] Die Wirkung des phantasievollen Doppeltitels wird von der klassisch anmutenden Schlichtheit der Römischen Antiqua und des Druckbildes des Textes noch gesteigert.« (Papiergesänge). – »Als Buchkünstler hat er dann eine ganze Reihe von Werken ausgestattet, wie beispielsweise seine eigenen Gedichte oder die ersten Buchausgaben des jungen Gerhart Hauptmann. Nie wieder übertraf er die Leistung von ›Der Kaiser und die Hexe‹. Der ›Lyriker des Jugendstils‹ (Walter Tiemann) verwandelte den Doppeltitel hier unter Zuhilfenahme der sechs Farben Gold, Mattrot, Violett, Lindgrün, Braun und Hellblau in einen romantischen Zaubergarten […] Beim Betrachten glaubt man die jugendfrische Begeisterung zu spüren, von der eine ganze Künstlergeneration um die Jahrhundertwende getragen wurde.« (Jürgen Eyssen). – Rilke bestätigte angesichts der Titelblätter Vogeler, dass dessen »ruhig und geschlossen wirkende und doch innerlich so reiche Linienkunst wie keine geeignet ist, neben dem Gange der edlen Lettern wie ein Gesang hinzugehen.« – Ein Höhepunkt der Buchkunst des Jugendstils.

ChristianHesse