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584  Georg Trakl. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift.

Schätzpreis/Estimate: € 20000

Zuschlag/Hammerprice: € 20000

Salzburg, 19. VIII. [1906]. Eine Seite.

An den Kritiker Hugo Greinz, damals Redakteur der Wiener »Zeit«. – Wichtiges Zeugnis aus Trakls frühester literarischer Schaffenszeit. – »Da ich bis heute die Ihnen von Herrn Streicher übersandte Arbeit ›Fata morgana‹ nicht zurückgeschickt erhielt, erlaube ich mir, Sie, verehrtester Herr, zu ersuchen, mir das Manuskript zusenden zu wollen, da ich eine zweite Abschrift nicht besitze. Zugleich bitte ich Sie, mir Ihr Urteil über diese Arbeit bekanntgeben zu wollen, da dies für mich von großem Werte ist. Ihr ergebener Georg Trakl. Adresse: Mozartplatz No. 3«. – Seine ersten literarischen Veröffentlichungen (»Traumland« und »Aus goldenem Kelch«, Mai/Juni 1906 im Salzburger Volksblatt) und die Annahme seines »dramatischen Stimmungsbildes« »Totentag« durch das Salzburger Stadttheater »[…] haben Trakl ermuntert, einen weiteren dramatischen Text auf die Bühne zu bringen. Als Vermittler war wieder Streicher aktiv, der ein Exemplar der tragischen Szene […] zunächst an Hugo Greinz, […] mit Streicher schon lange bekannt, zur Begutachtung schickte. [… Trakl war] Kritik eines Außenstehenden wichtig. Erst nachdem sich dieser Versuch als nicht zielführend herausgestellt hatte, ging das Manuskript an die Salzburger Theaterdirektion, die es vorschriftsgemäß der Zensurbehörde vorlegte.« Trakl war nach deren Protokoll bereit, Kleopatra in einer Szene »nur mäßig dekolletiert« statt »hüllenlos, nur von ihren Haaren überflutet« auftreten zu lassen. So war die Aufführung am 15. September nicht gefährdet. Beide Stücke waren jedoch Misserfolge und Trakl vernichtete daraufhin die Manuskripte. – Auf einem gefalzten Doppelblatt gräulichem Bütten.

Erstdruck in »Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv«, Nr. 8, 1989, S. 81. – Zitate aus: Hans Weichselbaum, Georg Trakl. Eine Biographie. Salzburg 2014

641  George Grosz. Interregnum.

Schätzpreis/Estimate: € 3000

Zuschlag/Hammerprice: € 6000

Introductory comment by John Dos Passos. New York, Black Sun Press 1936. Mit einer signierten Farblithographie und 64 Photolithographien nach Zeichnungen. In roter Originalhalbleinenkassette mit Holzfurnierdeckelbezug, Vorderdeckel mit farbiger Illustration.

Originalausgabe. – Auf Velin »BFK Rives«. – Exemplar »J«, eines der im Druckvermerk genannten 20 Exemplare »hors commerce«, mit eingedrucktem Namen des Empfängers Archibald MacLeish. Alexander Dückers nennt nach Grosz’ Unterlagen und den finanziellen Problemen beim Druck eine Auflage von etwas mehr als 40 Exemplaren, entgegen dem Druckvermerk, der 280 nummerierte und 20 mit Buchstaben bezeichnete Exemplare zählt. – Herausgegeben von Caresse Crosby. – Die Farblithographie »The Muckraker«, der Gestalt des »Entlarvers« mit stark selbstporträthaften Zügen, wurde von Grosz gedruckt und die Steine danach zerstört. Die 64 Zeichnungen photolithographisch reproduziert, laut Druckvermerk »hand-printed from the originals by George C. Miller«. Hier ohne die typographische Nummerierung am Unterrand, rückseitig typographisch betitelt. – Für das Vorwort war zunächst Ernest Hemingway vorgesehen, den Grosz aber nicht erreichte. Im Januar 1936 fiel die Entscheidung dann auf Dos Passos, der »zusammen mit dem Künstler auch die Titel der Einzelblätter auswählte« (Dückers). – Nach »Ecce homo« waren etwa zwölf Jahre vergangen. Diese frühere Folge galt der Aufarbeitung der Kriegszeiten von 1914–1918 und den Zuständen in der Weimarer Republik. »Mit dem ›Interregnum‹, der Zwischenherrschaft der Gesetzlosigkeit, ist das III. Reich gemeint. Der Titel des Sammelwerks, der eines versöhnlichen, immerhin auch ein Ende des Schrecken verheißenden Aspekts nicht entbehrt, ist verglichen mit Groszens Zeichnungen nahezu euphemistisch zu nennen. Grosz setzt dagegen seine apokalyptische Sicht der Zeitläufte mit den beiden Schlußblättern ›Kein Ende in Sicht‹ [No Let-up] – ›Finis‹.« (Alexander Dückers). – Als Titelillustration der Mappe dient ein Brustbild Hitlers mit erhobener Hand. – Der Empfänger dieses Künstlerexemplars, Archibald MacLeish (1892–1982), war Rechtsanwalt, Schriftsteller und zeitweise für das US-Verteidigungsministerium tätig. In den 1930er Jahren engagierte er sich u. a. als Herausgeber der Zeitschrift »Fortune«, gegen faschistische Tendenzen in den USA.

42 : 30 cm. [2], 19, [1] Seiten, 1 Textblatt, 65 Lithographien. – Leinenrücken mit leichten Wasserflecken, Deckelecken leicht bestoßen. – Innen makellos.

Dückers S II, 1–64 (bezeichnet die Exemplare »hors commerce« als »Vorzugsausgabe« und verzeichnet ein Exemplar »J« in der Bernard Reis Collection, New York). – Lang, Grosz 70

711  Rolf Dieter Brinkmann – Sammlung der Katalognummern 711-736

Schätzpreis/Estimate: € 20000

Zuschlag/Hammerprice: € 16000

Erfolgt auf diese Katalognummer kein Zuschlag, werden die Katalognummern einzeln versteigert.