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6  Edouard Manet. Le philosophe.

€ 2000

Radierung und Kaltnadel in Braun. 1865/66. 27,1 : 16,1 bzw. 31,4 : 23,3 cm (42,5 : 28,5 cm).

Eins von nur 30 Exemplaren der ersten Auflage, gedruckt 1894 bei M. L. Dumont. Zu Lebzeiten Manets (1832–1883) entstanden nur wenige Einzelabzüge. – Prachtvoller Abdruck mit feinem Plattenton und schönem Grat in den Kaltnadelpartien. – Auf leicht grünlichem, fein gerippten Bütten. – Manets Philosoph erinnert an den Menippo von Goya, der wiederum von Velázques inspieriert wurde. – »Die radierte Fassung ist voller Licht und Atmosphäre. Gebrochene vertikale Striche modellieren behutsam die Figur […] Im Gegensatz dazu füllt die Hintergrundfläche ein lockeres Netz von Zick-Zack-Linien, eine Art Schattengebung, die dem Einfluss Canalettos zugeschrieben wurde, jedoch wohl eher auf Goya zurückzuführen ist, der diese Technik von den Tiepolos übernahm und sie in seinen frühen Radierungen nach Velázques anwandte« (Wilson 1977).
Ehemals Sammlung A. Barrion (Lugt 76, Prägestempel unten rechts) und Sammlung Gustav von Rath (Lugt 2772, Stempel rückseitig). – Südwestdeutsche Privatsammlung.

Rückseitig Montierungsspuren. – Blattrand unten links mit winziger Fehlstelle.

Moreau-Nélaton 35 (einziger Zustand). – Guérin 43. – Harris 47. – Wilson 1977, 42 und 1978, 50 (einziger Zustand)

441  Die Form.

€ 12000 ( R7 )

Zeitschrift für gestaltende Arbeit. Bonn, Kurt Schroeder, (ab Jahrgang II:) Berlin, Hermann Reckendorf, (ab Jahrgang VIII) u. a. 1925–1934. Mit zahlreichen Abbildungen, meist nach Fotografien. Originalbroschuren, meist mit illustriertem Vorderumschlag.

Fast vollständige Folge aller zehn Jahrgänge: I (1925/26), Hefte 1–15. – II (1927), 1–12. – III (1928), 1–15. – IV (1929), 1–24. – V (1930), 1–23/24. – VI (1931), 1–12. – VII (1932), 1–12. – VIII (1933), 1–10 und 12. – IX/X (1934), 1–7. – Insgesamt 126 Hefte, davon sechs Doppelnummern. – »Hervorragend dokumentierende Zeitschrift des deutschen Werkbundes« (Hans Bolliger). – Herausgeber: W. C. Behrendt (Jahrgang I), danach Walter Riezler und Schriftleitung Wilhelm Lotz. Die Gestaltung der typographischen Umschläge lag in den Händen von Joost Schmidt (1893–1948). Er war seit 1919 am Bauhaus und leitete seit 1925 die Plastischen Werkstatt. Bereits 1922 entstanden erste typographische Arbeiten, von 1928 an leitete er auch die Reklameabteilung und die Druckerei in Dessau. – Die Zielstellung der 1907 gegründeten Künstlervereinigung »Werkbund« beschrieb Hermann Hesse bereits 1912: »Im Deutschen Werkbund arbeiten Künstler mit Handwerkern und Fabrikanten zusammen und zwar gegen den Schund zugunsten der Qualitätsarbeit.« In den 1920er Jahren wendete sich der Werkbund, nicht zuletzt unter Einfluss der Bauhäusler Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe, verstärkt der Architektur zu. Die Ausstellung »Neues Bauen« und die Stuttgarter Werkbund-Ausstellung »Siedlung am Weißenhof« 1927 dürften als Meilensteine dieser Phase des Werkbundes gelten. – Auswahl einiger besonders wichtiger Beiträge: Sonder-Heft Mode; Ludwig Hilberseimer, Über die Typisierung des Miethauses; Fritz Schumacher, Vom Wesen der Zahl; Über El Lissitzkys Raum der Abstrakten; Architektur von Lilly Reich und Mies van der Rohe in der Werkbundausstellung »Die Wohnung« 1927 in Stuttgart; Fritz Wichert, Max Beckmann und einiges zur Lage der Kunst; Mies van der Rohe-Pavillon; Werkbundausstellung »Wohnung und Werkraum« Breslau, »Vom Kino-Auge zum Radio-Auge«, Glasarchitektur von Ludwig Hilbersheimer; Themenheft »Das Buch« mit Beiträgen von Paul Renner, Theo von Doesburg; Katalog der Dammerstocksiedlung; Wilhelm Lotz, Fotobücher, Richard J Neutra, Japanische Wohnung, Otto Neurath Das Sachbild; Ludwig Hilbersheimer, Die Wohnung unserer Zeit; W. Riezler, Betrachtungen zur Bauausstellung Berlin und Das Mies van der Rohe-Haus Tugendhat in Brünn, Jan Tschichold, Neuere Typografie in Frankreich; Werner Gräff, Zur Form der Automobile; Wilhelm Wagenfeld, Jenaer Glas; Beilage Salubra-Farbmuster; Walter Dexel, Zur Problematik des Gestaltungsunterrichts in der Volksschule; Richard Neutra, Schulbau; Moholy-Nagy, Probleme des neuen Films; Werkbund-Ausstellung Stuttgart 1932; Otto Neurath, Internationale Werkbundsiedlung Wien 1932; W. Lotz, Das Ende des Bauhauses in Dessau; Jubiläumsheft 25 Jahre Deutscher Werkbund; Marcel Breuer, Zur Frage des Hochhauses; Aus dem Unterricht der Ittenschule; Neue Bauaufgaben in der Sowjet-Union; Justus Bier, Zur Auflösung der Staatlichen Bauhochschule in Weimar; Laszlo Moholy-Nagy, Lichtrequisit einer elektrischen Bühne; Frank Lloyd Wright. Neue Pläne. – Mit Heft 7 des letzten, durchgezählten Doppeljahrgangs 1934 wurde die Zeitschrift, die seit 1933 mehrfach den Verleger und Schriftleiter gewechselt hatte, eingestellt. Bereits nach den ersten Monaten der von den neuen Machthabern angestrebten 1000 Jahre waren zahlreiche Mitarbeiter und Beiträger emigriert oder sollten/konnten dies in den folgenden Jahren tun. – Aus unterschiedlichem Vorbesitz zusammengetragene Reihe, bemerkenswert gut erhalten. – Eine so vollständige Folge konnte nicht einmal Hans Bolliger in seiner Dokumentations-Bibliothek anbieten.

29,7 : 21,0 cm. – Es fehlt Heft VIII/11. – Einige Umschläge mit Besitzvermerk, 3 mit losen Deckeln, 1 fleckig. – 3 Hefte mit losen Seiten, davon 2 mit je 2 fehlenden Blättern.

Dokumentations-Bibliothek VI, 759. – Jaeger 1074

447  Bauhaus-Einband von Anni Wottitz – Karl Widmaier. Der Diktator.

€ 1500 ( R7 )

Drama in fünf Akten. Berlin, Ruda-Bücher 1923/1924. Pappband mit grauen Deckelbezügen, beide Deckel mit collagierter Papierbanderole, die auf dem Vorderdeckel mit schablonenkoloriertem Schriftzug.

Exemplar 2 von 400, im Druckvermerk vom Verfasser signiert. – Auf Perfecta-Bütten, gedruckt bei Dr. Hans Kayser, Berlin. – Innendeckel und Vorsatzblätter mit farbigen Papiercollagen. – Der Einband nimmt in seiner Reduzierung auf das typographische Element die Grundsätze der Bauhaus-Typographie, die erst in den Folgejahren manifestiert werden sollten, vorweg. Der Einband wurde laut zeitgenössischer Notiz im »Bauhaus (Weimar) Zweighaus Berlin« hergestellt. Diese »Werkstätten Bildender Kunst« in Berlin-Friedenau gründeten Anni Wottitz, Friedl Dicker und Franz Singer 1923/24, nach ihrer Bauhaus-Zeit, als gemeinsames Atelier (vgl. A und O des Bauhauses, S. 46, Abb. 18). – »Wottitz kam aus dem Kreis um Johannes Itten von Wien ans Bauhaus nach Weimar. Beeinflußt von Ittens experimentellem Umgang mit Material, dem er vor allem in seinem Vorkurs eine wichtige Rolle zuwies, fand Wottitz zu einem ganz eigenen Umgang mit den Materialien. Neben der Materialwirkung und der Flächenaufteilung, ist die Schrift wesentliches Gestaltungselement für Wottitz. Die Titel, deren einzelne Buchstaben in- und übereinandergreifen, werden auf den Buchdeckeln häufig wie ein Ornament behandelt und sind daher nur noch schwer lesbar« (Nina Widemeyer, in: Zwischen van de Velde und Bauhaus, Halle 1999, S. 113).

38,3 : 25,5 cm. [8], 74, [2] Seiten. – Rückenbezug unten leicht angeplatzt.

A und O des Bauhauses, KatNr. 18 und Abb. 22. – Zwischen van de Velde und Bauhaus S. 111, Abb. 116

482  Cranach Presse – Maurice Maeterlinck. La puissance des morts.

€ 1000

Weimar 1916. Gefalteter Bogen.

Exemplar 1 von 50. – Auf Van Gelder-Bütten. – Im Auftrag von Henry van de Velde von der Cranach Presse angefertiger Kriegsdruck, der als Manuskript gedruckt wurde und nicht in den Handel gelangte. – Henry van de Velde, der auch die typographische Gestaltung übernahm, ließ hier – während des Ersten Weltkriegs – mit Materlinck einen der wichtigsten belgischen Schriftsteller zu Wort kommen, zwei Jahre nachdem deutsche Truppen die Universitätsbibliothek Löwen in Belgien niedergebrannt hatten. – Aufgrund der kleinen Auflage und des ephemeren Charakters sehr selten. Selbst Renate Müller-Krumbach konnte kein Exemplar nachweisen, ihre Beschreibung beruht auf den Angaben in Kesslers Titelverzeichnis. – Dazu: Harry Graf Kessler. Die 5. Genfer Völkerbundstagung. Berlin 1924. Originalbroschur. Sonderdruck aus »Die Nation«, überreicht durch die Deutsche Liga für Menschenrechte e.V. – Kessler nahm als inoffizieller Beobachter an den Tagungen teil. Selten. 21,8 : 14,4 cm.

21,8 : 13,5 cm. [2], 5, [1] Seiten. – Titelseite teils leicht stockfleckig und mit kleinem schwachen Eckknick.

Müller-Krumbach 24. – Brinks, Cranach Presse 40. – Brinks, van de Velde 132. – Weber 74