Vorschau 20 : Einband von Ignatz Wiemeler für die Walter Tiemann-Festschrift 1936

Senffarbener signierter Ecrasélederband mit Blind- und Goldprägung. – Inhalt: Walter Tiemann zu seinem sechzigsten Geburtstage herzlichst zugeeignet von seinen Kollegen. [Leipzig] 1936. Mit zahlreichen eigenhändigen Glückwünschen, Aquarellen und Zeichnungen.

Der Lederband mit umlaufenden Fileten, zehn in Blindprägung, eine vergoldet. – Vorderdeckel mit den vergoldeten Initialen »W.T.«. – Vergoldeter Rückentitel. – Stehkanten mit doppelten, Innenkanten mit dreifachen vergoldeten Fileten. – Schnittvergoldung. Im Originalschuber mit Lederkanten.

Unikum. – Am 29. Januar 1936 feierte Walter Tiemann, Pionier und Leitfigur der deutschen Buchkunst der Moderne, seinen 60. Geburtstag. 1920 war er zum Direktor der Leipziger Staatlichen Akademie für Graphik und Buchgewerbe berufen worden. Dieses Amt hatte er bis 1941 und nach Kriegsende nochmals kurz kommissarisch inne. Mit der vorliegenden Festschrift gratulierten ihm folgende Lehrer der Akademie mit Beiträgen in Wort und Bild, meist eigenhändig geschrieben, gezeichnet und gemalt: Alois Kolb (1875–1942, Leiter der Radierklasse; drei Seiten eigenhändiger Text mit zwei Tuschzeichnungen), Hans Alexander Müller (1888–1962, Leiter der Holzschnittklasse; eine Seite eigenhändiger Gruß, acht Seiten »Der Fall Taku«, mit fünf Holzstichen des Verfassers), Julius Zeitler (1874–1943, Dozent, Verleger, Bibliophiler; eine Seite eigenhändiger Gruß), Georg Belwe (1878–1954, Leiter der Abteilung Satz und Druck; Grußwort, Tusche), Carl Blecher (Grußwort, Tusche), Wilhelm Buhr (Klasse für Gebrauchsgraphik; Drei Seiten handschriftlich mit drei Aquarellen), Kurt Otte (Aquarell und Gedicht mit Bordüre), Walter Gasch (Typographie und Tiefdruck, seit 1933 Tiemanns linientreuer Stellvertreter; gedrucktes Gedicht mit eigenhändigem Gruß), Karl Max Schneider (Direktor des Leipziger Zoos, wo Studierende in Tierkunde unterrichtet wurden; vier Seiten, eigenhändiges Gedicht), Horst Schulze (drei Seiten, Text mit Tuschzeichnungen), Hans Soltmann (Leiter der Akt-Klasse; drei Seiten, Text mit Zeichnungen), Hellmuth Weißenborn (Zeichenlehrer, zwei Seiten, Text und zwei Aquarelle) und anderen.

Gebunden von einem der bedeutendsten Buchbinder des 20. Jahrhunderts: Ignatz Wiemeler (1895–1952). Von 1925 bis 1945 wirkte Wiemeler, der auf Vorschlag Tiemanns als Lehrer an die Leipziger Akademie berufen worden war, im »Mekka der Buchkunst« und hatte dort »seine große Epoche« (Kurt Londenberg). Seinem Freund und Kollegen widmet er den vorliegenden Einband mit einer ungewöhnlich langen »Glückwunsch-Signatur«, vergoldet am Unterrand des hinteren Innendeckels: »MIT ALLEN GUTEN WÜNSCHEN UND IN HERZLICHER VEREHRUNG IGNATZ WIEMELER«. – Bereits 1926 war eine Festschrift zu Tiemanns 50. Geburtstag erschienen und auch diese hatte Wiemeler gebunden (siehe WVZ 92/93).

ChristianHesse