Vorschau 38 : Heinrich Vogeler-Worpswede. Dir. Gedichte.

Berlin, Verlag der Insel bei Schuster & Löffler 1899. Mit zahlreichen kolorierten Illustrationen und Bordüren des Dichters. Originalpergamentband mit blindgeprägter Deckelvignette.

Erste Ausgabe. – Eins von sechs Exemplaren der absoluten Vorzugsausgabe: 40 Exemplare wurden auf Van Gelder-Bütten gedruckt, jedoch nur die ersten sechs vom Künstler eigenhändig koloriert, signiert und nummeriert und in Pergament gebunden. – Heinrich Vogeler stand, wie auch andere Worpsweder Künstler, Illustrationsaufträgen skeptisch, ja ablehnend gegenüber. Noch 1898 äußerte er gegenüber Gerhart Hauptmann und dem Verleger Eugen Diederichs seine Bedenken, durch »plumpe Hand« Dichtung zu »vergröbern und verderben«. Seine Zeichnungen in »Dir« wurden von dem überschwänglichen Rezensenten Johannes Schlaf als »Offenbarung der Seele des jeweils Dargestellten« goutiert, die Dichtungen als »Glossen, die erläutern« (vgl. Worpswede-Moskau, Ausstellungskatalog Worpswede 1989, Seite 131f.) – »Vogeler […] brachte die empfindsame und zugleich gegenständliche Richtung des Jugendstils zu vollkommenem Ausdruck. Die von ihm selbst verfaßten und niedergeschriebenen Verse des Bandes ›Dir‹ von 1899, feinstrichig, schlank und dicht, bilden die wahre Mitte des rahmenden Liniengespinstes aus Blütengewächsen und Geäst« (Schauer I, 47). – Eines der typischsten Bücher des deutschen Jugendstils. – Sehr schönes Exemplar.

ChristianHesse