158 Johann Michael Bossard. Der Held.

25 Farblithographien. 1909/1925. Ca. 56 : 50 cm (68 : 60 cm). Signiert und mit »Aufl. 25« bezeichnet, im Stein monogrammiert und datiert.

Beschreibung

Eins von 25 Exemplaren. – Auf glattem, leicht getöntem Kunstdruckpapier. – Die Lithographien im Stein mit »JB09« monogrammiert und datiert sowie mit »Taf. A« bis »Taf. Z« bezeichnet.– Elf Lithographien mit rein bildlichen Darstellungen, zwölf kombinieren Bild und Text, zwei sind reine Schrifttafeln mit Bordüren.

Der dritte und zugleich letzte graphische Zyklus entstand 1909 im Frühwerk des Künstlers. Die farbige Fassung wurde aber erst 1921/1922 gedruckt. – »[…] einheitlich im Format, einheitlich im Stil […] teilweise von einem literarischen, von Bossard verfassten Text begleitet, der wiederum ganz von der Jugendstilprosa inspiriert ist. […] Der Inhalt ist stark von der germanischen Sagenwelt geprägt«. – Bossards Graphiken beeindrucken durch eine einzigartige Verbindung von Jugendstil und Frühexpressionismus. 1909 ahnte der Künstler in »Der Held« die gesellschaftlichen Erschütterungen durch Krieg und Revolution voraus. – »Die Gestaltung der Blätter steht […] noch ganz im Zeichen dekorativer und symbolistischer Tendenzen. Die mythologische Thematik wurde, geradezu archaisch anmutend, in einem festen Rahmen platziert. Die selbstverfassten Texte wurden vom Künstler in einer eigenen Schrifttype von Hand geschrieben; sie bilden so mit den illustrierten Teilen der Blätter eine gestalterische Einheit« (Tina Lebelt, www.werkverzeichnis.bossard.de).

Johann Michael Bossard (1874–1950) studierte nach Ausbildung zum Ofenbauer im heimischen Zug und Luzern zunächst in München, später in Berlin an den dortigen Kunstgewerbeschulen. Nach ersten Erfolgen als Bildhauer und Graphiker wurde er an die neu gegründete Hamburger Kunstgewerbeschule berufen. 1911 erwarb er ein Grundstück in der Lüneburger Heide und schuf dort in den Folgejahren ein »Gesamtkunstwerk« aus Architektur, Landschaftsgestaltung, Plastik, Malerei und Kunsthandwerk. Nachdem Bossard 1926 seine Schülerin Jutta Krull geheiratet hatte, arbeiteten beide gemeinsam an Bau und Ausgestaltung weiterer Gebäude auf dem Gelände. Es entstanden der »Kunsttempel«, der als einziger »visionär-utopischer Kathedralbau der Zeit des Expressionismus« gilt, und der »Eddasaal«.

Provenienz: Nachlass des Künstlers. – 1977 als Geschenk an Wilhelm Albrecht (Stadtdirektor in Buxtehude und maßgeblicher Initiator der Bossard Stiftung) und seine Ehefrau Ruth, mit Widmung der Witwe des Künstlers, seitdem in Familienbesitz.

Der gelbliche Papierton bei Blatt P durch Lichteinwirkung etwas aufgehellt, Blatt S am Rand etwas gestaucht.

Lebelt/Mayr D 3.1-25

LOT Nr: 25-0158-33 Kategorie: