207 Der Venuswagen.

Eine Sammlung erotischer Privatdrucke mit Original-Graphik. Herausgegeben von Alfred Richard Meyer. Erste Folge, Band II [bis] IX. Berlin, Fritz Gurlitt 1919–1920. Mit 69 Originalgraphiken, davon 62 signiert. Sieben bordeauxrote Originalmaroquinbände mit blindgeprägter Deckelvignette, vergoldeten Rückentiteln und Kopfgoldschnitt; ein Halbpergamentband.

Beschreibung

Fast vollständige Folge einer der schönsten Buchreihen mit erotischer Literatur des frühen 20. Jahrhunderts, die von Alfred Richard Meyer 1919 in schneller Folge herausgegeben wurde. – Bände II–V und VII–IX je eins von 40 römisch nummerierten Exemplaren der Vorzugsausgabe mit den signierten Graphiken, auf starkem Bütten und in Ganzleder gebunden, Band VI eins von 660 Exemplaren (Gesamtauflage 700). – Alle auch im Druckvermerk vom jeweiligen Künstler signiert.

II: E. Jouy. Sappho oder Die Lesbierinnen. 1920. Mit sechs signierten Radierungen von Otto Schoff (Brattskoven 15).
III: Pantschatantra. Fabeln aus dem indischen Liebesleben. 1919. Mit zehn signierten Farblithographien und Buchschmuck von Richard Janthur (Sennewald 19,3).
IV: Alfred Richard Meyer. Das Aldegrever-Mädchen. 1919. Mit acht signierten kolorierten Lithographien von Georg Walter Rössner (Sennewald 19,6).
V: Henry de Kock. Der Mord im Kastanienwäldchen oder Die ereignislose Hochzeitsnacht. Mit sechs signierten Farblithographien von Franz Christophe (Sennewald 19,1).
VI: Heinrich Lautensack. Erotische Votiftafeln. 1919. Mit sieben Lithographien von Willy Jaeckel (Stilijanov-Nedo 86).
VII: Die Königliche Orgie oder Die Österreicherin bei Laune. 1919. Mit neun signierten Lithographien von Paul Scheurich, davon vier im Text (Sennewald 19,5).
VIII: Wilhelm Heinse. Die Kirschen. 1920. Mit sieben signierten Lithographien von Wilhelm Wagner (Sennewald 20,2).
IX: J.-K. Huysmans. Gilles de Rais. Übersetzt von August Döppner. 1919. Mit 15 Lithographien von Willi Geiger (Lang, Expressionismus 70).

Die Reihe war »sowohl in Deutschland als in Oesterreich im öffentlichen Handel verboten und wiederholt konfisziert« (Stern-Szana), was Kurt Tucholsky in der »Weltbühne« zu dem Artikel »Der Zensor geht um!« veranlasste, der in der Bemerkung gipfelt: »Nun will ich mir aber nicht von Herrn Staatsanwalt Orthmann vorschreiben lassen, was ich lesen darf, und wenn das so weiter geht, dann haben wir in vier Wochen eine obrigkeitliche Bevormundung, die sich in gar nichts von Metternichs Zensur unterscheiden wird. Dass Lovis Corinth Präsident der Sezession und Akademieprofessor ist, braucht der Staatsanwalt nicht zu wissen; dass Georg Walter Rößner Lehrer an der staatlichen Kunstschule in Berlin ist, auch nicht. Aber er mag zur Kenntnis nehmen, dass die deutschen Schriftsteller, die deutschen Maler und die deutschen Verleger nicht gesonnen sind, sich den Bütteleingriff eines Mannes gefallen zu lassen, der außerstande ist, einen Nackttanz in der Motz-Straße von einer Radierung Corinths zu unterscheiden«.

30,5 : 23-26 cm. – Band VI nachgebunden.

Hayn/Gotendorf IX, 600 und alle ausführlich unter den Einzeltiteln. – Stern-Szana 53 (mit einer Inhaltsbeschreibung über neun Seiten)

LOT Nr: 26-0207-33 Kategorie: