237 Thomas Mann. Eigenhändiger Brief mit Unterschrift.

Pacific Palisades, 21. Nov. 1945. Drei Seiten.

Beschreibung

An Georges Motschan (1920–1989). – »es ist ein grosser Fortschritt, dass der Kontakt mit der Schweiz sich in einem fast schon bequem zu nennenden Grade wiederhergestellt hat, und ein besonderes Vergnügen war es mir, nun wieder von Ihnen zu hören. Ich habe unsere verschiedenen Begegnungen nicht vergessen […] Es wird Ihnen wohl unterdessen der Offene Brief vor Augen gekommen sein, worin ich – wenigstens zum Teil – die Gründe ausgeführt habe, weshalb ich der Aufforderung, nach Deutschland zurückzukehren, nicht folgen kann. Die aeusseren Grundlagen meines Lebens sind durch diese 12 Jahre doch so einschneidend verändert worden, dass es für mich, einen 70jährigen, zu spät geworden ist, mich wieder auf die alten, übrigens traurig-abenteuerlich veränderten umzustellen. […] Ich bin ziemlich sicher, dass ich mich heute in Deutschland nicht wohler fühlen und nicht weniger Anfeindungen ausgesetzt wäre, als um 1930. […] In meinen Büchern haben die Deutschen das Beste und Wesentliche von mir, und wenn sie wollen, mögen sie es sich zunutzemachen.« – Georges Motschan hatte bereits als siebzehnjähriger Schüler in Zürich aus Verehrung an Thomas Mann geschrieben. 1948 flog der Industriechemiker aus beruflichen Gründen nach New York und besuchte bei dieser Gelegenheit auch das Ehepaar Mann in Kalifornien. Im Goethe-Jahr 1949 erbot er sich, die beiden in seinem geräumigen Buick von Zürich aus nach Stuttgart, Frankfurt und Weimar zu chauffieren. 1952 übersiedelte die Familie Mann endgültig in die Schweiz. – Aus dem Nachlass Tomas Otto, Lübeck.

Auf einem gefalteten Doppelblatt mit dem Briefkopf Thomas Manns.

TM Regesten III, 45/543

LOT Nr: 25-0237-33 Kategorie: