247 Michel Fingesten – Arno Holz. Die Blechschmiede

oder Der umgestürzte Papierkorb. Mysterium. Dazu 20 radierte Improvisationen von Michl Fingesten. Dresden, Petzschke & Gretschel 1917 für den Verfasser. Mit vier Suiten der 20 Radierungen, alle signiert. Originalpergamentband, Vorderdeckel mit einer kolorierten Tuschfederzeichnung von Michl Fingesten, signiert, datiert und betitelt.

»Exemplar des Autors« – mit den Radierungen von Fingesten

Beschreibung

Exemplar 36 von 40 (so die Nummerierung der Radierungen) der Vorzugsausgabe mit Zustandsdrucken, jedoch wohl eher unikales »Exemplar des Autors« (so auf den Radierungen bezeichnet) mit vier Folgen aller 20 Radierungen und zwar je einem Abzug des ersten und zweiten Zustandes auf Japan und je einem Abzug des endgültigen Zustandes auf Japan bzw. Van Gelder-Bütten. – Am Anfang eine Tuschfederzeichnung als zusätzliches Titelblatt mit Widmung des Künstlers »Herrn Heinrich Richard Brinn in Verehrung Michl Fingesten Berlin Januar 1920«. – Mit eigenhändiger Widmung des Verfassers für Heinrich Richard Brinn »Pinsel, Meißel, Hammer, Stift, über alles siegt die Schrift!«, datiert »Berlin, 4.IV.1918«.

1901 war »Die Blechschmiede« – ein »durchtrieben-bösartiges Kaspertheater« (Robert Wohlleben) – erstmals erschienen. In seiner großartigen Literatursatire, die bis zur endgültigen Fassung 1921 von Ausgabe zu Ausgabe anschwoll, parodierte Holz sowohl den Goethekult als auch die zeitgenössische Literatur der Jahrhundertwende. – Drei am Ende des Buches eingebundene Werbeblätter an die Subskribenten erläutern die Entstehung dieser seltenen Variante des Privatdrucks, den Holz 1917 in einer Auflage von 350 Exemplaren in Dresden beauftragt hatte, illustriert von Erich Büttner und Julius Diez. Die Fingesten-Radierungen entstanden auf Anregung eines Berliner Sammlers – wir vermuten den Empfänger des vorliegenden Widmungsexemplars. Arno Holz – auf Michl Fingesten aufmerksam geworden, überrascht und begeistert – entschloss sich, zusätzlich 20 Radierungen für 50 Exemplare der Auflage zu »bestellen« und bat die Bezieher des schon ausgelieferten Buches, dieses noch nicht binden zu lassen, damit man die Radierungen noch einfügen könne. Sehr reizvoll sind die Variationen der verschiedenen Zustände, die teils um Remarquen und ganze Bildteile erweitert wurden. Gedruckt wurden die Radierungen bei O. Felsing, Berlin, die Zustandsdrucke auch mit seiner Signatur.

Provenienz: Exlibris »Heinrich Richard Brinn« (Radierung von Fingesten).

34,5 : 27,2 cm. XIV, [2], 383, [3] Seiten, 80 Radierungen, 1 Zeichnung. – In modernem Schuber.

Nechwatal S. 20

LOT Nr: 26-0247-33 Kategorie: