A-101 Henryk Berlewi – Prospekt Biura Reklama Mechano

(polnisch: Prospekt des Büros »Reklama Mechano«). Warschau 1924. Buchdruck (Typen und Klischees) auf Papier. Originalbroschur mit zweifarbigem Originalumschlag. In privater Leinenkassette mit dem Umschlagmotiv in Farbprägung.

Schätzpreis: 9.500

Startpreis: 7.500

Ihr Gebot (zzgl. Aufgeld & MwSt.)

differenzbesteuert, ermäßigte Mwst
Telefonisch bieten

Was bedeutet "Telefonisch bieten"?

Was gibt es beim Bieten zu beachten?

Beschreibung

Sehr seltene Originalausgabe, eines der bahnbrechenden Dokumente der europäischen Avantgarde. Schon das Cover der kleinen Broschüre ruft deren »Insignien« auf: Ein schwarzes Quadrat und ein roter Punkt werden als graphische Elemente zusammen mit einer serifenlosen Typographie, vertikal und in frei gesetzten Größen, auf dem annähernd quadratischen Blatt arrangiert. – Henryk Berlewi gestaltete die Broschüre für das gemeinsam mit Stanislaw Brucz und Alexander Wat betriebene Werbebüro »Mechano« in Warschau, das von 1924 bis 1926 bestand. Das Heft diente dabei als Eigenwerbung und zeigt beispielhaft den gestalterischen Ansatz von Berlewi. – Im Heft sind Texte und Werbesprüche von Brucz und Wat in der typographischen Gestaltung von Berlewi gesetzt. Dabei folgte er den Grundsätzen seiner »Mechano-Faktur«, einem von ihm entwickelten System von Äquivalenten zu Formen und Farben, die im Bild unabhängig von ihrer materiellen Beschaffenheit in ein Gleichgewicht gebracht werden sollen. Berlewi strebte eine geometrische Abstraktion an, die von der Maschine und nicht von der Hand gefertigt werden sollte. (vgl. Kat. Paris – Berlin: 1900-1933, S. 231).
Dieses Gestaltungsprinzip wendete er auch für seine gebrauchsgraphischen Arbeiten an. – Gedruckt in der Graphischen Anstalt Kozianskich, Warschau. – »Polen war damals das einzige Land Osteuropas, wo der Konstruktivismus, der Suprematismus und die Mechano-Faktur der Allgemeinheit zugänglich gemacht wurden« (Henryk Berlewi. Funktionelle Grafik der zwanziger Jahre in Polen, S. 8).

Henryk Berlewi (1894–1967) studierte in Warschau, Antwerpen und Paris (École des Beaux Arts), bevor er 1922 nach Berlin ging. In diesem Jahr erfand er seine »Mechano-Faktur«. In Berlin lernte er El Lissitzky, Theo van Doesburg, Viking Eggeling und Hans Richter kennen. Zurück in Polen schloss er sich der konstruktivistischen Gruppe »Blok« an, stellte 1924 seine abstrakte Malerei in der Galerie Der Sturm aus und publiziert in Waldens Zeitschrift das »Mechano-Faktur Manifest«. Bereits 1926 kehrte er zur gegenständlichen Malerei zurück. Seine abstrakten Werke, mit denen er optische Illusionen erzeugte, machten ihn zu einem Vater der »Op Art« der 1960er Jahre in der Moderne.

Provenienz: Sammlung Eckhard Neumann (1933–2006, »Wiederentdecker« des Bauhauses). – Berliner Kunsthandel. – Berliner Privatsammlung.
Die Broschüre ist nur vereinzelt bibliographisch nachweisbar und extrem selten. Zuletzt wurde 2019 ein Exemplar aus der Sammlung Paul Destribats bei Christies Paris versteigert.

14,0 : 12,3 cm. [8] Seiten. – Die unteren Blattecken mit minimalem Wasserfleck.

Berlewi Olten 1961, KatNr. 19 mit farbiger Abb. – Andel, Avant-Garde Pagedesign 1900-1950, New York 2002, S. 179. – Vgl. Eckhard Neumann, Berlewi, 1962

Zusätzliche Information
Tax

differenzbesteuert, ermäßigte Mwst

LOT Nr: 24-0101-33 Kategorie: