Ausrufzeit : ca. 12:54 (Zeitplan ohne Gewähr)
Ausführlicher, ebenso herzlicher wie inhaltsreicher Brief an Annelis (Anette) Caspar in Hamburg, möglicherweise die dort studierende Keramikerin (1916–2008). – Im April 1933 hatten die Nationalsozialisten das Bauhaus in Berlin, wohin die Schule nach den Anfeindungen in Dessau umgezogen war, endgültig geschlossen. Nur wenige Monate später verließen die Albers Deutschland und Josef Albers wurde bis 1949 Dozent am Black Mountain College in North Carolina. – »Liebe Casparin, […] So ist auch das gelehrt bekommen nicht so wichtig als die eigene Intensität. Und die dauernd zu vertiefen […] ist künstlerisch wie menschlich ein Hauptproblem.« Albers schildert sein Leben in Amerika und berichtet von einer Reise: »4500 km im Auto durch Florida und etwas Cuba. In Havanna hatte ich 3 Vorträge, eine Ausstellung meiner Holzschnitte und Glasbilder Kartons und eine meiner Unterrichtsarbeiten. Wir hatten richtig Sommer: Wärme, Sonne, Palmen, Bananen, Apfelsinen, Ananas, Zuckerrohr und ich weiß nicht mehr, was alles. […] Zurück, wunderbare Nachricht über meine Holzschnittausstellung in Mailand, die mein Freund Schawinsky, (vielleicht haben Sie ihn in Hiddensee bei uns gesehen) in aller Stille machte.« – »Sie fragen nach den Lehrern in Berlin. […] darüber könnte Ihnen mein Freund Herbert Bayer […] mehr sagen. Ich halte ihn für einen der allerbesten Modernen unter den Reklameleuten. Ich glaube, das Beste wäre, wenn Sie bei ihm arbeiten könnten. […] Alles Gute. Herzlichst. Ihr Albers. Auch von meiner Frau. Wir sind sehr glücklich hier, wir arbeiten in aller Freiheit und bester Atmosphäre.« – Mit eigenhändig adressiertem Kuvert. – Annelis Caspar studierte 1935–38 in Berlin bei Adolf Strübe.