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Suchergebnisse für neue pan 1917

339  Kurt Wolff – Der Neue Pan.

Schätzpreis/Estimate: € 2500

Zuschlag/Hammerprice: € 1700

Eine Monatsschrift für Alte & Werdende Kunst. Leipzig, Kurt Wolff Januar 1917. Mit 54 montierten Abbildungen auf Tafeln und Seiten, davon sieben farbig, fünf montierten Originalschutzumschlagfragmenten und zwei Textabbildungen. Ziegelfarbene Originalbroschur mit weiß lithographiertem Deckeltitel.

Auf dem Vorblatt zwei eingeklebte Notizblätter: »Als Manuskript in zehn Exemplaren gedruckt und nicht für den Handel bestimmt. Das vorliegende Exemplar trägt die Nummer [ ] und ist nach Einsichtnahme umgehend an Kurt Wolff Verlag, Leipzig zurückzusenden«. – »Der Textteil dieses Heftes, das lediglich als Atrappe gewertet werden darf, gibt in keiner Weise ein Bild von Art und Wesen der geplanten Kunstzeitschrift ›Der neue Pan‹. [… Vielmehr] will das vorliegende Heft den zur Mitarbeit Aufzufordernden in der typographischen Gestaltung, im Umfang, der Papierqualität usw. ein annäherndes äußeres Bild der zu begründenden Zeitschrift geben. […] Der Bild-Teil darf ebenfalls nur als andeutendes Beispiel für die illustrative Gestaltung des ›Neuen Pan‹ beurteilt werden.« – Auch die äußere Gestaltung (Format, Titeleinfassung, Versalschrift, &-Zeichen) des Umschlagtitels von Emil Preetorius entspricht schon fast dem Erscheinungsbild des späteren »Genius«. Statt der Vignette verwendete er hier das von ihm 1916 überarbeitete Verlagssignet (lt. Salzmann, 1914 von Walter Tiemann entworfen) und ein kreisförmiges Signet mit den Titelinitialen »DNP«. – Wie später beim »Genius« findet sich das Inhaltsverzeichnis der Texte und Bilder auf einer vorn eingehefteten schmalen Drittelseite.

Es waren »der junge Kunsthistoriker Carl Georg Heise und dessen Freund Hans Mardersteig, die Wolff für den […] Plan einer repräsentativen, sowohl historisch als auch die Gegenwart umfassenden Kunstzeitschrift gewannen. […] Während des Krieges faßten die beiden Freunde Zeitschriftenpläne, für die sie einen Verleger suchten« (Göbel). Carl Georg Heise schildert das schon vor Kriegsbeginn angedachte Konzept: »Es sollte eine Zeitschrift werden nach dem Muster des ›Pan‹, sehr vornehm ausgestattet. Nur das Beste war uns gut genug. Dann kam der Krieg und verlangsamte unsere Bemühungen. […] Kurz entschlossen fuhr ich nach Leipzig, um dem damals schon renommierten Verleger Kurt Wolff unsere Pläne zu entwickeln. Nach anfänglichem Zögern […] gelang es mir, ihn soweit zu interessieren, daß wir detaillierte Pläne vorlegen durften« (Heise). – Anfang 1917 trat Mardersteig in den Verlag ein, »übernahm die Initiative für die Herstellungsarbeiten, gewann Emil Preetorius für die Schaffung des schönen Signets und hat Druck- und Satzanordnung selbständig bestimmt, auch die damals noch relativ seltenen, guten Farbreproduktionen […]« (Heise). »Kurt Pinthus, der auch den Titel der an den Vorbildern ›Pan‹, ›Insel‹ und ›Hyperion‹ orientierten Zeitschrift fand, […] notierte Ende 1918 in sein Tagebuch »Der Titel ›Genius‹ wird geboren« (Göbel). – Der erste Halbjahresband des »Genius« erschien erst 1919, also deutlich nach Kriegsende. Bis 1921 erschienen sechs Halbjahresbände (siehe die folgende Katalognummer).

Außer dem hier vorliegenden unnummerierten Exemplar aus dem Besitz von Hans Mardersteig konnten wir via KVK nur noch ein weiteres in der Sächsischen Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek nachweisen. In keinem der von uns konsultierten Texte von und über Wolff, Mardersteig und Heise werden das Projekt oder der Arbeitstitel erwähnt.

35,5 : 26,2 cm. 80 Seiten, 9 Tafeln. – Umschlag mit leichten Knickfalten.

Nicht bei Göbel, nicht bei Dietzel/Hügel. – Literatur: Karl H. Salzmann, Der Verleger Kurt Wolff, in: Imprimatur XI, 1953. – Carl Georg Heise, Der junge Hans Mardersteig, in: Imprimatur NF III, 1962. – Wolfram Göbel, Der Kurt Wolff Verlag, 1977

ChristianHesse