Ausrufzeit : ca. 13:40 (Zeitplan ohne Gewähr)
Editionsgeschichtlich bedeutendes Typoskript, da der Text, von Kokoschka 1907 verfasst, zunächst als Fortsetzung seines 1908 erschienenen Erstlings gedacht war. Der eigenhändig hinzugefügte Hauptitel »Das Bewußtsein der Gesichte« wurde von Kokoschka später durchgestrichen und darunter mit »Der gefesselte Columbus« ersetzt. – Jedes Blatt mit zahlreichen orthographischen Korrekturen und Änderungen, Einfügungen, Streichungen etc. Mit roter Wachskreide in zwölf Abschnitte unterteilt.
Erstmals wurde der Text in Paul Westheims »Kunstblatt« (1918, Heft 12, Seiten 367–370) veröffentlicht, da noch unter »Fortsetzung der ›Träumenden Knaben‹«). 1920 folgte ein Abdruck unter dem Titel »Der weiße Tiertöter« in der gleichnamigen kleinen Sammlung von Lyrik und Prosa als Heft III/10 der Reihe »Die Gefährten« und in Fritz Gurlitts »Almanach auf das Jahr 1920«. Ergänzt um zwölf Lithographien, die auf frühere Entwürfe zurückgehen, verlegte Fritz Gurlitt den Text schließlich als bibliophile Ausgabe in der Reihe »Die Neuen Bilderbücher« (1921).
Inhalt: Sieben Blätter mit Typoskript und Korrekturen, auf Japanpapier aufgezogen. – Vorgebunden zehn Blätter, davon sechs leer, die übrigen mit dem Originalumschlag des Kataloges zur Auktion 162 Dr. Ernst Hauswedell, Hamburg, 23. XI. 1968, der Katalogbeschreibung (Lot 1893: »Schreibmaschinenmanuskript«), einem Brief von Ernst Hauswedell (»das Manuskript von Kokoschka ist sicherlich aus der Zeit um 1907«) an den Galeristen Wolfgang Fischer, London, sowie der eigenhändigen Widmung von Oskar Kokoschka an eben diesen Käufer: »für den lieben Dichter Wolfgang, der mein Manuscript gefunden hat, eine Ehre für mich. Dein O Kokoschka || 14. III. 69«. – Wolfgang Fischer (1933–2021) arbeitete in den 1960er Jahren in der väterlichen Londoner Galerie Marlborough Fine Art, 1972 eröffnete er Fischer Fine Art, beide Galerien vertraten u. a. Oskar Kokoschka. – Nach dem Kauf in der Hamburger Auktion ließ Wolfgang Fischer die sieben Blätter restaurieren und zusammen mit den Auktionsunterlagen und Kokoschkas Widmung binden.
Provenienz: Aus dem Nachlass Wolfgang Fischer erworben.
Vgl. Raabe/Hannich-Bode 166.7–8. – Vgl. Schweiger, Der junge Kokoschka, Seiten 88ff.
29,0 : 22,0 cm.
english description:
Typescript with handwritten corrections, markings in ink, and red pencil. Circa 1907. Seven pages.
In a later half-maroquin binding with dark green buckram covers and a red-and-gold cover label. A typescript of significant editorial historical importance, as the text, written by Kokoschka in 1907, was initially intended as a sequel to his debut work, published in 1908. The handwritten main title “Das Bewußtsein der Gesichte” was later crossed out by Kokoschka and replaced below it with “Der gefesselte Columbus.” – Each page contains numerous spelling corrections and changes, insertions, deletions, etc. Divided into twelve sections with red wax crayon.
The text was first published in Paul Westheim’s »Kunstblatt« (1918, Issue 12, pp. 367–370), listed at the time as »Fortsetzung der ›Träumenden Knaben‹«. In 1920, it was reprinted under the title »Der weiße Tiertöter« in the small collection of poetry and prose of the same name as Issue III/10 of the series »Die Gefährten« and in Fritz Gurlitt’s »Almanach auf das Jahr 1920«. Supplemented by twelve lithographs based on earlier sketches, Fritz Gurlitt finally published the text as a bibliophile edition in the series »Die Neuen Bilderbücher« (1921).
Contents: Seven sheets with typewritten text and corrections, mounted on Japanese paper. – Bound together: ten sheets, six of which are blank; the remaining sheets include the original cover of the catalog for Auction 162 of Dr. Ernst Hauswedell, Hamburg, November 23, 1968, the catalog description (Lot 1893: »Schreibmaschinenmanuskript«), a letter from Ernst Hauswedell (»das Manuskript von Kokoschka ist sicherlich aus der Zeit um 1907«) (transl.: “the manuscript by Kokoschka certainly dates from around 1907”) to the gallery owner Wolfgang Fischer, London, as well as Oskar Kokoschka’s handwritten dedication to this very buyer: »für den lieben Dichter Wolfgang, der mein Manuscript gefunden hat, eine Ehre für mich. Dein O Kokoschka || 14. III. 69« (transl.: “for the dear poet Wolfgang, who found my manuscript—an honor for me. Yours, O Kokoschka || March 14, 1969”). – Wolfgang Fischer (1933–2021) worked in the 1960s at his father’s London gallery, Marlborough Fine Art; in 1972, he opened Fischer Fine Art. Both galleries represented Oskar Kokoschka, among others. – After purchasing the works at the Hamburg auction, Wolfgang Fischer had the seven sheets restored and bound together with the auction documents and Kokoschka’s dedication. Provenance: Acquired from the estate of Wolfgang Fischer.