Ausrufzeit : ca. 13:42 (Zeitplan ohne Gewähr)
An Robert Wurmfeld, Leiter des Emergency Rescue Committee, das sich von 1940 bis 1942 für Flüchtlinge aus dem von Nazideutschland besetzten Frankreich einsetzte. – Der Name des Schriftstellers, für den sich Wurmfeld bei Thomas Mann einsetzte, wurde im Brief später aus unerfindlichen Gründen mehrfach mit Schreibmaschine überschrieben und nahezu unleserlich gemacht. – »Natürlich würde ich XXXXX sehr gern behilflich sein, [statt »rascher« handschriftlich:] literarisch in Amerika Fuss zu fassen und hoffe auch, dass ich mit der Zeit einmal die Möglichkeit dazu haben werde. Zur Zeit bin ich von hundert Geschäften […] so in Anspruch genommen, dass ich knapp meine persönliche Arbeit daneben aufrecht erhalten kann, und Artikel zu schreiben, ist mir völlig unmöglich. Was ich damals in Zürich üXXXXXXXXesagt habe, ist mir leider nicht zur Hand.« – Nach sichtbar gebliebenen Buchstabenfragmenten und dem Hinweis auf eine Zürcher Ansprache handelt es sich um Wurmfelds Gesuch für Fritz von Unruh (1885–1970), der seit 1935 in Südfrankreich lebte und 1939/40 über Spanien in die USA fliehen konnte. – Am 20. März 1936 hatte Thomas Mann in Zürich eine Lesung von Fritz von Unruh mit einer Rede eingeleitet (TB III, 278: »Nach meiner Vorrede las Unruh mit erfreulicher Verve […]«). Ende August 1940 hatte Thomas Mann den Schriftstellerkollegen erfreut in Freiheit und Sicherheit begrüßt. Am 19.9. übersandte er ein »in ziemlicher Hast« abgefasstes Gutachten für Unruhs Einreisegesuch, am 4.11. schrieb er bedauernd, dass Unruh nicht auf dem Empfang des Emergency Rescue Committee gewesen sei. – Noch ein Jahr vor Thomas Mann besuchte Fritz von Unruh nach Kriegsende das befreite Deutschland und hielt am 18. Mai 1948 seine berühmte Rede »An die Deutschen« in der Frankfurter Paulskirche.
Nicht in den Regesten, vgl. aber 40/423, 441 und 458
Zweifach gefaltet, dort rückseitig leicht gebräunt und mit winzigen Randeinriss.